Zum Blog-Eintrag:
http://webkompetenz.blogspot.com/2007/03/web-20-mal-so-mal-so-bewertet.html
"Vielleicht ist es ja sogar besser, das Buzzword ,,Web 2.0" gar nicht
zu kennen."
Ist es überhaupt noch ein Buzzword? Setzt sich das kompetente
Webkompetenzforum bzw. dessen kompetenter Inhaber nicht gerade
deutlich vom Seitenbastler (HTML und so) ab? Und ist das nicht gut so?
Seitdem ich hier mitlese fange ich zumindest langsam an an Web 2.0 zu
glauben. (Was immer das auch genau heissen mag. ;)
MKG
King^Lully
Ciao
Axel
Und für mich hat es den Anschein, als ob jeder etwas anderes darunter
versteht!
Stefan arbeitet mit dem Begriff "Label", Web 2.0 wäre demzufolge also
eine Marke. Das es auch hier ein Thema ist erkennt man an den vielen
beiträgen, die hier (bzw. im Blog) unter dem genannten Label
bereitstehen:
http://webkompetenz.blogspot.com/search/label/Web 2.0
.
Von Interesse hier vielleicht auch der Wikipedia-Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0
Es scheint keine einfachen Definitionen für das "Marketing-Wort" Web
2.0 zu geben, die "Schlüsselprinzipien" ("die Projekte befinden sich
immerwährend im Beta-Stadium. ", "Die Software geht über die
Fähigkeiten eines einzelnen Verwendungszwecks hinaus." etc.) will ich
mal gnädigerweise unkommentiert lassen.
Ich definiere Web 2.0 mal spasseshalber wie folgt:
W20 nutzt die HTTP-Technologien (HTTP(S), HTML, JS, CSS etc.), zieht
aber mdst. eine neue Abstraktionsbene ein und tendiert zu Frameworks,
die die Basistechnologien vor dem SW-Entwickler verstecken. Teilweise
werden HTTP-Technologien ideenentfremdet genutzt, werden aber genutzt,
d.h. es kommen keine neuen "Basistechnologien" hinzu.
MKG!
> Es scheint keine einfachen Definitionen für das "Marketing-Wort" Web
> 2.0 zu geben, die "Schlüsselprinzipien" ("die Projekte befinden sich
> immerwährend im Beta-Stadium. ", "Die Software geht über die
> Fähigkeiten eines einzelnen Verwendungszwecks hinaus." etc.) will ich
> mal gnädigerweise unkommentiert lassen.
Solange so unterschiedliche Sachen wie Newsfeeds, Ajax, Social
Bookmarks, Wikis, Blogs, Communities, eigene Fotos und Videos im Web,
Mikroformate, APIs großer Webanbieter, CreativeCommons und was weiß
ich noch alles darunter fallen, wird man kaum von einem Begriff reden
können, der wirklich etwas begreift. Das Schlagwort ist wohl auch zum
Teil Ausdruck gewollter Distanzierung von den Sünden der Web-
Anfangsjahre, also von Browserkriegen, Zappel-Bannern, Dotcom-Wahn und
dem Kater nach dem Absturz der Internet-Börsenkurse. Es will sagen:
"schaut her, das Web ist kein Friedhof ehemaliger Träume - ganz im
Gegenteil: Wir waren fleißig, haben Anwendungen mit teilweise
neuartigen Konzepten entwickelt, der Eintritt ist frei, Speicher ist
genug vorhanden, niemand nervt dich, und du kannst sofort aktiv
werden". Es gibt sogar Web-2.0-Farben:
http://www.drweb.de/weblog/weblog/?p=525
Hell und freundlich sind sie, und wir hier benutzen sie
selbstverständlich auch *g*
Web 2.0 taugt also überhaupt nicht dazu, um irgendwelchen speziellen
Entwicklungen eine gemeinsame Denkrichtung zu geben. Es ist eher das
Lebensgefühl einer nachwachsenden Generation von Web-Aktiven, die das
Web schon seit ihrer Kindheit kennen, und die deshalb weniger
Berührungsängste mit dem Medium haben. Sie empfinden sich nicht mehr
nur als kleine Inhaber von Online-Zugängen und Client-Programmen. Sie
sind immer online und machen es sich auf den Servern bequem. Aber sie
wollen nicht alle nur dumm rumchatten, sondern durchaus was
Produktives leisten. Keiner will den Superhelden spielen, den
geistigen Führer einer Bewegung. Lieber sucht sich jeder seine Nische
- in seinem Blog, seiner Community, seinen Wiki-Artikeln, seinen
Videoproduktionen für YouTube.
Vielleicht ist die "Bewegung Web 2.0" deshalb etwas wenig griffig.
Aber dafür ist sie zwanglos. So gibt es in der Blogosphäre
beispielsweise durchaus auch eine gewisse Etiquette, doch es gibt
nicht so viele selbsternannte Hüter der Gerechtigkeit wie etwa im
klassischen Usenet. Man hat einfach das Gefühl, sich in einem
modernen, offenen, toleranten Umfeld zu bewegen, frei vom Muff alter
Ideologien, und trotzdem nicht blöde.
Wenn es tatsächlich letztlich ein Schlagwort für das Empfinden einer
Web-Generation ist, dann werde ich wohl nie mehr ganz dazugehören,
einfach weil ich nun mal früher dran war. Was aber nicht ausschließt,
dass man sich produktiv damit auseinandersetzen kann. Every generation
has its dream, und die Zeit, in der man lebt zu verstehen bedeutet
immer auch, auch die Träume der eigenen Nachbargenerationen zu
verinnerlichen. Und bevors jetzt zu arg philosophisch wird, höre ich
lieber mal auf ;-)
viele Grüße
Stefan Münz
> Also ich habe da neulich mal einen Bericht zu gesehen oder gelesen so
> genau weis ich es nicht mehr, der führte Web2.0 jedenfalls auf den
> kern zurück das web2.0 eigendlich wieder den Menschen in der
> Vordergrund stellt und jeder wieder aktiv das Web mit gestaltet. es
> wurde auch gesagt das es eigendlich ein Rückbesinnung auf die
> Anfangzeit des Web ist wo jeder Benutzer auch meist Inhalte mit
> erstellt hat.
Das ist in der Tat eine der typischen Aussagen von "Web-2.0-
Evangelisten". Eine Anspielung darauf soll auch der Motto-Text sein,
der im Webkompetenz-Blog direkt unter der Seitenüberschrift steht -
ein Zitat von Tim Berners Lee, in dem dieser sich ebenfalls
dahingehend äußert, dass er ja eigentlich nichts anderes als das Web
gewollt habe, das nun als das neue propagiert wird.
Ich habe viel von der Zeit mitbekommen, als all die "Jetzt-kommen-wir-
und-mischen-das-Web-auf"-Hanseln die Szene dominierten, als die großen
Unternehmen im Web nur preiswerte Werbeflächen sahen, und als die
wichtigsten Nachrichten aus dem Web spektakuläre Domain-Streitigkeiten
waren. Manche Zeitungen und Zeitschrift schienen sogar mit einem
gewissen Stolz im Unterton zu verkünden, dass es nun vorbei sei mit
dem freien Gefrickel im Web, und dass das Medium nun den gleichen
Gesetzen unterworfen werde wie Fernsehen, Rundfunk und Presse.
Überleben könne da nur, wer Kapital habe, sich im großen Stil durch
Werbung finanziere usw.
Es ist anders gekommen - seien wir froh!
viele Grüße
Stefan Münz
Ja, neben der ganzen restlichen Blase (nicht negativ gemeint), ist es
tatsächlich auch eine Marke...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/73703
Ciao
Axel
Was als Spass von mir gemeint war (ist ja nur ein
Kategoriesierungsfeature des Kompetenzblogs ;), hat sich nun als
zutreffend herausgestellt?! Ist "Web 2.0" nun geschützt? Was ist mit
"Web 2.1" und "Web 3.0"? Und ist es nicht uncool einen Markennamen zu
schützen, der eine Zwei beinhaltet?
BTW - heute morgen zum Frühstück gelesen:
"Laßt die alten Medien links liegen, und lest stattdessen Blogs!"
(Web 2.0 pur oder noch Web 1.0?)
> BTW - heute morgen zum Frühstück gelesen:
> "Laßt die alten Medien links liegen, und lest stattdessen Blogs!"
> (Web 2.0 pur oder noch Web 1.0?)
Das müssen aber aber schon sehr alte Medien sein, die nicht mal einen
eigenen Blog oder wenigstens einen Newsfeed betreiben ;-)
Also gut, lesen wir die Szene-Blogs - und was lesen wir da?:
http://www.spreeblick.com/2007/03/13/per-anhalter-durchs-web-20/
viele Grüße
Stefan Münz
> Ich habe viel von der Zeit mitbekommen, als all die "Jetzt-kommen-wir-
> und-mischen-das-Web-auf"-Hanseln die Szene dominierten, als die großen
> Unternehmen im Web nur preiswerte Werbeflächen sahen, und als die
> wichtigsten Nachrichten aus dem Web spektakuläre Domain-Streitigkeiten
> waren.
Hmhh, hat sich da so viel verändert?
Bis auf die Ausweitung der Blogospäre wohl eher nicht. Die Unternehmen
betrachten das Web heute primär nicht mehr als Werbefläche, eher als
neues Standbein für Umsatzgenerierung. Das Netz wird kommerzieller und
es läßt sich Geld verdienen. Die XXXler haben es vor Jahren
vorgemacht, die "Seriösen" ziehen heute nach..
> Manche Zeitungen und Zeitschrift schienen sogar mit einem
> gewissen Stolz im Unterton zu verkünden, dass es nun vorbei sei mit
> dem freien Gefrickel im Web, und dass das Medium nun den gleichen
> Gesetzen unterworfen werde wie Fernsehen, Rundfunk und Presse.
Tja, so mache Unarten haben sich massiv multipliziert, ich denke dabei
an die ganzen juristischen Hürden wie Abmahnungen und vor allem
Urheberrecht. Letzteres sehe ich auch als größere Gefahr für den
derzeitigen Hype des "Mitmach"-Web und wenn diese Blase "Web2.0"
platzt, fürchte ich, daß die Kommerzialisierung weiter fortschreiten
wird.
> Überleben könne da nur, wer Kapital habe, sich im großen Stil durch
> Werbung finanziere usw.
Sprechen wir in fünf Jahren nochmal darüber, es wird so kommen. Sollte
sich die Politik mit ihren Vorstellungen der Überwachung durchsetzen,
werden viele private Webber den Rückzug antreten und das Netz wird von
Unternehmen beherrscht. Nicht jeder ist zum Widerstandskämpfer
geboren.
> Es ist anders gekommen - seien wir froh!
Wuschvorstellung oder glaubst Du das wirklich? Ich mag Deine
optimistische Einschätzung nicht so ganz teilen,
Grüße aus Obergiesing, man liest sich
Wilhelm
> Hmhh, hat sich da so viel verändert?
> Bis auf die Ausweitung der Blogospäre wohl eher nicht. Die Unternehmen
> betrachten das Web heute primär nicht mehr als Werbefläche, eher als
> neues Standbein für Umsatzgenerierung. Das Netz wird kommerzieller und
> es läßt sich Geld verdienen. Die XXXler haben es vor Jahren
> vorgemacht, die "Seriösen" ziehen heute nach..
Klar wird das Web kommerziell genutzt, und das ist ja auch gut so.
Aber im Unterschied zu den Jahren um die Jahrtausendwende habe ich den
Eindruck, als ob niemand mehr mit dem Anspruch auftritt, das Netz
umkrempeln zu wollen. Man hält sich an die gewachsenen Spielregeln und
versucht in deren Rahmen aufzutrumpfen.
> Sprechen wir in fünf Jahren nochmal darüber, es wird so kommen. Sollte
> sich die Politik mit ihren Vorstellungen der Überwachung durchsetzen,
> werden viele private Webber den Rückzug antreten und das Netz wird von
> Unternehmen beherrscht. Nicht jeder ist zum Widerstandskämpfer
> geboren.
Ich sehe es eher umgekehrt kommen: die Überwachung der Politiker wird
zunehmen, weil jeder Furz, den sie lassen, gleich ins Netz sickert und
sich dort verbreitet wie ein Virus. Der Respekt vor den
Volksrepräsentanten wird dadurch weiter schwinden. Irgendwann wird es
dann nötig sein, den gesamten Prozess der Gesetzgebung zu reformieren.
Die Arbeitsausschüsse, die ja auch heute schon die eigentliche Arbeit
leisten, könnten auf einem kontrollierten Online-Podium arbeiten, und
die Repräsentanten mitsamt ihrer Parteiherrlichkeit wandern samt und
sonders ins Wachsfigurenkabinett mit Exponaten des 20. Jahrhunderts.
> Ich mag Deine optimistische Einschätzung nicht so ganz teilen
Das wäre ja auch nicht normal, Wilhelm, wenn du eine optimistische
Einschätzung teilen würdest ;-)
viele Grüße
Stefan Münz
Kleiner Nachtrag noch dazu:
http://www.bundestag.de/bic/analysen/2007/Second_Life.pdf
viele Grüße
Stefan Münz
Den direkten Zusammenhang zwischen Fürzen von Politikern und der
Second-Life-Analyse sehe ich zwar nicht, es ist aber sicherlich gut,
dass Politiker das Phänomen Second Life wahrnehmen. Es gibt da
schließlich ein fundamentales Problem. Diese virtuelle Realität wird
für viele Menschen zum Lebensmittelpunkt, da sie dort die Erfüllung
vieler Grundbedürfnisse finden, die man im normalen Berufalltag heute
nicht mehr so leicht erreichen kann. Das hat dann zur Folge, dass
diese Menschen sich mehr und mehr aus dem »normalen« Leben zurück
ziehen. Sie konsumieren in der realen Welt weniger und bedrohen so
Teile des produzierenden Gewerbes, was vermehrt Personen dazu zwingt,
ebenfalls in die virtuelle Welt zu ziehen. Sie beteiligen sich aber
auch sozial weniger am realen Leben, sie gehen beispielsweise nicht
mehr wählen usw. Das eine Problem daran ist, dass der Körper halt
nicht in die virtuelle Welt umziehen kann. Wir sind hier also zum Teil
gefangen und die Welt 1.0 muss weiterhin am Laufen gehalten werden.
Das andere Problem daran ist, dass die derzeit existierenden Welten
dieser Art im Besitz von Firmen sind, die dort göttliche Macht
besitzen und diese auch völlig unauffällig missbrauchen können.
Ein gutes Buch dazu:
http://mediengestalter.gleichjetzt.de/de/Paralell_Realitaeten_Designkritische_Texte_Buch
Ciao
Axel