seminar: islam auf dem balkan, tag 4, "Islam im Osmanischen Reich"

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al-shaaq

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May 9, 2010, 3:07:04 PM5/9/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum, Aliye Incekan, Anna Nickel, Janina Mitwalli, Lampros Tsoutsas, Liliya Slavskaya, Luka Pilic, Lukas Augustin, Merle Poth, Miriam Merjam Ljakić, Nejla Kujović, Ouafaa Rakabi, Reyhan Aksu, Sabine Delkus, Sevki Yildirim, Thomas Kauert
liebe leute,

am vierten tag unseres seminars erreichen wir den inhaltlichen kern
unseres blickes auf den balkan ... den Islam!

der Islam... ja ja, der Islam.

Thomas schrieb mal zu Beginn in seinem Blog:

"Unsere Seminarschlagwörter sind "Islam" und "Balkan". Während
ersterer Begriff noch nahezu selbsterklärend ist (...)"

dann schauen wir doch mal wie selbsterklärend unser lieber Islam bei
den Osmanen und damit auch auf dem Balkan ist!

wohin soll unsere reise gehen?

ich bin gespannt auf eure ideen, kommentare und vorschläge!

balkanische grüße
Stefan

Reyhan Aksu

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May 12, 2010, 5:21:16 PM5/12/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Islam im Osmanischen Reich:

hmmm.... mal überlegen, was ich bei Frau Louhichi noch so gelernt
habe^^
Eine Darstellung des Osmanischen Reich ist nicht denkbar ohne die
Darstellung dessen, was die osmanische Gesellschaft prägte. Dazu
gehören die theoretische wie praktische bzw. politische
Ideengeschichte islamischer Denkmuster. Diese basieren auf islamisch –
türkischen Legitimations- und Gesellschaftskonzepten, hauptsächlich
des sunnitischen Islams. Dies erfordert eine Einführung in die Rechts-
und Glaubensgeschichte, eine Betrachtung der einzelnen Träger dieser
Tradition und deren Bildung (Ilmiye/Seyhülislam/Derwische/Bildung).
Die Sunna im OSMANISCHEN REICH:
Im Osmanischen Reich bildete der sunnitische (hanafiticher Schule)
Islam die Grundlage des Glaubens. Dabei bedeutet (sunna ) Herkommen/
Brauch das Trachten eines gläubigen Menschen nach Brauch und Herkommen
zu leben und zu handeln. Der Inhalt des Brauchs ist in den vom
Propheten Muhammad überlieferten Lehren und Aussprüchen gegeben
(hadithe).
Die Ulema im Osmanischen Reich:
Die einzige Möglichkeit, Veränderungen in dem System vorzunehmen,
blieb in der Erteilung eines Rechtsgutachten (fetwa). Andere Arten von
Reformen wurden als unzulässige, dem Herkommen widersprechende
Neuerungen (bit`at), von der Ulema (Rechtsgelehrten) abgelehnt.
Die Ulema im Osmanischen Reich wurde geprägt durch die Ilimiye. Unter
Ilimiye (Ilmiye Sinifi/ wissenschftliche Laufbahn) versteht man die
gesellschaftliche Gruppe (Korps) der Schriftgelehrten (die
eigentlichen Männer der Feder) im Osmanischen Reich. Diese
institutionelle für das Osmanische Reich charakteristische Gruppe,
bestimmte das religiöse Erziehung- und Rechtswesen und die damit
verbundenen Verwaltungs- und Aufsichtsfunktionen im Staat. Sie waren
als behördliche Vertreter die Bindung und Identifikation zwischen
Beherrschten (raya) und dem osmanischen Staat.
Die oberste Aufsicht im verwaltungstechnischen und religiösem Sinne
wurde im Amt des Scheich ül-islam im Laufe des 15. Jahrhundert
institutionalisiert. Damit wurde eine verbindliche und einheitliche
Rechtsauslegung (ifta) im Osmanischen Reich geschaffen.
das wärs...
LG

Merjam

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May 13, 2010, 8:01:52 AM5/13/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Mhhh...Der Islam im osmanischen Reich...

da gibt es wohl viel zu sagen.der erste Gedanke:
Das Osmanische Reich als Erbe der Seldschuken.
Die beiden Reichsgründungen- Seldschuken und Osmanen- waren zwei
aufeinanderfolgende Regierungsformen, die weithin die gleichen
sozialen, ethnischen und traditionellen Grundlagen reflektierten.
Nach der Machtübernahme ab 1299, übernahm das Osmanische Reich ab 1517
(zur weiteren Legitimation seiner Macht durch den Sultan Selim I), das
Kalifat und war somit >der< islamische Staat, der den nahen und
mittleren Osten regierte.
Das Osmanische Reich in seiner Funktion als Kalifat berief sich auf
den sunnitischen Islam.
Sein politisches Ziel war es, den Gesetzen Gottes Geltung zu
verschaffen und die Welt unter dieser einzig gerechten Herrschaft zu
einen.(trotzdem besaßen Andersgläubige wie Juden oder Christen das
Recht ihren Glauben auszuüben)
Um die Herrschaft der Gesetze zu verbreiten, war es
selbstverständlich, dass man selbst gemäß diesen Gesetzen handelte.
Der Islam war somit nicht nur eine individuelle Ideologie, sondern die
Staatsideologie (Reichsideoligie)

puno postrava
Miri

Liliya Slavskaya-Arendar

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May 14, 2010, 3:51:32 AM5/14/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Ich hab ein bisschen über die derwischen gelesen und bin auf folgende
infos gestoßen:

Derwischen gab es auf dem balkan und eine große gruppe hat in den
Rhodopen (Bulgarien) gelebt. Sie waren im kontakt mit den bogomilen in
Bulgarien, die ein ähnliches leben (asketisch, sehr arm) geführt
haben. diese bogomilen trugen immer sehr große taschen mit sich und
wurden aus diesem grund "torbeschi" genannt (heute werden mit
"torbeschi" die bulgarischen muslime in Westmazedonien bezeichnet, auf
dem gebiet von Schar planina). heute bekennen sich die "torbeschi" zum
islam und es wird vermutet, dass sie den islam von den derwischen
übernommen haben.

also, wenn das wirklich stimmt, dass die bogomilen in dieser region
"torbeschi" genannt wurden und wenn sie wirklich den islam von den
derwischen übernommen haben, dann finden wir in Bulgarien eine
bestätigung der these, dass die bogomilen zum islam übergetreten
sind...

Luka

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May 15, 2010, 1:08:41 PM5/15/10
to Balkan Kolloquium Orientalistik Bochum
Mich hat das mit der Fremd/EIgenwahrnehmung nicht in Ruhe gelassen.
Bei meiner Recherche bin ich auf einen recht interessanten Text im
Bezug auf Mentalitätsgeschichte gestoßen: ERIKA GLASSEN: „Huzur“:
Trägheit, Seelenruhe, soziale Harmonie, Zur osmanischen
Mentalitätsgeschichte. Habe den mal unter Dateien hochgeladen....

Auszug:

....Auch die Sympathisanten der Safawiden im Osmanischen Reich, die
Selim grausam verfolgen liess, gehörten zu den heterodox-schicitischen
Derwischbünden. Der bleibende Effekt von Selims Religionspolitik
bestand
in der festen Etablierung des sunnitischen Hochislam im Osmanischen
Reich.
Nie liess sich in der islamischen Geschichte der Begriff der
islamischen
Orthodoxie so eindeutig definieren wie im Osmanischen Reich seit
Anfang
des 16. Jahrhunderts. Die osmanische medrese, als Lehranstalt der
sunnitischen Scholastik, die Hierarchie der religiösen Ämter in der
sog.
cilmiye, das islamische Rechtswesen, das in Theorie und Praxis feste
Formen
annahm, das alles wurde bald zu Recht als erstarrt und verknöchert
kritisiert, verkörperte aber auch die beharrende Kraft der islamischen
Sunna.
Doch die sunnitische Orthodoxie konnte mit ihrem trockenen
Gesetzesislam
die geistigen und sozialen Bedürfnisse der Gläubigen nicht
befriedigen,
deshalb blühte im Osmanischen Reich auch weiterhin die
Organisationform der islamischen Mystik in den Derwischorden (tariqät)
1° Die islamische Mystik, die in ihren Anfängen eher die Sache
einzelner
frommer Asketen and esoterischer Ekstatiker gewesen war, hatte
sich seit dem 11. Jahrhundert fast in allen islamischen Regionen zu
einer
Massenbewegung ausgewachsen, und türkische Derwischbünde waren an
der Islamisierung Anatoliens beteiligt gewesen......

On 14 Mai, 09:51, Liliya Slavskaya-Arendar
<liliya.slavsk...@googlemail.com> wrote:
> Ich hab ein bisschen über die derwischen gelesen und bin auf folgende
> infos gestoßen:
>
> Derwischen gab es auf dem balkan und eine große gruppe hat in den
> Rhodopen (Bulgarien) gelebt. Sie waren im kontakt mit den bogomilen in
> Bulgarien, die ein ähnliches leben (asketisch, sehr arm) geführt
> haben. diese bogomilen trugen immer sehr große taschen mit sich und
> wurden aus diesem grund "torbeschi" genannt (heute werden mit
> "torbeschi" die bulgarischen muslime in Westmazedonien bezeichnet, auf
> dem gebiet von Schar planina). heute bekennen sich die "torbeschi" zum
> islam und es wird vermutet, dass sie den islam von den derwischen
> übernommen haben.
>
> also, wenn das wirklich stimmt, dass die bogomilen in dieser region
> "torbeschi" genannt wurden und wenn sie wirklich den islam von den
> derwischen übernommen haben, dann finden wir in Bulgarien eine
> bestätigung der these, dass die bogomilen zum islam übergetreten
> sind...
Also wen es interessiert.....
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