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+++++ Auf die Sprünge helfen: Ausstiegsbegleitung durch JUMP! in M-V +++++

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Stinkfried Breuer

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May 25, 2013, 7:55:34 AM5/25/13
to


Auf die Sprünge helfen: Ausstiegsbegleitung durch JUMP! in M-V

Mecklenburg-Vorpommern hat vor allem mit den Kameradschaftsstrukturen
im Osten des Bundeslandes eine recht vitale rechtsextreme Szene. Doch
das Projekt JUMP bietet jugendlichen Neonazis Hilfe und Unterstützung
beim Ausstieg an.

Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit ziehen Kreise in
Mecklenburg-Vorpommern – innerhalb der sechs gebietskörperschaftlichen
Großkreise, inmitten verschiedener Sozialräume, in einer Gesellschaft
von rund 1,6 Millionen Menschen.

Kreise, die den Anschein erwecken sollen, sie seien makellos und
würden sich hinter all jenen schließen, die sich einmal – fasziniert
von ihrer vermeintlichen Formgebung und Klarheit - in sie hinein
begeben hätten. Kreise, die umschließen, einschließen, abschließen.
Geschlossenheit zählt - von den Reihen bis zum Weltbild.

Mit Etikettierungen wie „Volksgemeinschaft“, „Kameradschaft“ oder auch
„Nationaler Widerstand“ sind diese Kreise versehen. Sie sind nur
selektiv durchlässig: Umschließen sollen sie „Inländer“, Deutsche,
Nationale, Gleichgesinnte. Jung und Alt. Nicht mit eingeschlossen sind
hingegen Menschen mit Migrationshintergrund, „Anti-Deutsche“, Linke,
Demokraten, Andersdenkende. Und abgeschlossen werden soll ein Prozess,
der um ein ideologisches Zentrum kreist: Ungleichwertigkeit.

Angefüllt sind diese Kreise zudem mit Versprechen, Deutungen,
Drohungen, Gewalt. Sie sind aber auch z.T. schlichte
Projektionsflächen für die Wünsche und Hoffnungen derer, die an sie
heran- oder in sie hineintreten. Die Kreise überlappen einander und
bringen konzentriertere Formen hervor: eine formale Partei; lokale,
regionale, nationale und internationale Netzwerke, informelle (z.T.
vorgeblich: autonome) Gruppen; Familienstrukturen.

Ein Gefühl des Eingekreist-Seins mag sich irgendwann einstellen. Nicht
nur für jene, die außerhalb der Kreise darauf schauen. So geht es auch
vielen Jugendlichen, die sich diesen Kreisen (bewusst oder unbewusst)
angenähert, sich eine Zeit lang in ihnen bewegt, sich ihnen zugehörig
gefühlt, sie mit geprägt zu haben glauben.

Kreise haben in ihrer idealen, geometrischen Form keinen erkennbaren
Anfang und kein auszumachendes Ende. Und doch können diese
Jugendlichen ganz persönliche Gründe anführen, warum dieser oder jener
Kreis in ihr Blickfeld geriet, warum er eine besondere Anziehungskraft
auf sie ausgeübt hat. Sie können ihren ersten Berührungspunkt oder
auch den Zeitpunkt des Eintritts in den Kreis greifbar schildern. Es
gibt also niedrigschwellige Wege in die Kreise hinein. Hier warteten
sogar schon „Einstiegshelfer“, die den Übertritt erleichterten, es gab
vielleicht sogar ein aufregendes Initiationsprozedere und eine Fülle
an Angeboten, mithilfe derer der Tag Struktur bekam.

Junge Menschen, die sich nach der Klarheit, Stabilität und
Abgegrenztheit sehnen, sie mit oder in den Kreisen gefunden zu haben
glaubten, stehen aber vielleicht irgendwann fragend, zweifelnd,
desillusioniert und möglicherweise angsterfüllt an der Kreislinie und
fragen sich und die Menschen auf der gegenüberliegenden Seite: Führt
nun auch ein Pfad wieder aus dem jeweiligen Kreis heraus und (wenn
ja:) ist er begehbar?
Der Übertritt auf die andere Seite gestaltet sich nun um ein
Vielfaches schwerer – es gilt nicht weniger, als einen Kreis zu
durchbrechen, der über Monate bis Jahre hinweg den eigenen Erfahrungs-
und Erlebnishorizont umrissen hat. Soziale Kontakte und Freundschaften
waren größtenteils auf diesen überschaubaren Kreis beschränkt. Der
Kontakt zur eigenen Familie oder anderen Gleichaltrigen war
größtenteils abgerissen oder bewusst abgebrochen worden. Man gehörte
einem Zirkel an, der sich als auserwählt und mit Geheimwissen
ausgestattet betrachtet. Dies machte das eigene Selbstbewusstsein
genauso aus wie die Herabsetzung anderer Menschen, die nicht Teil des
Kreises waren. Vermeintliche Ideale wurden beschworen, die Ehre
hochgehalten und Stolz ausgedrückt.

Mit einem Schritt über die Kreislinie muss scheinbar nur eine geringe
Distanz überwunden werden. Doch: Abseits des Kreises verlieren
plötzlich all diese Werte, Deutungsmuster und Beziehungen an
Bedeutung, werden von Anderen nicht ernst genommen und teilweise sogar
als problematisch oder gar gefährlich eingestuft. Der Selbstwert sinkt
bis zu einem kritischen Punkt. Ein bekanntes Gefühl. Und keines, das
man sich zurückwünscht.
Wer wartet auf dieser Seite des Kreises auf diese jungen Menschen? Auf
jemanden, der begonnen hat zu zweifeln, der ambivalent, zutiefst
verunsichert und „auf dem Sprung“ ist? Auf dem Sprung aus dem klar
umgrenzten, stigmatisierten Kreis zurück in eine Gesellschaft, die
sich vielschichtig und optionsreich präsentiert, die fordernd
auftritt, bevor sie fördernd tätig wird. Alles wirkt dort so
undurchsichtig, ungeordnet und überfordernd, überwältigend.
Wie bekommt der Jugendliche das, was er schon im Kreis suchte:
Anerkennung, Orientierung, Sicherheit? Im Kreis war Anerkennung an
bestimmte (bestehende oder behauptete) Merkmale, Äußerungen und
Habitus geknüpft; Orientierung bot ein erst einmal nicht hinterfragtes
eindimensionales Weltbild; und Sicherheit vor Gewalt war in einem
Kreis mit hoher Gewaltbereitschaft nie endgültig.

Wie kann die Gesellschaft ihr eigentlich so umfangreiches und doch
kaum vermitteltes Angebot nun konkret unterbreiten, nachdem sie ein
Bewusstsein für ihre diesbezügliche Verantwortung für den jungen
Menschen erlangt hat?

Sie kann StellvertreterInnen abstellen, die jenen zweifelnden,
irritierten Jugendlichen bedingungslos die Hand reichen, selbst dann,
wenn der Sprung aus dem Kreis über die Kreislinie zurück noch nicht
vollzogen wurde. Jungen Menschen, deren Biografie nicht linear
verläuft und die deshalb auch nicht ohne Brüche auskommt, muss es -
mit dem Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit ausgestattet
(Artikel 2 des Grundgesetzes) – auch zugestanden werden, falsche
Entscheidungen zu treffen, diese (ggf. nach juristischer
Sanktionierung) zu revidieren und neue treffen zu können.

Ein gedanklicher Sprung, und ein solcher ist das Gedankenspiel um das
Verlassen eines Kreises, kann durch ein Trampolin höher und zugleich
einfacher werden. Vor allem, wenn die Gedanken immer wieder um
ähnliche Themen und Erinnerungen kreisen. Und diesen mentalen Sprung
braucht es auch, um zum physischen Sprung aus dem Kreis anzusetzen.
Und wenn dann noch ein Auffangnetz die Landung auf der anderen Seite
abfedert, nimmt es vielleicht die Hemmung, Anlauf zu nehmen und den
Absprung zu schaffen.

Entsprechende Trampoline und Netze wurden seit nunmehr über drei
Jahren von JUMP! für die besonderen Sozialräume Mecklenburg-
Vorpommerns, in denen sie wirken sollen, entwickelt, erprobt und
angepasst. Und: Sie haben sich bewährt. Junge Menschen im und am Kreis
haben die Gesten wahrgenommen und von einigen der vorgehaltenen
Werkzeuge Gebrauch gemacht. Sie haben sich auf einen Weg aus dem Kreis
begeben, von dem sie vorher nur vermuten konnten, dass er existiert.
Mobile Wegweiser, welche Anbahnungen von Ausweglosigkeit oder dem
impulsiven Antritt von scheinbar geebneten Rückwegen in den Kreis
vorbeugen, sind von den Jugendlichen selbst gestaltet worden, nachdem
sie ihren inneren Kompass wiederentdeckt und neu ausgerichtet haben.

Auf die Sprünge zu helfen ist jedem rechtsaffinen jungen Menschen –
sofern die Motivation für den Absprung mehr ist als reine
Sprunghaftigkeit. Und JUMP! bietet sich mit seinem begleitenden
Unterstützungsangebot nicht nur namentlich an.


Das Projekt JUMP!, ein Teilprojekt des XENOS-Sonderprogramms „Ausstieg
zum Einstieg“, ist ein Gemeinschaftsprojekt des CJD Elze und des CJD
Waren (Müritz). Es wird daher seit Oktober 2009 sowohl im Landkreis
Hildesheim als auch in den sechs Landkreisen und den beiden
kreisfreien Städten in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt.

Quelle:http://www.endstation-rechts.de


Gruß Siggi

--
_______________________________________
RECHTSRADIKALE SIND:
.. Naiv
Primitiv
Dumm
_______________________________________

Dem [Tr]Ottelchen auf der Spur

unread,
May 25, 2013, 10:02:00 AM5/25/13
to

siggi...@safe-mail.net (Stinkfried Breuer) schlug die Zeit mit
einem weiteren rhetorischen Juwel aus seinem reichhaltigen Fundus tot.

Aber nicht die unerledigten Sachen vergessen, Ottmar Ohlemacher:

http://www.hinterfotz.de/supatophinterfotz.html

--
> Es gibt Menschen, die sind gerne "langzeitarbeitslos"
[Ottmar Ohlemacher ueber des Sinn seines Daseins:
<https://groups.google.com/group/de.soc.politik.misc/msg/0f5d48a137690961>]
-> http://www.hinterfotz.de - Groesster Usenet-Comedian ever! <-

Stinkfried Breuer

unread,
May 25, 2013, 5:14:00 PM5/25/13
to

> Auf die Sprⁿnge helfen: Ausstiegsbegleitung durch JUMP! in M-V
> Mecklenburg-Vorpommern hat vor allem mit den Kameradschaftsstrukturen
> im Osten des Bundeslandes eine rec.....

Aber diesmal hab ich doch einen besonders schönen Text gefunden?
Den darf ich aber mal hier reinkopieren, oder?

Gruss Otti

--
_______________________________________
ICH BIN EBEN:

Rainer E.

unread,
May 25, 2013, 8:27:22 PM5/25/13
to
In article <CXWx+...@invalid.invalid>, Stinkfried Breuer says...
>
> > Auf die Sprnnge helfen: Ausstiegsbegleitung durch JUMP! in M-V
> > Mecklenburg-Vorpommern hat vor allem mit den Kameradschaftsstrukturen
> > im Osten des Bundeslandes eine rec.....
>
> Aber diesmal hab ich doch einen besonders sch�nen Text gefunden?
> Den darf ich aber mal hier reinkopieren, oder?
>
> Gruss Otti


ROTFL


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