Da ich für unseren Besprechungsraum mal ein wenig mit drahtlosen Display-Techniken rumgetestet habe wollte ich hier mal einen kurzen Erfahrungsbericht abliefern. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen von euch und vielleicht hat ja jemand auch noch Vorschläge wie man da Sachen verbessern kann...
Das Testset: AppleTV, Netgear Push2TV, Samsung All-Share Dongle.
Das Samsung und Netgear Gerät habe ich beide nur auf die Miracast-Fähigkeit getestet. Die All-Share Funktionen hatte ich außen vor gelassen. Die beiden Geräte verhielten sich weitgehend gleich, so dass ich meine Tests mit dem Netgear Gerät meistens gemacht hatte. Einzig was eventuelle HDCP Einstellungen angeht, bin ich mir nicht sicher, ob der Samsung da nicht großzügiger ist. Was HDCP angeht scheint aber nur Apple da ganz strickt zu sein und verweigert den Betrieb an einem normalen Monitor komplett.
Was Miracast angeht hat man da einen recht eleganten Trick gefunden sich mit dem Gerät zu verbinden. Man nutzt Wifi direct um eine zusätzliche WLAN-Verbindung zu dem Adapter aufzubauen. Man kann parallel dazu nach wie vor um Eduroam oder anderen Netzen sein, auch wenn besonders auf Smartphones der Datendurchsatz dann deutlich zu leiden scheint. Der Haken dabei ist, das nicht sonderlich viele WLAN-Module Wifi-Direct zu unterstützen scheinen. Generell wird Miracast ab Android 4.2 und Windows 8.1 vom Betriebssystem unterstützt, benötigt aber passende Hardware und der Android-Geräte-Hersteller muss die Funktion auch bereitstellen. Wir haben es erfolgreich mit Google Nexus 4 und 5, Samsung Galaxy S3, Note 3 und Note 10 schon ausprobiert. Das Google Nexus 7 (erstes Modell) und Samsung Galaxy Note 8 funktionierten nicht. Generell gibt es bei Android Geräten häufig Bildstörungen und Animationen werden nicht sehr flüssig wiedergegeben. Merkwürdigerweise funktioniert die Bildschirmwiedergabe auf dem Note 3 besser als auf dem Note 10 trotz sehr ähnlicher Hardware. Gerade auf dem Note 10 werden Bereiche weggeschnitten (nur 720p Ausschnitt der 1080p Auflösung). Ich würde dringend empfehlen Miracast und Android eher für Slides als für Video zu nutzen.
Unter Windows hatten wir ein Microsoft Surface Pro 1 und ein Dell Venue 8 Pro bisher gestestet. In beiden Fällen war die Wiedergabe flüssiger und mit weniger Bildfehlern verbunden. Man kann hier durchaus Video übertragen. Auch bei der Erkennung einer passenden Auflösung am Beamer hatte es hier gut funktioniert. Das Macbook Air übrigens unterstützt auch unter Windows kein Miracast, weil der WLAN-Adapter das nicht kann... nur falls mal jemand auf die Idee kommen sollte, ich hatte da eine ganze Weile nach gesucht.
Leider hängt sich die Netgear Box recht häufig in meinen Tests auf (Standbild) und muss dann resettet werden. Man sollte schon sehr darauf achten, dass man die Verbindung durch das Smartphone oder Notebook auch sauber beendet (Vorsicht Powersave!). Selbst wenn das Gerät nicht einfriert kann sonst der nächste nicht immer eine Verbindung aufbauen. Aber ein Firmware-Update hatte da schon Verbesserungen gebracht und wenn Netgear da eine ordentliche Produktpflege betreibt wird das hoffentlich kein großes Problem mehr sein.
Ein Aufzeichnen von der Netgear Box war nicht direkt über HDMI möglich (verschiedenen Blackmagic oder Hauppauge Geräte hatten wir probiert), dort gab es dann kein Bild. Wenn man das Signal aber erst zu VGA-konvertiert konnte es z.B. mit der Epiphan Box aufgezeichnet werden.
Generell ist das Fazit das man Miracast im Uni Umfeld wenn man möchte gut und einfach testen kann. Die Installation ist sehr unproblematisch, Die Anzahl der unterstützten Geräte wird automatisch wohl recht schnell steigen.
Was Apple TV und Airplay angeht hatte ich damit daheim recht gute Erfahrungen gemacht. Die Bildqualität ist besser als bei Miracast und das Handling im Heimnetzwerk sehr einfach. In der Uni muss ich leider sagen ist es leider für uns weitaus schlechter nutzbar und weitaus komplizierter zu installieren als ein Mircast-Adapter und selbst dann ist es zumindest bei uns auch nur sehr eingeschränkt nutzbar.
Das erste Problem: das AppleTV unterstützt Eduroam nicht von Haus aus, man muss erst mit dem Apple Configurator (im Mac Appstore zu finden) das Gerät entsprechend vorbereiten (Zertifikate installieren, WLAN konfigurieren), was auch wohl wegen der schlechten Übersetzung einiger Arbeitsschritte in der Software teilweise ein wenig merkwürdig anmutet. Danach muss man auch noch im Gerät irgendwie die Zeit einstellen, damit die Zertifikate überhaupt gültig werden. Das zu begreifen hatte eine ganze Weile gedauert, aber
Tristan Germers Anleitung war da sehr hilfreich.
Aber auch dann kam schon das irgendwie erwartete nächste Problem. Die Geräte finden sich im WLAN über Bonjour. Im Eduroam bei uns sind aber direkte Verbindungen zwischen zwei Eduroam Geräten unterbunden (Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten), was man, zu recht wie ich denke, auch nicht ändern möchte.
Nun habe ich das Gerät über LAN angeschlossen (MAC-Adresse wird im in den Einstellungen nur angezeigt, wenn auch ein LAN-Kabel angeschlossen ist). Für Macs im entsprechenden LAN-Subnetz ist das Gerät nun nutzbar, über das WLAN nicht, weshalb nun iPads und iPhones außen vor sind. Wie man ein AirPlay auf eine bestimmte IP-Adresse aus dem Eduroam machen könnte habe ich leider nicht rausfinden können.
Wir hatten bisher keine Aufzeichnungen vom AppleTV probiert, ich würde aber wegen dem recht strikten HDCP davon ausgehen, dass das nicht funktionieren würde.
Somit wäre mein Fazit bezüglich AppleTV und AirPlay, dass man davon lieber die Finger lassen sollte wenn man es als Möglichkeit nutzen möchte drahtlos sein Display an den Beamer im Semiarraum zu kriegen. Bei der LAN-basierten Lösung die wir derzeit aufgebaut haben ist für mich lediglich der Vorteil, dass ich die einzige Thunderbold Buchse die ich am MacBook Air habe nun für LAN und Bildschirmausgabe gleichzeitig nutzen kann.
Gruß
Rüdiger