seminar: sufismus, tag 7, "die Bektashi"

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al-shaaq

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Jun 14, 2010, 11:55:56 AM6/14/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum, Caner Köseoğlu, Daniela Bielefeld, Daniela Holz, Daniela Neveling, Hacer Tan, Julian Staepke, Lampros Tsoutsas, Luka Pilić, Ouafaa Rakabi, Said Okka, Thomas Kauert, Ursula Dreier, Waltraud Engels, Werner Timm, Ümit Özdemir
liebe freunde der mystik,

danke für die anregende diskussion heute vormittag!

die folgenden fragen konnten mein interessen nachhaltig wecken:

- was ist "synkretistisch"? ist es ein neutraler begriff? wird der
begriff als "herrschaftsinstrument" der herrschenden religionen
eingesetzt? sind die Bektashi überhaupt wirklich synkretistisch, wenn
sie sich, wie Ursula sagte, aufgrund ihrer "heterodoxie" (noch so ein
wort!) hervorragend an verschiedenste umweltbedingungen anpassen
konnten.

- ist das dreieck aus "Allah, Mohammed, Ali" wirklich ein pendant zur
christlichen dreifaltigkeit?

- und vor allem: in welchem verhältnis stehen BEKTASHI und ALEVITEN?

darüber bitte ich euch auch um rückmeldung, was Daniela und Daniela in
ihre beiden referatpapiere aufnehmen sollen!

bis nächsten montag und viele grüße
Stefan

Danyal Faqir

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Jun 14, 2010, 3:01:13 PM6/14/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Irgendwie find ich es ziemlich problematisch die Dreiheit Allah,
Muhammad, Ali, mit der "heiligen Dreifaltigkeit" gleichzusetzen. Diese
christliche Vorstellung geht ja davon aus, dass Vater, Sohn und
heiliger GEIST im Grunde eins sind. Ich bezweifle doch stark, dass ein
Bektashi auch sagen würde, dass Allah, Muhammad und Ali eigentlich
eine Entität sind, also dass Muhammad und Ali auch Gott sind.
Außerdem...müsste man dann nicht annehmen, dass auch Muhammad Sohn
Gottes ist und seine Mutter ebenfalls einer unbefleckten Empfängnis
zuteil wurde und dass Ali eigentlich gar kein Mensch war, sondern ein
Geist??? Das macht wenigsten für mich alles nicht viel Sinn.

Wie sieht es eigentlich mit dem Begriff "Patchwork-Religion" aus?
Meint der das gleiche wie Synkretismus, nur noch ne Ecke abwertender?
Oder kann dieser neumodische Begriff nur auf "individuelle
Synkretismen" angewandt werden?

Was die Referatspapiere angeht: Da hätte ich gerne den Teil über Haji
Bektash Veli drin, da ich den auf Grund meines Zuspätkommens nicht
mitgekriegt habe und dann vor allem den Teil über den Synkretismus.
Was mir auch noch nicht ganz klar ist, ist welche spirituelle Funktion
denn jetzt der Alkohol wirklich innerhalb des Cem erfüllt...eigentlich
ist Alkohol ja nicht die Droge, die man unbedingt mit spirituellen
Erlebnissen assoziert...

Daniela Holz

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Jun 14, 2010, 5:20:57 PM6/14/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Hallo,
ich wollte mal zwei Videos zur Cem- Zeremonie einstellen. Leider ist
eines davon in schlechter Qualität, das andere wohl von einer Fernseh-
Show, aber man kann in beiden die wesentlichen Dinge erkennen.

http://video.google.com/videoplay?docid=913669781901864993#

http://www.youtube.com/watch?v=-O-uruUKS2Y

Zu dem Verhältnis Bektaschi- Aleviten:
ich habe gelesen, dass moderne Aleviten und Bektaschi Gruppen
darstellen wollen, dass es kaum Unterschiede gibt; hier ein Zitat:


„Es gibt keinen Unterschied im Weg, nur in den Praktiken“

Jedoch sollen, nach historisch-sozialer Sicht, die Bektaschi mehr zu
der städtischen Gemeinde und die Aleviten mehr zu der Landbevölkerung
gehört haben.
Wie gesagt; das habe ich gelesen. Ob es stimmt ist die andere Frage...


Lg

al-shaaq

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Jun 16, 2010, 10:14:01 AM6/16/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum, Caner Köseoğlu, Daniela Bielefeld, Daniela Holz, Daniela Neveling, Hacer Tan, Julian Staepke, Lampros Tsoutsas, Luka Pilić, Ouafaa Rakabi, Said Okka, Thomas Kauert, Ursula Dreier, Waltraud Engels, Werner Timm, Ümit Özdemir
liebe leute,

Luka hat einen text zu den Sufis im Osmanischen Reich eingestellt und
folgende einleitung dazu gemacht:
-----------------
Hallo,
das mit dem Synkretismus und Foucault hat mich nicht in Ruhe
gelassen.
Von daher hab ich mal recherchiert was es so an Arbeiten über die
Gouvernmentalität im Osmanischen Reich gibt. Der Text von Ömur
untersucht das Verhältnis vom Modernisierungsprozess (Tanzimat) und
wie die Sufi-Orden da reinpassen:
This study presents the transformed relationship between the state
and
the Sufi orders in the Ottoman Empire as the outcome of its
affiliation with the modernization process in the nineteenth century.
The study focuses on the institutionalization of the Ottoman Sufis
and
the state regulations regarding them, and it aims to provide a survey
of how the state attempted to amend the Sufi orders. The reforms
introduced by Sultan Mahmud II are discussed, and this investigation
is complemented by analysis of the regulations of the Tanzimat. The
study concludes that the income level of the tekkes was drastically
reduced and the privileged status of the Sufi orders eroded through
two particular decrees.
Gruß
L

al-shaaq

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Jun 16, 2010, 5:01:19 PM6/16/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
hier noch ein Statement von Ümit:

------------------------------------------------
also was die dreifaltigkeit angeht, so habe ich die gleiche bzw. eine
ähnliche meinung wie danyal faqir.
ich glaube nicht, dass die aleviten damals und auch heute so weit
gehen würden um so etwas zu behaupten. auch wenn
nach der meinung ursulas, die bektashi aleviten sich möglicherweise an
umweltbedigungen angepasst hätten. das wäre zu viel des guten denke
ich.
meine persönliche meinung zum synkretismus ist, dass man vielleicht
einige dinge mit in die religion aufnehmen kann, die jedoch nicht
an den fundamentalten stützen einer religion auswirkungen hat. zum
beispiel: man kann nicht etwas legitimieren was zuvor verboten wurde.
d.h. wenn im koran festgelegt wurde du sollst kein alkohol
konsumieren, dann kann keine andere geistliche richtung im islam das
gegenteil behaupten.
aber im heutigen alevitentum wurde so viel relativiert und anders
ausgelegt das sie schon teilweise den fünf säulen des islams
widersprechen.
ich bin der überzeugung, dass die ursprünglichen bektashi aleviten
sich von ihren glaubensgenossen die sunniten und schiiten kaum zu
unterscheiden wären.
im laufe der zeit, sind diese womöglich von ihrer religiösität
distanziert worden. die selbe entwicklung ist auch heute bei den
jungen muslime zu beobachten.
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