Berlin, 17. März 2017. Vor Kurzem präsentierte Kanzlerkandidat Martin Schulz die Zielgruppe seines Wahlkampfs: hart arbeitende Menschen. Die Kollegen von Spiegel bis Anne Will fragten sich daraufhin, ob Deutschland überhaupt ein Gerechtigkeitsproblem hat. Den Zahlen nach gilt im Großen und Ganzen der berühmte Satz der Kanzlerin: "Deutschland geht es gut." Keineswegs selbstverständlich also, abstiegsbedrohte Arbeitnehmer ins Zentrum des Interesses zu rücken. Trotzdem hat im Deutschen Theater Berlin Bastian Kraft nun Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" auf die Bühne gebracht.
Regisseur Björn Grünke gibt zu unterschiedlichen Aspekten eine kurze Einführung in die Inszenierung von "Tod eines Handlungsreisenden". Klicken Sie auf eines der folgenden Themen und hören Sie sich jeweils einen kurzen Audiokommentar an:
Arthur Millers mit Preisen überschüttetes Stück ist eine auch aus heutiger Sicht noch beklemmende Charakterstudie eines Menschen, der in einer rein profitorientierten Gesellschaft zum Verlierer werden muss. In Zeiten von Hartz IV und weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrisen ist es aktueller denn je.
Tod eines Handlungsreisenden (Originaltitel: Death of a Salesman) ist das bekannteste Drama Arthur Millers aus dem Jahre 1949, für das er noch im selben Jahr mit dem Pulitzer-Preis für Theater ausgezeichnet wurde. Die Welturaufführung am Broadway wurde 1949 von Elia Kazan inszeniert. Die Hauptrolle des Willy Loman spielte in dieser Inszenierung Lee J. Cobb.
Tod eines Handlungsreisenden beschreibt den Konflikt zwischen dem 63 Jahre alten Handlungsreisenden William "Willy" Loman und dessen 34-jährigen Sohn Biff. Willy Loman ist ein innerlich zerrissener Mensch, dessen Leben in einer Welt stattfindet, in der sich für ihn Vergangenheit und Gegenwart vermischen (in mehreren Szenen spricht er mit Personen, die nur in seiner Vorstellung anwesend sind, oder es werden Rückblicke gezeigt, manchmal vermischt sich auch beides). Biff hat seinem Vater nie verziehen, dass er einst seine Mutter mit einer anderen Frau während einer Geschäftsreise betrogen hat, geht deswegen nicht zur Sommerschule, bekommt seinen Abschluss nicht, kann nicht studieren und schlägt sich mit vielen verschiedenen Jobs durchs Leben.
Gegen Ende des Dramas spitzt sich der Vater-Sohn-Konflikt zu, bis Biff seinem Vater zeigt, wie sehr er ihn liebt. Er bewegt ihn dazu, Wahrheit und Realität zu akzeptieren und verabschiedet sich für voraussichtlich lange Zeit von ihm. Willy Loman ist zum Selbstmord entschlossen, damit seine verarmte Familie, vor allem Biff, aufgrund eines vorgetäuschten Autounfalls seine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt. Sein toter Bruder Ben, den er wie einen Vater bewundert und kaum gekannt hat und mit welchem er sich mehrfach "unterhält", erinnert ihn an sein Vorhaben.
Das Drama beschreibt exemplarisch einen in jungen Jahren erfolgreichen und im Alter erfolglosen Verkäufer (Fluch des Vertriebs), der den ausbleibenden Erfolg bis hin zum Verlust seines Arbeitsplatzes durch den neuen jungen Chef durch eine einzige Lebenslüge nach dem Motto mehr Schein als Sein zu kaschieren sucht. So ist Willy sogar zu stolz, den ihm von seinem erfolgreichen alten Freund und Firmenchef angebotenen Arbeitsplatz anzunehmen, schnorrt stattdessen weiterhin Geld von diesem und gibt seiner Familie vor, weiterhin jeden Tag zu seiner verlorenen Arbeit zu gehen.
Der kleine Angestellte Willy Loman ist verunsichert. Am Ende eines fleißigen Arbeitslebens als Handlungsreisender scheint sein ewiger Traum sich zu verflüchtigen: Der Traum, erfolgreich und auf etwas Stolz sein zu können. Der Traum von Anerkennung und einer glücklichen Familie. Sein kleiner Traum vom Mittelstandsleben. Denn Loman wird in seiner Firma wegrationalisiert. Sein Sohn Biff rebelliert gegen die hochgesteckten Pläne, die sein Vater für ihn hat. Sein anderer Sohn Happy fühlt sich ungeliebt und unbeachtet. Seine Frau verbraucht sich bei dem Versuch, die Familie ökonomisch und emotional in der Balance zu halten. Als es finanziell immer enger wird, muss sich Loman seiner Lebenslüge stellen.
Großen Beifall gab es für die Premierevorstellung "Tod eines Handlungsreisenden" am vergangenen Samstag. Den durfte sich der junge Regisseur Tim Tonndorf für seine frische und zeitgemäße Inszenierung genauso zu Recht abholen wie das Schauspielensemble für seine klasse Leistung auf der Bühne. [...]
So lässt sich erkennen, dass ein persönlich sinnstiftendes, überindividuell bedeutsames, menschliches Dasein entwickelt werden kann in kritischer Erkenntnis der eigenen Gesellschaftlichkeit, produktiver Anteilnahme mit Seinesgleichen und dem solidarischem Wirken für allseits menschenwürdige Lebensverhältnisse. Der Markt ist nicht das Ende der Geschichte. Die Menschheit hat besseres verdient. Heute mehr denn je. Freude sei der Maßstab des Gelingens.
Neuverfilmung des tragischen Bühnenstücks von Arthur Miller um einen Vertreter, der im Alter mit verpaßten Lebenszielen, finanziellen Problemen, unerfüllten Wünschen und dem harten Berufsleben nicht mehr klarkommt. Subtile Schilderung der Psyche eines Opfers des American Way of Life.
Vorstellungsänderung: Aus dispositionellen Gründen zeigen wir am 4.12. statt der geplanten Vorstellung von My Private Jesus eine Vorstellung von Tod eines Handlungsreisenden. Gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit. Ticket-Käufer:innen werden von uns per Mail über die Umtausch- und Rückerstattungsmöglichkeiten informiert.
Der Film erzählt die Geschichte eines Paares aus der urbanen iranischen Mittelschicht. Sie sind gebildet, an Kultur interessiert und führen eine gleichberechtigte Ehe. Durch den Verlust der Wohnung werden sie beide mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert und durch eine Gewalttat vor existenzielle Fragen gestellt. Wie in Millers Drama aus dem New York der Nachkriegszeit funktionieren auch die gewohnten Sicherheiten im gegenwärtigen Teheran nicht mehr. Die Rollen auf der Bühne werden zu Spiegelbildern des sozialen Lebens. Sowohl im Verhältnis untereinander als auch zu ihrer Umgebung müssen Emad und Rana sich neu orientieren. Dabei gelingt es Regisseur Asghar Farhadi, der Suche nach dem Gewalttäter, dem Thema von Strafe und Schuld und dem schwierigen Umgang mit einer traumatischen Verletzung immer neue Wendungen abzugewinnen. The Salesman stellt die Frage, was geschieht, wenn die Fundamente von Moral und Religion sich auflösen und soziales Vertrauen verloren gegangen ist.
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