Forenbetreiber haften uneingeschränkt

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Stefan Münz

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May 6, 2007, 5:12:48 PM5/6/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

wieder mal schlechte Nachrichten von der deutschen Gerichtsfront:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/89348

"Nach dem nun im Volltext vorliegenden Urteil vom 27. April 2007 (Az.
324 O 600/06) haftet der Betreiber eines Internetforums grundsätzlich
und auch ohne Kenntnis für sämtliche dort eingestellte Beiträge."

Wer ein Forum betreibt, darf also, wenn er gesetzestreu bleiben will,
nicht mehr schlafen und muss jede Sekunde den Reload-Button drücken.
Oder er programmiert sein Forum so um, dass er erst mal alle Beiträge
liest und sie dann erst freischaltet. Letztere Variante ist für
Forumsbenutzer ungefähr so prickelnd wie das Ziehen einer Wartenummer
beim Arbeitsamt - niemand würde das freiwillig mitmachen, und die
Foren würden sterben.
Das Gleiche gilt natürlich nicht nur für Foren, sondern auch für Blogs
mit Kommentarfunktion, für Wikis und viele andere Services mit user
generated content.

Nein, dieses Urteil ist weltfremd und schlimmer noch: es verhöhnt jede
gute Absicht und jedes gewissenhafte Streben von Plattformanbietern
für user generated content nach Gesetzestreuheit. Gegen so was muss
protestiert werden. Hier erreiche ich nicht mehr so viele Leute wie
bei SELFHTML, aber ich bin sicher nicht der einzige, den dieses Urteil
maßlos aufregt, und ich hoffe, es wird sich lautstarker Protest gegen
diese "Frechheit von oben" formieren.

viele Grüße
Stefan Münz

Uschi Hering

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May 6, 2007, 8:40:45 PM5/6/07
to webkom...@googlegroups.com
Hallo, Stefan.

Am 06.05.2007 um 23:12 schrieb Stefan Münz:

Wer ein Forum betreibt, darf also, wenn er gesetzestreu bleiben will,
nicht mehr schlafen und muss jede Sekunde den Reload-Button drücken.
Oder er programmiert sein Forum so um, dass er erst mal alle Beiträge
liest und sie dann erst freischaltet. Letztere Variante ist für
Forumsbenutzer ungefähr so prickelnd wie das Ziehen einer Wartenummer
beim Arbeitsamt - niemand würde das freiwillig mitmachen, und die
Foren würden sterben.

Niemand ist vielleicht nicht so ganz der richtige 
Ausdruck. Das machen eine ganze Menge Leute 
mit, zum Beispiel alle, die auf SPON diskutieren. 
Das sind nicht wenige. Ich zaehle dazu.

Das Gleiche gilt natürlich nicht nur für Foren, sondern auch für Blogs
mit Kommentarfunktion, für Wikis und viele andere Services mit user
generated content.

Darin steckt aus meiner Sicht das eigentliche Problem. 
Obwohl ich fuer meinen Teil kein grosser Fan der 
Bloggerei bin, so doch einer ihrer Existenz. Und 
nach der Novellierung des § 54 RStV (Ueberpruefung der 
Inhalte auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit) kann ich damit 
umso besser leben, nachdem er Fluesterpropaganda 
einen Riegel vorschiebt und die Autoren zwingt, sich an 
Fakten zu halten und Nachricht von Meinung zu 
differenzieren.

Nach meinem Empfinden leistet der Anbieter seiner Pflicht 
genuege, wenn er dem Recht zum Posten die Pflicht zur Registrierung 
vorschaltet. Damit ist der content generating user 
zurueckverfolgbar und kann ggf. zur Rechenschaft gezogen 
werden. 

Das von Dir zitierte Urteil fuehrt wieder zurueck zu einer 
Konzentration der Medien, wo es doch endlich gerade 
eine Oeffnung in Richtung Demokratisierung gab. Ja, Stefan, 
sehe ich genauso: da besteht Handlungsbedarf.
Der Herr Geuss muss in die Berufung. 

Hast Du dieselbe Idee wie ich?

Schoene Gruesse, 
Uschi



><((((°<   ><(((((°<   ><(((((°<   ><(((((°<   ><(((((°< 

Uschi Hering | www.fish-and-chips.de
Gluecksburger Strasse 9a  |  D-24975 Husby
Telefon 04634 - 93 65 45  | Fax 04634 - 93 65 46
Road 0177 - 527 86 60


Stefan Münz

unread,
May 7, 2007, 2:46:16 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo Uschi,

> Niemand ist vielleicht nicht so ganz der richtige
> Ausdruck. Das machen eine ganze Menge Leute
> mit, zum Beispiel alle, die auf SPON diskutieren.
> Das sind nicht wenige. Ich zaehle dazu.

Mag sein, dass es Umgebungen gibt, in denen das funktioniert.
Vielleicht auch deshalb, weil die Verzögerungszeiten noch erträglich
sind. Das geht aber nur mit einer größeren Redaktionsmannschaft, die
Tag und Nacht im Einsatz ist. Die Dummen sind jedoch wieder mal die
Kleinen, private Forenbetreiber, Blogger oder Betreiber anderer
Services mit User-Beiträgen.

> Nach meinem Empfinden leistet der Anbieter seiner Pflicht
> genuege, wenn er dem Recht zum Posten die Pflicht zur Registrierung
> vorschaltet. Damit ist der content generating user
> zurueckverfolgbar und kann ggf. zur Rechenschaft gezogen
> werden.

Rückverfolgung ist wenns hart auf hart kommt auch über IPs möglich,
und eigentlich sogar zuverlässiger, denn unter was man sich irgendwo
registriert, kann alles mögliche sein. Auch gültige Mailadressen, die
dabei anzugeben sind, lassen nicht unbedingt irgendeinen Rückschluss
auf eine bestimmte reale Person zu. Meiner Ansicht nach besteht die
Pflicht eines Betreibers darin, strafrechtlich relevante Inhalte dann
zu löschen, wenn er Kenntnis davon erlangt und die Möglichkeit zu
löschen hat. So in etwa war es ja auch in früheren Urteilen bereits
formuliert worden, und das erschien mir eigentlich immer plausibel und
vernünftig. Ich dachte deshalb, dieser Käse sei längst gebissen
gewesen - um so mehr hat mich dieses Urteil überrascht, das mich in
seiner Unangemessenheit irgendwie an das legendäre Compuserve-Urteil
erinnert, wo man den Online-Dienst für alles belangen wollte, was im
Usenet gepostet wird, bloß weil Compuserve als Zugangsprovider unter
anderem den Zugang zum Usenet ermöglichte.

> Der Herr Geuss muss in die Berufung.
> Hast Du dieselbe Idee wie ich?

Spendenaufrufe, Heise-Meldungen und so? Gerne! Allerdings sollte man
dazu vielleicht erst mal den Betroffenen befragen. Und dann wäre zu
klären, über welche Site das organisiert werden soll. Hier ist nicht
mehr SELFHTML, sondern nur ein kleiner Philosophenkahn im weiten Meer.
Ich persönlich fände es toll, wenn sich da über die Blogosphäre was
organisieren würde. Zu einer Spende wäre ich auch gerne bereit. Nur
für allzuviel Organisatorisches fehlt mir leider die Zeit.

viele Grüße
Stefan Münz

Stefan Münz

unread,
May 7, 2007, 3:07:42 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum

King^Lully

unread,
May 7, 2007, 4:39:38 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo Stefan,

> wieder mal schlechte Nachrichten von der deutschen Gerichtsfront:http://www.heise.de/newsticker/meldung/89348
>
> "Nach dem nun im Volltext vorliegenden Urteil vom 27. April 2007 (Az.
> 324 O 600/06) haftet der Betreiber eines Internetforums grundsätzlich
> und auch ohne Kenntnis für sämtliche dort eingestellte Beiträge."

ich kratze mal meine juristischen Kenntnisse ein wenig zusammen:
1.) Dass der Forumsinhaber letztlich haften muss, ist doch eine
Selbstverständlichkeit.
2.) Es kann einem Beleidigten oder sonstwie Geschmähten so zu sagen
nicht zugemutet werden erst einmal gegeneine "IP-Adresse" zu klagen
(während die angemängelten Inhalte stehen bleiben bspw.).
3.) Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
4.) Das Gericht in Hamburg ist nicht die letzte Instanz.
5.) In der Praxis werden Fristen gesetzt und der Betreiber reagiert
dann, ohne dass diesem Kosten entstehen.
6.) http://www.mein-parteibuch.de (an anderer Stelle zitiert) ist eine
schlechte Quelle, auch Heise tendiert m.E. ebenso zum Bedienen
bestimmter Leserstimmungen.

Also, wie bereits geschrieben, wie soll es anders gehen?

MKG
King^Lully

Stefan Münz

unread,
May 7, 2007, 5:26:02 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo King^Lully,

> 1.) Dass der Forumsinhaber letztlich haften muss, ist doch eine
> Selbstverständlichkeit.

Völlig richtig. Aber das steht ja auch nicht zur Debatte. Zur Debatte
steht, ab wann er haftbar gemacht werden kann, bzw. ob er bereits
haftet, wenn er noch gar nichts von einem verbalen Gesetzesverstoß in
seinem Forum weiß.

> 2.) Es kann einem Beleidigten oder sonstwie Geschmähten so zu sagen
> nicht zugemutet werden erst einmal gegeneine "IP-Adresse" zu klagen
> (während die angemängelten Inhalte stehen bleiben bspw.).

Es hindert ihn aber auch niemand daran, Anzeige gegen Unbekannt bzw.
gegen IP ###.###.###.### zu stellen. Vor allem muss aber erst mal
deutlicher werden, dass die Anzeige nicht gleich gegen den
Forenbetreiber gehen sollte, sondern gegen den eigentlichen Übeltäter.
Die IMHO richtige Vorgehensweise dem Forenbetreiber gegenüber ist, ihn
über das Posting zu benachrichtigen und ihn mit einer angemessenen
Frist (das sollten zumindest ein paar Werktage sein) aufzufordern, das
Posting zu entfernen. Um der Sache Nachdruck zu verleihen, darf auch
mit gerichtlichen Schritten gedroht werden, falls der Forenbetreiber
dies nicht tut. Eine persönliche Abmahnung also. Zusätzlich bietet es
sich an, in dem Forum selbst eine Gegendarstellung zum auslösenden
Posting zu posten, mit dem Hinweis darauf, dass man Anzeige gestellt
und den Forenbetreiber informiert habe.

> 3.) Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
> 4.) Das Gericht in Hamburg ist nicht die letzte Instanz.

Irgendwo habe ich gelesen, das jetztige Urteil sei nur ein Schachzug
gewesen: man hätte sich bewusst das LG Hamburg ausgesucht, weil das
für seine ganz und gar nicht weltstädtische Haltung in solchen Fragen
bekannt sei, um so die erste Instanz zu verlieren, damit man in
Berufung gehen könne und dann in zweiter Instanz Recht von höherer
Stelle bekomme.

> 5.) In der Praxis werden Fristen gesetzt und der Betreiber reagiert
> dann, ohne dass diesem Kosten entstehen.

Hoffen wir nur, dass es bei dieser Praxis bleibt angesichts eines
solchen Urteils. Es hängt immer auch viel von der praktischen Vernunft
dessen ab, der ein Posting einklagt.

> 6.)http://www.mein-parteibuch.de(an anderer Stelle zitiert) ist eine


> schlechte Quelle, auch Heise tendiert m.E. ebenso zum Bedienen
> bestimmter Leserstimmungen.

Naja, du darfst gerne andere Quellen nennen ;-)

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
May 7, 2007, 5:43:44 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
> > 1.) Dass der Forumsinhaber letztlich haften muss, ist doch eine
> > Selbstverständlichkeit.
>
> Völlig richtig. Aber das steht ja auch nicht zur Debatte. Zur Debatte
> steht, ab wann er haftbar gemacht werden kann, bzw. ob er bereits
> haftet, wenn er noch gar nichts von einem verbalen Gesetzesverstoß in
> seinem Forum weiß.

Exakt darum scheint es zu gehen. Die gesetzlichen Grundlagen und die
Praxis müssen also noch erarbeitet werden. Einige Sachen dürfen
_nicht_ sein, bspw.:
- Der Verleumdete kann sich nicht wehren.
- Der Medienbetreiber wird nicht in Haftung genommen, der Geschädigte
muss sich direkt an den Verleumder wenden, wobei der angemängelte Text
eventuell auch noch stehenbleibt.
- Der Medienbetreiber kann sich nicht wehren, wenn bestimmte Texte
eingestellt werden, von denen er (noch) keine Kenntnis hat, und wird
in Haftung genommen.

Der letzte Punkt scheint das Missverständnis zu fixieren, denn wenn es
so wäre - und hier (in diesem Blog, sowie bei Heise und so ;) wird
dieser Eindruck erweckt -, dann würden Kommentarbereiche unmöglich, da
eine 24/7 Online-Moderation genauso wenig in Frage kommt wie eine
zeitversetzte Freischaltung (woraufhin die Nutzer auf Medien
ausweichen würden, die nicht dem deutschen Recht unterstehen und D
hätte mal wieder ein Eigentor geschossen, auch ein wirtschaftliches.).

molily

unread,
May 7, 2007, 7:40:38 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
On 7 Mai, 10:39, King^Lully <lkeitlingh...@web.de> wrote:

> 5.) In der Praxis werden Fristen gesetzt und der Betreiber reagiert
> dann, ohne dass diesem Kosten entstehen.

Eben nicht! In der Praxis werden Abmahnungen mit saftiger Kostennote
versendet. Wie man im gegenwärtigen Fall wieder sieht, entbehren die
Vorwürfe in Abmahnung oft einer rechtlichen Grundlage.

Wenn also der Betreiber reagiert, d.h. die strafbewehrte
Unterlassungserklärung unterschreibt und die Kosten der Abmahnung
zahlt, hat diese Masche Erfolg. Das werden die meisten Forenbetreiber
auch tun, wenn sie nicht den Weg einer negativen Feststellungsklage
gehen können. Wählt der Betreiber den Rechtsweg zur Klärung der
Legalität, kommen große Kosten und Mühen auf ihn zu.

King^Lully

unread,
May 7, 2007, 8:42:08 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
> > 5.) In der Praxis werden Fristen gesetzt und der Betreiber reagiert
> > dann, ohne dass diesem Kosten entstehen.
>
> Eben nicht! In der Praxis werden Abmahnungen mit saftiger Kostennote
> versendet. Wie man im gegenwärtigen Fall wieder sieht, entbehren die
> Vorwürfe in Abmahnung oft einer rechtlichen Grundlage.

Dann schöpfen wir doch mal aus den reichhaltigen Erfahrungen Deiner
Person als Forumsmitverantwortlicher. Hat es da Abmahnungen gegeben?
Habt Ihr jemals gezahlt? Habt Ihr jemals zahlen müssen? Wieviel ggf.?

Das ganze Thema wird emotionalisiert und von bestimmten Medien
hochgekocht bzw. warm gehalten. Selbstverständlich muss das
Rechtssystem an die veraänderte Medienlage angepasst werden, diese
Anpassungen finden gerade statt. Und wie die aussehen müssten ist auch
ziemlich klar.

Nach meinen Erfahrungen wenden sich verärgerte Menschen, die sich
diffamiert fühlen, in aller Regel an die Medienbetreiber, die dann
auch oft zensieren. Geschieht die gewünschte Zensur nicht, so wird
dann auch schon mal ein Rechtspfleger zugeschaltet.

Dass da irgendwelche "böse" RAs ins Blaue hinein Abmahnungen
versenden, wird wohl nicht allzu oft der Fall sein. Rechnet sich auch
meist nicht für die RAs. Lassen wir also mal dieses Zerr- und
Schreckensbild aussen vor.

Stefan Münz

unread,
May 7, 2007, 9:14:18 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
> Das ganze Thema wird emotionalisiert und von bestimmten Medien
> hochgekocht bzw. warm gehalten. Selbstverständlich muss das
> Rechtssystem an die veraänderte Medienlage angepasst werden, diese
> Anpassungen finden gerade statt. Und wie die aussehen müssten ist auch
> ziemlich klar.

Das Rechtssystem passt sich aber nicht an die veränderte Medienlage
an, wenn kein lautstarkes "Einspruch, Euer Ehren!" zu hören ist.
Deshalb muss die Web-Öffentlichkeit mobilisiert werden und begreifen,
dass ein solches Urteil skandalös ist und sehr negative Folgen haben
kann. Juristen tun gerne so, als würden Veränderungen in der
Betrachtung von "Fällen" nur auf veränderte Gesetzeslagen
zurückzuführen sein. Klar, es will und sollte ja auch eigentlich kein
Jurist durch Druck von außen erpressbar sein. In Wirklichkeit kann und
muss öffentlicher Druck aber sehr wohl die juristische
Betrachtungsweise beeinflussen, nämlich dann, wenn die Öffentlichkeit
im Fall besonders schräger Auslegung einer Gesetzeslage absolut kein
Verständnis mehr hat für die Urteilsfindung. Man kann das
"Meinungsmache" nennen - ich nenne so was eher "Sensibilisierung".

> Nach meinen Erfahrungen wenden sich verärgerte Menschen, die sich
> diffamiert fühlen, in aller Regel an die Medienbetreiber, die dann
> auch oft zensieren. Geschieht die gewünschte Zensur nicht, so wird
> dann auch schon mal ein Rechtspfleger zugeschaltet.

Solange verärgerte Menschen so besonnen reagieren, wird die Praxis
ohnehin über dieses eine Urteil hinweggehen. Doch was, wenn verärgerte
Menschen nicht so besonnen reagieren, sondern lieber gleich eine
einstweilige gerichtliche Verfügung gegen einen ahnungslosen
Forenbetreiber erwirken, unter Berufung auf so ein Urteil wie das
jetzt?

> Dass da irgendwelche "böse" RAs ins Blaue hinein Abmahnungen
> versenden, wird wohl nicht allzu oft der Fall sein. Rechnet sich auch
> meist nicht für die RAs. Lassen wir also mal dieses Zerr- und
> Schreckensbild aussen vor.

Ich glaube auch nicht, dass dieses Urteil eine Abmahnwelle zur Folge
hat. Dazu müssten die findigen Rechtsanwälte viel zu viel Müll in
allen möglichen Foren lesen. Die Gefahr sehe ich eher darin, dass
Einzelne unter Berufung auf dieses Urteil einen Forenbetreiber zur
Aufgabe zwingen können, weil es ihnen gelingt, ihn finanziell und
möglicherweise sogar seinen Leumund in eine äußerst prekäre Situation
zu bringen.

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
May 7, 2007, 11:46:41 AM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
> Die Gefahr sehe ich eher darin, dass
> Einzelne unter Berufung auf dieses Urteil einen Forenbetreiber zur
> Aufgabe zwingen können, weil es ihnen gelingt, ihn finanziell und
> möglicherweise sogar seinen Leumund in eine äußerst prekäre Situation
> zu bringen.

Es brechen tatsächlich Blogger weg, wie z.B. die von mir geschätzten:
http://telegehirn.wordpress.com/
http://www.mein-parteibuch.de/2007/01/26/knast-fuer-blogger-fastix/
(um nur mal einige zu nennen, wünschen täte ich den Jungs mehr
Abgeklärtheit und juristische Kenntnisse, denn zwingend ist sowas ja
nicht)

xwolf

unread,
May 7, 2007, 4:32:28 PM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
Hi

> Es brechen tatsächlich Blogger weg, wie z.B. die von mir geschätzten:http://telegehirn.wordpress.com/

Ist laut seiner letzten Meldung nur in Osterurlaub..

> http://www.mein-parteibuch.de/2007/01/26/knast-fuer-blogger-fastix/

Fastix ist doch wieder sehr aktiv online und führt seine persönliche
Fede weiter...

> (um nur mal einige zu nennen, wünschen täte ich den Jungs mehr
> Abgeklärtheit und juristische Kenntnisse, denn zwingend ist sowas ja
> nicht)

Hilfreich ist aber auch - wie auch oben steht- etwas Gelassenheit.
Emotionen hoch zu kochen und durch gegenseitige persönliche
Rachefeldzücke vor Gericht für sein heiliges gerechtfertiges
rechtsempfinden zu kämpfen, hat bislang nie was geholfen. Das sorgt
nur das Anwälte mehr Geld in der Tasche haben - egal auf welcher Seite
sie gerade zufällig sind.


Ciao,
Wolfgang

werner.ma...@gmail.com

unread,
May 7, 2007, 4:39:21 PM5/7/07
to webkom...@googlegroups.com
hi,community.
ich bin dem grund derselben meinung wie stefan.
allerdings glaube ich, daß der staat recht und verpflichtung hat,
schon im vorfeld kriminelle energie und strafbare tatbestände im allgemeinen aufzuklären.
aber der rest soll und muß auch weiterhin die globale pinwand bleiben,
als die das web an sich konzipiert ist.
mlg,
werner
Am 06.05.07 schrieb Stefan Münz <stefan...@googlemail.com>:

xwolf

unread,
May 7, 2007, 4:46:17 PM5/7/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo,


warum wird dieses Urteil des LG Hamburg so wichtig genommen?

Da es im Widerspruch zum OLG steht, aber auch gegen dem BGH wird es
kaum als Präzendenz (so es das denn gäbe) genommen.
Und auch die "Bösen" werden den Teufel tun, sich dieses Urteil als
Zitatquelle hernehmen, hat doch der Geuß im Urteil ja doch in 5 der 6
Punkte Erfolg gehabt. Und das sogar an einer doch bemerkenswerten und
für Abmahnungen bedeutenden Stelle, nämlich dem Streitwert.

Wie Geuß schreibt:
"Das Urteil besagt Folgendes:
1.) Von den sechs Beiträgen, die Gegenstand der Abmahnung waren, hat
das Gericht fünf
für rechtmäßig und einen für rechtswidrig erklärt.
2.) Für diesen einen Beitrag stehen der Gegenpartei maximal 146,12 €
an Kostenerstattung zu
3.) Der Streitwert wurde von 50.000 € auf 15.000 € reduziert.
4.) Die Kosten des Verfahrens trägt zu 5/6 die Gegenseite und zu 1/6
ich"


Ich denke, der Punkt 2, bzw 4 wird auch dafür sorgen, daß es Seitens
Geuß keine Revision gibt.
146,12 € sind ja noch nichtmal die Kosten einer Stunde anwaltlicher
Beratung!
Wieviel dagegen "kostet" die Revision - nicht allein die Anwalts- und
Gerichtskosten gerechnet die man vorschiessen muss, sondern auch an
Arbeitszeitverlust?

Ich bezweifle doch stark, daß er in Revision geht - wofür? Um zu
belegen, was eh jeder weiß, nämlich daß das LG Hamburg eine veraltete
Auffassung hat, die von höheren Gerichten eh wieder gekippt werden
kann?
Seien wir doch realistisch: Die paar Leute die sich um Netzkultur
Gedanken machen sind so in der Minderheit, daß derren Unterstützung
kaum Hilfe für einen Forenbetreiber ist (denn es gibt ja einige mehr
als nur diesen Fall).
Die große Mehrheit aller Leute, die anonym und großspurig in Foren und
Blogs dem mutigen Netzhelden zujubelt und in flammenden
Diskussionsbeiträgen auffordert weiter zu machen, werden in der Praxis
nie aus der Deckung der Anonymität kommen und keinen Cent spenden.

Ciao,
Wolfgang


King^Lully

unread,
May 8, 2007, 6:05:00 AM5/8/07
to Webkompetenz-Forum
> Seien wir doch realistisch: Die paar Leute die sich um Netzkultur
> Gedanken machen sind so in der Minderheit, daß derren Unterstützung
> kaum Hilfe für einen Forenbetreiber ist (denn es gibt ja einige mehr
> als nur diesen Fall).
> Die große Mehrheit aller Leute, die anonym und großspurig in Foren und
> Blogs dem mutigen Netzhelden zujubelt und in flammenden
> Diskussionsbeiträgen auffordert weiter zu machen, werden in der Praxis
> nie aus der Deckung der Anonymität kommen und keinen Cent spenden.

Elitismus? - Da machen Wir doch gerne mit:
Es ist richtig, dass in Deutschland die Umgangskultur tendentiell so
geprägt ist, dass es oft nur "moralische" Unterstützung gibt und bei
Geld "die Freundschaft aufhört".
Das ist natürlich lächerlich, entspricht aber dem was in den Schulen
seit Jahren gelehrt wird. Was soll man von einem Schulsystem erwarten,
dass mittelmässiges Personal beherbergt und "Gutmenschentum" und
moralische Überlegenheit (ausgerechnet des Deutschen!) predigt. Werte
werden an den Schulen nicht gelehrt. Die Deutschen sind so Weggucker,
aber mit Anspruch, geworden.

Allerdings scheint es doch gelegentlich "Cent-Spender" zu geben, bspw.
wurde Stefans Projekt mehrfach unterstützt. Da wurde dann zwar
manchmal ein Feindbild benötigt, aber ein sich der Totalüberlastung
näherndes Serversystem hat auch schon mal gereicht.

Stefan Münz

unread,
May 8, 2007, 6:41:34 AM5/8/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo King^Lully,

> Allerdings scheint es doch gelegentlich "Cent-Spender" zu geben, bspw.
> wurde Stefans Projekt mehrfach unterstützt. Da wurde dann zwar
> manchmal ein Feindbild benötigt, aber ein sich der Totalüberlastung
> näherndes Serversystem hat auch schon mal gereicht.

Eben. Die Deutschen spenden finde ich sogar sehr gern und sehr
spontan. Da genügt eine mittelmäßige Fernseh-Show, und schon kommen
etliche Millionen an einem Abend zusammen. Alles hängt davon ab, den
Menschen klar zu machen, dass finanzielle Hilfe benötigt wird. Bei den
Bildern von der Verwüstung nach einer Tsunami-Welle ist das natürlich
leichter als bei der Erläuterung der Gefahren eines Zivilrechtsurteils
für die Kommunikationskultur im Internet. Es funktioniert aber auch
da, zumindest wenn an vielen Stellen im Netz darüber berichtet und
geredet wird, so dass es zumindest die "interessierte Öffentlichkeit"
im Netz erfährt.

Übrigens eruieren wir (Uschi Hering und ich) gerade, ob Martin Geuß in
Berufung gehen will und wenn ja, ob er dazu noch weitere finanzielle
Unterstützung benötigt. Die könnte aus der "Kriegskasse" kommen, die
seinerzeit bei den Spenden für SELFHTML / Explorer zustande kamen, und
die unter anwaltlicher Aufsicht auf einem Anderkonto liegen, wo sich
das Geld zinsbedingt zaghaft vermehrt.

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
May 8, 2007, 6:58:03 AM5/8/07
to Webkompetenz-Forum
> Übrigens eruieren wir (Uschi Hering und ich) gerade, ob Martin Geuß in
> Berufung gehen will und wenn ja, ob er dazu noch weitere finanzielle
> Unterstützung benötigt. Die könnte aus der "Kriegskasse" kommen, die
> seinerzeit bei den Spenden für SELFHTML / Explorer zustande kamen, und
> die unter anwaltlicher Aufsicht auf einem Anderkonto liegen, wo sich
> das Geld zinsbedingt zaghaft vermehrt.

Das wäre sicherlich gut angelegtes Geld. Dürfte auch für die Kläger
unerfreulich sein, wenn der Beklagte

Uschi Hering

unread,
May 8, 2007, 7:42:16 AM5/8/07
to webkom...@googlegroups.com
Hallo, Stefan.

Am 08.05.2007 um 12:41 schrieb Stefan Münz:

Übrigens eruieren wir (Uschi Hering und ich) gerade, ob Martin Geuß in
Berufung gehen will und wenn ja, ob er dazu noch weitere finanzielle
Unterstützung benötigt. Die könnte aus der "Kriegskasse" kommen, die
seinerzeit bei den Spenden für SELFHTML / Explorer zustande kamen, und
die unter anwaltlicher Aufsicht auf einem Anderkonto liegen, wo sich
das Geld zinsbedingt zaghaft vermehrt.

Nach Ruecksprache mit Martin Bahr, der sich fuer das 
Unterstuetzungsangebot herzlich bedankt, stellte sich 
heraus, dass die Kriegskasse von Martin Geuss so ueppig 
gefuellt ist, dass die beiden notfalls zum BGH marschieren 
koennten (ob sie allerdings in die Berufung gehen, haben 
sie noch nicht entschieden). Martin Geuss veroeffentlichte
bis vor kurzem noch den Spendenstand, jetzt aber nicht 
mehr, damit nicht noch mehr dazukommen kann. Hier der 
Stand vom 26.04.:
Lt. Angaben von Martin Bahr sind mittlerweile um die 
20.000 EUR zusammen.

Also: Kein Handlungsbedarf, ansonsten alles im gruenen 
Bereich. 
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