Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

AE: Der Pferdepfluesterer

1 view
Skip to first unread message

Andreas Edler

unread,
Oct 1, 1998, 3:00:00 AM10/1/98
to
> "Der Pferdepflüsterer" / (31.09.98 / Warner Kino 7 / Centro)

So ein Tag im CentrO schlaucht ganz schön, sowohl die Beine, als auch
den Geldbeutel. Nichtsdestotrotz mußte ich natürlich dem dortigen Kino
einen Besuch abstatten welches mir dafür mit einem unglaublich
niedrigen Entgelt von DM 10,-- dankte. Da ich mit meiner besseren
Hälfte unterwegs war, entschied ich mich für den vermeintlich etwas
anspruchsvolleren "Pferdepflüsterer". Erstmal war ich überrascht, daß
es Platzkarten gab - ist man aus unserer Gegend gar nicht gewohnt. Nur
wurde mir das vorher nicht gesagt und ich mußte nochmal zurück zur
Kasse, um nach einigen Diskussionen mit dem offensichtlich nicht so
schnell begreifenden Kassierer, andere Plätze zu bekommen. Wo ich gut
sitze entscheide immer noch ich, und nicht der dumme Rechner ;-)

Blöderweise saßen hinter mir die übelsten Pott-Matronen die man sich
vorstellen kann. Die drei Damen unterhielten sich derart lautstark
über Onkel Willis Kegelabend und das Raucherbein von Herrman, daß das
widerliche Essen des in einem 5 Liter Eimer mitgebrachten Popcorns mit
offenem Mund schon fast nicht mehr auffiel. Nachdem dieses Geschmatze
und Geschnatter auch während des Films und nach mehrmaliger
Aufforderung jetzt endlich ruhig zu sein, nicht aufhörte, setzten wir
uns (das erste Mal seit ich ins Kino gehe) auf einen anderen Platz.

> Zum Inhalt ...

Es soll Menschen geben, die können mit Tieren sprechen. Einige davon
verstehen sich mit Hunden sehr gut, wieder anderen folgen Katzen auf's
Wort und einige haben ein goldenes Händchen mit Pferden. Tom Booker
(Robert Redford) gehört zur letzteren Kategorie, und an eben diesen
wendet sich die energische und ein bißchen egozentrische
Chefredakteurin Annie McLean (Kristin Scott Thomas) nachdem ihre
Tochter Grace (Scarlett Johansson) nach einem schweren Unfall ihr
Pferd fast verloren hätte. Pilgrim, so der Name des Hengstes, ist
völlig verstört und läßt niemanden mehr an sich heran. Eigentlich
hätte er auf anraten der Tierärztin nach dem Unfall wegen seiner
extremen Verletzungen eingeschläfert werden müssen, doch das Wort
"aufgeben" gibt es für Annie nicht, und so wurde alles versucht
Pilgrim zu retten. Mit zweifelhaftem Erfolg.

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum Annie den etwas mürrischen
Tom am Telefon zur Hilfe zu überreden versucht. Auch ihre Tochter ist
bei dem Unfall schwer verletzt worden und muß mit einem Handicap
leben, kann sich jedoch - verständlicherweise - nicht so recht in ihr
Schicksal fügen. So verhält sie sich ihrer Mutter gegenüber wie sich
das Pferd ihr gegenüber verhält: störrisch, angriffslustig und
verschlossen. Annie vversucht also irgendwie 3 Fliegen mit einer
Klappe zu schlagen. Wird das Pferd geheilt, ist Grace wieder
umgänglicher und Annie hat wieder die ihr aus der Hand geglittenen
Zügel in der Hand.

Leider ist weder Tom Booker begeistert von der Idee, noch ist Grace
besonders kooperativ. Annie stellt kurzerhand Ihren Mann Robert (Sam
Neill) und Grace vor vollendete Tatsachen, als sie ihnen mitteilt, daß
sie sich mit dem Pferd und Grace auf den Weg nach Montana zu Tom
Booker machen will ...

> Hmm ...

Es beginnt für Pferdefreunde schon recht heftig. Aber wer denkt es
geht in dieser Form weiter, der täuscht sich. "Der Pferdepflüsterer"
ist einer der im Mainstreamkino seltenen, sehr ruhigen Filme. Gänzlich
ohne Effekthascherei wird hier die Geschichte der selbstherrlichen,
gleichzeitig aber völlig unentschlossenen Annie MacLean erzählt,
welche von Kristin Scott Thomas hervorragend und überzeugend gespielt
wird. Nach einer kurzen Zeit ist man "im Geschehen" und von der
Atmosphäre des Films gefangen.

Robert Redford bietet als ruhiger Tom Booker ebenfalls eine
überzeugende Darstellung, wengleich ich bei dem Altersunterschied
Redford <­> Scott Thomas schon ab und zu etwas schmunzeln mußte. Ein
gehöriges Lob an dieser Stelle auch an Scarlett Johansson, die sehr
überzeugend humpelte und neben diesen körperlichen schauspielerischen
Fähigkeiten auch den Rest der Palette, sprich Trotzigkeit,
Traurigkeit, langsames Vertrautwerden, gut "rüberbrachte". Lediglich
Sam Neill fungierte ein wenig als Lückenfüller und Stichwortgeber,
hatte - fairerweise gesagt - jedoch auch nicht gerade den tragenden
Part des Films. Trotzdem blieb sein Robert immer ein wenig farblos.
Ich hätte mir gewünscht, daß der Film mehr zu seiner Person gesagt
hätte, um die Entscheidung am Schluß vielleicht noch etwas besser
verstehen zu können.

Das einzige was Robert Redford als Regisseur etwas übertrieben hat,
waren die Landschaftsaufnahmen. Zwar sehr schön anzusehen, doch für
die Geschichte nicht immer notwendig, zogen sie das Ganze manchmal
etwas in die Länge. Ich ertappte mich ab und zu dabei, wie ich auf
meine neue, nachgemachte G-Shock guckte. Hier wäre ein bißchen weniger
Länge etwas mehr Spannung gewesen. Trotzdem war die "Fühllänge" des
Films deutlich kürzer als die tatsächliche Laufzeit von ca. 3 Stunden.


Mein Handycap bei "Der Pferdepflüsterer" ist leider, daß ich mich
eigentlich überhaupt nicht für Pferde interessiere ;-)
Ansonsten: Gute Arbeit Robert!

Andreas
--
a.e...@gmx.de ICQ: 4133249 http://www.privat.kkf.net/~andreas.edler/
-------------------------------------------------------------------------
Gute Nacht, John Boy! letztes Update: 01.10.1998

Battman

unread,
Oct 2, 1998, 3:00:00 AM10/2/98
to
On Thu, 01 Oct 1998 15:41:36 GMT, a.e...@gmx.de (Andreas Edler)
wrote:

>> "Der Pferdepflüsterer" / (31.09.98 / Warner Kino 7 / Centro)
>

Ich pflüster dir jetzt, daß das "flüstern" heisst..

Battman

Andreas Edler

unread,
Oct 3, 1998, 3:00:00 AM10/3/98
to
Am Fri, 02 Oct 1998 22:55:28 GMT, alex.ba...@teleweb.at (Battman)
schrieb:

> >> "Der Pferdepflüsterer" / (31.09.98 / Warner Kino 7 / Centro)
> >

> Ich pflüster dir jetzt, daß das "flüstern" heisst..

Jaha! Das wurde mir auch in news:de.rec.pfilm.misc schon charmant
aupfs Brot geschmiert ;-) Ich hab's auf der Homepage berichtigt. Ich
weiß auch nicht, was mich da geritten hat.

Opfpfensichtlich war ich aber von der Schreibweise überzeugt.
<grmblpf>

Ich schreibe meine Kritiken wohl doch besser mit 'ner Textverarbeitung
incl. Rechtschreibkorrektur und nicht mehr mit 'nem "dummen" Editor.

0 new messages