Es fing vielversprechend an ... Ich habe ohne Probleme jemanden
gefunden der mich ins Kino begleitet, ich habe gute Plätze bekommen,
es wurde sogar ein Vorfilm gezeigt! Doch leider fing jemand nach dem
Vorfilm an, am Lautstärkeregler zu drehen. Der Film begann also viel
zu leise. Ich aufgestanden und freundlich darauf hingewiesen, daß es
sich hier um Explosionen und nicht um ein laues Lüftchen handelt.
Tatsächlich wurde es daraufhin lauter, jedoch nur um nach 1 Minute
fast auf 20-Parteien-Mietshaus-Lautstärke runtergeregelt zu werden.
Empört ging ich noch einmal zum Besitzer des Kinos (der hier auch noch
an der Kasse sitzt). Dieser kam sogar mit in den Saal, fand die
Lautstärke aber völlig ausreichend :-( Nach einer kurzen Diskussion,
welche nur das Ergebnis hatte, daß a) auch noch andere im Saal seien
außer mir (welch Argument) und b) die Lautstärke bisher immer
ausgereicht hätte und c) ich mich ziemlich verärgert wieder auf meinen
Platz setzte, weil an ein Geldzurückbekommen offensichtlich nicht zu
denken war.
Das Oeynhausener Kinocenter hat mich heute abend zum letzten Mal
gesehen. Schade, manche Leute wollen kein Geld verdienen.
Unverständlich ist mir auch, daß sich sonst niemand beschwert hat,
obwohl ich aus einer Ecke zustimmendes Gemurmel gehört habe. Mal
sehen, was das neue Hoytts-Multiplex um die Ecke im Frühjahr so mit
sich bringt ...
> Zum Inhalt ...
John Robinson (William Hurt) bereitet sich seit vielen Jahren darauf
vor, die Welt zu retten. Die Rohstoffreserven sind fast aufgebraucht
und so muß sich die Menschheit aufmachen, um neue Rohstoffquellen zu
entdecken, sprich: Neue Welten zu finden. Zu diesem Zweck entwarf John
Robinson die "Jupiter 1". Ein riesiges, vollautomatisches Raumschiff,
welches ihn und seine Familie in eine weit entfernte Galaxis bringen
soll um dort ein riesiges Dimensionstor aufzubauen. Durch dieses Tor
sollen dann ohne Zeitverlust Siedlerschiffe fliegen und neue Heimaten
aufbauen.
Robinsons Tochter Judy (Heather Graham) begleitet dieses Projekt als
Ärztin und Entwicklerin des Kryo-Schlaf Systems, mit dem die Robinsons
die 10 Jahre lange Reise im Tiefschlaf absolvieren sollen. Nicht alle
Mitglieder der Familie freuen sich auf den Trip. Die gerade in die
Pubertät kommende Penny (Lacey Chabert) kann sich alles mögliche
vorstellen, nur nicht ihren Freund, ihre Clique und ihre Heimatstadt
zu verlassen und das Nesthäckchen der Familie, der kleine altkluge
Will (Jack Johnson), hat arge Probleme damit alle seine Sachen zu
packen. Dies alles versucht irgendwie Johns Frau Maureen (Mimi Rogers)
zusammenzuhalten, doch bei so einer großen Familie und einem nie
anwesenden Vater ist das eine ziemlich nervenaufreibende Sache.
Kurz vor dem Start wird auch noch der ursprünglich vorgesehene Pilot
ermordet aufgefunden. Jedoch ist in dem ebenso erfahrenen wie
heißspornigen Major Don West (Matt LeBlanc) schnell ein adäquater
Ersatz gefunden. Man braucht an Bord der Jupiter ja auch mehr einen
Babysitter, denn einen Chauffeur. Leider ist der Mord nicht ganz
zufällig passiert, sondern war ein Plan des schurkischen Dr. Smith
(Gary Oldman), der zu allem Unglück auch noch der oberste medizinische
Betreuer der Mission ist. Er versucht den Start der Jupiter aus
philosophischen und monetären Gründen zu vereiteln. Da ihm dies
mißlang, geht er noch ein letztes Mal an Bord, um selbst Hand
anzulegen. Durch einen nicht ganz so zufälligen Unfall, wird er aber
bewußtlos und verpasst leider, vor dem Start auszusteigen.
So hat Familie Robinson auf ihrem Trip also das Böse mit an Bord. Und
nicht nur gegen dieses von der Erde mitgebrachte Übel wird man sich
erwehren müssen ...
> Hmm ...
So, die Vorzeichen für diesen Film standen ähnlich wie bei Godzilla.
Alle Welt verreißt das Werk von Regisseur Stephen Hopkins, dessen
Filme "Der Geist und die Dunkelheit", "Predator 2" und der
wahrscheinlich nicht so bekannte "Blown Away" mir eigentlich ganz gut
gefallen haben. Alle diese Filme bauten aber irgendwie auch ein
bißchen auf den Charakteren auf. Das wird, wie es zur Zeit in
Hollywood üblich ist, bei "Lost In Space" leider wieder völlig
vergessen. Ich frage mich wie es Leute wie William Hurt, Mimi Rogers
oder Gary Oldman mit ihrem Gewissen vereinbaren können, bei soetwas
mitzumachen?
Vor allen Dingen Gary Oldman kann und hat ja nun schon deutlich
anspruchsvollere, wenn auch nicht unbedingt anders geartete Rollen
gespielt. Aber hier hätte er nun wirklich einmal "Njet!" sagen sollen.
Völlig unterbelichtet bleiben seine Beweggründe, wie eigentlich die
aller seiner Mitstreiter. Genau wie auch die Beweggründe der
Verantwortlichen für diese Gigantomission.
Wenn, wie im Film gesagt, ein Jagdflieger mehrer Milliarden kostet,
wie teuer muß erst dieses Schiff sein? Welcher Trottel läßt damit
einen Vater, der seine abgedrehte Familie konsequent vernachlässigt,
durch die Gegend touren? Und wie dümmlich waren die Erfinder solcher
Sachen wie Lebensform-Scanner, die zwar in einem kilometerlangen
Schiff ein lustiges Gummichamäleon finden können, aber keinen
bewußtlos in einem Luftschacht liegenden Bösewicht.
Die Zeitreisen Geschichte (interessiert mich eigentlich immer ;-) fand
ich halbwegs schlüssig. Wenngleich ich auch die Erklärung des jungen
Will nicht verstanden habe, warum zwei Personen *doch* an einem Ort
gleichzeitig sein können. Sollten sich Doc Brown oder Max Walker
damals doch geirrt haben? Eher unwahrscheinlich, und doch sind die
beiden Wills nicht verschwunden oder haben sich in Antimaterie
aufgelöst.
In Antmaterie aufgelöst hätte ich mich beim Ansehen dieses Films an
einigen Stellen auch am liebsten, aber die wirklich absolut
sehenswerten Effekte und Raumschiffszenen ;-) haben mich dann meist
wieder halbwegs verwöhnt. Was in dem Film an Ton steckt kann ich
aufgrund dieser armseligen Vorstellung leider nur erahnen.
Was war sonst noch dran an diesem Film? Ein kleiner neunmalkluger
Junge, eine auf "Guckt mich mal in 2 Jahren an!" geschminkte
Halbwüchsige, ein - nein, kein geretteter Hund - gerettetes
Quietsche-Maskottchen und haufenweise Zitate (oder einfach nur
kopierte Szenen) aus anderen Filmen. Von "Aliens,", "Blade Runner",
"Das fünfte Element", "Star Wars" bis "Die Waltons" war alles
vertreten. Wobei zumindest das letztere *wirklich* witzig war, der
Rest passte zumindest ganz gut in den Rahmen.
Es fällt mir schwer und ist auch langsam lästig es wieder zu
schreiben, aber ich würde tatsächlich den Leuten, die nur gute Effekte
sehen wollen, auf große Explosionen stehen und auf eine Handlung
weitestgehend verzichten können, empfehlen sich "Lost In Space"
anzusehen. Ich für meinen Teil hoffe allerdings, daß in Zukunft viel
mehr Filme wie Out Of Sight den Weg auf die silberne Leinwand finden.
Ständig sein Hirn an der Kasse abgeben wird nämlich allmählich etwas
anödend.
Andreas
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Gute Nacht, John Boy! letztes Update: 29.09.1998