zum Blog-Eintrag:
http://webkompetenz.blogspot.com/2007/05/all-good-things.html
Da wurde auch das Thema Zensur angesprochen und festgestellt - so wie
auch in Jurassic Park das berühmte Zitat fiel "Das Leben findet einen
Weg.", dass sich die freiere Handhabung durchsetzt.
Dagegen kann nur zensiert werden, China beschäftigt nach meiner
Kenntnis 60.000 hauptberufliche Zensoren, allerdings sollte m.E.
irgendwann diese Zahl nicht mehr ausreichen. Ich kenne das
Datenaufkommen im Web nicht, aber bald sollten 1.000.000 Mitarbeiter
erforderlich sein um den Webzugriff regierungskonform zu halten.
Wie läuft das eigentlich mit der Webzensur? Kann die überhaupt
effizient sein? Oder werden da nur Machthaber in diesem Eindruck
gelassen?
MKG!
Hallo King^Lully,
> Da wurde auch das Thema Zensur angesprochen und festgestellt - so wie
> auch in Jurassic Park das berühmte Zitat fiel "Das Leben findet einen
> Weg.", dass sich die freiere Handhabung durchsetzt.
Im Zusammenhang mit Jurassic Park kenne ich das Zitat gar nicht --
aber immerhin haben die Dinos sich ja mittlerweile den Weg durch
einige Filmfortsetzungen gebahnt ;-)
> China beschäftigt nach meiner
> Kenntnis 60.000 hauptberufliche Zensoren, allerdings sollte m.E.
> irgendwann diese Zahl nicht mehr ausreichen. Ich kenne das
> Datenaufkommen im Web nicht, aber bald sollten 1.000.000 Mitarbeiter
> erforderlich sein um den Webzugriff regierungskonform zu halten.
Schon möglich, dass die Anstrengungen dazu deutlich steigen werden.
Aber bis dahin wird es dann wahrscheinlich Internetzugänge über
Provider im freizügigeren Ausland geben, und Europa wird über
Luxemburg surfen. Wie auch immer -- die Leute haben jetzt bereits über
Jahre hinweg relativ viel Freiheit im Netz kennengelernt, und die
werden sie sich wohl nicht mehr so ohne weiteres nehmen lassen.
viele Grüße
Stefan Münz
Ausnahmesweise beantworten Wir uns mal selbst eine Frage (und das
sogar möglicherweise falsch):
- Webzensur ist nur möglich wenn bestimmte Knoten gefiltert werden
können (was nur geht, wenn man an alle Inhalte rankommt, was
allerdings per se (Berechtigungssysteme etc.) unmöglich ist)
- Die zu Zensierenden müssten alle in Kindknoten sitzen und so ihren
Webzugriff pflegen
- Das Vorhaben muss als Ganzes - in Abhängigkeit der technischen
Entwicklung früher oder später - scheitern
- Das Web tendiert zum rechtsfreien Raum und ist letztlich genauso
schwer (systematisch) auszuwerten (Terrorabwehr etc.) wie zu zensieren
- Die allgemeine Verfügbarkeit fast jeder Information wird
sichergestellt, die Gesellschaft rückt zusammen, eine "Borg-ähnliche"
Gesellschaft mit starker kollektivistischer Komponente wird denkbar
(was sicherlich nicht so toll sein dürfte, dafür zum Glück nicht
soviel zum Thema tut und eher vollständigerweise vorgebracht worden
ist ;)
> - Webzensur ist nur möglich wenn bestimmte Knoten gefiltert werden
> können (was nur geht, wenn man an alle Inhalte rankommt, was
> allerdings per se (Berechtigungssysteme etc.) unmöglich ist)
Das läuft entweder auf TCP/IP-Ebene, also auf den Schichten 3 und 4
des ISO-OSI-Modells
(http://de.wikipedia.org/wiki/OSI-Modell). Im Prinzip ist das dann
eine staatliche Firewall, die IP-Kreise sperrt oder eventuell auch
Inhalte von IP-Paketen nach unerwünschten Strings durchsucht und dann
alle dazugehörigen Pakete blockiert. Das setzt wiederum voraus, dass
ein Staat die in seinem Territorium ansässigen Backbone-Provider
entsprechend kontrollieren kann. Ich verlinke ja nicht mehr so gerne
zu Primekom, aber die haben da eine recht interessante
Deutschlandkarte:
http://www.primekom.de/deutsch/leistungen/internet/backbonekarte-ecrc.htm
Da kann man gut erkennen, wie in Frankfurt alles zusammenläuft. Wer
also in Deutschland zensieren wollte, müsste dort die zentralen
Rechenzentren kontrollieren und anweisen, z.B. Daten mit Herkunft aus
bestimmten IP-Kreisen nicht zu innerdeutschen Zielnetzen
weiterzuleiten.
Die andere Möglichkeit der Zensur geht über Vereinbarungen zwischen
Staaten und Webanbietern. Giganten wie Google sind ja deswegen schon
mehrfach in die Schlagzeilen geraten, weil sie z.B. Zensurvorgaben aus
China berücksichtigen, sprich, dort nur "erwünschte" Suchergebnisse
liefern.
> - Das Web tendiert zum rechtsfreien Raum und ist letztlich genauso
> schwer (systematisch) auszuwerten (Terrorabwehr etc.) wie zu zensieren
Wenn niemand Einspruch erhebt, ist schon einiges möglich. Ich denke,
wenn in Deutschland Netzadressen mit exotischen, ethisch unvereinbaren
Porno-Inhalten gesperrt würden, würde das niemanden stören, weil die
Betroffenen kaum laut aufschreien würden. Wenn aber plötzlich YouTube
nicht mehr erreichbar wäre, dann würde das wahrscheinlich einen
mittelgewaltigen zivilen Aufstand zur Folge haben. Um das zu
vermeiden, wird es bei solchen Anbietern eher so wie oben schon
erwähnt bei Google laufen.
Man sollte es also nicht der Technik allein überlassen, unter dem
Motto "das Netz schafft es schon irgendwie, die bösen Zensoren zu
verarschen". Mega-Anbieter wie Google, aber eben auch YouTube, EBay,
Amazon und Konsorten tragen Verantwortung, und die "Netzgesellschaft"
sollte nicht müde werden.
viele Grüße
Stefan Münz