Am 04.12.2011 16:31, schrieb Ralf . K u s m i e r z:
> Carsten Thumulla schrieb:
>
>>>> Nein, es gibt nur eine Gerechtigkeit, die Gleichbehandlung. Das meine
>>>> ich jetzt ernst.
>>> "Der Staat hat nicht das Recht, Bettlern und Millionären gleichermaßen
>>> ihr Recht, unter Brücken zu schlafen, vorzuenthalten."
>>> So?
>> So ist das.
>
> Das eigentliche Problem ist, daß Du das wirklich glaubst. Du hast
> einen herrlichen Dachschaden.
>
> Für normale Leute: "Wir" wollen nicht, daß sich der Staat nicht um
> Bedürftige und Benachteiligte kümmert. Das würde uns nämlich die
> Verpflichtung aufhalsen, uns darum selbst privat kümmern zu müssen,
> also ein Bettlerwesen mit der sozialen Verpflichtung, reichlich
> Almosen zu geben, installieren. Wir wollen das aber nicht, weil wir
> das für ineffizient, ungerecht und würdelos halten.
>
> Außerdem erinnern "wir" uns an historische Erfahrungen, nach denen
> unversorgte Arme ein Sicherheitsrisiko sind, weil sie kriminelle
> Banden bilden (was man ihnen nicht verdenken kann). Und wir wollen
> nicht in einer Favela leben, weder als Arme noch als Reiche oder
> irgendetwas dazwischen. Deshalb haben wir für neoliberalen Dummschwatz
> auch höchstens ein herablassendes Lächeln übrig.
Mai Gutster,
es ging hier um Gleichheit, die jeder Staat durch seine Neutralität
gegenüber Rassen, Geschlecht, Religionen... garantieren sollte. Macht er
das nicht, dann fördert er Spannungen. Aus diesem Grunde haben das die
zum Machen des Grundgesetzes verurteilten Juristen und Juristinnen in
den Artikel 3 reingeschrieben.
Weiter geht die Geschichte, als sich 1994 ein paar Spezieldeppen
zusammenfanden und diesen Artikel durch den Ausgleichsgedanken in sein
Gegenteil verkehrten. Dieser Angriff auf das Grundgesetz ist nur ein
Symptom einer grassierenden Dummheit, vor der uns die Mutter und die
Väter des Grundgesetzes bewahren wollten.
Mir war durchaus klar, daß Du auf dem Nebengleis durch meine Hintertür
wolltest. Aber steht im Artikel 3 was über arme und reiche Menschen?
Nein, da steht, daß der Normalzustand die Gleichbehandlung aller
Menschen ungeachtet von Rasse, körperlichen und geistigen
Einschränkungen, Überzeugung... ist. Das schließt Sozialleistungen und
Solidargemeinschaften nichtmal aus.
Dein Problem war:
| "Der Staat hat nicht das Recht, Bettlern und Millionären
| gleichermaßen ihr Recht, unter Brücken zu schlafen, vorzuenthalten."
Das ist sogar ein Problem in Anführungsstrichen. Nochmal, das Recht
sollten wir ihm nicht einräumen.
| "Wir" wollen nicht, daß sich der Staat nicht um Bedürftige
| und Benachteiligte kümmert.
Das soll der Staat also machen?
| Das würde uns nämlich die Verpflichtung aufhalsen, uns darum
| selbst privat kümmern zu müssen,
Aha, daher weht der Wind.
Schön, daß Du so für uns alle spricht. Woran erkennt man gleich wieder
Propagandasprech?
Wie Du so schön an anderer Stelle schriebst, das beste wäre, das Geld
auszuwürfeln. Bloß, wer soll es dann ranschaffen?
Sollte ein Staat, der Chacengerechtigkeit durchsetzen soll, sich nicht
erstmal um die Klüngelklubs kümmern?
Was hat Chancengleichheit mit Geld und mit Staat zu tun? Wann werden die
Gottsstaatsdeppen merken, daß man nicht alles gleichmachen kann, daß
gleichmachen plattmachen ist?
Was hat Chancengleichheit mit Almosen zu tun? Was ist da gleich? Daß der
Millionär und der Hartzler nicht verhungern? Ja, darin sind sie gleich.
Den Zynismus merkst Du nicht? Das glaube ich Dir nicht.
Du möchtest ein Rennen, das zu 100% mit Pace Car gefahren wird. Viel
Spaß. Das wäre dann chancengerecht, während es jetzt nur Almosen für die
letzten Plätze gibt.
Scheiße wars, und kein Konfekt.
Carsten
--
"Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg!"
Christa Wolf