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Manntje, Manntje, timpe te

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Kai Hiltmann

unread,
Jan 29, 1998, 3:00:00 AM1/29/98
to

Weiss jemand, was dieser Ausdruck aus dem "Fischer un sine Fru"
bedeutet? Ein plattdeutscher Kollege meinte, es sei nur eine
Textfüllung, die des Reimes wegen gebraucht werde. Ich halte es aber für
wahrscheinlicher, daß doch eine - vielleicht verschliffene - Bedeutung
dahintersteckt.
Vielleicht (reine Spekulation): "Männchen, Männchen, ich bitte dich"
oder was ähnliches?


Kai Hiltmann

unread,
Jan 30, 1998, 3:00:00 AM1/30/98
to

Kai Hiltmann schrieb:

Ich habe zu dem Thema im Web gesucht und bin auf das
Arnold-Schönberg-Center gestoßen. Schönberg hatte folgende interessante
Deutung:

------- Weitergeleitete Nachricht / Forwarded message -------
Date: Thu, 29 Jan 1998 10:02:18 -0700 (MST)
To: "Kai Hiltmann" <Kai.Hi...@imit.uni-stuttgart.de>
From: bel...@primenet.com (Belmont Music)
Subject: Re: additional information on Arnold Schoenberg
Cc: off...@schoenberg.at

The Schoenberg archives are in the process of being shipped to Vienna to

the Arnold Schoenberg Center which will open in March of this year.
The item that you are referring to is in that collection and can be
referenced by the the number T33.13
--------------------------------------------------
A transcription of the page is as follows:

ETYMOLOGISCHES


Bei Grimm: "Mantje, Mantje, timpete,
Fischlein, Fischlein in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
will nicht so, wie ich gern will."

Mantje--das ist wohl: Mon Dieu Mein Gott

timpete--vielleicht: tu...?? pitié?
du . . me' Mitleid
8.VII.1928

"tu m'aie pitié" (vielleicht
statt: aie pitié de moi?)
10.2.1950


Jan

unread,
Jan 31, 1998, 3:00:00 AM1/31/98
to

Kai Hiltmann ließ sich am Fri, 30 Jan 1998 um 11:39:28 wie folgt
vernehmen:

>ETYMOLOGISCHES
>
>
>Bei Grimm: "Mantje, Mantje, timpete,
> Fischlein, Fischlein in der See,
> Meine Frau, die Ilsebill,
> will nicht so, wie ich gern will."
>
>Mantje--das ist wohl: Mon Dieu Mein Gott
>
>timpete--vielleicht: tu...?? pitié?
> du . . me' Mitleid
> 8.VII.1928
>
>"tu m'aie pitié" (vielleicht
>statt: aie pitié de moi?)
> 10.2.1950

Eine sehr interessante Ableitung.

Ich meine mich zu erinnern, daß das Grimmsche Original in
niederdeutscher Sprache aufgezeichnet war. Stimmt das?
Könnte es sein (wilde Vermutung), daß sich die Geschichte auf Hugenotten
zurückführen läßt, die sich an der Nordseeküste angesiedelt hatten?
--
Jan


Jens Walter Heckmann

unread,
Feb 2, 1998, 3:00:00 AM2/2/98
to hjw, h...@ber.axime-is.fr

Am 31. Januar 1998 schrieb Jan T. Kern:

>
> Ich meine mich zu erinnern, daß das Grimmsche Original in
> niederdeutscher Sprache aufgezeichnet war. Stimmt das?
> Könnte es sein (wilde Vermutung), daß sich die Geschichte auf Hugenotten
> zurückführen läßt, die sich an der Nordseeküste angesiedelt hatten?

Von Nordsee kann keine Rede sein; das Maerchen ist in pommerscher
Mundart niedergeschrieben, und Pommern liegt bekanntlich an der
Ostsee. Ob es in Pommern vor dem Ende des 18. Jahrhunderts (als
das Maerchen von Runge aufgezeichnet wurde) Hugenotten gab, weiss
ich nicht; koennte aber durchaus sein. Ich finde die Hypothese
auch sehr interessant.

Jens W. Heckmann

Joerg Schleicher

unread,
Feb 3, 1998, 3:00:00 AM2/3/98
to

Jan wrote:
>
> Kai Hiltmann ließ sich am Fri, 30 Jan 1998 um 11:39:28 wie folgt
> vernehmen:
> >ETYMOLOGISCHES
> >
> >
> >Bei Grimm: "Mantje, Mantje, timpete,
> > Fischlein, Fischlein in der See,
> > Meine Frau, die Ilsebill,
> > will nicht so, wie ich gern will."
> >
> >Mantje--das ist wohl: Mon Dieu Mein Gott
> >
> >timpete--vielleicht: tu...?? pitié?
> > du . . me' Mitleid
> > 8.VII.1928
> >
> >"tu m'aie pitié" (vielleicht
> >statt: aie pitié de moi?)

Mein Franzoesisch ist zu schwach, aber vielleicht kann ja jemand
mal bestaetigen oder dementieren, was ich fuer moeglich halte:
Statt einer form von "haver" koennte es vielleicht eine von "tener"
sein. Wie lauetet denn der Imperativ von "tener"?
Die Idee kam mir deshalb, weil es im Portugiesischen an dieser Stelle
"tenha" hiesse.

Vielleicht also irgendwas wie
Mon Dieu, Mon Dieu, tiens piet\'e (piti?)

Gruss
Joerg

Jens Walter Heckmann

unread,
Feb 3, 1998, 3:00:00 AM2/3/98
to hjw, h...@ber.axime-is.fr

Am 3. Februar 1998 schrieb Joerg Schleicher:

>
>>> timpete--vielleicht: tu...?? pitié?
>>> du . . me' Mitleid
>>>
>>> "tu m'aie pitié" (vielleicht
>>> statt: aie pitié de moi?)
>
> Mein Franzoesisch ist zu schwach, aber vielleicht kann ja jemand
> mal bestaetigen oder dementieren, was ich fuer moeglich halte:
> Statt einer form von "haver" koennte es vielleicht eine von "tener"
> sein. Wie lauetet denn der Imperativ von "tener"?
> Die Idee kam mir deshalb, weil es im Portugiesischen an dieser Stelle
> "tenha" hiesse.
>
> Vielleicht also irgendwas wie
> Mon Dieu, Mon Dieu, tiens piet\'e (piti?)

Der Imperativ heisst zwar in der Tat 'tiens', aber im Gegensatz zum
Portugiesischen bedeutet franz. 'tenir' nur "halten"; im Zusammenhang
mit 'pitié' wird nur 'avoir' gebraucht (welches das normale Verb fuer
"haben" ist).

Eine andere Idee waere noch 'teindre' "faerben" (schliesslich hat
ja das Meer jedesmal eine andere Farbe); aber dann muessten wir
statt 'pitié' etwas anderes finden.

Jens W. Heckmann


Joerg Schleicher

unread,
Feb 4, 1998, 3:00:00 AM2/4/98
to

Jens Walter Heckmann wrote:
> Der Imperativ heisst zwar in der Tat 'tiens', aber im Gegensatz zum
> Portugiesischen bedeutet franz. 'tenir' nur "halten"; im Zusammenhang
> mit 'pitié' wird nur 'avoir' gebraucht (welches das normale Verb fuer
> "haben" ist).

War das denn immer so?
Immerhin ist die Geschichte ja schon ein paar Jaehrchen alt.
Da koennte sich ja der Sprachgebrauch veraendert haben, oder?

Immerhin ist ja auch aus Mon Dieu (wenn es denn stimmt) Manntje
geworden!

Gruss
Joerg

Dr. Peter Kittel

unread,
Feb 4, 1998, 3:00:00 AM2/4/98
to

In article <mp2iWBAC...@kern.demon.co.uk> Jan <ne...@kern.demon.co.uk> writes:
>Kai Hiltmann ließ sich am Fri, 30 Jan 1998 um 11:39:28 wie folgt
>vernehmen:
>>ETYMOLOGISCHES
>>
>>Bei Grimm: "Mantje, Mantje, timpete,
>> Fischlein, Fischlein in der See,
>> Meine Frau, die Ilsebill,
>> will nicht so, wie ich gern will."
>>
>>Mantje--das ist wohl: Mon Dieu Mein Gott
>>
>>timpete--vielleicht: tu...?? pitié?
>> du . . me' Mitleid
>> 8.VII.1928

>>
>>"tu m'aie pitié" (vielleicht
>>statt: aie pitié de moi?)
>> 10.2.1950
>
>Eine sehr interessante Ableitung.

Also das Manntje habe ich immer als "Maennchen" verstanden, also
als eine Mischung aus Deutsch und Flaemisch oder so.
Und "timpete" mit "Mitleid" zu assoziieren, kommt mir genau
falschrum vor, denn das wird ja in einer Situation gesagt, wo
der Fischer was von dem Fisch will und nicht andersrum.

--
Best Regards, Dr. Peter Kittel // http://www.pios.de of PIOS
Private Site in Frankfurt, Germany \X/ office: peterk @ pios.de


drcp...@googlemail.com

unread,
Aug 23, 2015, 1:27:48 PM8/23/15
to
> ETYMOLOGISCHES
>
>
> Bei Grimm: "Mantje, Mantje, timpete,
> Fischlein, Fischlein in der See,
> Meine Frau, die Ilsebill,
> will nicht so, wie ich gern will."
>
> Mantje--das ist wohl: Mon Dieu Mein Gott
>
> timpete--vielleicht: tu...?? pitié?
> du . . me' Mitleid
> 8.VII.1928
>
> "tu m'aie pitié" (vielleicht
> statt: aie pitié de moi?)
> 10.2.1950

In der Grimm-Ausgabe von 1812 steht: "Mandje!".
Das scheint mir zweifelsfrei: "Mon Dieu!"
Was "timpe te" heisst, ist dann wohl kaum zu klaeren.
Ich wuerde mal auf franz. temp^ete tippen.
Also: Mein Gott, mein Gott, was fuer ein Unwetter!

jpuhl...@gmail.com

unread,
Jan 9, 2018, 7:43:34 AM1/9/18
to
Zur historischen Einordnung: Soweit mir bekannt, wurde das Märchen 1812 in Hamburg aufgeschrieben. Das würde sehr gut erklären, weshalb anscheinend Französisch in den Ausspruch eingewoben wurde, denn Hamburg war wie ganz Nordeutschland während der Herrschaft Napoleons von Frankreich annektiert (seit 1806 von Frankreich besetzt, von 1811 bis 1814 direkter Bestandteil des Französischen Kaiserreichs). Aus dieser Zeit stammt auch das Hamburger Wort "Tschüss", was eine Verballhornung von Französisch "A Dieu" ist.

alexe...@gmail.com

unread,
Mar 18, 2018, 5:53:03 AM3/18/18
to

alexe...@gmail.com

unread,
Mar 18, 2018, 5:56:48 AM3/18/18
to
Am Sonntag, 18. März 2018 10:53:03 UTC+1 schrieb alexe...@gmail.com:
> Am Dienstag, 9. Januar 2018 13:43:34 UTC+1 schrieb jpuhl...@gmail.com:
> > Zur historischen Einordnung: Soweit mir bekannt, wurde das Märchen 1812 in Hamburg aufgeschrieben. Das würde sehr gut erklären, weshalb anscheinend Französisch in den Ausspruch eingewoben wurde, denn Hamburg war wie ganz Nordeutschland während der Herrschaft Napoleons von Frankreich annektiert (seit 1806 von Frankreich besetzt, von 1811 bis 1814 direkter Bestandteil des Französischen Kaiserreichs). Aus dieser Zeit stammt auch das Hamburger Wort "Tschüss", was eine Verballhornung von Französisch "A Dieu" ist.

Hallo,

wie wäre es mit folgenden beiden Deutungen:
(1) tendre pitié = Mitleid (er-)betteln, vielleicht "je tends pitié" = ich erbitte Mitleid.
(2) Nach Meiner Vermutung aber ein Zitat aus der Bibel, im Psalm 102 (bei dem der Betende um die Erhöhrung seiner Gebete bittet) heißt es in der französischen Fassung: "Le Seigneur est tendresse et pitié" (= Der Herr ist Trost udn Mitleid).
Alexej

alexe...@gmail.com

unread,
Mar 18, 2018, 6:10:51 AM3/18/18
to
P.S.: Übrigens, ab spätestens 1687 gab es eine Hugenotten-Gemeide, die in Stargard, Pommern angesiedelt wurde!
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