I bin, wia i bin, und i red, wia i red,
gaunz egal, was de Leit von mir denken,
ob eahna des g'fallt, des kümmert mi ned,
es tuat ma ja kaner was schenken.
I red, wia i wü, und frag gar net vü,
ob mei Aussprach grad irgendwem recht is,
i waas nur gaunz sicher - des hab i im Gfüh -,
daß Wienerisch auf gar kan Fall schlecht is.
Minister und Kaiser haum wienerisch gred't
und dabei kane Hemmungen kennt,
nur ans muaß i sagen: Es is halt a Gfrett,
was ma heite so "Wienerisch" nennt.
So beißerisch, wia ma es heit macht modern,
red i ned und du ned und kana,
so pülcherisch reden de Leit ned in Wean,
so red't nur a Kreis a gaunz klana.
Ka Bayer, ka Schwab und a ka Berliner
richt' sei Aussprach nur nach de Balanzer;
warum propagiert ma nur grad bei uns Wiener
den Dialekt von de ärgsten Strawanzer?
Wia wirklich mir reden, wird g'schamig vertuscht,
und dabei is's gaunz falsch und gaunz g'fehlt,
daß kana si rührt und daß jeder nur kuscht,
statt daß ma's klar sagert der Welt:
Mir Wiener, mir haum mit der Sprach do a Glick,
ma braucht sie nur aunständig reden,
daun klingt sie so herrlich, scho fast wia Musik
und g'fallt gaunz bestimmt aa an jeden.
I bin, wia i bin, und i änder mi ned,
und i laß mi durch nix irritiern,
denn so, wia i täglich mei Wienerisch red,
brauch i mi dafür ned scheniern.
(Anton Krutisch)
Zum Dionys, dem Tyrann von de Griechen,
is der Moräus mit an Dolch hingschlichen,
aber wia er si so zubedrängt
und an 's Stechen net amal no denkt,
ham eahm scho de Kiberer derglengt.
Da sagt der Tyrann: "Hab i di, du Strolch!
Speib, was hast' denn machn wolln mit'n Dolch?"
Mant der Moräus: "I bin a ehrlicher Knopf,
aber i sag's - und sollt mi der Teifel holn:
Ja - Pülcher - i hab di hamdrahn wolin!"
"Aha!" schreit der Tyrann, "du pestigs Luader,
i hab's glei gwußt, du bist ka Guater.
Aber bei mir, du Sandler, hast di vergogelt,
dafür wirst' jetzt an 's Kreiz anegnagelt."
Da winselt der Moräus ganz dasig: "Oh mei',
wia kann ma nur so nachtragend sei'?
Der macht, wia wann i eahm weh'tan hätt,
derweil war i zum Stechn eh viel z'bled.
Wann i net so patschert war, du Pippn,
hä'st' den Feitl scho lang zwischn de Rippn.
Aber wannst' mir scho nehmen willst mei Lebm,
kunnterst mir vurher a Gnade no gebm:
Wann i gach sterbert, war des saubled,
weil heite mei Schwester de Hochzeit hätt.
Lang gnua hätt s' ja gsuacht, de schiache Zechn,
und jetzt hat s' an gfundn, eh so an wechn,
der is so deppert und packt's als a blinder
und spielert den Vater für ihre drei Kinder.
I warert ihr Beistand, und wann I net kann,
rennt ihr der Weh vielleicht wieder davon.
Drum tät i di bittn: Laß mir mei Pflicht no erfülln,
wann's vorbei is, kumm i z'ruck und erfüll dir dein Willn,
nachher laßt' mi halt bratn am Kreiz in der Sunn."
"Was warst' denn so deppert," sagt drauf der Tribun,
"hä'st' halt mit dein Dolchstoß zuagwart' bis murgn,
dann hä'st' wegn der Hochzeit jetzt kane Surgn.
Wer mit'n Feitl spielt, der verbrennt si de Klebeln,
drum halt jetzt dein Maul und her auf mit'n Keppeln.
I bin der Dionys, aber du glaubst, i haß Ottl,
lassert i di jetzt geh, dann war I a Trottl!
Du hast do an Klopfer, wia stellst dir des vur?"
Drauf mant der Moräus: "Jetzt hern S' amal zua!
I hättert an Freind, der stingert mir guat
und bleibert als Pfand da, derweil i bin furt."
Und wirklich, der Freind is bereit zu der Hackn
und sagt: A vertrau dir, du wirst 's derpackn.
Aber daß d's waßt, dei Wurt, des muaß haltn,
wann i statt dir ei'geh, sag i's deiner Altn.
Und was dir dann bliaht, kannst dir ja denkn."
"I kumm scho z'ruck", sagt der Moräus, "Iiaber laß i mi hängn!"
Da spricht der Kenich: "Daß's net allerweil haßt,
i bin a Tyrann und a pestiges Gfrast,
so gib i halt nach deiner Bitte.
Aber weh eich, I kneiß a Petite,
dann kennts eich, es zwa altn Spezln,
glei de Baner anzeln z'sammenkletzln.
Und jetzt schleich di zur Hochzeit, aber geh net in d' Bliah,
i ghalt mir derweil den Haberer statt dir,
bevur dreimal de Sunn scheint, hängt er am Steckn,
und wannst du bäulisierst, dann muaß er verreckn!"
"Bei mir hast' di 'teischt, i laß eahm net stockn",
sagt der Moräus und macht si auf d' Sockn.
Durt hat er als Beistand ganz schnell unterschriebm,
aber trotzdem is er dann do picknbliebm
und hat gfressn und gsoffn und 'kudert und glacht,
und de Remasure hat 'dauert zwa Tag und zwa Nacht.
Wiarer mit an deppertn Schädl erwacht in der Hapfm
fallt eahm der Freind ei'- da haut eahm der Schreck aus de Schlapfm.
Zwölf Stund hat er nur mehr bis zum Abendrot,
und wann er net z'rechtkummt, is der Haberer tot.
Ohne Abschied, ohne Fruahstuck und ohne Rasiern
schleicht er si furt und fangt an zum marschiern.
Da fangt's an zum trepfeln, dann regnet's und schitt's,
doch er hatscht weiter bei Sturm, Dunner und Blitz.
Aber wia er zum Fluß kummt, da verliert er den Reis,
De Bruckn is weg - was tua i, o Zeus?
Wia soll i da drüber, I hab ka Schinakl,
und bei den WelIngang schwimmen, na, des is a Hackl!
Aber 's bleibt eahm nix über, er muaß durch des Wasser,
also hupft er halt eine, er wird eh nimmer nasser,
und raft mit de haushochn Wogn.
Und x-mal hätt's eahm bald abe'zogn,
aber er tuat betn und bittn und sempern,
und der Zeus hat a Mitleid und laßt eahm net schlempern.
So kummt er mit Ach und Krach ume,
kräult auße, sagt. "Wann i mi tumme',
kumm I no vur'n Abendrot eine in d' Stadt.
Der machert an Fotz, der Zwiefelkrowat!"
Und weiter rennt er mit'n patschnassn Frack,
wia wann eahm scho sitzert der Ginkerl im Gnack.
Da versperrn eahm auf amal Räuber den Weg.
"Schleichts eich", schreit er, "i hab ja an Dreck.
Des anzige, was i no hab, is mei Lebm,
und des muaß i heite mein Kenich no gebm!"
Aber de kräuln eahm net abe und wolln eahm derschlagn,
da geht er presant, da platz eahm der Kragn,
er gibt an a Tetschn, den zweitn an Schuß,
den drittn an Magnbeigl voller Genuß,
den viertn an Ferschler und kauft eahm an Reider,
de andern verkummen - und er rennt scho weider.
Aber sche langsam werdn bleiern de Haxn,
er wird miader und miader, es krachn de Flaxn,
und er denkt si: "Kummt des von de Jaukn,
oder hätt i net solln so viel raukn?"
Doch er jappelt weider auf d' hinichn Schleich,
de Sunn geht scho abe, der Himmel wird bleich.
Da kummt er zum Stadtrand mit hängender Zungen
und denkt nur des ane: "Gelungen, gelungen!"
Da kummt eahm sei Hausmaster no in de Quer
und schreit: "Du rettest dein Freind nimmermehr!
Zu spät, sie ziagn eahm scho aufe auf's Kreiz,
rett du dir de! Lebm und verduft in de Schweiz!"
Doch er gibt net nach, reißt si no amal z'samm,
spuckt in de Händ und sagt: "Glei wer' ma's habm!"
und start' wia der Nurmi in d' Stadt.
Durt zaan s' den Freind auf's Kreiz aufe grad,
und der Tyrann, der hänselt eahm immer:
"Na, Depperter, dei Spezi kummt nimmer!"
"Der kummt", rechelt der Freind, obwohl er's net glaubt,
auf amal siacht er von der Weidn, wia's staubt,
da kummt aner ghatscht, steßt auf d' Seitn de Leit,
und brüllt: "Machts mir Platz, i hab ja ka Zeit!"
Da schreit der Freind voller Freid: "Haladara!
Was sagst' jetzter, Tyrann, der Moräus is da?"
Den Tyrannen fallt abe vur Enttäuschung des Ladl,
er glaubt, er tuat tramen, und zwickt si ins Wadl,
aber es is wahr und wirklich ka Tram,
da Moräus is frank wieder daham.
"Freindschaft" schreit der Moräus, "geht mir über alls,
jetzt bin i da, Freind, und rett dir dein Hals!"
Und de zwa falln si vur Rührung so lang in de Arm,
daß d' Leit umerdum scho glaubm, de san warm.
Der Tyrann, der steht danebm und sinniert:
"Der Moräus, des Hundsviech, der hat mi blamiert,
jetzt kann i nix tuan wia vertuschn mein Gizzi",
und schasfreindlich sagt er: "Es selds mir zwa Strizzi,
I mecht eich schee bittn in derer Stund:
Nehmts mi als drittn in eichern Bund!"
Da sagt der Moräus zum bekehrten Tyrann:
"Du, des is leiwand, mir brauchn eh an,
Niserl, scheib eine, uns kannst du net pflanzn,
du wirst unser Dritter - beim Preferanzn!"
(Anton Krutisch)
Unlängst war in Wean da aner,
des war a echter Hannoveraner;
a Norddeitscher aus Niedersaxn,
der is obegfahrn mit seiner Kraxn
und wollt 's in Wean herunt' probiern,
in Urlaub Land und Leit studiern.
Dazua ghört aa de Weana Sprach,
denn grad in dem Punkt warer schwach,
weil in Hannover redn s'fein,
statt gschpitzta Sta' sagns' "spitzer Stein",
und wer net grad so gschwolln redt,
is bei eahna halt ka Deitscher net.
Natirlich hat der guate Mann
si schwer mit unsern Redn tan
und hat bei Freindn und Bekanntn
von kan Gespräch a Wurt verstandn.
Da sagt er: "Ach, ich möchte gerne,
daß ich diese Sprache lerne,
denn ich habe hierzulanden
außer ,Trinkgeld' nichts verstanden."
Draufhin denk i voll Erbarmen:
Lernst' halt weanarisch den armen,
aber i hätt's net solln tuan,
denn i war bald narrisch wurdn.
Es is net gangen, trotz mein Wülln,
z'erscht lernt a Zebra Römmyspüln.
Dabei hab i mi eh so plagt
und alles klar und deltlich gsagt:
Es gibt in alle Sprachen Normen,
sozusagen de Umgangsformen
de san bei uns Ete-pe-tete,
mir haltn sehr auf Etikette,
anstatt "Pardon", tua i erklärn,
sagt ma "öha" da in Wean,
wannst' wen auffetrittst auf d' Haxn
- "Beine" haßt's in Niedersaxn -
"entferne dich" haßt "bleib net do"
oder "schleich di" und "ziag o",
außerdem klingt a net dumm
"drah de", "putz de" und "verkumm".
"Sie sind nicht klug" haßt "Se san teppert",
wann es wo bumst, sagn mir "es scheppert",
"sei bitte still" heißt "halt den Schnowe",
und "verschone mich" haßt "kräul mir owe".
"Jemand ulken" nennt ma "heansln"
und des "kokettiern" haßt "speanzln".
"Georg" heißt bei uns nur "Schurl"
und an "Neger" nennt ma "Murl",
doch hast kan Schilling du im Zeger,
sagt ma wieder "du bist Neger".
Ein junges Mädchen nennt ma "Madl",
ein junges Ferkl is a "Fadl",
doch manchesmal - es kummt drauf au -
is a a junges Mensch a "Sau".
Wer verstoßen wird, der kriegt den Weisel,
und ein Klosett heißt bei uns "Heisel",
zu schlechten Zähnen sagt ma "Stockerln",
und dumme Mädchen nennt ma "Nockerln",
ein Bonbon haßt bei uns "Zuckerl",
und die Verbeugung is a "Buckerl".
"Zuzzln" tuat, wer lispelnd spricht,
und a "Treanschn" is a bledes Gsicht.
So hab i eahm halt nach und nach
einführn wolin in d' Weana Sprach,
nur hab i scho ganz deltlich gspürt,
daß der von alldem nix kapiert,
er schaut nur geistreich jedesmal
so wia a Ochs vurn neichn Stall.
Doch i gib net nach und biffe'
mit eahm de wichtigstn Begriffe:
Weinen nennt ma "reern" und "zauna",
a "Strawanzer" ist ein Gauner,
a "Joschi" ist ein Überrock
und die Schuhe haßn "Bock",
"Hülsn" nennt man einen Hut,
"leinwand is's" heißt "es ist gut",
einen Anzug nennt ma "Schaln",
"blechn", "brandln" heißt bezahln,
wenn wer pocht, sagt man "er pumpert",
ein "alter Kram", das is a "Glumpert",
wer nicht deutlich spricht, der "schnofelt",
und wer kein Glück hat, is "verknofelt".
Ist ein Weibsbild überspannt,
wird es "Funsen" hier genannt,
doch a "Funserl" ist ein Liachtel,
und ein Schwächling is a "Zniachtel".
"Fladern" haßt's, wenn einer stiehlt
und "scheangeln" sagt ma, wenn wer schielt,
"tschechern" sagt ma, wenn wer trinkt,
und "hatschn" haßt es, wenn wer hinkt,
doch "hatscherts Scheangerl" nennt ma mild
einen Hinkenden, der schielt.
Ganz dasig schaut der Hannoverana,
ma siecht eahm an, er tät gern wana.
"Ich bitte", sagt er, "nimm's nicht übel,
lieber lerne ich die Mao-Bibel.
Was zuviel ist, ist zuviel,
da ist chinesisch ja ein Kinderspiel!"
Da gib i auf, jetzt hab i gnua,
des war ja doch a Bruchteil nur
von dem, was aner z'lernen hätt,
bis daß er weanerisch versteht.
Für was hab i mei Zeit verschwendt:
"A Preuß hat halt ka Sprachtalent!"
(Anton Krutisch)
Aum Markt, da preist a Standelfrau
recht lautstark ihre Waren au
und schreit: "An Radi hab i do,
kaufts ma mein schenan Radi o!"
Da geht vorbei bei ihra Bude
a Ehepaar aus Buxtehude,
des was nur norddeutsch kaun perfekt
und ka Wurt Weana Dialekt.
Se hörn: "... kaufts ma an Radi o ... "
und verstehngan immer: "Radio."
Da sagt de Frau: "Das ist famos,
hier gibts am Marktstand Radios,
Uwe, bleibe doch mal stehen,
ich möchte gerne eines sehen."
Der Uwe bleibt brav steh und schaut,
doch weil er siecht nur Kelch und Kraut
und Gurken, Zeller, Ruam, Spinat
und was a Greitler sunst no hat,
doch keinen Radio entdeckt,
fragt er die Standlerin direkt:
"Frauchen, sagen Sie mir bloß:
Wo liegen hier die Radios?"
De Greitlerin, de is net bled
und gneißt glei, was der mißversteht,
drum denkt sie sich: Na wart, du Preiß,
di führ i jetzten auf des Eis.
Sie sagt: "Ah so, Se wolln an Radio!
Der liegt ja eh vur Ihna do!"
und zeigt dabei aum Radihaufen,
"den kennan S' glei per Kilo kaufen."
Der Uwe beutelt mit'n Schopf,
des Gaunze wüll eahm net in Kopf.
"Das Radio", sagt er, "guck mal, Lieschen,
das sieht fast aus wie ein Radieschen."
"Ulkig, nich?" sagt sie darauf
und hebt an klanen Radi auf,
"die neue Form ist wirklich pfundig,
bestimmt der letzte Schrei von Grundig."
"Ja", sagt die Greitlerin, "und 's Mikrophon
is von der Bamschul Christenson."
"Das Radio steckt man ins Ohr",
sagt drauf die Preißin, "mir kommt vor,
ich habe schon davon gehört.
Sehr praktisch, weil es niemand stört."
"Des gefreit mi, daß er Ihna gfallt",
sagt d' Standlerin, "probiern S' eahm halt."
Daraufhin nimmt des kesse Lieschen
vom Radihaufen a Radieschen
und steckt si's mit'n Spitz in d'Uhr'n;
doch glei drauf legt's es weg voll Zurn
und nimmt a aunders, etwas greßa,
des taugt ihr aber a net bessa.
Und so tuat a Radi um den aundern
wieder auf den Haufen waundern.
Dawäu probiert's der Uwe aa,
auf amoi kriagn a Wut de zwa und schrein:
"Ihr Radio ist nichts wert,
wir haben keinen Ton gehört!"
Drauf sagt de Greitierin: "Des waß i eh,
der Radio hat an b'sondern Schmäh:
Den müassen S' fressen, wann S' eahm kaufen,
und nacha drauf a Wasser saufen,
daun kennan S', des kaun i beschwörn,
a gaunzes Blasorchester hörn!"
(Anton Krutisch)