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Die Ballade vom Scheisshaus

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guenther faulhuber

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Sep 15, 2019, 11:05:32 AM9/15/19
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Die Ballade vom Scheisshaus


Der Ritter Brun von Feuerstrahl,
im dritten Stock beim Abendmahl,
hatt' eine Tochter Edeltrud,
gar hoch von Wuchs, doch klein von Fut.

Der Knappe Franz, voll Liebesbangen,
sah sie mit solchem Glutverlangen,
dass er in seiner Ruestung vorn
sich bauen liess ein hohles Horn,
auf dass sein Schwanz, der immer stand,
nicht breche an der Ruestung Rand.

Es war ein schoener Maienmorgen,
die Voeglein sangen ohne Sorgen,
sah Edeltrud zu ihren Freuden
den Knappen sich im Hof entkleiden
und frei von Hosen und Gamaschen
am Brunnen seine Nudel waschen.
Dieweilen rieb sich wohlig auch
am Fenster ihren Jungfernbauch.

Dies beides wirkte so zusammen,
dass sie, entflammt von Liebesflammen,
flugs in den Hof hinabmarschierte,
wo Franz die Nudel kalt frottierte.
,Komm, Fraenzchen lass das sein!"
und er verstand sie - dieses Schwein.
Den Knappen zog sie mit sich fort,
und leise schliesst sich die Tuere zum Abort.

Indessen, in der Kemenate,
sitzen die Burgfrau und ihr Gatte.
Da springt der Burgherr ploetzlich auf
und nimmt zur Tuere seinen Lauf.
Die Graefin fragt: ,Was soll das heissen?"
,Ich", sprach der Ritter, ,geh' jetzt scheissen!"
Nahm ein Stueck Pergament zur Hand,
pfurzte in die Hand und verschwand.

Und waehrend er dem Scheisshaus naht,
vom Drang getrieben, wie man sah,
um dort zu scheissen und zu brunzen,
hoert hohes er und tiefes Grunzen,
und eigentuemlich rhythmisch kracht
das Sitzbrett, das man angebracht,
damit der Mensch sich dort erbaue
und auf gesunden Stuhlgang schaue.


Da regte sich in aller Stille
des Ritters alte Schlachtenmuehle,
und was seit ueber zwanzig Jahren
sich hinter laengst ergrauten Haaren
den Blicken dieser Welt entzogen,
erstand in jugendlicher Pracht.

Doch niederkaempfend die Erregung,
eilt er nach kurzer Ueberlegung
zu des Gesindes Nachtlokal,
gelegen unterm Ahnensaal,
wo Maegd' und Knecht' schon seit Jahren
logieren und sich friedlich paaren.
Laut toent des Ritters Kampfgeschrei:
,Auf dem Scheisshaus voegeln zwei!"

Schon naht der Ritter mit der Garde,
und mit der langen Hellebarde
stoesst er noch in vollem Lauf
die Scheisshaustuere auf.

Da fallen die zwei vor lauter Schreck
in den braunen Jauchendreck.
Doch noch im Dreck voller Erregung
sieht man des Knappen fickende Bewegung.
Und zwischen Dreck und Batzen
steigen zwei Blasen auf,
die dumpf zerplatzen.

Und die Moral aus der Geschicht:
Auf dem Scheisshaus voegle nicht!



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