Tod und Trauer sind wohl die zwei großen T´s in einem Menschenleben.
Das Dumme ist, das es in diesem Spiel weder eine Halbzeit noch einen
Schlußpfiff gibt. Der einzige Trost, der bleibt, ist die Gewissheit,
das hier keiner lebend rauskommt und jemand anderes das Spiel von
neuem beginnen wird. Ich habe mir letzte Woche die Frage gestellt, ob
ich in meinem Blog über Srebrenica schreiben soll oder nicht. Ich habe
mich dagegen entschieden. Wie Merle schon schrieb, es stellt sich ein
lähmendes Gefühl ein, nicht nur beim sehen der Bilder, sondern auch
beim nachdenken über das Geschehene. Ohnmacht, Trauer, Wut, jedes Wort
das aufgeschrieben und gesagt wird ist zuviel, macht es nicht
ungeschehen, kein einziges Wort lindert den Schmerz oder lässt die auf
der Seele eingebrannten schwarzweiss Bilder bunt erscheinen. Ich
schreibe hier nicht über das kollektive Trauertheater, mir geht es um
den / die Einzelne(n). Man kommt sich vor, als säße man in einem Zug
in dem das Sonnenlicht einfällt und die ins Abteil geworfenen Schatten
in kurzen Abständen immer wieder an dem Reisenden auf seiner Nemesis
vorbeiziehen.
Nun mal weg von dem Einzelnen, hin zu dem Trauertheater. Ja, die UN,
die Vereinigten Nationen, wie konnten die bloß untätig zusehen? Kenny
´s dead, ihr Schweine! Machen WIR es uns da nicht zu einfach? Ich will
jetzt nicht die Relativismuskeule schwingen, ABER wer erinnert an
Ruanda, an die 500.000 -1.000.000 Toten? Wo ist da der „Stub Sramote“?
Und sind die Konsequenzen die sich daraus ergeben haben, eben gar
keine Konsequenzen? Das Versagen der UN war und ist nichts Neues. Ist
Ruanda nicht das Beispiel par excellence von dem wir gedacht haben das
es mitten unter uns in Europa nicht möglich wäre? Die Frage ist doch
nicht: Warum habt IHR (UN) UNS verlassen, sondern vielmehr, WAS haben
WIR UNS angetan?
Um eines vorweg zu sagen, hiermit beabsichtige ich niemanden zu
verletzen oder vor den Kopf zu stoßen! Ich habe niemanden in dieser
grausamen Zeit verloren. Meine Großeltern in Bosnien sind kurz vor dem
Krieg gestorben, meine Oma in Dalmatien hat es einfach ausgesessen.
Meine zwei von dreien Onkel sind geflohen. Den beiden wurde das Haus
in Bosnien niedergebrannt und beide sind nach Vukovar geflohen und
einer von beiden ist nach Kanada ausgewandert. Von meinen Erlebnissen
will ich gar nicht schreiben, da zum einen im Angesicht worüber wir
hier schreiben, diese mir selbst wie ein Fliegenschiß erscheinen und
zum anderen habe ich damit meinen Frieden geschlossen.
Die Gedanken, die in mir kreisen sind: Wann wird die Generationenfrage
gestellt? Wann fangen wir an unsere Eltern, Verwandten, Bekannten zu
fragen: Was habt ihr eigentlich gemacht? Wie konntet IHR euch auf die
Melodie des Rattenfängers einlassen? Und nochmals vorweg, ich will
niemanden verletzten... Wurde nicht auf allen Seiten, als die Melodie
des Rattenfängers ertönte, geschrien: Gebt uns Freiheit oder gebt uns
Tod? WIR haben beides bekommen, sowohl die Unschuldigen als auch die
Schuldigen.
Und nochmals ich will niemanden verletzen.... Aber wie schaffen wir es
und vorallem wann schaffen wir es den Berg voller Totenschädel zu
erklimmen, der uns den Horizont versperrt und uns daran hindert das
Licht eines neuen Tages zu erblicken? In mir regt sich Wut nach allen
Seiten, je weiter ich über DIESES Geschehene nachdenke. Wut über jene
die sich insgeheim denken: „Richtig so, das geschieht denen zu recht,
die bekommen das was wir vor Jahrhunderten erlitten haben“, Wut über
jene, die den Schmerz des Einzelnen instrumentalisieren, um den Berg
der Totenschädel immer höher wachsen zu lassen, Wut über jene, die
Profit und die Nation über den Wert des Lebens stellen, Wut über jene,
die nichts daraus lernen und die Emotionalität der Menschen in den
Dienst ihrer Zwecke einbinden, Wut über jene, die verhindern, dass die
Liebe zweier junger Menschen über den Trümmern der Vergangenheit
erblüht.......... ABER ich schließe nun meinen Beitrag mit der
Gewissheit: Hier kommt keiner lebend raus.
Oder um es mit den Worten Curtis Mayfields zu sagen: Don´t worry, if
there is a hell below, we all gotta go.