Man kann Riester grundsätzlich schon mit einbeziehen, wie Klaus schon richtig geschrieben hat, ist es immer vom einzelnen Fall abhängig.
Riester ist grundsätzlich erstmal kein schlechtes Konstrukt (über die Hintergründe der Einführung mit Maschmeyer und Konsorten kann man dann schon wieder anderer Meinung sein...), es hängt in erster Linie davon ab, für welches Riesterprodukt man sich entscheidet. Aus meiner Sicht steht der Riesterfondssparplan ganz oben (Sachwerte, aber bitte keine vordiskontierte Variante, bei der die Provisionen alle zu Anfang fällig werden...), dann der Wohnriester (da kalkulierbare, wenn auch nicht hohe Rendite und Investition in das eigene Haus), schließlich noch Banksparpläne und Riesterrentenversicherungen. Die letzten beiden haben aus meiner Sicht in den nächsten Jahren nicht wirklich viel Potenzial, da sie zu nahezu 100% im festverzinslichen Bereich investieren.
Man muss es im Einzelnen durchrechnen, vielleicht drei grundsätzliche Tipps zum Thema Kombi Bankdarlehen mit Bausparverträgen (gleich ob mit oder ohne Riesterförderung):
- Ein Bausparvertrag hat den Vorteil, dass er bereits heute den künftigen Zins zusagt und man somit quasi sein Darlehen von Anfang bis Ende durchkalkulieren kann. Daher ist er für sicherheitsaffine Kunden nach wie vor eine gute Wahl. Allerdings sollte man hierbei bedenken, dass die Rückzahlungsraten in der Darlehensphase meist sehr hoch sind. Dies hat zwar einerseits den Vorteil, dass das Darlehen dann schneller zurückgeführt wird - andererseits kann es bei hohen Bausparsummen durchaus knapp in der Haushaltskasse werden. Häufig liegen die Raten zwischen 4 und 8 Promille - letzteres häufig bei den Tarifen mit den wirklich attraktiven Darlehenszinsen. Konkret bedeutet dies, dass für einen Bausparer mit Summe 100.000€ allein eine monatliche Rate von bis zu 800€ fällig werden können! Die Variante, nur einen Teil der gesamten Finanzierung über Bausparer gegen steigenden Zinsen abzusichern, greift meiner Meinung nach daher ins Leere: So hätte man für den nicht gesicherten Teil des Darlehens durch den hohen Anschlusszins eine höhere Rate und für den Bausparteil ebenso...
- Die Zukunftssicherheit erkauft man sich mit einem bis zur Zuteilung des Bauspardarlehens äußerst mager verzinstem Vertrag. So werden häufig nur 0,25-0,5% Guthabenszinsen auf die eingezahlten Beiträge gewährt. Hat man auf der anderen Seite jedoch ein Bankdarlehen mit bspw. 2% Zinsen, "verliert" man einiges an Rendite. Schließlich bringen auch die Tilgungen eine (wenn auch nicht mit Pluszeichen sichtbare) Rendite, da man sich auf jeden getilgten Euro künftig die vereinbarten Zinsen spart. Häufig bieten nun aber Banken die Kombination Festdarlehen (nur Zinsen, keine Tilgung) und Bausparer an: Hier wird das Darlehen bis zur Zuteilung des Bausparers nicht getilgt und die komplette Summe dann durch die Bausparkasse abgelöst. Im Angebot steht dann meist: "Sondertilgungen sind jederzeit in beliebiger Höhe möglich." Klingt super, unter Sondertilgung wird hier aber eine Einzahlung auf den Bausparer verstanden (0,x% Zins), die selbtsverständlich deutlich weniger bringt als eine Sondertilgung auf das höhere verzinste Bankdarlehen. Daher empfehle ich - wenn Zinssicherheit über die komplette Laufzeit gewünscht ist - eher ein normales Annuitätendarlehen zu nehmen (mit dann etwas niedrigerem Tilgungssatz und oft 15 Jahren Zinsbindung) und auf die zu erwartende Restschuld dann einen passenden Bausparer anzusparen (oder mehrere kleinere Verträge, wenn z.B. Riester integriert werden soll). So hält man sich die Möglichkeit offen, Sondertilgungen optimal einzusetzen.
- Grundsätzlich sollten alle, denen es aktuell um möglichst umfassende Zinssicherheit geht, sich auch ein Angebot ohne Bausparvertrag aber mit zB 25- oder 30jähriger Zinsbindung durchrechnen lassen. Je nach Einzelfall und Beleihungsauslauf kann die Variante Bank/Bausparer oder 25er/30er-Darlehen günstiger sein. Die Kosten lassen sich gut nebeneinander legen und man kann zB auch einen "break-even"-Zins errechnen, um überhaupt erst einmal zu sehen, wie hoch die Zinsen wieder gehen müssen, damit die Bausparkombi letztlich die günstigere Variante ist. Prinzipiell ist ein Bausparer immer eine Wette bzw. die Zahlung einer "Sicherheitsprämie" (Abschlussgebühr und niedrige Guthabenverzinsung). Bleiben die Zinsen langfristig niedrig, so bekommt man diese nicht zurück. Wichtig aber noch zu erwähnen: Bleiben die Zinsen niedrig, so kann man selbstverständlich auch auf das Bauspardarlehen verzichten und mit einem normalen Bankdarlehen die Anschlussfinanzierung vornehmen. Hierzu nimmt man dann lediglich das Guthaben aus dem Bausparer heraus, leistet eine Sondertilgung und finanziert den Rest normal weiter. Man wäre dann also nicht auf den u.U. höheren Darlehenszins der Bausparkasse festgelegt. Auch bei Annuitätendarlehen mit längeren Zinsbindungen ist man nicht auf ewig gebunden: Nach BGB §489 kann jedes Darlehen 10 Jahre nach Vollauszahlung mit mit einer Frist von 6 Monaten gekündigt und dann ohne Vorfälligkeitabgelöst werden.
Letztlich ist alles vom Einzelfall und vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis abhängig: Bleiben die Zinsen niedrig, "gewinnen" diejenigen, die mit kürzeren Laufzeiten und durch die dann niedrigeren Zinssätze und fehelnden Bausparraten monatlich höhere Tilgungen fahren können. Steigen die Zinsen hingegen stark an, so freuen sich die "Absicherer", die jetzt längere Zinsbindungen und/oder Bausparer gewählt haben. Die Abrechnung kann man leider erst nach der letzten Zahlung erstellen, das ist das Fiese an der Sache :).
Was aber tatsächlich jeder tun sollte: Die Schubladen nach alten Bausparverträgen durchsuchen! Teilweise schlummern da noch echte Schätze, die u.U. noch um die 4% Verzinsung einbringen. Diese kann man dann gut in die Finazierung mit einbringen, indem man sie wieder bespart (allerdings nur mit der Regelsparsumme und nicht übersparen) und dann die hochgerechnete Summe nach Ablauf der Zinsbindung als Sondertilgung einplant. Dadurch macht man einerseits einen ordentlichen Zinsgewinn und kann - wenn die Finazierung mit Bausparvertrag geplant wird - die Höhe des neuen "Finanzierungs-Bausparers" um die zu erwartende Summe aus dem alten "Spar-Bausparer" reduzieren. Spart jetzt Abschlussgebühr und später monatliche Belastung, plus monatlicher Zinsgewinn.
Wenn die Eltern/Oma/Opa noch so ein Teil irgendwo rumliegen haben: Die Verträge kann man auch übertragen lassen.
Ihr solltet Euch nur vorher darauf einstellen, dass Ihr dann von der Bausparkasse Anrufe/Besuche bekommt, dass man doch jetzt neue, bessere Tarife habe und ein Wechsel sinnvoll sei. Die hohen Zinsen der Altverträge möchten sie eben nur ungern zahlen. :) Dies abblocken und eventuell folgende Schreiben zur Zuteilung einfach ignorieren...
Viele Grüße
Marc