Diskussion zu homo-ludens-victor

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Wolfgang

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Apr 25, 2008, 2:10:10 AM4/25/08
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Sehr interessante Arbeit! Allerdings: Die Kritik der Artisten-
Metaphysik bezieht sich mehr auf deutschen Idealismus als auf die
Problemstellungen zwischen Leibniz und Kant, die in den
wissenschaftstheoretischen Problemstellungen heute noch relevante
Abschnitte besitzen. Im Gegenzug wird, ganz wie Sie herausarbeiten.
der Mensch in seiner ganzen Dimension zwischen Naturwesen und
Kulturwesen zur Grundlage der Spekulation. Wesentlich bescheidener im
Anspruch trotz teilweise scholastischer Grundlagen ist da die
„metaphysica specialis“, die Metaphysik der Freiheit des vorkritischen
Kants: Der transzendentale Mangel in der Unerkennbarkeit der ratio
essendi des Gattungswesens: Freiheit als Grund von Sittlichkeit.
Demgegenüber die empirische Bestimmbarkeit in der ratio cognoscendi
des Gattungswesens: Sittlichkeit als Grund der Freiheit. Freilich
bleibt das selbst eine einseitige Doppelperspektive, die noch mit der
bei Kant nicht gelösten, oder nur umwegig einer Lösung näher zu
bringenden Frage zwischen Verstandesmoral und Gefühlsmoral.

Besonders gefällt mir an dieser Arbeit, wie Sie nachzeichnen, daß die
Auffassung des Menschen als Kulturwesen immer mit der
naturphilosophischen, auch naturwissenschaftlich motiviert Denkungsart
in Verbindung gestanden ist, und keinesfalls von einer einseitigen
Ausgangslage der beginnenden Verschiebung der Position des Menschen
aus dem Bereich der Natur die Rede sein kann. Sie scheinen mir mit
dieser Überlegung auch die romantische Idee der ursprünglich
ästhetischen Selbstempfindung als Basis des transzendentalen Subjekts
wieder zu berühren; diesmal von der Empfindung des Verlustes nach der
Entfernung aus der Natur ausgehend. Diese an Reinhold gemahnende
Auffassung stellt mich zwar in verschiedener Hinsicht nicht ganz
zufrieden, halte sie aber dennoch (und das mag untergegangen sein) für
brauchbar, eine Kulturanalyse zu beginnen. In etwa als Bedingung für
die Rezeptionsbereitschaft bei den Gebildeten, wie auch als
frühromantische Dynamisierung der Frage nach einer Interpretation des
transzendentalen Subjekts.



Nietzsche hat von der ersten Metaphysik allerdings wenig Ahnung und
bezieht sich meiner Auffassung nach hauptsächlich auf die romantischen
Folgen esoterisch-vitalistisch erweiterter Metaphysik oder auf die
Zwangsveranstaltungen der Systemphilosophie als Selbstzweck. Gerade
bei Nietzsche halte ich den institutionskritischen Aspekt für sehr
wichtig — hierin den radikalen Konstruktivisten nicht unähnlich, was
insbesondere bei Feyerabend ausdrücklich wird.

Wolfgang Cernoch

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