Ok, ich fang mal an:
Die Entwicklung des Reisens
Reisen = Kriegs-"Reise"
Reisen heisst gemäss Glasers Sozialgeschichte im Mittelalter "ins Feld
ziehen" (Glaser, S.171). Im Wörterbuch/Duden heisst reisunga
"Rüstung". bei Glaser heissen reiswagen "Kriegswagen" und ein
reisbuoch ist ein "Kriegsausgabenverzeichnis" (Glaser S.171). Glaser
folgert insofern: "Archetyp der Reise ist der Krieg" (Glaser S.172).
Kriegsreisen gelten seit je her als Aufstiegsmöglichkeit (Glaser S.
173).
Reisen als Vergleich der Welten zur Selbstfindung
Reisen als Vergleich der Welten zur Selbstfindung kommt nur im Adel
vor:
-- Herrschaftsreisen als Vorzeigen der statusspezifischen Mobilität
-- Aventurefahrten
-- Minnereisen mit Berichten auch in lyrischer Form
(Glaser, S.173-174).
Kriegsreise als Chance zu Eroberung und Aufstieg: Beispiel:
"Kreuzzüge"
Klassisches Beispiel für Reisen, die einen beruflichen Aufstieg zur
Folge haben, sind die "Kreuzzüge" als bewaffnete Wallfahrten im
Zeichen des Kreuzes (mit Jerusalem, das gemäss der
jüdisch-"christlichen", rassistischen Dogmatik als heilsgeschichtlich
beglaubigter Mittelpunkt der Welt gilt). Die europäischen Adeligen und
Soldaten können sich durch Krieg und Bewährung einen "Aufstieg"
erarbeiten, wobei die Berichte der Adligen nur aus dem Blick des Adels
geschildert sind. Die Reiseberichte aus Jerusalem über die "heiligen"
Stätten müssen dabei alle gleich sein, weil sich sonst an der
"Heiligkeit" etwas ändern würde [und dann würde der Berichterstatter
als Ketzer dastehen]. (Glaser, S.172-174).
Pilgerreisen nach Jerusalem, dann auch Rom und Santiago de Compostella
Für Normalmenschen gibt es nur einen Grund ausserhalb des Krieges, zu
reisen: die Pilgerreise an den "Mittelpunkt" der
jüdisch-"christlichen", rassistischen Welt, nach Jerusalem. Die
Palästinareise wird "spiritueller Höhepunkt eines
Christenlebens" (Wolf, S.82, 83).
Diese Pilgerreisen werden auch nach der Niederlage von 1291 bei Akkon
weiter möglich gemacht. Die Muslime behindern die Pilgerfahrten nicht
(Wolf, S.83). Die Pilger müssen in Ägypten beim Sultan zuerst die
Genehmigung für Jerusalem beantragen, um dann den üblichen
Karavanenweg als Nachvollzug des Auszugs des Volkes Israels aus
Ägypten nachzuvollziehen: Ägypten - Bethlehem (Geburt von "Jesus") -
Jerusalem (Verurteilung von "Jesus") - Tal Josaphat (als Symbol für
das "jüngste Gericht") (Wolf, S.91).
Ab der zweiten Hälfte des 14. Jh. verleiht der Sultan dem Franziskaner-
Orden quasi ein Organisationsmonopol für die Jerusalemreisen. Zweimal
jährlich fahren von Venedig aus direkte Schiffe nach Palästina mit
Führung nach Palästina unter mamelukischen Wachmannschaften, mit
Besichtigungsprogrammen in Palästina unter französischer Leitung
(Wolf, S.92). Die Mameluken verlangen Gebühren: Je reicher der Pilger,
desto mehr muss dieser bezahlen. Deswegen reisen die Europäer lieber
als "arme" Menschen. Sogar die Fürsten verkleiden sich als "arme"
Fürsten (Wolf, S.98).
Ab 15. Jh. gelten neue Pilgerziele: Rom und Santiago de Compostella
(Spanien). So kommt die "Trias" der Wallfahrtsorte (Jerusalem-Rom-
Santiago de Compostella) zustande, wobei Rom und Santiago weniger
gelten als Jerusalem, das weiterhin als "Höhepunkt" der "christlichen"
Pilgeraktivitäten gilt (Wolf, S.84, 101). Die neuen Ziele organisiert
das [rasstistische] Papsttum v.a. deswegen, um den muslimischen Profit
mit christlichen Pilgern im "heiligen Land" zu unterbinden (Wolf, S.
84).
Der Papst macht nun sogar gegen Jerusalemreisen Propaganda. Für das
Ziel Jerusalem wird nun plötzlich eine kostenpflichtige päpstliche
Erlaubnis notwendig. Wer ohne diese Erlaubnis Palästina betritt, muss
die Zahlung nachträglich leisten oder wird exkommuniziert (Wolf, S.
84).
Die päpstliche Lockvogelpropaganda für Pilgerreisen
Pilgerreisen finden unter verschiedenen Motiven statt, die von der
Rassistenkirche "organisiert" sind:
-- Sündenstrafenerlass und Ablass
-- Erfüllung von Gelübden
-- Sühnefahrten
-- Geschäfte
-- Ansehenserhöhung und Neugierde gelten gleichzeitig als
"sündhaft" (Wolf, S.83).
Ablass in Palästina
Der Ablass erfolgt mit dem Betreten der "heiligen Stätten" und wird
jeweils aufnotiert und beglaubigt (Wolf, S.87). Der Ablass kann
vererbt werden und gilt als "himmlisches Guthaben". Wer in Jerusalem
war, kann auch für den Rest der Familie "Gutes" erwirken (Wolf, S.97).
Im Zentrum der Pilgerfahrt stehen die Heilsgeschichte, die
Heilsordnung der Papstkirche (Wolf, S.106). In Jerusalem ist auch der
Ritterschlag durch den "Ritterorden vom hl. Grab" möglich, mit
Bewährungsproben (Wolf, S.97).
Die Entwicklung der Reiseberichte
Vorläufer der Reiseberichte im 12. Jh.
Die Vorläufer der Reiseberichte sind die "descriptiones terrae
sanctae" ("Beschreibungen der heiligen Gebiete"), also Beschreibungen
des "heiligen Landes" für den "gelehrten Gebrauch"
-- z.B. auch vom Bischof von Akkon, Jakob de Vitry
-- ohne grosse reale Beobachtung
-- zugrunde liegen immer Bibelstellen und antike Quellen (Wolf, S.87).
Fantasiereisen
Es bildet sich eine Gruppe von "Reiseschriftsteller" und
"Geschichtsschreiber" heraus, die von "Einhärnern", von "Feuervögeln
Phoenix", von "hundsköpfigen Menschen" schreiben, von radarähnlichen
"Spiegeln", von der "jährlichen Auferstehung der Toten zu Kairo" etc.
Die Reisen sind oft nur Fiktion. Zwischen Epik und tatsächlichem
Reisebericht wird keine Grenze gezogen (Wolf, S.82).
[Es ist sehr gut möglich, dass solche Fantasie-Reiseberichte im Sinn
der Herrschaft erdichtet waren, wie es in der jeweiligen politischen
Situation gerade nütlich war].
Haupteinfluss auf "Reiseberichte" haben der Stand, die Bildung und der
Beruf des Verfassers, die die individuelle Wahrnehmung ausmachen
(Wolf, S.85).
1298
Reisebericht von Marco Polo
-- Vermischung von Tatsache und Fabel (Wolf, S.104)
-- mit Sagen von hundsköpfigen Menschen und Wüstengeistern
-- deutsche Überlieferungen sind kaum vorhanden (Wolf, S.105).
[Marco Polo ist gemäss neuerer Forschung eine absolute Fälschung, also
auch ein Fantasiereisebericht. Wie man sieht, konnte man mit einer
genialen Fälschung viel Eindruck schinden].
1320-1500
Erste Reiseberichte
-- es liegen über 120 deutsche Berichte von Jerusalem-Pilgern vor
-- über 65 davon sind in der zweiten Hälfte des 15. Jh. verfasst
-- die Bezeichnung ist jeweils verschieden: "cronike", "beschreibung"
oder "unterrichtung" etc. (Wolf, S.86).
Übersetzungen sind oft gekürzt oder umgearbeitet. Quellentreue besteht
nicht (Wolf, S.91).
Pilgerführer
Durch die Ablasspropaganda der Papstkirche mit der Behauptung, man
könne durch eine Jerusalem-Reise Sühne leisten und sich ein "Konto im
Himmel" anlegen, nehmen die Reiseberichte aus Palästina zu. Es
entstehen :
"Pilgerführer" (z.B. im Codex Klosterneuburg), die in kleinen Drucken
überliefert sind (Wolf, S.87)
"Reiseführer"
-- ab dem 15. Jh. werden erste Reiseführer gedruckt
-- mit Beschreibung planmässiger Ablässe
-- die Führer ähneln sich, schreiben von Vorlagen ab, ohne diese zu
nennen (Wolf, S.88).
"Itinerare" ("Wegbeschreibung") / "Reisebücher"
-- solche Reisebücher sind in Ich-Form geschrieben (Wolf, S.88), wobei
die Ich-Form nicht heissen muss, dass der Schreiber anwesend war,
sondern nur der Sinngehalt ist wichtig (Wolf, S.106)
-- in der Beschreibung enthalten sind die Umstände, die Kosten, die
Wegbeschreibung
-- der Palästina-Teil wird meistens aus anderen Führern abgeschrieben,
weil eine Kirchenzensur besteht, weil die Autoren Angst haben, von der
Rassistenkirche als Ketzer verleumdet zu werden etc.
-- die Reisenden besuchen die "Gnadenorte" und die Ablässe werden
registriert (Wolf, S.88).
Diese Reisebücher haben z.T. auch repräsentativen Charakter für die
gesamte Familie (Wolf, S.89).
Der Reisebericht von Wilhelm von Boldensele (1332-1336) ist z.B. 1350
übersetzt worden (Wolf, S.90). Von Ludolf von Sudheim ist z.B. "de
itinerae terrae sanctae" ["Vom Weg des heiligen Landes"] erhalten
(Wolf, S.91).
"Literarischer Reisebericht"
-- literarische Reiseberichte verknüpfen historische, theologische und
biblische Vorlagen mit der literarischen, adligen Tradition der
"Aventiurefahrt"
-- enthalten sind Episoden, narrativ, spannungserzeugend, kombiniert
mit umfangreichen Exkursionen (Wolf, S.89).
Ein Beispiel ist z.B. das Werk "Voyages" ("Reisen") des Pseudonyms
Mandeville, vermutlich der Lütticher Arzt Jean de Bourgogne, das in
alle "grossen" Sprachen übersetzt wurde (Wolf, S.89).
Reiseberichte von "Fürstenreisen"
Fürstliche Reiseberichte wurden von Mitreisenden
("Fürstenberichterstatter") verfasst, nicht vom blaublütigen Adel
selbst. Beispiele sind z.B.
-- Haushochner, der über eine Reise von Markgraf Joh. und Albrecht von
Brandenburg 1435 schreibt, mit Schilderung der bestandenen Gefahren,
der gehörten Messen und der Registrierung der Anzahl Ablässe
-- ein Erzähler, der über eine Reise von Herzog Albrecht von Sachsen
1476 schreibt, mit der Dokumentation von Macht und Reichtum und der
Beschreibung von 100 Mann Gefolge
-- Dietrich von Schachten, der über eine Reise von Wilhelm den Älteren
von Hessen 1491/92 schreibt (Wolf, S.98).
Allgemein ist die Beschreibung des europäischen Weges auf der Reise
nach Palästina länger gehalten, um Macht zu demonstrieren (Wolf, S.
98). Ziel dieser Fürstenberichterstatter ist es, eine Reise zu
beschreiben, die nicht imitiert werden kann. Oft ist ein eigenes
Kapitel "Fürstenlob" enthalten (Wolf, S.99).
Beispiel einer "einmaligen" Reise ist "Arnolds Pilgerbuch" von Ritter
Arnold von Harff, eine 2 1/2-jährige Reise bis Mittelasien, mit der
Beschreibung von albanischen, syrischen und arabischen Alphabeten, mit
Informationen zu Themen der Naturwissenschaften, Kulturgeschichte,
Landeskunde und Politik, mit eingearbeiteten Legenden, Sagen und
Anekdoten (Wolf S.99).
Pilgerführer für Compostella
Nach Compostella existieren nur Pilgerführer und Itinerarien, z.B. von
Hermann Künig von Vach, oder das "Liber Sancti Iacobi", ohne innere
Spannung. Somit bleibt es auch ohne Übersetzung (S.103).
Pilgerführer für Rom
Für Rom existieren nur Pilgerführer. Die Routen waren bekannt und sind
nur wenig beschrieben. Deswegen werden v.a. die römischen Kirchen mit
ihren Reliquien beschrieben, mit eingearbeitet Sagen und Legenden.
Zudem sind die Ablasslisten Bestandteil der Berichte, z.B. von Leopold
von Wien, Nikolaus Muffel, Ludwig von Eyb dem Älteren zu Eybburg
(Wolf, S.103).
Berichte für das Publikum zu Hause - Frauen und Nonnen dürfen nicht
reisen
Geistliche und Adlige, und ab dem 15. Jh. neu auch normale Bürger,
verfassen "Wallfahrtenbeschreibungen" für die "Ehre der
Familie" (Wolf, S.92), bzw. auch für Frauen und Nonnen, denen die
Pilgerfahrten zu dieser Zeit verboten ist [wahrscheinlich wegen dem
Komplex der bis dahin völlig männlich geprägten Rassistenkirche, dass
Frauen, die gerade die Periode haben, die "heiligen" Stätten
"verunreinigen" könnten]. Die Frauen und Nonnen erhalten durch die
Beschreibung die Möglichkeit, um die Reise "im Geiste"
nachzuvollziehen (Wolf, S.94). Eine solche Wallfahrtenbeschreibung ist
z.B. das "Evagatrium" von Konrad D.Hassler (Dominikaner)
-- das für die "Ulmer Klosterbrüder" geschrieben wurde
-- mit der Reise von Felix Fabri (Wolf, S.92) / Faber, Zürcher
Dominikaner: "Evagatorium in terrae sanctae, Arabiae et egypti
peregrinationem" ["Ausgiebige Beschreibung über das heilige Land, über
die fremden arabischen und ägyptischen Lande"], mit Weltkunde des
vorderen Orients (Wehrli, S.833)
-- mit biblischen Angaben (Wolf, S.93)
-- mit dem Ziel, von Pilgerreisen abzuraten und vor den Gefahren zu
warnen (Wolf, S.94).
Felix Fabri vermarktet seine Pilgerreise
Felix Fabri gibt 1480 eine Pilgerreise in Gedichtform heraus: "Bruder
Felix Fabers gereimtes Pilgerbuchlein", als "epischer
Bewährungsweg" (Wolf, S.95).
1484 gibt Felix Fabri dieselbe Pilgerreise in Prosa heraus:
"Eigentliche Beschreibung der hin und wider farth zu dem heiligen
Landt", ohne grosse Exkurse, z.T. "spannend" geschrieben.
Gefahrenschilderungen werden in "Bewährungsavienturen" umgedeutet
(Wolf, S.94).
Propaganda für die Rückeroberung des "heiligen" Landes
z.B. im Reisebericht von Bernhard von Breidenbach 1486
-- mit ausführlichen Beschreibungen von strategischen Punkten
-- mit Klagen über "den Orient" und mit Verteufelung der Mohammedaner
-- mit Aufforderung an die deutschen Fürsten zur Einigung zu einem
"Landfrieden"
-- mit Kriegsanleitungen (Wolf, S.96)
-- mit Verbreitung in 9 Auflagen in 5 Sprachen bereits im 15. Jh.
(Wolf, S.97)
-- und gemäss Wolf ist Bernhard von Breidenbach kein Einzelfall für
solche "christliche" Kriegshetze (Wolf, S.96).
Marco Polo wird imitiert: Reisen nach Fernasien
In der ersten Hälfte des 14. Jh.s schreibt der Franziskaner Odorico de
Pordenonne Berichte über Sumatra, Indonesien, China. Der Bericht
findet eine weite Verbreitung. Es sind über 90 Handschriften in Latein
erhalten, davon 4 in Deutsch, z.B. von Lübers von Konrad Steckel
(Wolf, S.105).
[Es sei der Verdacht angebracht, dass es sich auch bei dieser grossen
Asienreise - wie bei Marco Polo - um eine Fantasie handelt, was
abzuklären wäre].
Reisebücher neu auch von Bürgern und Aristokraten
z.B. das Reisebuch der Familie Rieter (Deutschland) mit traditionellen
Palästinafahrten 1384 bis ins 17. Jh. (Wehrli, S.834).
Johannes Schiltberger: Reisebericht über Asien als Gefangener der
Türkei
Schiltberger, geboren 1380 (Glaser, S.174), dient im Heer Sigismunds
gegen die türkischen Heere (Wehrli, S.832), kommt im Jahre 1396 in
türkische Gefangenschaft, 1402 in mongolische Gefangenschaft (Glaser,
S.174) bei Ankara (Wehrli, S.832), ist fast 30 Jahre Sklave und Soldat
(Glaser S.174), und kehrt erst 1427 wieder heim (Wehrli, S.832). Nach
der Rückkehr ist Schiltberger Kämmerer des Bayrischen Herzogs Albrecht
III. (Wolf, S.105).
Schiltbergers Reisebeschreibung schildert viele Teile Asiens (Glaser,
S.174), mit Zuzug vieler Quellen, v.a. die "Voyages" von Mandevilles,
mit einem Kapitel über das "heilige Land" (Wolf, S.105), wobei die
Ereignisse z.T. erdichtet sind, weil die Ereignisse z.T. vor seinem
Leben stattgefunden haben. Inhalt: Itinerar [Wegbeschreibung] (Kapitel
1-31), Religionsgeschichte Islam (Kap. 49-60), Geographie und
Historie, Kurzerzählungen, Naturkunde etc. Es sind 4 Handschriften und
3 Inkunabeldrucke erhalten (Wolf, S.106). Wehrli spricht von 8 Drucken
(Wehrli S.832).
Marco Polo wird erst jetzt "interessant"
Erst ab der 2.Hälfte des 15. Jh. wird Marco Polo in mehreren
verkürzten Übersetzungen auch in Deutsch herausgegeben. Dies ist
Zeichen dafür, dass bis zu dem Zeitpunkt Reisen ausserhalb der
Pilgerreisen in andere Länder kaum auf Interesse gestossen sind (Wolf,
S.105).
[Die geniale Fälschung verkaufte sich einige 100 Jahre später gut].
Dietrich von Schachten 1491/92
beschreibt eine Reise über Wilhelm den Älteren von Hessen mit einem
Besuch Roms als Abschluss (Wolf, S.98).
Felix Fabri 1492
schreibt für Nonnen, denen die Pilgerfahrt immer noch verboten ist,
eine Pilgerbeschreibung "Geistliche Pilgerfahrt" oder "Sionpilgerin",
wo 208 Pilgertage zum geistlichen "Nachfollzug" beschrieben sind
(Wolf, S.94).
Reise und Kolonialismus in Übersee: Kolumbusbrief 1493 und die Folgen
Der Kolumbusbrief eröffnet für Europa neue Dimensionen des Reisens
mit Schilderung vieler grosser Baumsorten, Honigsorten, Erzen,
Metallen, Korn und Gold in den Flüssen. Die Menschen, die von Kolumbus
"Indianer" genannt werden, sind als in ihrer Nacktheit unschuldig und
friedfertig geschildert (Glaser, S.176).
[Hätte Kolumbus keinen Reichtum des Landes geschildert, so wäre er
sofort verhaftet worden. In der Folge seiner weiteren beiden Fahrten
wurde er dann doch verhaftet und ihm alle Titel aberkannt, weil er den
Weg nach "Indien" nicht gefunden hatte. Die nachfolgenden spanischen
Seefahrer klauten die Kolumbuskarte und führten dann die "Entdeckung"
von "Amerika" zu Ende].
Folgen des Kolumbusbriefes:
-- europäische Fürsten und Geschäftsleute sehen die Wehrlosigkeit der
Indianer
-- Indianer werden zu Grubenarbeit und Plantagenarbeit gezwungen
-- Raubzüge, Hunger und Verbreitung von Krankheiten mit Ausrottung
ganzer Inselbevölkerungen ["karibische Inseln" wurden "indianerfrei"]
-- in der Folge werden "kräftige Sklaven" aus Schwarzafrika importiert
(Glaser, S.176).
Die "Humanisten" beschreiben "Amerika"
Die "Humanisten" etablieren das Reisetagebuch des 16. Jh.s, das
Hodoeporicon, die "Entdeckung" der neuen Länder, die noch keine
Erzähltradition haben (Wolf, S.106).
Reisebericht von Gaspar de Carvajal, "Humanist", über Süd-"Amerika"
1542
ist ein Tagebuch 1541/42 "La aventura del Amazonas":
-- Carvajal konstatiert, er habe das "Eldorado" nicht gefunden
-- Beschreibung von Kämpfen mit kriegerischen Frauen ("amazonas")
-- Ziel ist es, den spanischen Hof zu reizen, weitere
Entdeckungsfahrten zu unternehmen (Wolf, S.119).
Hrsg.: Rafael Diaz: Gaspar de Carvajal. Pedrarias de Almestoy Alonso
de Rojas. La aventura del Amazonas. Madrid 1986
[Die Reiseberichte aus "Amerika" sind gespickt mit falschen
Beschreibungen der dortigen Menschen, die oft nur als "Wilde" gelten,
weil sie keine Kleider tragen. Dadurch werden die Rassistenkirche und
die rassistisch-kirchlichen Adelsfamilien dazu gereizt, mehr Geld für
Fahrten und Mission auszugeben, und so hat der Reisebericht seinen
Zweck erfüllt: Es wird mehr Geld für mehr Reisen zur Verfügung
gestellt].
Philipp von Hutten 1535
Hutten berichtet 1535 über die Expedition Hohermuths 1535 in der
"Zeitung aus India" (Glaser/Wenzel, S.177).
Ulrich Schmidel aus Straubing 1554
"Warhaftige Historien einer wunderbaren Schiffart [...] von 1534 bis
1554" auf einem Welserschiff (Glaser/Wenzel, S.177).
Hans Staden 1576
"Warhaftige Historia und Beschreibung eyner Landschaft der Wilden"
1525-1576 (Glaser/Wenzel, S.177).
Der Aberglauben durch Reiseberichte aus den Kolonien - Aufdecken der
Lügen erst Ende 19. Jh.
Die Erforschung der Reiseberichte erfolgt erst im letzten Drittel des
19. Jh. Erst jetzt erscheinen kritische Editionen und decken all die
Lügen über die Menschen der Kolonien auf (Wolf, S.84).
aus:
-- Wenzel, Horst: Autobiographie und Reisebeschreibung. In: Glaser,
Horst Albert: Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte, Bd.2
-- Wolf, Gerhard: Die deutschsprachigen Reiseberichte des
Spätmittelalters; In: Brenner, Peter J.: Der Reisebericht
-- Wehrli, Max: Geschichte der deutschen Literatur
u.a.