Liessmann irritiert gelegentlich in der Tat, bspw, hier:
"Die Frage ist: Warum sollten heute solche Formen kollektiven
Arbeitens erfolgreicher sein, nur weil sich die Mediensituation
verbessert hat?"
Liegt es nicht auf der Hand, dass die extrem gute "Mediensituation"
Internet kollektives Arbeiten effizienter geraten lässt als die (an
anderer Stelle von Liessmann) zitierte seinerzeitige "Mediensituation"
in der damaligen DDR?
"Ein wesentliches Kriterium von Wissenschaft schlechthin, nämlich die
Überprüfbarkeit einer Quelle, wird damit tendenziell außer Kraft
gesetzt."
Da ist was dran, ein befreundeter Graecist lehnte vor ein paar Jahren
das Internet als Quelle für seine Arbeiten bspw, grundsätzlich ab. Das
Internet stellt so zu sagen jede verfügbare Information bereit, aber
immer mit einem "Fragezeichen". Diese Unsicherheit bewirkt
möglicherweise eine Antipathie einiger Wissenschaftler gegen das Web?!
"Es gibt mittlerweile etliche empirische Untersuchungen, die klar
zeigen: Kinder, die primär mit dem Computer aufgewachsen sind,
schneiden bei allen Parametern schlechter ab als Kinder, die mit den
klassischen Kulturtechniken groß geworden sind."
Höh? Wie kann das sein? Was wurde denn da wohl untersucht? Worüber
sprechen Sie? Haben Sie da vielleicht gerade einen Webverweis zur
Hand, Herr Liessmann? ;)
(Zitate aus: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24927/1.html)
> Liegt es nicht auf der Hand, dass die extrem gute "Mediensituation"
> Internet kollektives Arbeiten effizienter geraten lässt als die (an
> anderer Stelle von Liessmann) zitierte seinerzeitige "Mediensituation"
> in der damaligen DDR?
Während die erwähnten DDR-Schreibkollektive von dereinst wohl eher von
oben verordnete Innovationsversuche im sinne der sozialistischen
Ideologie waren, werden heutige kollaborative Techniken im Web
freiwillig von vielen Leuten genutzt. Allein schon das sollte ein
entscheidender Unterschied sein.
> Da ist was dran, ein befreundeter Graecist lehnte vor ein paar Jahren
> das Internet als Quelle für seine Arbeiten bspw, grundsätzlich ab. Das
> Internet stellt so zu sagen jede verfügbare Information bereit, aber
> immer mit einem "Fragezeichen". Diese Unsicherheit bewirkt
> möglicherweise eine Antipathie einiger Wissenschaftler gegen das Web?!
Da gibt es zweifellos noch Probleme. Der akademische Betrieb ist an
ein für seine Zwecke seriöses System von Quellenbezügen gewöhnt. Das
sind zwar Quellen, an die Normalsterbliche gar nicht erst drankommen,
aber genau das passt ja auch ins Bild eines hochherrschaftlichen
Wissenschaftsbetriebs, der von einigen Wissenschaftlern immer noch
gerne gepflegt wird. URL-Adressen sind demgegenüber geradezu Grashalme
im Wind und sind offen für jedermann. Für wissenschaftliche Quellen im
Internet müsste zumindest ein international anerkanntes Permalink-
System installiert werden, damit die Quellen nicht einfach
verschwinden, wenn irgendein Webmaster gerade mal aufräumt.
> "Es gibt mittlerweile etliche empirische Untersuchungen, die klar
> zeigen: Kinder, die primär mit dem Computer aufgewachsen sind,
> schneiden bei allen Parametern schlechter ab als Kinder, die mit den
> klassischen Kulturtechniken groß geworden sind."
>
> Höh? Wie kann das sein? Was wurde denn da wohl untersucht? Worüber
> sprechen Sie? Haben Sie da vielleicht gerade einen Webverweis zur
> Hand, Herr Liessmann? ;)
Diese Untersuchungen sind eigentlich bekannt. Vor ein paar Wochen hat
z.B. auch der SPIEGEL wieder davon berichtet. Allerdings geht es bei
diesen Untersuchungen vorwiegend um Vergleiche zwischen Kindern, die
ihre Freizeit alleingelassen vor dem Fernseher verbringen, und
solchen, deren eifrige Eltern ständig für neuen intellektuellen Input
abseits der Flimmerkiste sorgen.
viele Grüße
Stefan Münz