da redest du etwas schön. Und baust irgendeine unrealistische
Offenheits-Krücke auf...nein, wir sind keine Chinesen, wir haben eine
europäische Tradition des Individuums und deine apostulierten
Äußerungen im letzten Absatz sind in den WGs der 70er Jahre allemal
gescheitert ;=)/(
Meinst du wirklich: "Wer nichts zu verbergen hat, kann auch XING
benutzen" und "jede Kritik wird von wiederum jemand Anderem als dumm
empfunden?" ????
Ich zitiere:
Ihr lieben gesellschaftskulturellen Mainstrem-Kritiker: bitte seid
doch etwas kritischer mit euch selbst! Schließlich ist euere
veröffentlichte Stimme ja auch euer Ich, und irgendjemand anderes
könnte die so wie sie ist dumm und peinlich finden == Ende Zitat
Stefan, das meinst du nicht ernst. Du redest gerade der Beliebigkeit
absolut das Wort,
Und wiederum mal sehe ich in der Diskussion etwas:
So richtig im Berufsleben stehen Freiberufler doch nicht...
Es geht nicht nur um den Verlust des Privaten, es geht auch um Firmen-
Interna etc!
Und das kann einer Firma, und damit nicht nur Arbeitsplätzen, sondern
auch Inhalten und Lebensentwürfen, den Kopf kosten!
denk bitte nocheinmal drüber nach, was du da apostulierst, ich meine,
du hast die Tragweite noch nicht gesehen.
sorry, mir war einfach mal wieder danach, etwas zu provozieren ;-)
> Meinst du wirklich: "Wer nichts zu verbergen hat, kann auch XING
> benutzen" und "jede Kritik wird von wiederum jemand Anderem als dumm
> empfunden?" ????
Beides habe ich nicht direkt so impliziert. Die Aussage ging eher in
diese Richtung: Es wird immer normaler werden, von sich selber und
anderen zahlreiche Spuren im Netz zu finden. Vieles, was im
Zusammenhang damit befürchtet wird, wird nicht eintreten, und wenn
doch mal, könnte es sich durchaus um bedauerliche Einzelfälle handeln,
die möglicherweise hochgepusht werden, um den angeblichen Verlust des
Privaten zu beklagen.
Das impliziert für mich nicht, dass nicht jeder für sich entscheiden
sollte, was und wieviel er wo von sich preisgibt.
> Es geht nicht nur um den Verlust des Privaten, es geht auch um Firmen-
> Interna etc!
> Und das kann einer Firma, und damit nicht nur Arbeitsplätzen, sondern
> auch Inhalten und Lebensentwürfen, den Kopf kosten!
Wenn Firmen-Interna durch fahrlässiges Geposte und Gechatte von
Mitarbeitern ins Internet gelangen, ist das aber kein Vorwurf, der dem
Internet und seinen Möglichkeit anzulasten ist. Die Verantwortung
liegt beim Menschen. Was ich anprangern will ist lediglich eine immer
häufiger zu lesende Panikmache von der Art "gib bloß nichts von dir
preis im Internet - alles davon wird gegen dich verwendet werden, im
Job, in Beziehungen, von deinen Kindern!". Denn das kommt bei mir
genauso rüber als ob mir jemand raten will: "halt bloß deine Klappe,
sobald andere, dir unvertraute Menschen im Raum sind - die werden
alles was du sagst gegen dich verwenden!". Also so, als wolle mir
jemand das Mundwerk verbieten. Und das ist was anderes als die
Verantwortung, die ich für das trage, was ich von mir gebe.
viele Grüße
Stefan Münz
> [...]"gib bloß nichts von dir
> preis im Internet - alles davon wird gegen dich verwendet werden, im
> Job, in Beziehungen, von deinen Kindern!". Denn das kommt bei mir
> genauso rüber als ob mir jemand raten will: "halt bloß deine Klappe,
> sobald andere, dir unvertraute Menschen im Raum sind - die werden
> alles was du sagst gegen dich verwenden!".
Hm, ich selbst habe das leider so öfters erlebt. Kennst du noch Klaus?
Der hat mir mal bescheinigt, ich sei offen wie ein Scheunentor. War
ich auch, aber das habe ich mir in manchen Bereichen abgewöhnt. Wer zu
offen ist, gibt nicht nur von sich selbst (zu)viel preis und wird
dadurch verletzlich, sondern auch von dem, was andere lieber vor den
Augen der Öffentlichkeit (und vor allem vor sich selbst!) verbergen
wollen und konfrontiert sie, oft ungewollt und nicht böse gemeint, mit
für sie unangenehmen Wahrheiten. Und das wird in der Tat gegen dich
verwendet, und zwar gnadenlos. Auch wenn du gar nicht die Ursache
derer Probleme bist, allein die Tatsache, dass du sie ansprichst,
macht dich zum Freiwild.
> Also so, als wolle mir
> jemand das Mundwerk verbieten. Und das ist was anderes als die
> Verantwortung, die ich für das trage, was ich von mir gebe.
Leider können manche nicht sehen, dass du hinter deinen Äusserungen
wirklich stehst, und glauben es dir einfach nicht und wollen dich "auf
den rechten Pfad" führen. Und das alles nur, um ihre eigenen
schmerzenden Gefühle nicht sehen zu müssen. Dann kommen sie und
verbieten dir wirklich, und zwar wortwörtlich, den Mund. Ich kann dann
noch so oft und deutlich sagen, dass ich hinter dem stehe, was ich
sage und dass ich die volle Verantwortung dafür übernehme, die Stimmen
schreien danach, dass du endlich deine Aussage zurücknehmen und
demütig bettelnd auf den Knien herangerutscht und um Entschuldgung
bitten ...oder eben endlich den Mund halten mögest.
Ist es erstmal soweit gekommen, hilft aus meiner Sicht nur noch der
Rückzug.
Ich will damit nur sagen, dass diese Gefahr bei Offenheit, egal wo,
immer besteht und dass man nur wissen muss, dass einem so etwas
passieren kann. Egal, ob bei Xing oder in einem Gesangsverein oder
sonst wo. Trotzdem: Wer zu dem steht, was er sagt und die volle
Verantwortung dafür übernimmt, wird schnell merken, wo sich die Spreu
vom Weizen trennt und kann dann für sich auch ganz klar sehen, in
welche Richtung er sich bewegen muss und welche er lieber nicht
einschlagen sollte. Rückfälle einkalkuliert ;-)
Viele Grüße,
Kirsten
> Hm, ich selbst habe das leider so öfters erlebt. Kennst du noch Klaus?
> Der hat mir mal bescheinigt, ich sei offen wie ein Scheunentor. War
> ich auch, aber das habe ich mir in manchen Bereichen abgewöhnt. Wer zu
> offen ist, gibt nicht nur von sich selbst (zu)viel preis und wird
> dadurch verletzlich, sondern auch von dem, was andere lieber vor den
> Augen der Öffentlichkeit (und vor allem vor sich selbst!) verbergen
> wollen und konfrontiert sie, oft ungewollt und nicht böse gemeint, mit
> für sie unangenehmen Wahrheiten.
Ich war "in jungen Jahren" (und damit meine ich so etwa die Zwanziger)
auch viel "offener" als heute. Das lag allerdings auch an der Zeit. Es
war die Zeit, als die Tiefe einer Beziehung daran gemessen wurde, wie
viel man sie psychologisierte, und als sich im Englischen Garten bei
jedem Sonnenstrahl die Menschen sämtliche Kleider vom Leib rissen ;-)
Ich bin vorsichtiger geworden - zweifellos. Und es gibt auch Themen,
über die ich nicht offen im Web diskutieren würde. Aber ich finde, das
sollte doch jeder selber wissen und bestimmen können, wo da die
eigenen Grenzen liegen. Und es ist ja auch so. Die meisten Leute
würden sich einen Teufel tun, irgendwo an einem Ort wie diesem etwas
zu posten, obwohl sie fleißig mitlesen und sich innerlich ihre
Gedanken über das Gelesene machen. Andere wieder haben ihre Tastatur
überhaupt nicht im Griff und müssen fast zu allem ihren Senf
dazugeben, ob er nun passt oder nicht, ohne Gedanken daran, dass ihre
im Minutentakt hingeschmierte Postings noch nach Jahren auffindbar
sein werden. Gut - vielleicht sind unter letzteren einige, die sich
dessen einfach wirklich nicht bewusst sind, und die deshalb mehr
Aufklärung benötigen. Doch eigentlich sollte man das, was man im Netz
schreibt, so ähnlich realistisch einschätzen können wie das, was man
auf Betriebsausflügen erzählt. Wer sích bei solchen Gelegenheiten
besäuft und dann Gott weiß was ausplaudert, ist halt leichtsinnig und
muss eventuelle Konsequenzen tragen.
> Ich will damit nur sagen, dass diese Gefahr bei Offenheit, egal wo,
> immer besteht und dass man nur wissen muss, dass einem so etwas
> passieren kann. Egal, ob bei Xing oder in einem Gesangsverein oder
> sonst wo. Trotzdem: Wer zu dem steht, was er sagt und die volle
> Verantwortung dafür übernimmt, wird schnell merken, wo sich die Spreu
> vom Weizen trennt und kann dann für sich auch ganz klar sehen, in
> welche Richtung er sich bewegen muss und welche er lieber nicht
> einschlagen sollte. Rückfälle einkalkuliert ;-)
Jo, ich denke, es ist eine Sache von Erfahrung. Diese Erfahung zu
machen bleibt niemandem erspart. Warum sollte das in diesem Fall auch
anders sein als sonstwo im Leben?
viele Grüße
Stefan Münz
was für ein schön schlichtes Forum - freue mich, es entdeckt zu
haben!
Zum Thema hier ein Kommentar, den ich gerade zur Frage "Ist das Social
Web am Ende?" (und zur bekannten "Mainstream-Warnung", die Stefan
anspricht) auf selbstaendig-im-netz.de einstellte:
Was es braucht, ist MEDIENKOMPETENZ und ein Bewusstsein für das, was
man tut. Was ich ins Netz gebe, kreist dort auch und kann UNTER
UMSTÄNDEN zu jeder Zeit von XYZ "gegen mich verwendet" werden. Das ist
nicht erst seit dem "Social Web" so, schon 1996 bis 1998, in der
Steinzeit des Webs, gab es unzählige persönliche Homepages, die
dieselben Fragen aufwarfen.
Also hilft da nur, sich bei allem, was man von sich gibt, darüber klar
zu sein, ob man dazu stehen will und kann: gegenüber Geliebten,
Freunden, Verwandten und Bekannten, Arbeit- und Auftraggebern,
Kollegen und Nachbarn. Ein Pseudonym schützt, wenns denn für bestimmte
Themen sein muss (Gesundheit, Erotik, exotische Hobbys...), vor dem
Google-Schnüffler, nicht aber vor Strafverfolgung, sollte jemand
kriminelle Energien entfalten.
Diese Basics zu begreifen und zu berücksichtigen, kann doch nicht so
schwer sein!
Wieviel Offenheit oder Verschlossenheit sich eine/r dann leistet, ist
immer auch ein Gradmesser der erreichten persönlichen Freiheit und
Unabhängigkeit - grade für Selbständige eine interessante
Reflexionsebene!
Wichtig ist auch, im Fall persönlicher Offenheit nicht ANDERE in
Verlegenheit zu bringen - dies und alles rund um das "soziale Leben im
Netz" sollte m.E. in der Schule gelehrt werden. Leider höre ich, dass
wir davon noch sehr weit entfernt sind!
http://www.selbstaendig-im-netz.de/2007/09/25/social-web/ist-das-social-web-am-ende/
------------------------------------------------
@Kirsten:
die Problematik ANDERER kann man durchaus besprechen und beschreiben -
aber eben so, dass sie nicht persönlich erkannt werden können.
Erzählungen aus dem jüngsten Beziehungsstreit gehen also nicht, auch
der Stress mit einem neurotischen Chef ist kein gutes Thema. ABER man
kann so etwas von Ort, Zeit und Personen abstrahieren, kann es so
formulieren, dass es sich liest wie aus "ferner Vergangenheit", man
kann es auch als Problem einer ungenannten Freundin darstellen und
Einzelheiten ändern, um die Quelle zu verschleiern.
Ich scheue mich da nicht, auch mal zu "literarisieren", denn es geht
mir ja nicht darum, irgendwen in die Pfanne zu hauen oder die
Öffentlichkeit als Kampfmaßnahme zu verwenden, sondern ich will
ausdrücken, was mich bewegt. Man kann sowieso niemanden belehren, aber
ich kann die Leser VERFÜHREN, meinem Gedankengang zu folgen - und wenn
sie sich dabei dann selber ansehen und nach diesem und jenem
beobachtend/fragend schauen, dann ist das ein maximaler Erfolg!
> was für ein schön schlichtes Forum - freue mich, es entdeckt zu
> haben!
Freut mich ganz meinerseits, eine weitere Netz-Veteranin hier begrüßen
zu dürfen! :-)
> http://www.selbstaendig-im-netz.de/2007/09/25/social-web/ist-das-social-web-am-ende/
Damit begibst du dich ja mitten in die Themensuppe dieser Einrichtung
hier! Um kurz und bündig auf den Artikel zu antworten: Ich halte es
für sehr wahrscheinlich, dass die Web-2.0-Euphorie genauso platzen
wird wie die dotcom-Euphorie. Die Mehrzahl der B- und C-Blogger wird
wieder aufhören zu bloggen, weil bloggen schnell so alt sein wird wie
Homepages bauen. Die große Freiheit wird eingeschränkt werden - bei
Wikipedia könnte das beispielsweise darauf hinauslaufen, dass
geänderte Artikel erst durch einen qualifizierten Redakteur
freigeschaltet werden müssen. Und Push-Dienste wie Digg würde ich
ohnehin gerne wieder untergehen sehen, weil sie nur niederen
Instinkten dienen und eher das Gegenteil von Social-Web sind.
Allerdings wird das Web 2.0 irreversibel sein. Vieles, was in diesem
2.0-Zeitalter entstanden ist, wird sich halten und zum Grundrepertoire
des Webs werden. Dazu gehören für mich vor allem heute schon
funktionierende und produktiv genutzte Social-Network-Plattformen,
aber auch web-basiertes Verwalten und Speichern persönlicher Daten
(Webmail statt Pop3 u. Mailclient, Online-Office, personal Wikis
usw.). Die sich längst andeutenden Umwälzungen in der gesamten
Medienbranche, egal ob bei Plattenindustrie, Filmindustrie oder
Verlagswelt, angestoßen durch extrem erfolgreiche und verbreitete.
web-2.0-typische Plattformen wie YouTube oder last.fm, werden weiter
voranschreiten.
Von Web 2.0 wird in 10 Jahren sicher keiner mehr reden. Aber die
Einflüsse dessen, was heute unter Web 2.0 läuft, werden unübersehbar
sein.
> Was es braucht, ist MEDIENKOMPETENZ und ein Bewusstsein für das, was
> man tut.
Genau deswegen heißt das hiesige Projekt so ähnlich. Wäre ich ein
Politiker, würde ich sagen: "die Freiheit verdienen durch
verantwortlichen Umgang mit der Freiheit, das haben wir uns auf die
Fahnen geschrieben". Weil das aber viel zu sehr nach irgendwelchem
angestaubtem Parteiwortschatz klingt, sage ich es auf keinen Fall
so ;-)
> Wieviel Offenheit oder Verschlossenheit sich eine/r dann leistet, ist
> immer auch ein Gradmesser der erreichten persönlichen Freiheit und
> Unabhängigkeit - grade für Selbständige eine interessante
> Reflexionsebene!
Ich nehme mal an, du meinst mit "Selbständige" nicht nur beruflich
Selbständige, sondern allgemein Menschen, die sich ihre Ansichten und
Einstellungen durch viel Reflexionsarbeit erkämpft haben. Menschen,
die nicht an der nächstbesten Meinungsmache kleben bleiben. Von denen
ist in der Kritik allerdings nicht die Rede. Kritisiert wird, dass
sich vor allem unerfahrene, vielleicht auch labile, unsichere Menschen
durch die Outing-Möglichkeiten im Web zu exhibitionistischen Orgien
hinreißen lassen, die ihnen später wie unauflösbarer Sondermüll zum
Problem werden.
Wenn das Kind also schon ins Bad gefallen ist, stellt sich die
Schuldfrage: selber schuld ("hättest ja wissen müssen, dass du im Web
veröffentlichst und damit auch von Google gefunden wirst") oder Opfer
heimtückischer Umstände ("das konnte ich doch damals nicht wissen")?
Fest steht allerdings, dass Aufklärung das Mittel ist, um sich nicht
mehr als Opfer scheinbar heimtückischer Umstände zu fühlen, sondern
jemand zu werden, der sich an dem, was er tut, selber schuld fühlt.
viele Grüße
Stefan Münz
> Also hilft da nur, sich bei allem, was man von sich gibt, darüber klar
> zu sein, ob man dazu stehen will und kann: [...]
>
> Diese Basics zu begreifen und zu berücksichtigen, kann doch nicht so
> schwer sein!
Doch, das ist verdammt schwer, weil es weder gelehrt noch gelernt
wurde und wird.
> Wieviel Offenheit oder Verschlossenheit sich eine/r dann leistet, ist
> immer auch ein Gradmesser der erreichten persönlichen Freiheit und
> Unabhängigkeit - grade für Selbständige eine interessante
> Reflexionsebene!
Jo, da stimme ich dir zu. Wichtig ist vor allem für denjenigen, genau
zu wissen, worin seine Freiheit besteht und wo seine Grenzen liegen.
Für jeden und alle Menschen interessant, nicht nur für Selbständige.
Und genau zu wissen, dass er an seiner Freiheit hart gearbeitet und
sie nicht von irgendwoher geschenkt bekommen hat.
> Wichtig ist auch, im Fall persönlicher Offenheit nicht ANDERE in
> Verlegenheit zu bringen
Das ist sogut wie nie erreichbar. In dem Moment, wo du offen und klar
deine Ansichten und Standpunkte kommunizierst, kannst du sicher sein,
irgendwen in Verlegenheit gebracht zu haben. Nur liegt die
Verantwortung dafür nicht bei dir, sondern bei dem anderen. Es ist
also unumgänglich, bei Einstehen für einen Standpunkt möglicherweise
andere vor den Kopf zu stoßen. Das bedeutet Konfrontation und somit
Stress für dich. Dazu musst du stehen. Das wiederum bedeutet
Verantwortung für dich.
> - dies und alles rund um das "soziale Leben im
> Netz" sollte m.E. in der Schule gelehrt werden. Leider höre ich, dass
> wir davon noch sehr weit entfernt sind!
Nein, ich halte es für notwendig, die zwischenmenschlichen
Zusammenhänge in der Schule zu lehren, denn sie gelten im Netz genauso
wie im RL. Und davon sind wir in der Tat noch weit entfernt.
> @Kirsten:
> die Problematik ANDERER
mir gefällt diese Betonung nicht. Ich schreibe nie Wörter in
Großbuchstaben.
> kann man durchaus besprechen und beschreiben -
> aber eben so, dass sie nicht persönlich erkannt werden können.
echt? Dann sag mir mal wie. Nach meiner Erfahrung kann man noch so
neutral seine Formulierungen wählen, sobald jemand genau das liest,
was er lesen will, ist es 'bums' persönlich gemeint. Und was willst du
dagegen machen? Gar nichts, weil du es nicht kannt.
> ABER man
> kann so etwas von Ort, Zeit und Personen abstrahieren, kann es so
> formulieren, dass es sich liest wie aus "ferner Vergangenheit", man
> kann es auch als Problem einer ungenannten Freundin darstellen und
> Einzelheiten ändern, um die Quelle zu verschleiern.
Die Leser sind ja nicht doof. Sie werden es durchschauen.
> Ich scheue mich da nicht, auch mal zu "literarisieren", denn es geht
> mir ja nicht darum, irgendwen in die Pfanne zu hauen oder die
> Öffentlichkeit als Kampfmaßnahme zu verwenden, sondern ich will
> ausdrücken, was mich bewegt.
Es wird schon das ankommen, was ankommen soll.
> Man kann sowieso niemanden belehren,
Nein, sollte man auch nicht. Belehrt wird man in der Schule oder in
der Lehre oder im Studium und später vieleicht, wenn man den Rat
anderer sucht und das dann auch nur freiwillig. Ansonsten ist mit
Belehrungen anderer und von anderen irgendwann mal Schluss.
> aber
> ich kann die Leser VERFÜHREN, meinem Gedankengang zu folgen - und wenn
> sie sich dabei dann selber ansehen und nach diesem und jenem
> beobachtend/fragend schauen, dann ist das ein maximaler Erfolg!
Der Leser muss ich darauf einlassen, sich verführen lassen zu wollen,
also liegt die Entscheidung bei ihm. Du selbst kannst dabei nur
hoffen, dass er es tut.
Viele Grüße,
Kirsten
Weil du aber grade so eine spritzig-kurze, gleichwohl engagierte
Zusammenfassung deiner Sicht auf Web 2.0 bringst, will ich's dir
nachtun:
Den Web 2.0-Hype hab ich selber lange mit müdem Lächeln angeguckt, so
nach dem Motto: Himmel, das ist doch alles nicht so grundstürzend neu,
nur dass wir in der Steinzeit eben alles "händisch" und per Mail
gemacht haben.
Auch früher haben Leute ihre Homepages als eine Art "Blog" geführt,
die Kommentare händisch reingesetzt, andere hatten Bildersammlungen
mit Bildern aus dem Freundeskreis, es gab Foren, Mailinglisten,
darunter beruflich orientierte, die soviel "Networking" ermöglichten,
wie man nur wollte, es gab jede Menge Gemeinschaftsprojekte,
Kollaborations-Experimente, OneMan/OnewomanShows - und dann kamen die
StartUps und machten aus dem Web "Hype 2" (der erste Hype war
"unserer", als Markt, Politik und breite Masse noch nicht ins Internet
schaute... Regierungen der Welt, ihr TRÄGEN GIGANTEN AUS STAHL UND
FLEISCH... weißt du noch?? Hach, die wilde Jugendzeit mit ihren
radikalen Weltänderungshoffnungen! :-)
Nach dem müden Lächeln erkannte ich dann, dass die Blogs und allerlei,
was man Web 2.0 nennt, DIE FORTSETZUNG unserer Aktivitäten und
Strebungen von "früher" ist - es hatte nur im SOZIALEN einen
Entwicklungsstau gegeben aufgrund der sprunghaften technischen
Entwicklung.
Denn was war denn der KERN des 1. Internet-Hypes, den ich vornehmlich
im jungen Web erlebte? Doch die schlichte Möglichkeit, dass JEDER
ohne viel Voraussetzungen außer einem PC und Netzanschluss (und ein
Paar Stunden SelfHTML studieren) ins Web schreiben konnte. Daraus
ergaben sich all die "grundstürzenden" Utopien und alle Hoffnungen auf
Veränderungen zementierter/eingefahrener gesellschaftlicher
Verhältnisse.
Doch HTML wurde schnell so komplex, andere Techniken kamen hinzu, es
war bald eben nicht mehr für FÜR JEDEN locker möglich, "eine Homepage
zu errichten und loszulegen" - (obwohl dieses "Angebot" an jeder Ecke
kosenlos zu haben war: deine HP mit ein paar Mausklicks.)
Wer das Internet als ein voll entwickeltes Kommerzweb mit komplexen
Webseiten kennen lernte, kam gar nicht mehr auf die Idee, hier
irgendwas "selber machen" zu wollen oder zu sollen, außer zu surfen
(Infos/Unterhaltung suchen) und zu kaufen. Schon gar nicht etwas, das
soviel Einarbeitung kostet wie eine "zeitgemäße" Website selber
bauen...
Die Netizen-Szene der ersten Jahre wurden zu einer sich frustriert /
resigniert ins Private zerstreuenden Avangarde, der der menschliche
NACHSCHUB fehlte, weil die Technik durch Komplexität Neueinsteiger
abschreckte - und dann kam Web 2.0, die Blogs, und endlich auch DSL.
Seither geht es wieder, jeder kann ins Web schreiben, Wordpress & Co
machen es (wieder) möglich. Das selbständig im Netz agierende
Individuum ist "reloaded", massenhaft. Es gibt auch gleich wieder die
üblichen Auseinandersetzungen (z.B. Werbung ja/nein in der Blogoshäre)
und viele wieder aufbereitete Themen, aber eben auch Entwicklungen,
die tatsächlich weiter gehen als es früher (mangels Masse) möglich war
- wodurch einiges in Bewegung kommt...
Ich finde es wieder spannend, wobei es wundervoll ist, nicht mehr so
"drin zu stecken" in den verschiedenen Auseinandersetzungen! Was ich
im Web mache, darf gerne alle Jahre einen anderen Namen kriegen (jetzt
bin ich wohl "B-Bloggerin"), solange mir keiner rein redet, ist es mir
recht.
> Ich halte es
> für sehr wahrscheinlich, dass die Web-2.0-Euphorie genauso platzen
> wird wie die dotcom-Euphorie.
Denke ich auch. Wobei diesmal nicht soviel Geld investiert wurde, dass
von den Geld-Verdienen-im-Internet-Jungs "einfach so" verbrannt werden
könnte. Es muss jetzt richtig gearbeitet werden - und wenn sie dann
gemerkt haben, dass immer nur die paar "Ersten" mit den neuen oder
aus USA abgekupferten Ideen richtig Geld machen (the winner takes it
all) und sie selbst höchstens als kleine Krauter weiter malochen
können, werfen sie das Handtuch! Denn eigene INHALTE haben sie ja
nicht...
> Die Mehrzahl der B- und C-Blogger wird
> wieder aufhören zu bloggen, weil bloggen schnell so alt sein wird wie
> Homepages bauen.
Sehe ich auch so. Aber viele machen auch weiter, andere produzieren
Podcasts oder Videos, unzählige sind in Foren und Communities mit
durchaus relevanten Themen zugange..
> Die große Freiheit wird eingeschränkt werden -
na, da ist ja schon eine Menge passiert! Und alles hat immer zwei
Seiten (wenn nicht noch eine dritte, unsere Logik ist halt zweiwertig,
mehr können wir schlecht intuitiv fassen).
> bei
> Wikipedia könnte das beispielsweise darauf hinauslaufen, dass
> geänderte Artikel erst durch einen qualifizierten Redakteur
> freigeschaltet werden müssen.
Wundert mich nicht, die "Weisheit der Massen" mit ihren
Selbstreinigungskräften ist nur eine Teilwahrheit - es gibt ja auch
die "Trägheit der Massen", die "Ignoranz der Massen" und vieles mehr!
> Und Push-Dienste wie Digg würde ich
> ohnehin gerne wieder untergehen sehen, weil sie nur niederen
> Instinkten dienen und eher das Gegenteil von Social-Web sind.
Ich finde das auch alles "überdreht" - oft ist die Yigg-News bei
Google VOR dem eigentlichen Artikel zu finden. Themenspezifische News-
Seiten ohne Bewertung fände ich ausreichend - wie z.B. http://www.yoga-news.de/
Und Leser bringt es mir auch kaum, wenn ich bei Yigg mal was poste.
Man kann aber schön das "wie locke ich mit Überschriften-Spiel"
beobachten!
> Allerdings wird das Web 2.0 irreversibel sein. Vieles, was in diesem
> 2.0-Zeitalter entstanden ist, wird sich halten und zum Grundrepertoire
> des Webs werden. Dazu gehören für mich vor allem heute schon
> funktionierende und produktiv genutzte Social-Network-Plattformen,
> aber auch web-basiertes Verwalten und Speichern persönlicher Daten
> (Webmail statt Pop3 u. Mailclient, Online-Office, personal Wikis
> usw.).
Letzteres sehe ich mit einer gewissen Ambivalenz: einerseits sehr
bequem, andrerseits bin ich gerne selber Herrin meiner Daten, horte
meine Mails im eigenen Mailprog auf dem PC, nutze NATÜRLICH keinen
Hoster, sondern installiere Blogs auf dem eigenem Server - und ich
würde den Teufel tun und irgend jemandem meine Texte und Bilder, meine
Korrespondenz oder was auch immer überlassen. Vielleicht wird der ja
morgen kostenpflichtig oder erhöht die Preise, geht pleite oder wird
übernommen, ändert seine AGB und verwertet meine Werke, oder
beschränkt aus rechtlichen Erwägungen den Zugang - nein danke! Da bin
ich altmodisch, ich weiß. Ich schätze halt meine Unabhängigkeit.
Zuviel Vernetzung kann einen auch schnell in den Untergang reißen...
Genug für jetzt, du hast mich ganz schön inspiriert! Ich gelobe, nicht
oft so auszuufern...
WEBKOMPETENZ - find ich gut!
Lieben Gruß
Claudia
du schreibst zu "nicht Andere in Verlegenheit bringen":
> Das ist sogut wie nie erreichbar. In dem Moment, wo du offen und klar
> deine Ansichten und Standpunkte kommunizierst, kannst du sicher sein,
> irgendwen in Verlegenheit gebracht zu haben. Nur liegt die
> Verantwortung dafür nicht bei dir, sondern bei dem anderen. Es ist
> also unumgänglich, bei Einstehen für einen Standpunkt möglicherweise
> andere vor den Kopf zu stoßen. Das bedeutet Konfrontation und somit
> Stress für dich. Dazu musst du stehen. Das wiederum bedeutet
> Verantwortung für dich.
Du meinst etwas anderes als das, worum es mir ging - ich meinte:
Andere sollen nicht durch meine Verlautbarungen von DRITTEN erkannt
werden können! Das wäre nämlich ein Übergriff auf deren Privatsphäre,
sie müssten gewärtigen, mit dem "neuen Wissen" (das ja nur meine Sicht
der Dinge ist) irgendwelcher Leute konfrontiert zu werden, die das
mitlesen.
Ansonsten gilt: wer sich den Schuh anzieht, den ich dahin stelle, kann
das gerne tun, kann es aber auch lassen. Wenn ich mal in irgend einem
Artikel jemanden bestimmten meine, der sich dann (obwohl für Dritte
verschleiert) erkennt, hab' ich kein Problem damit, denn ich schreibe
nichts, was ich ihm nicht auch ins Gesicht sagen würde, bzw. schon
gesagt habe - daran denke ich immer schon beim schreiben.
Hier zum Beispiel <a href="http://www.claudia-klinger.de/digidiary/
2006/11/25/die-liebe-und-das-aelter-werden/">ein Stück Autobiografie,</
a> in dem ich meinen Ex-Lebensgefährten beschreibe (Absatz "Beziehung
ohne Sex"). Da steht nichts drin, was er nicht lange schon weiß - und
doch hab' ich ihn auf diesen Artikel bei Erscheinen aufmerksam
gemacht, damit er mitbekommt, dass ich über ihn schreibe (da ich ihn
gut kenne, wusste ich, dass er nichts dagegen haben wird).
Sowas ist aber eh selten in meinen Blog-Artikeln, das "große Rezept"
fürs persönliche Schreiben, das ich im Diary befolge, heißt: Von SICH
schreiben! Ganz bei mir bleiben, mich auf die eigenen Empfindungen/
Motive/Problematiken beschränken, nicht Andere be- und verurteilen.
> mir gefällt diese Betonung nicht. Ich schreibe nie Wörter in
> Großbuchstaben.
Ich schon - immer wenn ich was betonen will, also tatsächlich "die
Stimme erhebe". Wenn es hier eine andere Möglichkeit der Betonung
gäbe, mache ich es gerne anders, aber im Moment sehe ich da rund um
den Editor nichts. Ist ja äußerst spartanisch hier...
> Die Leser sind ja nicht doof. Sie werden es durchschauen.
Stammleser wissen immer mehr und können manche Bezüge herstellen, die
andere nicht mitbekommen. Stört aber nicht, da ich ja kaum je
aggressiv und beurteilend, sondern beobachtend/analysierend schreibe -
und immer entlang am eigenen Erleben, das mir niemand absprechen
kann.
> Der Leser muss ich darauf einlassen, sich verführen lassen zu wollen,
> also liegt die Entscheidung bei ihm. Du selbst kannst dabei nur
> hoffen, dass er es tut.
Ich bekomme immer wieder mal Mails, dass es bei Lesern offenbar so
funktioniert. Für mich selbst ist ein eh Artikel abgehakt, wenn er
fertig ist. Was dann damit angefangen wird, wer sich was da was
rauszieht oder sich mit Grausen wendet, ist nicht mehr mein Ding. Auf
Kommentare lass ich mich dann "nach Bockprinzip" ein oder auch nicht.
Sei herzlich gegrüßt
Claudia