Am 11.05.2012 07:45 Ruediger Lahl wrote:
> Herwig Huener AQSR <
Herwig...@t-online.de> wrote:
>
> Grundsätzlich sind das alles Ärzte, die zuerst einmal Allgemeinmedizin
> studiert haben. Für eine vorklinische Stabilisierung des Patienten dürfte
> die Ausbildung ausreichend sein. Was erwartest du denn von dem Notarzt? Der
> soll dich nicht heilen, sondern lediglich beurteilen, ob du gleich in die
> Klinik musst, oder warten kannst, bis dein Hausarzt die Praxis öffnet. Das
> kann auch ein Hautarzt noch leisten. Auch wenn sein Praxisalltag anders
> aussieht, so wird er durch seine Notarzteinsätze schon genügend Übung
> haben, um ausreichend genaue Diagnosen zu stellen.
>
> An einem Unfallort geht er den anwesenden Rettungssanitätern nur zur Hand.
> So viele Behandlungsmöglichkeiten hat er da gar nicht und eine Spritze
> setzen, kann er.
Autsch.
Da sieht die Realität m.E. etwas anders aus, jedenfalls wenn der Patient
ein ernsthaftes Trauma hat. Der Notarzt hat dich lebend ins Krankenhaus
zu bekommen und ggf. Deine Bergung zu ermöglichen, dazu sollte er Dir
die Schmerzen nehmen und Dich relaxieren können (und zwar sofort, nicht
in 5min) und dazu hätte er besser Erfahrung mit Intubation.
Nicht ohne Grund stellen ADAC und DRF schon spezielle Anforderungen an
die Ärzte, die ihnen vom Vertragskrankenhaus zum Mitfliegen angeboten
werden.
Was Du also haben willst (und womit zumindest in Norddeutschland wenn
möglich primär die Rettungsmittel besetzt werden), ist ein Anästhesist
mit Fortbildung Rettungsmedizin und 5+ Jahren Erfahrung (in der Rettung).
Chirurgen können zwar besser schneiden aber nicht beatmen und haben
keine Ahnung von Biochemie/Pharmakologie. Hausärtzte, Internisten haben
schlicht nicht die Erfahrung mit schnellwirkenden Medikamenten und, wenn
sie sich einschätzen können, auch Angst, sie zu verwenden, da sie für
folgenden Atemstillstand keinen Plan B haben.
Mit Deiner Beurteilung der Rolle des Notarztes hast Du dort recht, wo
- der Notarztdienst ähnlich dem hausärtlichen Notdienst aus einem Pool
besetzt wird, in den alle dürfen (m.W. ist heutzutage die FB
Rettungsmedizin Voraussetzung, aber es gibt 'Bestandsschutz') oder
- er angeschlossen ist an ein kleineres Krankenhaus, das ihn aus seinem
Stammpersonal besetzt, und das typischerweise keine ITS für schwere
Fälle hat.
Wenn kein rettungs-erfahrener Arzt mitfährt, könntest Du mit den dann
besser ausgebildeten RA besser bedient sein.
Leider ist die inkompetente Besetzung zumindest in ländlichen Gebieten
Standard, da man die Besetzung eines Bereitschaftsdienstes mit echten
Fachkräften nicht bezahlen will.
Nochmal zur Rolle der Klinik bei der Notfallrettung:
In den USA, fahren auf den Rettungsmitteln paramedics, die lediglich
eine Erststabilisierung durchführen und dich dann asap in die
Notfallaufnahme bringen, die dann mit traumaerfahrenen ärztlichen
Fachkräften besetzt ist.
In D ist das Prinzip anders, nämlich darauf ausgelegt, das
Patientenleben auf der Straße zu retten (tradeoff: schlechtere
Bedingungen aber schneller) und dann stabilisiert in (irgend)einem
Krankenhaus abzuladen.
Nur bei schweren Traumen oder speziellen Bedarfen geht's hinterher in
ein Traumazentrum (von denen es nicht viele gibt) oder an eine
spezialisierte Einrichtung (Herzzentrum, Möglichkeit zu CT,
Neurochirurgie, ...)
Last but bei weitem not least: Der _Notarzt_ ist derjenige, der wenn er
die Erfahrung, die Verbindungen und das Durchsetzungsvermögen hat, Dich
in das Krankenhaus bringen kann, in dem Du mit Deiner speziellen
Diagnose am besten aufgehoben bist. Und das macht für Dich allzuhäufig
den Unterschied zwischen Überleben und Genesung aus.