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[at.freizeit.motorrad] Klein Mike und die drei Stanislaeuse [laenger]

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Robert Riesenberger

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Oct 22, 2004, 1:30:43 PM10/22/04
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Message-ID: <40adcc16$0$12402$91ce...@newsreader02.highway.telekom.at>
Date: Fri, 21 May 2004 11:30:24 +0200
From: "Mike D. Njoroge" <mike.n...@univie.ac.at>
Subject: Klein Mike und die drei Stanislaeuse [laenger]
Newsgroups: at.freizeit.motorrad

Also es trug sich wie folgt zu.

0. Präludium
Gestern Früh afm gelesen, ST-Posting vom Tschechenbertl springt mir sofort
ins Auge. Ok, 1000@OWS, Doppler kommt mit C4, Schreinerbertl kommt
ebenfalls. Handlich gezückt, Doppler kontaktiert, Treffpkt. 1200@KK
ausgemacht.
Alsdann Sitting Bull gesattelt und über Weinbergstrasse, Hals und Haselrast
zur KK gedampft.

1. Hawking und Co.
Schon auf dem Weg kommt mir eines ganz merkwürdig vor: es scheint sich
irgendwo ein Wurmloch aufgetan zu haben, aus dem unendlich viele fahrende
Slalomhütchen aus irgendeinem Paralleluniversum in unseres einzuströmen
scheinen. Die meisten davon sehen aus als führen sie gerade ein
Moto-GP-Rennen, bewegen sich dabei aber mit v(max) sehr nahe an Null und ich
frage mich, ob die heute alle deppert geworden sind. Es scheinen also
relativistische Effekte aufzutreten, die sich gegen Ende des Tages noch als
eine Art Doppler-Effekt herausstellen werden.

2. Der Tuttelbär
Auf der KK ist der Phasenraum, äh Park- und Sitzraum, vollständig bevölkert.
5 Minuten Parkplatzsuche sprechen wahrscheinlich für sich.
An einem wunderschön sonnigen Tisch sitzen bereits die drei Stanisläuse,
also der Schreinerbertl, der Teschechenbertl und der Riesenbertl versammelt,
bei Ihnen auch noch Ulrich Huber. Alle sehen mich mit glasigen Augen an,
grüßen kurz und wenden sich sofort wieder von mir ab. Ihren Blicken folgend
sehe ich am Nachbartisch einen Bären mit "GS"-Leiberl. "Nettes Leiberl." =>
kollektives "Hmmmhmmm". Nach einer kurzen Nachdenkpause höre ich noch ein
"...vor allem die Füllung.". Irgend etwas stimmt an diesem Bild nicht.
Zwischen dem GS-Leiberl und dem uns am nächsten sitzenden "OMV"-Leiberl
bewegt sich etwas. Zuerst ein sonnenbebrillter und langbezopfter Kopf nach
hinten, Blick zu uns, kurzes lächelndes Hallo-Nicken, dann bewegt sich der
Kopf nach vorne und es schiebt sich, quasi formatfüllend, der Grund für die
mittlerweile völlige Apathie meiner vier Tischgenossen ins Bild. Doppel-R
deutet andächtig auf zweimal Doppel-D; kaffebraun und verpackungstechnisch
nicht gerade unauffällig in einem schwarzen Spaghettiträgertop präsentiert
mir nun also der Grund für den Zustand der vier Jungs. Der Doppler beisst
vor Verzweiflung in seine leere Gabel, der Schreinerbertl inhaliert seine
frisch angerauchte Marlboro mit einem einzigen Lungenzug, dem Ulrich steht
der kalte Schweiß auf der Stirn und der Tschechenbertl wimmert spastisch
zuckend nur noch "Oida, fünf Tog, fünf Tog, füüüünf Tog. *brabbel Fünf Tog
is jetz weg, und donn des. *lall Wia soi des aaahhhh Mensch aushoidn.
*stammel". Das machen also einerseits zuviel Silikon und andererseits zu
viel Hormone aus jungen Menschen. Erschütternd, eigentlich. ;-)

3. Mars attacks
Nun denn, nach Verzehr einer kleinen Stärkung geht's dann durchs Höllental
in eine Gscheide Richtung. Unterwegs wieder diese eigenartigen Wesen aus dem
Paralleluniversum, die zwar aussehen, als ob sie sich relativ zu ihrem
Bezugssystem mit mindestens 200km/h bewegen würden, relativ zu unserem
Bezugssystem aber beinahe stillstehen. Hmm, an irgend etwas erinnert mich
das. Der Doppler meint bei einer kurzen Pause nur kopfschüttelnd, dass heute
scheinbar irgendwo ein Raumschiff gelandet sein müsse, aus dem diese Wesen
losgeschickt wurden. Planet Eierbär attacks, oder so ähnlich.

4. Die Erkenntnis
Es folgen Preiner Gscheid, Mürzsteg und Niederalpl sowie eine grundlegende
Erkenntnis. Bei einer kurzen Rast kommt der Tschechenbertl völlig enerviert
(als fast letzter) an, stellt sich kopfschüttelnd neben mich und beäugt
zuerst mich und dann den Sitting Bull höchst skeptisch. Auf Nachfrage der
beiden anderen Stanisläuse trägt er vor, dass alle Versuche an mir
dranzubleiben nach kurzem in einen reinen Überlebenskampf münden,
währenddessen ich das Dickschiff seelenruhig umlege bis alles möglich und
unmögliche funkensprühend aufsitzt und vollkommen ungerührt meine Bahn
ziehe. Das lässt auch den anderen Bertls keine Ruhe. Nach kurzer Inspektion
des Dickschiffs fängt der Doppler hysterisch zu lachen an, und während er
versucht, sein Handlich zu zücken, deutet er immer wieder auf die rechte
Seite des Sitting Bull und stößt irgend etwas in der Art von "Dooo werns
deppert schaun, die Poser vom Reitwogn! Haha, dooo werns deppert schaun, de
Wappla!" hervor. Wir folgen ihm und seinen Blick und während er bereits zu
fotografieren beginnt werden wir alle andächtig still. Vor uns ist der
unzweifelhafte Beweis, dass _alle_ Geschichten dieser unsäglichen Postille
erstunken und erlogen sind. Mit der Klarheit eines Gebirgsbaches durchströmt
uns die Erkenntnis, gerade Zeugen eines großen Momentes tiefgreifender
Erleuchtung geworden zu sein. Der rechte Tuttel ist angschliffen. Nein,
nicht ein bisschen angekratzt, sondern richtig angeschliffen. Und wir stehen
nicht vor einer R1100/1150/1200 S, sondern vor einer GS mit _sehr_ viel mehr
Schräglagenfreiheit. Und wir wissen alle mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit, dass wenn sie dieses Erlebnis jemals gehabt hätten,
_sofort_ ein Bild eines angschliffenen Tuttels auf der nächsten Titelseite
gewesen wäre. _Wir_ haben jetzt nämlich ein Bild eines angeschliffenen
Tuttels und als Beweis eines der bis über die Kante gefahrenen Reifen. Und
wir empfinden tiefes Mitgefühl mit diesen armen Menschen, die sich ihren
Frust in so einem Schundblatt von der Seele schreiben müssen. Und wir sind
erfüllt von einem Gefühl der Dankbarkeit für diese unser Weltbild ein für
alle Mal zurecht rückende Erkenntnis. Die Reitwagler sind ebenfalls vom
Planeten Eierbär.

5. Borg
An der Kreuzung zur B20 verabschiedet sich unser tirolerischer Steirer mit
Wiener Kennzeichen, also der Ulrich, gen Süden, während das unergründliche
Realtime-Navigationssystem bereits über neuen Schandtaten grübelt. Wir
folgen dem Doppler also kurz darauf frohgemut in Richtung Wildalpen. Bereits
nach Kurzem treffen wir auf einen Führungsoffizier der Ausserirdischen.
Grosses Monster, komplett umgebaut mit allem was der Herrgott verboten hat
und erneut dieser relativistische Geschwindigkeitsunterschied. Wir überholen
und er holt über - deren Kollektivbewußtsein Verstärkung. Vor uns tauchen,
quasi aus dem Nichts, zwei identische Ducatis mit identisch aussehenden
Fahrern auf. Komplett umgebaute 996er, alles Carbon, Rennverkleidung mit
Ellipsoid-Scheinwerfern, etc. p.p. Beide Fahrer mit identischen Raumanzügen,
äh Rennanzügen, und darüber ein Tarnanorak mit dezentem "Ducati"-Aufdruck in
Neonfarbe. Sie versuchen sich durch ruckartige Kopf- und Handbewegungen mit
uns zu verständigen. Der Doppler reagiert sofort und kommuniziert auf seine
unverwechselbare Art und Weise das einzig Wesentliche in diesem Kontext -
GAAAS. Ab geht die Post. Die extraterrestrischen Jagdflieger versuchen mit
offensichtlicher Hingabe uns die Überlegenheit Ihrer nur schlecht getarnten
Jagdschiffe zu beweisen. Der Doppler, recht bemüht seine 50PS-C4 mit
defektem hinteren Federbein nicht in der Salza zu versenken, tritt
freundlich mit Ihnen in Interaktion und erweitert "GAAAS" zu "Ich lass Dich
auf der Geraden vor und überhol Dich in der nächsten Kurve wieder". Der
Schreinerbertl, ebenfalls recht bemüht seinen Drehmoment-Surfer nicht in der
Salza zu versenken, motiviert die beiden von hinten, ich beobachte aus
hochherrschaftlicher Sitzposition das Ganze mit wachsendem Amusement und der
Tschechenbertl lernt, dass man sogar auf KTM auf solchen Strecken durchaus
die 170er-Marke überschreiten kann. An der Kreuzung zur B25 lassen die
beiden Borg-Führungsoffiziere Ihre Tarnung fallen, verständigen sich nur
noch durch absolut synchrone spastische Zuckungen und biegen prompt in die
falsche Richtung ab, als wir uns in Richtung der Ihren Kennzeichen
entsprechenden Gefielde aufstellen. Wir machen Pause. Der Schreinerbertl
inhaliert eine Marlboro nach der anderen, der Tschechenbertl murmelt,
verzweifelt auf den Knöpfen seines Digitaltachos herumdrückend, nur
"Hundatanasiebzg. Oida, hundatanasiebzg. Auf dera Streckn mit da Kantn.
Hundatanasiebzg." in seinen nicht vorhandenen Bart, der Riesenbertl zerlegt
das aus Massivholz gebaute Wartehäuschen und schreit dabei immer wieder in
seinen Helm "Waun i mein Gixxer do häd! Waun i nua mein Gixxer do häd!" und
ich denke mir nur "Waun i _des_ gwusst hätt'!". Merke also: die Borg sind
überall und sie greifen genau dann an, wenn man es am wenigsten vermutet.
Und sie fahren Ducati.

6. Captain Kirk und der Doppler-Effekt
Wir fahren weiter in Richtung Puchenstuben/Wastl. In einer am Wegesrand
befindlichen Tankstelle bekommen der Schreinerbertl und ich die grandiose
Möglichkeit geboten, ein altes Ehepaar beim Kauf einer Flasche Motoröl zu
beobachten. Im Schreinerbertl beginnt ein tiefgründiger Nachdenkprozess, der
einige Zeit später in der Lebensweisheit "Besser vier Ring' am Auto ois an
am Finger." kulminiert. Während wir beide also unseren Ice-Presso schlürfend
das alte hin und her keppelnde und keifende alte Ehepaar beobachten, gehen
die Ausserirdischen von uns beinahe unbemerkt in die finale Offensive. Die
Ressourcen Ihres Replikators an diesem Tag offenbar bereits über alle Maßen
beansprucht habend, tauchen auf der Tanke zwei weitere Führungsoffiziere
auf. Einer trägt zu seiner orange-roten Rennkombi nagelneue, strahlend
weisse Adidas-Laufschuhe und hat auf seiner nur halbfertigen ZX9R ein
Auto-Werkstättenkennzeichen fix montiert (angeschraubt!), der andere trägt
zwar vollständige Kleidung, an seiner ebenfalls nur halbfertigen R1 ist
allerdings der Endtopf genau verkehrt herum montiert. Also das untere Ende
zeigt quasi nach oben. Der Schreinerbertl inhaliert nachdenklich eine
Marlboro. Kurze Zeit später überholen wir die beiden wieder. Turnschuh-Seppl
biegt ab, die R1 folgt uns unauffällig. Auf dem ersten geraden Stück nach
einigen Kurven überholt mich die R1, der Fahrer sichtlich um etwas in der
Art eines Wheelies bemüht. Der Doppler und der Schreinerbertl fahren in die
nächste Linkskehre, die R1 wird aufs Knie umgelegt, der Fahrer nimmt die
Radikal-Innenlinie mitten auf der Gegenfahrbahn und - es tritt wieder diese
Geschwindigkeitsdilatation ein. Er bleibt also, relativ zu unserem
Bezugssystem, quasi stehen, während die beiden Bertls wie immer aus der
Kurve beschleunigen. Ich sehe im Rückspiegel einen kopfschüttelnden
Tschechenbertl und nehme beruhigt zur Kenntnis, dass ich nicht halluziniere.
Das Ganze setzt sich so auf den nächsten Kilometern fort. Auf dem Parkplatz
bei Puchenstuben werden wir bei einer kurzen Rast dann endlich erlöst. Wir
steigen von den Motorrädern, der R1-Fahrer rollt neben den Doppler und
klappt sein Visier hoch. "Des is mei Hausstreckn doda.". Er hat die
Aufmerksamkeit vom Doppler. "Najo, seid's eh gonz brav gfoahrn, für des das
nia do seids." Er hat die Aufmerksamkeit von uns allen. "Najo, i foahr jetzt
wieda weida." Der Doppler wird zu einem einzigen Fragezeichen. "Guade Foahrt
no, und foahrts urndlich. I man foahrts hoid gscheid beim hamfoahrn und
passts hoid auf, dass eich nix passiert." Captain Kirk hat sich uns
offenbart. Vollkommen paralysiert von der ihm zu Bewußtsein gebrachten
universellen Wahrheit, nämlich dass er mehr üben sollte um - ja um was
eigentlich? - um also mit einem Motorrad, dass doppelt so viel wiegt, nur
ein Drittel der Leistung hat und dessen hinteres Federbein defekt ist auch
in Kurven auf der Gegenfahrbahn parken zu können, sieht uns der Doppler wie
vom Donner gerührt an. Die R1 verschwindet am Horizont, sein Gesicht färbt
sich tiefrot und seiner Kehle entweicht ein animalisch-uriger Schrei.
"WAAAAaaaahhhhhh!". Auch wir sind jetzt tief berührt. "OIDA, SAN DIE HEIT
OLLE DEPPAT, ODA WOS?". Und es schließt sich ein Kreis. Wir verstehen
plötzlich alle, warum das Phänomen der Wahrnehmungsverzerrung durch
unterschiedliche Relativgeschwindigkeiten Doppler-Effekt heisst.

7. Finale
Beruhigt und beseelt von diesen Erlebnissen unmittelbarer Erfahrung und den
daraus resultierenden Erkenntnissen treten wir die Heimfahrt an. Gestärkt
durch den obligatorischen Abschluß-Topfinger mit obligatorischem großen
Braunen kann uns nichts mehr erschüttern. Der Doppler wählt auf der
Dosenbahn einfach eine geeignete Phasenveschiebung und verschwindet vor
unser aller Augen, der Schreinerbertl nimmt die Hansson-Kurve mit Warp 2 und
ich wache in der Nacht immer wieder laut "Wir sind Borg!" schreiend auf.


Kurz gesagt: es war wieder mal eine sehr nette Ausfahrt mit den drei
Stanisläusen (und dem Ulrich, natürlich!).


Mike

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