Mobilfunkanlagen in Deutschland extreme
Energiefresser
Sendeanlagen verschleudern gesamte Leistung aus Solarzellen
Eine
Studie der Technischen Universität Chemnitz kommt zu dem Schluss, dass
die Mobilfunknetze in Deutschland extreme Energiefresser sind. Der
Fortschritt in Sachen Klimaschutz bei der Energieerzeugung durch
Solarenergie werde vom zunehmenden Ausbau der Netze komplett
aufgezehrt, erklärte Josef Lutz, Professor für Leistungselektronik und
elektromagnetische Verträglichkeit, heute in Chemnitz gegenüber
de.internet.com.
Prof. Dr.-Ing. Prof. h.c. Josef
Lutz
Bitte hängen Sie an die E-Mail-Adresse ".tu-chemnitz.de" an.
Mail:josef.lutz@etit
Telefon: +49-371-531-33618
Postanschrift:
Prof. Dr.-Ing. Prof. h.c. Josef Lutz
Technische Universität Chemnitz
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
Professur für Leistungselektronik und elektromagnetische Verträglichkeit
09107 Chemnitz, Deutschland
Josef
Lutz studierte Physik an der Universität Stuttgart, ab 1983 arbeiterte
er bei Semikron Elektronik, in Nürnberg. Arbeitsschwerpunkte waren
zuerst die Entwicklung von GTO-Thyristoren, dann die Entwicklung von
schnellen Dioden.
Er führte die Controlled Axial
Lifetime (CAL) Diode ein und hält eine Reihe Patente im Gebiet
schneller Dioden. 1999 promovierte er in Elektrotechnik an der
Universität Ilmenau. Seit August 2001 ist er Professor für
Leistungselektronik und elektromagnetische Verträglichkeit an der TU
Chemnitz.
Er ist Mitglied des Vorstands des ZfM, des International Steering
Committee der EPE, des Fachbeirats der PCIM und des Programmkomitees
der ISPS. 2005 wurde er von der nordkaukasischen technischen
Universität Stavropol zum Ehrenprofessor ernannt.
Der Studie liegen Angaben des Mobilfunkbetreibers O2 zugrunde. Demnach
verbraucht eine Sendeanlage bis zu 2 Kilowatt. Im Normalbetrieb, den
die Chemnitzer Stadtwerke maßen, waren es 1,3 Kilowatt. Einen
Unterschied zwischen den Spitzen- und Nebenzeiten der Mobilfunknutzung
gibt es nicht. "Auffällig ist, dass der Energieverbrauch sehr
kontinuierlich ist; auch in der Nacht zwischen 2 Uhr und 5 Uhr ist die
entnommene Leistung kaum geringer", sagte Lutz. Allein in Chemnitz
werden so zwischen 640 Kilowatt und 1.040 Kilowatt Energie durch die
Mobilfunkinfrastruktur verbraucht.
Die Solaranlagen im Stadtgebiet haben eine Maximalleistung von 1.475
Kilowatt, darunter befindet sich eine 1.000 Kilowatt-Anlage der Stadt.
Weil die Solarzellen nachts keinen und an trüben Tagen nur wenig Strom
erzeugen, liegt das Jahresmittel aber bei lediglich 166 Kilowatt. "Das
heißt, der Energieverbrauch der Mobilfunkmasten ist das Vier- bis
Sechsfache des durch Solaranlagen in Chemnitz erzeugten Stroms",
rechnete Lutz vor. Bei einer bundesweiten Hochrechnung sei es das 1-
bis 1,5-fache.
Der Wissenschaftler geht davon aus, dass eine Reduzierung der
Energieaufnahme relativ problemlos möglich ist. Die Sendeleistung einer
Basisstation liege bei 20 Watt, der Wirkungsgrad betrage damit
lediglich 1 Prozent. "Das ist doch ein miserabler Wert", so Lutz.
Selbst mit der zugehörigen Rechnertechnik, die ebenfalls Energie
benötigt, sei dieser nicht erklärbar.
Neben einer höheren Energieeffizienz bei der eingesetzten Technik
fordert der Forscher die Reduzierung der Sendeleistung und der
Zellendichte. Er stellt dabei einen Vergleich zur Raumsonde Pioneer 10
auf, deren mit 8 Watt ausgesandte Signale auf der Erde noch nach dem
Verlassen des Sonnensystems empfangen wurden. "Sicher nutzte Pioneer 10
Richtfunk und der Empfänger auf der Erde war aufwendig. Aber trotzdem:
Das war Stand der Technik von 1972, als Pioneer 10 gestartet wurde. Und
heute wird für einige 100 Meter eine Sendeleistung von 20 Watt
installiert", so Lutz weiter.