seminar: sufismus, tag 5, "Gründung von Bruderschaften"

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al-shaaq

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May 27, 2010, 2:08:31 PM5/27/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum, Caner Köseoğlu, Daniela Bielefeld, Daniela Holz, Daniela Neveling, Hacer Tan, Julian Staepke, Lampros Tsoutsas, Luka Pilić, Ouafaa Rakabi, Said Okka, Thomas Kauert, Ursula Dreier, Waltraud Engels, Werner Timm, Ümit Özdemir
liebe freunde der mystik,

nachdem wir uns nun einige zeit lang mit individuellen "heroen" der
islamischen mystik beschäftigt haben, wenden wir den blick jetzt auf
die gemeinschaften der mystiker!

zur einstimmung möchte ich den blick ganz weit richten und nach der
bedeutung von spirituellen gemeinschaften überhaupt fragen! finden wir
diese art von gemeinschaften in allen religionen? was sind die
schlüsselmomente in der entstehung von mystischer gemeinschaft? kann
es so etwas in einer hoch technisierten gesellschaft überhaupt noch
geben? oder sind das nur rückständige relikte vergangener epochen?

widersprechen sich individuelle mystische erfahrung und das leben nach
den regeln einer gemeinschaft?

würden auch "sekten" in den blickwinkel unseres interesses fallen
können?

wie stellt sich die institutionalisierte religion zu den
gemeinschaften?

welche erfahrungen habt ihr mit mystischer und spiritueller
gemeinschaft gemacht?

ich bitte um eure wortmeldungen!

möge das licht mit euch sein! :)
Stefan

al-shaaq

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May 30, 2010, 8:52:06 AM5/30/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
von ÜMIT:

"ich denke, dass in einer hoch technisierten und modernen
gesellschaft
fast in allen religionen eine spirituelle religionsgemeinschaft gibt.
ich würde auch behaupten, dass ein interesse für solche
religionsgemeinschaften gering ist. da wir in einer
konsumgesellschaft
leben wo man täglich neue informationen aufnimmt und vielen anderen
tätigkeiten nachgehen muss.
aufgrund dieser tatsache können die menschen ihren blick auf mystik,
mystische momente, mystische erfahrungen nicht wenden. die
konzentration der menschen ist heutzutage breit gestreut, darum ist
das interessen an einer gemeinsamen mystische gesellschaft nicht von
großer bedeutung ist.
individuen gehen heutzutage hauptsächlich ihren eingenen interessen
nach."

al-shaaq

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May 30, 2010, 8:56:03 AM5/30/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum, Ümit Özdemir
lieber Ümit,

verstehe ich dich richtig: also eine art konkurrenz zwischen...

KONSUM/Zerstreuung vs. mystischer Gemeinschaft/Erfahrung

dann wäre also unsere gesellschaft eher anti-mystisch?

Caner

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May 31, 2010, 1:39:24 PM5/31/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Hallo alle zusammen,

ich möchte mich nur noch einmal zu dem kleinen Problem heute äußern,
dass wir gegen Ende des Seminars hatten, nämlich die Richtigstellung
des Begriffs "Ribat".

Nun habe ich noch einmal nachgeschaut und zusätzlich zu dem, was in
der für die heutige Sitzung gedachten Pflichtlektüre stand
(Trimingham), steht in der Encylopaedia of Islam, "dass es eine weit
gegriffene Schlussfolgerung bzw. eine Missinterpretation ist, die
Ribat als muslimisches Militärlager zu bezeichnen. Weiter heißt es
[...], dass "es nicht bestritten werden kann, dass die urbanen
Residenzen (gemeint also diese kleinen "Wohnorte") kontinuierlich als
Ribat bekannt waren." Ursprünglich waren dies Hospize für arme Leute
(davon sind unsere Sufis ja nicht weit entfernt). Ursula, was Du
vielleicht meintest ist das Wort rabat (mit dem emphatischem "d"
daad), nicht mit dem emphatischen "T" ta). Dies kann nämlich
tatsächlich Lager heißen, r-b-d = lagern. Aber auch hier ist die
Bezeichnung Militärlager ein wenig schwierig. Und Ägypten hattest Du
auch erwähnt, meine ich. In der EI steht, dass der Begriff Ribat in
Ägypten eher nicht existierte, dort eben Khanqah, wovon wir bereits
mehrmals gesprochen haben, aber eben auch als Armenhospiz. Ribat
bleibt also für uns erst einmal ein Beobachtungsposten in den neu
eroberten Gebieten und später (etwa im Maghreb, genauer: Marokko), ein
Armenhospiz.

Solche Militärstätten (-lager) - wie bereits erwähnt - wurden bereits
zu Zeiten der Abbasiden verwendet, übernommen allerdings aus dem
persisch-koranischen Begriff "Dschund". Das ist der Begriff, den wir
gesucht haben. Wie die Muslime diese Militärlager zu Zeiten den
Propheten bei den ersten (muslimischen!!) Eroberungen genannt haben,
mag ich hier nicht festlegen.

Beide Aussagen sind in der EI nachzulesen: Artikel: Ribat und Djund.

Liebe Grüße an alle,

Caner
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