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jollymeier

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Jul 10, 2008, 8:59:50 AM7/10/08
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monika

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Sep 20, 2008, 2:50:32 PM9/20/08
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Wie statt Was.
Anthropologie scheint mir kein Gegensatz zur Metaphysik zu sein. Im
Gegenteil Anthropologie ist metaphysisch. Schon die Frage "Was sind
wir als Menschen" verrät ihren metaphysischen Ursprung. Metaphysik
fragte immer nach dem Wesen, der Substanz und nannte ihre
vermeintlichen Ergebnisse Ontologie. Meiner Meinung nach sind mit
allen dreien - Metaphysik, Anthropologie und Ontologie -
Fragestellungen verbunden, die nur im Kontext gläubiger Auffassungen
und Erwartungen entstehen konnten. Wer z.B. schuldig werden kann, wird
die Parameter von 'schuldig werden' kennen lernen wollen, um Schuld,
die ja unerwünscht ist, zu vermeiden. Diese Parameter hofft er in
seiner menschlichen Natur zu finden. Also wird er die Frage nach dem
Wesen seiner Natur stellen.

In ähnlicher Weise scheint mir auch dein Ausgangspunkt 'Verstehen' zu
fungieren. Wer glaubt, dass der Mensch seine Welt und unsere Welt
versteht, wird sich fragen, wann und wie Verstehen im Laufe der
Evolution entstanden ist und ist damit auch bei der Frage 'Was
Verstehen ist' angelangt.

Wir können ganz ohne diese metaphysischen Disziplinen auskommen und
haben trotzdem philosophisch alle Hände voll zu tun. Diese Behauptung
stammt aus einer Sichtweise, die dem abendländischen Philosophieren
verloren gegangen ist, die sich aber auch auf dessen Anfänge
zurückführen lässt. 'Philosophieren' so meine ich, entstand nicht,
weil der Mensch nach seinem Wesen fragte, sondern er fragte nach den
Anfängen der Welt, als die Götter nach und nach ihr Leben aushauchten.
Dies lassen deutlich die Weltbildentwürfe des Anaximander und
Anaximenes sehen, deren philosohische Unbekümmertheit mir Freude
macht. Die Frage nach etwas 'Wesenhaften' - auch wenn die spätere
christlich-philosophische Sichtweise gern anderes hineinlegt - war dem
konkreten Interesse der Griechen eher fremd. Parmenides hat diesem
Unbehagen an den 'Was'-Fragen durch seine Behauptung, dass man vom
"Sein" nicht reden könne, Ausdruck gegeben.

Was bleibt ist das WIE. Wie funktioniert Verstehen, wäre meine Frage
an dich. Wie ist eine Welt zu verstehen, die nicht ist, sondern
immerwährend in Bewegung und Veränderung? Ist 'verstehen' vielleicht
nur eine Aktivität, von der wir Menschen meinen, dass wir sie
beherrschen?

jollymeier

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Sep 24, 2008, 9:31:38 AM9/24/08
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Metaphysisch ist die Frage ‚Was ist der Mensch?’ nur dann, wenn man
der Antwort stillschweigend einen metaphysischen Rahmen voraus-gesetzt
hat; wenn man ‚den Menschen’ vorab schon als Platzhalter in einem
‚intelligent design’ bestimmt hat, dem allenfalls noch die ‚Aufgabe’
bliebe, den Platz zu ‚finden’, den der Designer ihm zugedacht hat.

Das ist nun bei den Vertretern der Philosophischen Anthropologie, die
Tugendhat und ich erwähnen, durchaus nicht der Fall. Bei allen
Unterscheiden im Detail sind sie sich in dieser Prämisse einig: dass
‚der Mensch’ genau das ist, was er in der Geschichte aus sich macht.
Zweifel könnten vielleicht bei Scheler auftreten, der Zeitweilig als
Propagandist des politischen Katholizismus hervorgetreten ist. Aber
für den ist ja sogar Gott einer, der ‚erst noch kommt’; und folglich
kein vor-geschichtlicher Designer…

Tugendhat zitiert ausdrücklich Kant: Für den war die Frage ‚Was ist
der Mensch’ die Quintessenz der 3 philosophischen Grundfragen: ‚Was
kann ich wissen?’, ‚Was soll ich tun?’, ‚Was darf ich hoffen?’ Die
Frage ‚Was kann ich wissen?’ ist das Ende aller Metaphysik, und sofern
sie den beiden andern voraus geht, können auch die nicht mehr
metaphysisch verstanden werden.

Der (griechische) Mensch fragte am Beginn des Philosophierens „nach
den Anfängen der Welt, als die Götter nach und nach ihr Leben
aushauchten“. Ich meine, die Frage nach den ‚Anfängen’ - alias dem
‚Wesen’ - der Welt (welche in der Tat metaphysisch ist) war eine
Verkleidung der Frage nach dem ‚richtigen Leben’, die zur selben Zeit
von der griechischen Tragödie formuliert wurde – und das Du richtig
als Thema der ‚Schuld’ beschreibst. Tragisch ist die metaphysische
Prämisse: Der Mensch sei Platzhalter in einem intelligent design, das
ihm nichts anders als das Schuldigwerden zugewiesen hat.

Den Parmenides verstehst Du wohl moderner, als er sich selbst
verstanden hat, im Sinne „wovon man nicht reden kann, muss man
schweigen“. Er hat ja aber nicht geschwiegen, sondern geredet, und
dass es nicht viel ist, liegt wohl hauptsächlich an der Überlieferung.
Jedenfalls hat er in den paar Zeilen, die WIR kennen, mehr vom ‚Sein’
geredet als von allem andern…

Was ‚verstehe’ ich unter ‚Verstehen’? Ei, das ist ein weites Feld…
Zuerst: Tugendhat benutzt „verstehen“, um nicht „Erkenntnistheorie“
sagen zu müssen. ‚Erkenntnis’ scheint auf Wirkgründe abzuzielen,
während ‚Verstehen’ eher nach Absichten fragt.

Ich würde (hier so pauschal) nur so viel antworten wollen: Wenn man
voraussetzt, dass ‚der Mensch’ gerade das ist, was er aus sich macht;
und dass ‚die Welt’ nur der ‚Horizont’ ist, ‚in dem’ er das macht, was
er macht: Dann ist es sinnvoll, die Fragen an seine Geschichte so zu
formulieren, ALS OB er darin eine Absicht verfolgt hätte.

Daran schlösse wieder ein Kette neuer Fragen an: Was taugten die
Absichten? Was taugten die Mittel? Usw.

Gruß
Jochen
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jollymeier

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Sep 24, 2008, 9:31:19 AM9/24/08
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On 20 Sep., 20:50, monika <m...@mail.austria.com> wrote:
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