Kriminalstatistik 2006 Identitätsklau im Netz

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Jun 11, 2007, 10:43:45 AM6/11/07
to Senioren-Internet Rödermark
FAZ 08.05.2007 Von Philip Eppelsheim

Weniger Kriminalität und eine höhere Aufklärungsquote - so lautet das
Fazit des Bundesinnenministeriums angesichts der am Dienstag von
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgestellten
Polizeilichen Kriminalstatistik für 2006. Das gilt allerdings nicht
für die Internetkriminalität, die nicht zuletzt durch den
Kinderpornographie-Fall bei ,,Second Life" wieder für Aufsehen gesorgt
hat.

Die Internetkriminalität sei - auch wenn man nicht auf vergleichende
Zahlen zugreifen könne - deutlich angewachsen, sagt Christian Sachs
vom Innenministerium. Besonders Betrugsdelikte hätten bei ,,Straftaten
mit Tatmittel Internet" deutlich zugenommen.

Warenbetrug kommt am häufigsten vor

So sind allein im vergangenen Jahr 86.345 Fälle von Warenbetrug im
Internet registriert worden - das sind mehr als die Hälfte (52,1
Prozent) aller Straftaten im Netz. Ebenfalls bemerkenswert sind die
Anteile bei Straftaten im Zusammenhang mit Urheberrechtsbestimmungen
(6,8 Prozent), bei Computerbetrug (5,2 Prozent) sowie bei der
Verbreitung pornographischer Schriften (3,6 Prozent).

Die Zunahme des Warenbetrugs im Netz sei zu einem Großteil mit der
vermehrten Nutzung des Internets zu erklären, heißt es in der
Kriminalstatistik. Ein weiterer Bedarf an Sicherungsvorkehrungen sei
erkennbar.

Dimensionen der Internetkriminalität kaum messbar

Der Bund deutscher Kriminalbeamter kritisiert die Polizeiliche
Kriminalstatistik. Die tatsächliche Dimension der Internetkriminalität
werde durch die Zahlen der Kriminalstatistik nur zu Bruchteilen
dargestellt, so der Bundesvorsitzende des Bunds deutscher
Kriminalbeamter, Klaus Jansen.

,,Wir haben zu wenig Personal und zu wenig Technik bei den
Dienststellen, um die Dimensionen der Internetkriminalität erfassen
und effektiv bekämpfen zu können", sagt Bernd Carstensen,
Bundespressesprecher des Bunds deutscher Kriminalbeamter. Derzeit
könnten nur Einzelfälle erfasst und verfolgt werden. Hinzu komme, dass
Opfer oft gar nicht wüssten, dass sie Opfer seien.

Passwort-Fishing geschieht oft unbemerkt

Das Phishing - das Passwort-Fishing mittels so genannter Trojanischer
Pferde -, bei dem personenbezogene Daten abgefangen werden, geschehe
oft, ohne dass die Betroffenen etwas merkten. Und gerade dieser
Identitätsdiebstahl sei auf dem Vormarsch, heißt es beim
Bundeskriminalamt. 90 Prozent, etwa 3.000 Fälle, der Meldungen, die in
den vergangenen beiden Jahren über den ,,Kriminalpolizeilichen
Meldedienst Informations- und Kommunikations-Kriminalität" eingingen,
betrafen Phishing.

Die wahren Dimensionen könne eine Statistik gar nicht erfassen, sagt
Carstensen. Daher fordert der Bund deutscher Kriminalbeamter mehr
Leute mit Fachwissen und mehr Polizeibeamte, die im Internet
recherchieren könnten. ,,So wie Polizisten in gefährlichen Milieus
regelmäßig Streife laufen", sagt Carstensen, ,,so muss es in Zukunft
auch im Internet möglich sein."

Cyber-Cops patrouillieren bei ,,Second Life"

Auf den Kinderpornographie-Fall bei ,,Second Life" reagiert das
bayerische Landeskriminalamt mit so genannten Cyber-Cops.
Netzwerkfahnder nehmen die Vorgänge bei ,,Second Life" unter die Lupe.
Das sei aber nur stichprobenartig möglich. Und auch die rechtliche
Bewertung bei einem Verdacht auf Straftaten im Internet könne im
Einzelfall schwierig sein, so Ludwig Waldinger, Sprecher des
Bayerischen Landeskriminalamts in München.

Wenn man in virtuellen Welten sexuelle Handlungen betrachten kann,
prüfen die Fahnder zusammen mit der Staatsanwaltschaft, ob Straftaten
vorliegen. Wenn aber bei ,,Second Life" kinderpornographische Bilder
als Dokumente hinterlegt werden, haben die Ermittler greifbare Beweise
für eine Straftat.

Die Polizei hat personelle und technische Defizite

Regine Derr vom Informationszentrum Kindesmisshandlung/
Kindervernachlässigung des Deutschen Jugendinstituts in München
fordert die Internet-Experten der Polizei in allen Bundesländern auf,
,,Second Life" mit Blick auf Straftaten genau zu beobachten. Doch die
personelle und technische Ausstattung sei derzeit an der Untergrenze,
sagt Carstensen.

Und das, obwohl die Internetbetrüger und auch Kriminelle, die
pornographische Schriften verbreiten, sich immer besser absicherten
und die technische Abschottung immer ausgeklügelter werde. Das
Bundeskriminalamt spricht gerade bei Phishing von einem Trend zur
Professionalisierung und von kriminellen Netzwerken und
Organisationen.

Wenig online sein ist der sicherste Schutz

Carstensen erwartet in den kommenden Jahren eine erhebliche Zunahme
der Internetkriminalität. Schützen könnten sich Internetnutzer nur
durch hochaktuelle Antivirenprogramme und komplizierte Passwörter.
Ansonsten hat auch Carstensen nur einen Rat: wenig online unterwegs
sein. Denn je häufiger man sich im Internet aufhalte, desto höher sei
auch die Gefahr, Opfer von Phishing oder Ähnlichem zu werden. Internet-
Ermittler der Polizei sind jedenfalls dankbar für jeden Hinweis von
Internetnutzern, denen im Internet etwas seltsam vorkommt.

Bei alledem ist Internet-Kriminalität nicht einmal nur Internet-
Kriminalität: Das Netz spiele bei gewaltbereiten Jugendlichen auch
eine Verstärkerrolle, sagt der Leiter des kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Ohnehin
gefährdete junge Menschen aus den sozialen Randlagen nutzten das
Internet verstärkt zum Herunterladen verbotener Filme und Spiele -
während Kinder aus der gesicherten Mittelschicht eher der Information
wegen ins Netz gehen.

Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa/dpaweb

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