Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

"In acht Tagen" - Ursprung der Wendung

604 views
Skip to first unread message

Oliver Weber

unread,
Sep 28, 1998, 3:00:00 AM9/28/98
to
-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----

Hallo allerseits.

Kennt jemand den Ursprung der sprachlichen
Wendung "in acht Tagen" (womit gemeint ist:
in einer Woche), die zumindest in Teilen
von Deutschland ja ziemlich gebraeuchlich
ist?

Aktueller Anlass: Die heutige PK unseres
amtierenden BK zum Wahlausgang ("Die
Spitzengremien der CDU werden in acht
Tagen zusammengekommen", womit wohl der
kommende Montag gemeint war).


-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: PGPfreeware 5.5.3i

iQCVAwUBNg+ku3CSy6SLMe41AQG1jwQAo7c/he2d+upv6tWkIqro/PdiCyOoF5Z+
PSwBX8/iDRlg/BoIhx+75ErLR3Vd8PIukFnYNUDeO/erjg9K2i4KB/gI6b1Nby8T
NKnIq1kf3E0z1KBG9aXhtyeOdmPFhzTmuvdILGi825OppgdnwfpTxNG50/v/5gK+
aewT951Pp+o=
=YTxT
-----END PGP SIGNATURE-----


Marius Fraenzel

unread,
Sep 28, 1998, 3:00:00 AM9/28/98
to
Am Mon, 28 Sep 1998 16:02:45 GMT schrob O.W...@rz.uni-frankfurt.de
(Oliver Weber):

>Kennt jemand den Ursprung der sprachlichen
>Wendung "in acht Tagen" (womit gemeint ist:
>in einer Woche), die zumindest in Teilen
>von Deutschland ja ziemlich gebraeuchlich
>ist?
>
>Aktueller Anlass: Die heutige PK unseres
>amtierenden BK zum Wahlausgang ("Die
>Spitzengremien der CDU werden in acht
>Tagen zusammengekommen", womit wohl der
>kommende Montag gemeint war).

Mir ist nicht ganz klar, was Du mit Ursprung meinst. Wenn ich mich
nicht irre, vermischt Du hier zwei sprachliche Wendungen miteinander.
Wenn jemand sagt, ich treffe Dich "in acht Tagen", dann meint er
wahrscheinlich "in acht Tagen". :-) Also: Wenn er es am Sonntag, dem
1. Isegal sagt, meint er den 9. Isegal. Anders dagegen die stehende
Redewendung "<Wochentag> in acht Tagen", die immer nur dann zur
Anwendung kommt, wenn ein gleichnamiger Wochentag noch vor dem
Eintreten des gemeinten Termins liegt. Also: Wenn sie am Sonntag, dem
1. Isegal sagt "Dienstag in acht Tagen", dann meint sie nicht den 3.
Isegal, sondern den 10. Isegal. Sie könnte auch sagen "Am übernächsten
Dienstag"; aber die Wendung selbst ist doch ziemlich klar, denn sie
meint, "an dem <Wochentag>, der nach Ablauf von acht Tagen eintritt,
nicht an dem davorliegenden <Wochentag>".

Ist Deine Frage damit beantwortet oder habe ich Dein Problem nicht
verstanden?

Gruß, Marius

ArnoWolff

unread,
Sep 28, 1998, 3:00:00 AM9/28/98
to
In article <3611b2f3...@news.cmo.de>, Marius Fraenzel
<MFra...@mail.cmo.de> writes
How about week, next Monday ? Damit habe ich schon seit Jahren
probleme.
--
ArnoWolff

Ralf Heinrich Arning

unread,
Sep 29, 1998, 3:00:00 AM9/29/98
to
Oliver Weber wrote:

> Kennt jemand den Ursprung der sprachlichen
> Wendung "in acht Tagen" (womit gemeint ist:
> in einer Woche), die zumindest in Teilen
> von Deutschland ja ziemlich gebraeuchlich
> ist?

Das Thema hatten wir gerade vor wenigen Tagen durchgenommen, IIRC
irgendwo im Thread "Wort gesucht"."In acht Tagen" bedeutet schlicht
"in einer Woche, den heutigen Tag mitgerechnet". Es ist
althergebracht und hat keinen besonderen Ursprung. Früher zählte
man immer so, weil man die Null noch nicht kannte. Heute werden u.
a. die Intervalle in der Musik noch so gezählt. Analog zu "in acht
Tagen" heißt es im Französischen "in fünfzehn Tagen", wenn "in zwei
Wochen gemeint ist."

Ralf

--
Was man bekämpft, das wird man.

Ralf Sipple

unread,
Sep 29, 1998, 3:00:00 AM9/29/98
to
In alt.usage.german Marius Fraenzel <MFra...@mail.cmo.de> wrote:
> Eintreten des gemeinten Termins liegt. Also: Wenn sie am Sonntag, dem
> 1. Isegal sagt "Dienstag in acht Tagen", dann meint sie nicht den 3.
> Isegal, sondern den 10. Isegal. Sie könnte auch sagen "Am übernächsten
> Dienstag"; aber die Wendung selbst ist doch ziemlich klar, denn sie
> meint, "an dem <Wochentag>, der nach Ablauf von acht Tagen eintritt,
> nicht an dem davorliegenden <Wochentag>".

viele Leute bezeichnen den "Dienstag in acht Tagen" auch als "naechsten
Dienstag", der 3. Isegal wuerde dann mit "kommendem Dienstag" oder
"diesen Dienstag" bezeichnet. Nach dieser Auffassung waere der
"uebernaechste Diesntag" also noch eine Woche spaeter.

Was ich eigentlich nur sagen wollte, war, dass der Ausdruck
"am naechsten Dienstag" bei manchen Sprechern den Dienstag, der
als erstes auf den heutigen Tag folgt, bezeichnet, bei manchen
andreren wiederum den zweiten.

Viele Gruesse,

Ralf

--
2-Zimmer-DG-Wohnung in Greven bei Muenster/Westf. zu vermieten:
http://home.t-online.de/home/ralf.sipple/whg_greven.html

Ralf Sipple | Fax +49-2571-549327 | sip...@writeme.com
D-48268 Greven | Anrufbeantw. +49-2571-549326 | pgp key on request!

Ulf Kutzner

unread,
Sep 30, 1998, 3:00:00 AM9/30/98
to
Oliver Weber wrote:
>
> -----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
>
> Hallo allerseits.
>
> Kennt jemand den Ursprung der sprachlichen
> Wendung "in acht Tagen" (womit gemeint ist:
> in einer Woche), die zumindest in Teilen
> von Deutschland ja ziemlich gebraeuchlich
> ist?

Nein, aber die Handhabung ist unterschiedlich.

In einer Woche => in acht Tagen.
In zwei Wochen => in vierzehn Tagen (französisch, türkisch 15!).

Gruß, ULF

--
_______________________________________________________________________________
Ulf Kutzner
Backhaushohl 46
D-55128 Mainz
_______________________________________________________________________________

Michael Pronay

unread,
Oct 1, 1998, 3:00:00 AM10/1/98
to
Ulf Kutzner schrieb in Nachricht <361202...@mail.uni-mainz.de>...

>In einer Woche => in acht Tagen.
>In zwei Wochen => in vierzehn Tagen (französisch,
>türkisch 15!).

Im Französischen heißt es, ganz der Logik, den
ersten Tag mitzuzählen, entsprechend: "dans huits
jours", in 8 Tagen, und "dans quinze jours", in
15 Tagen. Ebenso bezeichnet "la quinzaine" den
Zeitraum von 2 Wochen.

Michael

Hoppala: ich sehe gerade, daß Du das wahrscheinlich
ohnehin so gemeint hast: mich hat das Komma zwischen
"französisch" und "türkisch" irritiert, ich hab's
als Trennung gelesen. Ein "und" anstatt des Beistrichs
hätte mich weniger verwirrt.


D. Edward Gund v. Brighoff

unread,
Oct 1, 1998, 3:00:00 AM10/1/98
to
In article <HT9wADAZ...@arwo.demon.co.uk>,

ArnoWolff <ar...@arwo.demon.co.uk> wrote:
>In article <3611b2f3...@news.cmo.de>, Marius Fraenzel
><MFra...@mail.cmo.de> writes
>>
>>Mir ist nicht ganz klar, was Du mit Ursprung meinst. Wenn ich mich
>>nicht irre, vermischt Du hier zwei sprachliche Wendungen miteinander.
>>Wenn jemand sagt, ich treffe Dich "in acht Tagen", dann meint er
>>wahrscheinlich "in acht Tagen". :-) Also: Wenn er es am Sonntag, dem
>>1. Isegal sagt, meint er den 9. Isegal. Anders dagegen die stehende
>>Redewendung "<Wochentag> in acht Tagen", die immer nur dann zur
>>Anwendung kommt, wenn ein gleichnamiger Wochentag noch vor dem
>>Eintreten des gemeinten Termins liegt. Also: Wenn sie am Sonntag, dem
>>1. Isegal sagt "Dienstag in acht Tagen", dann meint sie nicht den 3.
>>Isegal, sondern den 10. Isegal. Sie könnte auch sagen "Am übernächsten
>>Dienstag"; aber die Wendung selbst ist doch ziemlich klar, denn sie
>>meint, "an dem <Wochentag>, der nach Ablauf von acht Tagen eintritt,
>>nicht an dem davorliegenden <Wochentag>".
>>
>>Ist Deine Frage damit beantwortet oder habe ich Dein Problem nicht
>>verstanden?
>
>How about week, next Monday ? Damit habe ich schon seit Jahren
>probleme.

Diesselbe als mit dem Anglizismus "Monday week"?
--
Daniel "Da" von Brighoff /\ Dilettanten
(de...@midway.uchicago.edu) /__\ erhebt Euch
/____\ gegen die Kunst!

Ulf Kutzner

unread,
Oct 2, 1998, 3:00:00 AM10/2/98
to
Michael Pronay wrote:

> >In einer Woche => in acht Tagen.
> >In zwei Wochen => in vierzehn Tagen (französisch,
> >türkisch 15!).

> Hoppala: ich sehe gerade, daß Du das wahrscheinlich
> ohnehin so gemeint hast: mich hat das Komma zwischen
> "französisch" und "türkisch" irritiert, ich hab's
> als Trennung gelesen. Ein "und" anstatt des Beistrichs
> hätte mich weniger verwirrt.

Verzeihung, werde künftig Beistriche sparen. ;-)

Ralf Eichler

unread,
Oct 2, 1998, 3:00:00 AM10/2/98
to
Ralf Heinrich Arning wrote:

> Es ist althergebracht und hat keinen besonderen Ursprung.

Meines Erachtens kommt diese Zählweise aus dem (alten) hebräischen oder
griechischen, wo man immer den heutigen Tag mitzählte. Beispiele gibt's
in der Bibel: "... und da acht Tage um waren..." (Beschneidung Jesu),
und "am dritten Tage auferstanden".

Bis denne

R/\LF

Antonio

unread,
Oct 2, 1998, 3:00:00 AM10/2/98
to
Ich weiss es eigentlich nicht.
Aber dieses Gebrauch gibt es auch in Portugiesisch:
_de hoje a oito (dias)_ 'von Heute bis zu acht (Tage)'
und naemlich _quinze dias_ 'fuenfzehn Tage' = zwei Wochen
(und nicht 14 oder 16!); Wahrscheinlich hat es etwas mit dem n-p+1 formula
zu tun; Heute, Morgen, etc, sind acht, und nicht sieben Tage.

Entschuldig die Sprache,
--
António Marques
Taxonomia Botânica - UC

'There are more things in Heaven and Earth
than can be explained by mortal man'.


Ralf Heinrich Arning

unread,
Oct 2, 1998, 3:00:00 AM10/2/98
to

Ralf Eichler wrote:

Die Sache verhält sich umgekehrt: Nicht diese Zählweise, also den heutigen
Tag mitzuzählen (und Entsprechendes in anderen Bereichen), kommt
irgendwoher, sondern umgekehrt beim Zählen von Null auszugehen, die Null
selbst hat einen Ursprung. Sie ist in Hinterindien im späten 7. Jh. belegt
und fand dort schon in einem Dezimalsystem Verwendung . Den Europäern
wurde sie über die Araber bekannt ["as-sifr"=Leer(stelle), daraus Ziffer].
Fibonacci hat sie im Hochmittelalter verwendet. Der Franzose Nicolas
Chuquet benutzte sie dann im 15. Jh. auch als Ergebnis von Gleichungen.
Erst wenn die Null bekannt ist, kann beim Zählen der Ausgangspunkt nicht
als "eins" gerechnet werden.
Über die Null geben Herkömmliche Enzyklopädien Auskunft.

Ralf
(Eine derartige Häufung von Ralfs wie im Usenet ist mir seit Jahrzehnten
nicht begegnet.)

--
Konrad Adenauer, 82, sagte am 23. Januar in seiner Bundestagsrede, die 42
Minuten dauerte, sechsundfünfzigmal "Meine Damen und Herren".
(SPIEGEL 7/1958, S. 48)


Ralf.E...@koeln.netsurf.de

unread,
Oct 5, 1998, 3:00:00 AM10/5/98
to
Ralf Heinrich Arning wrote:
>
> Ralf Eichler wrote:
>
> > Ralf Heinrich Arning wrote:
> >
> > > Es ist althergebracht und hat keinen besonderen Ursprung.
> >
> > Meines Erachtens kommt diese Zählweise aus dem (alten) hebräischen oder
> > griechischen, wo man immer den heutigen Tag mitzählte. Beispiele gibt's
> > in der Bibel: "... und da acht Tage um waren..." (Beschneidung Jesu),
> > und "am dritten Tage auferstanden".
>
> Die Sache verhält sich umgekehrt:

Ich wollte das damit auch nicht bestreiten. Für den deutschen
Sprachgebrauch ist aber sicher Luthers Bibelübersetzung sehr prägend
gewesen. Und dort kommen eben die im hebräischen üblichen Wendungen 1:1
übersetzt vor. Und das ist eben so eingeschliffen, daß keiner mehr
drüber nachdenkt. "...Samstag in acht Tagen <knnuuutsch>..." kennt doch
jeder.

>
> Ralf
> (Eine derartige Häufung von Ralfs wie im Usenet ist mir seit Jahrzehnten
> nicht begegnet.)

Haste recht. Wir sind eben was besonderes ;-)

Ralf

0 new messages