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Elizabeth

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Michael Brunnbauer

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Sep 29, 1998, 3:00:00 AM9/29/98
to
Historienfilme scheinen nicht mehr populär zu sein ..?

zumindest könnte man so die spürbar geringere Zahl an
Leuten deuten, die heute die Linzer Sneak besuchten.


Warner denkt wohl ebenso und hält schon seit Jahren
ihr ALEXANDER Projekt zurück. Einzig Ridley Scott will
sicher wieder mal in die Nesseln setzen und plant einen
Gladiatoren-Schinken für DreamWorks. "mach was, Ridley!"


doch zurück zu ELIZABETH:

Der Film ist kein LA REINE MARGOT (Die Bartholomäusnacht),
aber das ist auch schon das einzige, das mir negativ dazu einfällt.


ELIZABETH schildert die ersten Regierungsjahre der gleichnamigen englischen Königin
(im 16. Jhdt.), die Verschwörungen am Hofe und in der europäischen Politik
und das Liebesleben der Königin.


Der Film besticht durch eine brilliante Hauptfigur,
Cate Blanchett in der Rolle der Elizabeth, die wohl
eine der beeindruckendsten weiblichen Performances
der letzten Zeit abgibt. Hinter ihr kommt ein Rattenschwanz
an netten bis tollen Nebendarstellern, die allesamt
mit dem historischen Rahmen harmonieren.

Ich finde keineswegs, daß Richard Attenborough in seiner
Rolle übertreiben hat, wie irgendwo zu lesen war.
Andererseits finde ich Geoffrey Rush als Sir Francis Walsingham,
Elizabeths Sicherheitsberater viel zu blaß und zu wenig geheimnisvoll
angelegt.

Die Kamera ergibt sich ganz zögerlich ein paar wenigen Aufblendeffekten,
bleibt sonst recht naturalistisch, wo man sich doch ein wenig Verspieltheit
und schillernde Texturen a la Ridley Scott erwartet. Auch die gezeigten
Grausamkeiten sind sehr nüchtern dargestellt, verspielen so, naturalistisch
untertrieben, einiges an dramaturgischem Potential.

Doch will vermutlich gar nicht jeder einen LA REINE MARGOT sehen
(ich nenn's "Das NATURAL BORN KILLERS des Mittelalters" :-) und der Film ist
auch so noch beeindruckend genug. Außerdem wird man sich wegen des
angepeilten weiblichen Zielpublikums auch ein wenig zurückgehalten haben.


ELIZABETH ist ein englischer Film. Kann auch gar nicht aus Hollywood kommen,
denn sonst hätte er keine starke weibliche Hauptrolle, nur gesichts-
und ausstrahlungslose Nebendarsteller und eine Menge Kitsch.


ein amüsantes Detail am Rande:
scheinbar haben die englsichen Historienfilme der letzten Zeit immer wieder
(sicher unbeabsichtigte) Referenzen auf STAR WARS.
So war's bei Richard Locraines wunderbarem RICHARD III. (der in den 30er Jahren),
als der Titel-Anti-Held in der Gasmaske schnaubte, und ebenso kommt's dem
SW-Geschädigtem bei ELIZABETH vor, als der verräterische Mönch in Kutte und
eisernem Handschuh auf sie zustapft. ;-)


daß der Film deutsche Untertitel aufwies, soll wohl heißen, daß er bei uns
gar nicht regulär in den Kinos laufen wird. "kommerziell nicht verwertbar, oder so".


ganz arg viel mir auch die schrift im Vorspann auf, die zu den historischen
Bildern etwa so gut paßt, wie die vielzitierte Faust aufs Auge...


aber sonst kann ich nur eins sagen:
der Film war toll!


(allerdings war SMALL SOLDIERS auch toll,
also wägt ab ;-)
(mich würde schon wundern, sollte mein Geschmack nicht irgendwo auf Befremden stoßen :-)

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