Wenn Sie einen verantwortungsvollen Job mit gesellschaftlicher Wirkung
suchen, kreative Freiräume schätzen und gerne in einem vertrauensvollen
Team arbeiten, dann sind Sie bei uns genau richtig. Die RHG ist ein
Verein, dessen Tätigkeit sich zwischen historisch-politischer
Bildungsarbeit und Mitgestaltung von gesellschaftlichen Prozessen rund
um die Entwicklung unserer freiheitlichen Demokratie bewegt. Zu diesem
Zweck unterhält die RHG das Archiv der DDR-Opposition, auf dessen
Grundlage sie die Geschichte von Opposition und Widerstand gegen die
SED-Diktatur in allen Phasen und Ausformungen in Form von Ausstellungen,
Internetauftritten und Veranstaltungen vermittelt. Die RHG wird durch
die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und den
Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
Die Bestände des Archivs der DDR-Opposition umfassen über 1.800 lfm
Schriftgut, knapp 1 Mio. Fotos sowie Objekte, Transparente, Plakate und
Audio- und Videomaterial. Im Jahre 2017 wurden die Bestände des Archivs
in die Liste des national wertvollen Kulturguts aufgenommen.
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+ wdh
Annäherungen an Robert Havemann
Biographische Studien und Dokumente
Herausgegeben von Bernd Florath
Robert Havemann zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten
DDR-Dissidenten. Als Kommunist war er vom Volksgerichtshof 1943 zum
Tode verurteilt worden, als Kommunist beteiligte er sich führend am
Aufbau der DDR. Angetrieben wurde Havemann dabei vom Ideal der
Überwindung sozialer und politischer Knechtschaft, das ihn schließlich
zum Gegner seiner ehemaligen Genossen werden ließ. Seine schonungslose
Kritik am SED-Regime ging nicht zuletzt auf seine im Widerstand gegen
das NS-Regime gewachsene Haltung zurück.
Der Band vereint Studien zu entscheidenden Wendepunkten der Biografie
Havemanns und Untersuchungen zu seiner Bedeutung in historischen
Umbrüchen. Die Aufsätze werden ergänzt durch biografische
Schlüsseldokumente aus dem Nachlass Havemanns im Archiv der
Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin und die Stasiberichte über
Havemanns aufsehenerregende Vorlesungen an Spitzenfunktionäre der SED
1964.
via v&r
2015-10-14
> Freitag, 18. Juli, 8.30 Uhr
> "Wir suchten uns besondere Leute"
> Die Widerstandsgruppe "Europäische Union"
> Von Gerhard Klas
>
> Am 8. Mai 1944 wurden der Mediziner Georg Großcurth, der
> Zahnarzt Paul Rentsch und der Architekt Herbert Richter
> im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch die Guillotine
> hingerichtet. Nur ein Mitglied aus der Widerstandsgruppe
> "Europäische Union" überlebte: der spätere DDR-Dissident
> Robert Havemann. Der Rest der Gruppe löste sich bald
> danach auf. Anders als die der Geschwister Scholl oder
> der Stauffenberg-Brüder lebten die Erinnerungen an die
> Widerstandsgruppe "Europäische Union" im westlichen Teil
> Deutschlands nicht weiter. Ihre Lebenszeugnisse
> verstaubten in bundesrepublikanischen Archivkellern
> historischer Institute oder Radiostationen.
>
> eben gesehen. ff. k.
>
>
>>>>>>>>>> "[...] Als Anfang der sechziger Jahre Havemann begann, in>>>>>>>>> überfüllten Vorlesungen den »dialektischen Materialismus« von
>>>>>>>>> innen aufzurollen, neu zu durchdenken, zu modifizieren, zu
>>>>>>>>> revidieren – da war das Häresie, mit denen verglichen Hans Küngs
>>>>>>>>> Katholizismus-Bedenklichkeiten Skat-Abende waren; hier rührte
>>>>>>>>> jemand gleichsam ans inner sanctum, an Jungfrauengeburt und
>>>>>>>>> Auferstehung zugleich. Der Wunsch Havemanns nach Drucklegung
>>>>>>>>> seiner sensationellen Vorlesungen wurde vom Vatikan namens ZK,
>>>>>>>>> von Papst Kurt Hager persönlich verboten. Daraufhin schickte ich
>>>>>>>>> – zu der Zeit Programmchef des Rowohlt Verlages – einen meiner
>>>>>>>>> Lektoratsmitarbeiter nach Ost-Berlin; dieser Bernt Richter
>>>>>>>>> schmuggelte frei nach Brecht »unter dem Rock«, vulgo in der
>>>>>>>>> Unterhose, das Manuskript über die Grenze. Das dann in hoher
>>>>>>>>> Auflage 1964 erschienene rororo-aktuell-Bändchen hieß Dialektik
>>>>>>>>> ohne Dogma; es wurde in der gesamten kommunistischen Welt
>>>>>>>>> beachtet. Das war die Essenz des Denkens, damit der Existenz
>>>>>>>>> eines Robert Havemann (dessen weiteres Schicksal – Entlassung,
>>>>>>>>> Hausarrest, Überwachung selbst per Paddelboot auf dem See vorm
>>>>>>>>> Haus – bekannt ist). [...]"
>>>>>>>>> aus
>>>>>>>>> http://www.zeit.de/2006/05/Robert_Havemann?page=all
>>>>>>>>>
>>>>>>>>>
>>>>>>>>>
>>>>>>>>>
>>>>>>
>>>>>> HAVEMANN, Robert (Hans Günther), Chemiker, Politiker, * 11.3. 1910
>>>>>> München, † 9.4. 1982 Grünheide/Mark. - Der als Sohn eines Lehrers
>>>>>> geborene H. bestand 1929 das Abitur in Bielefeld. Von 1929 bis 1933
>>>>>> studierte er an den Universitäten München und Berlin Chemie. 1935
>>>>>> promovierte er in Berlin mit einer Untersuchung zur Kolloidchemie.
>>>>>> Schon vor der Promotion war H. Mitarbeiter am Kaiser-Wilhelm-Institut
>>>>>> für Physikalische und Elektrochemie in Berlin-Dahlem. Politisch
>>>>>> sympathisierte er zu jener Zeit bereits mit der KPD. Versehen mit
>>>>>> einem Stipendium der DFG arbeitete er, nachdem er 1933 am
>>>>>> Kaiser-Wilhelm-Institut entlassen worden war, an der IV. Medizinischen
>>>>>> Universitätsklinik im Robert-Koch-Krankenhaus in Berlin. 1937 wurde er
>>>>>> Assistent am Pharmakologischen Institut der Berliner Universität. Im
>>>>>> Jahre 1943 erfolgte die Habilitation. Seit der Machtübernahme durch
>>>>>> die Nationalsozialisten am 30.1. 1933 war H. in der Widerstandsgruppe
>>>>>> "Neu Beginnen" aktiv. Als Mitbegründer und Leiter des
>>>>>> Widerstandszirkels "Europäische Union" kam es im September 1943 zu
>>>>>> seiner Verhaftung. Nach einem Hochverratsprozeß vor dem
>>>>>> Volksgerichtshof wurde H. am 16.12. 1943 zum Tode verurteilt. Man
>>>>>> gewährte ihm jedoch Vollstreckungsaufschub, damit er in einem speziell
>>>>>> für ihn eingerichteten Labor "kriegswichtige Arbeiten" für das
>>>>>> Heereswaffenamt im Zuchthaus Brandenburg-Göden, in dem er einsaß,
>>>>>> durchführen konnte. 1945 avancierte H. zum Direktor des
>>>>>> Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie in
>>>>>> Berlin-Dahlem. Vom Jahre 1946 an wirkte er als Professor mit vollem
>>>>>> Lehrauftrag für physikalische Chemie an der Berliner
>>>>>> Humboldt-Universität. Sein damaliges politisches Engagement
>>>>>> dokumentiert sich in der Mitbegründung des "Kulturbunde(s)" und in der
>>>>>> Mitgliedschaft im Präsidialrat von 1947 bis 1958 sowie in seiner
>>>>>> Zugehörigkeit zur (Prov.) Volkskammer als Abgeordneter vom Jahre 1949
>>>>>> an. Nachdem H. 1950 öffentlich gegen die amerikanische
>>>>>> Kernwaffenproduktion protestiert hatte, wurde er durch den
>>>>>> Westberliner Senat aus den durch ihn in Berlin-Dahlem innegehabten
>>>>>> Ämtern fristlos entlassen. H. nahm dies zum Anlaß, sich endgültig der
>>>>>> DDR zuzuwenden und sich auch dort anzusiedeln. Als Mitglied der SED
>>>>>> war er von 1950 bis 1963 Abgeordneter der Volkskammer. Außerdem
>>>>>> gehörte er dem "Deutsch(n) Friedenskomitee" an; seit 1953 fungierte er
>>>>>> als Präsident des "Friedensrat(s)". Seine sonstigen vielfältigen
>>>>>> Aktivitäten dokumentieren sich in den folgenden Funktionen: 1950-1954
>>>>>> Studentendekan, 1957-1962 Prodekan der
>>>>>> Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, ab 1960 Leiter der
>>>>>> Arbeitsstelle für Photochemie an der Deutschen Akademie der
>>>>>> Wissenschaften (DAW) in Berlin, ab 1961 Korrespondierendes Mitglied
>>>>>> der DAW. 1959 wurde H., der Wegbereiter der physikochemischen
>>>>>> Forschung in der DDR, mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. Hingewiesen
>>>>>> sei darauf, daß er von 1956 bis 1963 beim Ministerium für
>>>>>> Staatssicherheit (MfS) als inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt
>>>>>> wurde. - Angeregt vom XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde R. H. in den
>>>>>> 60er Jahren zum bekanntesten und bedeutendsten Systemkritiker in der
>>>>>> DDR. Er "äußerte prinzipielle marxist. Kritik an den pol.
>>>>>> Verhältnissen u. der Gängelung der Wissenschaft u.a. in seiner stark
>>>>>> besuchten Vorlesung in der HU Berlin 1963/64" (D. Hoffmann).