Theorien der westlichen Orientalistik
Die Urspr�nge des Yoga selbst liegen im Dunkeln. Die �ltesten arch�ologischen
Zeugnisse der indischen Hochkultur stammen aus der sogenannten Induskultur, die
ihre Bl�tezeit zwischen 3500 und 1500 v.Chr. hatte. Es existierte auch eine
Schrift, die allerdings noch nicht entziffert ist, denn sie scheint nach einer
anderen Logik aufgebaut zu sein als alle anderen bisher bekannten Schriften. Sie
hat
auch keine �hnlichkeit mit Sanskrit. Arch�ologischen Ausgraben zufolge handelte
es sich um eine gro�artige Hochkultur mit schachbrettartig angelegten bl�henden
St�dten, die �ber Kanalisation und flie�endes Wasser verf�gten. Die gr��ten
heute bekannten St�dte dieser Hochkultur sind Harapa und Mojendra.
F�r die Zeit um 2000 v.Chr. werden die Ausgrabungsfunde geringer und schon um
1500 v.Chr. gibt es keine Zeugnisse mehr von der Induskultur. Aus unbekannten
Gr�nden hat sie sich irgendwann aufgel�st, ohne Anzeichen gr��erer Schlachten
oder sonstiger Katastrophen. Eine Theorie westlicher Orientalisten vermutet
einen wenig �kologischen Landbau, so da� das Land allm�hlich ausgelaugt war und
die Bewohner die B�den verlassen mu�ten.
Eine zweite Theorie bezieht sich auf die Einwanderung der Indogermanen um 1500
v.Chr.. Ihre Bezeichnung als Arier weckt zwar angesichts der weltgeschichtlichen
Erfahrungen im 20. Jahrhundert andere Assoziationen, erscheint jedoch schon in
dem indischen Nationalepos Bhagavad Gita und
bedeutet urspr�nglich 'stark, mutig'. Diese Arier kamen aus der s�drussischen
Steppe, zwischen Kaspischem Meer und Baikalsee, und sollen von dort in mehreren
Wellen ausgewandert sein. Ein Teil von ihnen zog nach Persien - die sp�teren
Iranoarier -, ein anderer Teil nach Indien, die sogenannten Indoarier. Bis heute
haben Sanskrit und Persisch eine enge Verbindung. Mit Sanskrit-Kenntnissen
versteht man auch die meisten persischen Ausdr�cke und die Bedeutung persischer
Namen, wenn sie nicht arabischen Ursprungs sind.
So wird angenommen, da� die Arier zwischen 1500 und 1200 v.Chr. erst das
Industal eroberten, dann die Ganges-Tiefebene und schrittweise den nordindischen
Subkontinent. In S�dindien dagegen blieben die sogenannten Drawiden. Sie gelten
als Ureinwohner und hatten auch eine eigene
Kultur. Manche Wissenschaftler mutma�en, die Drawiden k�nnten dasselbe Volk
sein, das auch die Induskultur gegr�ndet hatte. Bis heute gibt es in Indien zwei
ethnische Hauptgruppen: eben die eher hellh�utigen Arier im Norden und die
dunkelh�utigen Drawiden im S�den. Die h�heren Kasten
sind auch im S�den oft mit hellh�utigen arischst�mmigen Menschen besetzt.
Daneben leben in Indien nat�rlich noch sehr viele andere V�lker, sogar mongolide
V�lker, gerade in Nord- und Nordostindien, die ebenfalls nach Indien
eingewandert sind. Au�erdem findet man die sogenannten Awinashis,
die St�mme, die bis heute im Wald leben und nie se�haft geworden sind. Fr�her
hatten sie gen�gend Wald. Doch heutzutage nehmen die Abholzungen immer weiter
zu, weil die Bev�lkerung innerhalb von 50 Jahren von etwa 200 bis 300 Millionen
auf �ber eine Milliarde Menschen angewachsen ist. Wenn man Pakistan und
Bangladesh noch dazuz�hlt, gibt es auf dem indischen Kontinent beinahe 1,2
Milliarden Menschen, also mindestens genauso viele Inder wie Chinesen. Die Inder
haben ein h�heres Bev�lkerungswachstum. Indien hat doppelt so viel Einwohner wie
Europa.
Manchmal spricht man von der indischen Kultur oder dem indischen Volk. Das
stimmt ebenso wenig, wie man von einem europ�ischen Volk sprechen kann, obgleich
es bis zu einem gewissen Grad in Europa eine einheitliche Kultur gibt. Aber man
kann nicht unbedingt sagen, da� die Spanier, Italiener, Skandinavier, Russen,
Griechen, Deutschen alle gleich seien. Genauso ist es auch mit der
V�lkervielfalt in Indien.
Indien war historisch auch ganz selten geeint. Es bestand, wie Europa, aus
verschiedenen Reichen, die sich zwischenzeitlich zusammenschlossen.
Und da Indien immer ein reiches Land war, kamen auch stets von au�en Einwanderer
und Eroberer.
Um die Zeit der arischen Einwanderung sollen dieser zweiten Theorie zufolge auch
die indischen Schriften entstanden sein. Es sollen urspr�nglich rein arische
Schriften gewesen sein, die die Indogermanen mitbrachten und die sich sp�ter
allm�hlich mit dem drawidischen Gedankengut
vermischten. Auf die indogermanische, abendl�ndische Kultur gehen die
Vorstellungen von Brahman, Atman und die vedischen G�tter wie Indra, Varuna,
Agni und so weiter zur�ck. Von der drawidischen Religion nimmt man an, da� es
sich urspr�nglich mehr um eine Mutterreligion mit Verehrung der G�ttin, eine
tantrische Kultur, gehandelt hat, die sich im Gegenzug in den ersten
Jahrhunderten nach Christus wieder �ber ganz Indien ausbreitete und auch von der
sogenannten brahmanischen Kultur absorbiert wurde.
In indologischen und zum Teil auch in Yogab�chern wird diese Entwicklung als
historisch klar bewiesen dargestellt. Es fehlt jedoch eine arch�ologische
Beweisf�hrung f�r den tats�chlichen Sieg der Indogermanen �ber die
Indusbewohner. Man wei� nur von dem Nebeneinander der hellh�utigen Inder, die
aussehen wie Europ�er und �berwiegend in Nordindien leben, und der
dunkelh�utigeren Drawiden in S�dindien. Ebenso bestehen auch zwei verschiedene
Sprachfamilien in Indien: die indogermanischen Sprachen, die vom Sanskrit
abgeleitet sind, und die drawidischen Sprachen. Die Theorie st�tzt sich
haupts�chlich auf die Sprachwissenschaft und die Ethnologie.
Die zeitliche Bestimmung ist deshalb so schwierig, weil die Inder auf
Palmbl�tter schrieben, die nach ein paar hundert Jahren vollst�ndig zerfallen
waren und immer wieder kopiert, also abgeschrieben, wurden. Man findet keine
uralten Originale. Um 250 v.Chr. lie� Ashoka (Maurja-K�nig, 259 v.Chr.) einige
Schriften in gro�e Steinstelen mei�eln. Dabei handelt es sich allerdings um
buddhistische Inschriften.
Klassische indische Theorie
Nach klassischer indischer Chronologie sind die Schriften zu Beginn des Kali
Yuga entstanden, also um 3500 v.Chr.. Die m�ndliche �berlieferung geht noch
erheblich weiter zur�ck.
Zu Beginn des Kali Yuga, des Eisernen Zeitalters, erkannte Vyasa, ein gro�er
Yogi und Rishi, da� die Menschen sich nicht mehr so viel merken k�nnen, da�
au�erdem die Lebensspanne abnehmen und die ganze Zivilisation materialistischer
werde. Er erhielt spirituell den Auftrag, das Wissen in den Veden festzuhalten.
So hat er die Veden aufgeschrieben, unterteilt und anschlie�end auch die anderen
Schriften formuliert.
Nach der indischen Mythologie hat Vyasa den gr��ten Teil aller indischen
Schriften selbst verfa�t. Man geht davon aus, da� er die Veden pers�nlich
geschrieben hat. Die Puranas hat er gesammelt und seinem Sohn Sukadev
weitergegeben, der ein fotografisches Ged�chtnis hatte und sie seinerseits
weitererz�hlte, so da� sie zum Teil erst etwas sp�ter niedergeschrieben wurden.
Die Itihasas, zum Beispiel die Mahabharata, soll er selbst schriftlich
festgehalten haben. Die Smritis entstanden zum Teil etwas sp�ter.
Es gibt neuerdings auch einige Untersuchungen der Veden unter wissenschaftlichen
Gesichtspunkten. Die Inder sind sehr wissenschaftlich orientiert. Sie haben die
Atombombe, ihre Satelliten kreisen im Weltraum und sie sind in der
Computerwissenschaft, beim Programmieren, an der Weltspitze.
Aber immer wieder erkennen indische Top-Wissenschaftler, da� auch die westliche
Wissenschaft ihre Grenzen hat, und sie analysieren mit ihrem wissenschaftlichen
Handwerkszeug die alten Schriften und entdecken dabei interessante Parallelen.
Beispielsweise gibt es eine Analyse des Sternenhimmels zur vedischen Zeit. Der
in den Veden beschriebene Sternenhimmel war ein anderer als der heutige. Da die
Erde leicht schief im Weltraum kreist, verschiebt sich der Sternenhimmel von der
Erde aus gesehen etwa alle 2000 Jahre um 30
Grad. Darauf beruht das sogenannte platonische Jahr und darauf beruht auch, da�
wir uns jetzt im Zeichen des Wassermanns befinden. Und aus den in den Veden
beschriebenen Konstellationen der Hauptsterne, der Sternbilder, ihrem Verh�ltnis
zueinander, l��t sich eindeutig nachweisen, da� es
sich dabei um den Sternenhimmel der Zeit vor 3500 v.Chr. handelt - und nicht um
den von 1500 v.Chr. Demnach w�re praktisch der gesamten westlichen Orientalistik
der Boden entzogen, alle bisherigen Theorien in Frage gestellt und die Veden
eindeutig um 3500 v.Chr. entstanden.
Dann h�tten die Veden zur Zeit der Induskultur schon bestanden und die
Indogermanen h�tten sie nicht mitgebracht, sondern mehr oder weniger �bernommen.
Weitere Theorien
Es gibt noch eine andere interessante Theorie, die Swami Vishnu gelegentlich
erz�hlt hat. Sie ist in den Schriften erw�hnt, es gibt aber daf�r - wie f�r die
der westlichen Orientalistik - keine arch�ologische Beweisf�hrung: Danach w�ren
wir die Nachfahren der Induskultur.
Krishnas nordindischer Volksstamm der Yadavas war besonders heldenhaft. Krishna
wollte aber nicht in die Politik und die K�mpfe seiner Zeit hineingezogen
werden. Deshalb schuf er aus seiner Yoga Maya - seiner Yogakraft - einen
Kontinent namens Dvaraka, vor Indien gelegen, auf den er mit seinem Volk
auswanderte, um dort ein ideales Staatswesen zu gr�nden. Aber selbst Krishna ist
an den Menschen gescheitert. Er schuf ein gut funktionierendes
Wirtschaftssystem, so da� es allen gut ging. Aber wie es so ist, wenn es einem
Menschen sehr gut geht, der Schritt zu Korruption und Materialismus ist nicht
weit. Daher bestimmte Krishna, da� der Kontinent nach seinem Tod untergehen
solle und beauftragte seinen Sch�ler Arjuna, die Yadavas alsbald n�rdlich der
gro�en Schneeberge zu f�hren. Und so geschah es.
Krishna starb; damit begann das Kali Yuga; Arjuna ging nach Dvaraka, erf�llte
Krishnas Wunsch und zog mit den Yadavas - zumindest mit denen, die ihm glaubten,
was nicht die Mehrheit war -, n�rdlich
des Himalaya, verlie� sie dort und kehrte selbst nach Indien zur�ck. Danach
w�ren wir Nachfahren des Volksstammes der Yadavas.
Man k�nnte die Geschichte von Dvaraka auch deuten als Geschichte von einem
untergegangenen Kontinent, von dem die Menschen ihre Zivilisation mitgebracht
haben.
Schlie�lich gibt es noch die Theorien, wonach die gesamte irdische Zivilisation
nicht hier begonnen hat, sondern auf anderen Planeten. Und wenn man die B�cher
von D�niken liest oder die indischen Schriften oder die Bibel, dann spricht
durchaus einiges daf�r. Man findet sehr oft Hinweise auf fliegende Gef�hrte, zum
Beispiel im Ramayana. Dort werden Flugzeuge beschrieben, die gro�en L�rm machen,
Feuer speien, und bei einer bestimmten Geschwindigkeit - wie beim Durchbrechen
der Schallmauer - gibt es einen fruchtbaren Knall. Manche fliegen nur durch die
Kraft der Gedanken und sind noch erheblich schneller. Sie fliegen zu anderen
Planeten und kehren zur�ck. Hier er�ffnet sich ein Gebiet wilder Ausf�hrungen.
Von D�niken w�rde auch die Devas nicht als Engelswesen interpretieren, sondern
als Wesen von anderen Planeten, die hierher gekommen sind und uns die Kultur
gebracht haben.
Swami Vishnu hat sich dazu nicht umfassend ge�u�ert, aber er sagte, wir seien
nicht die erste Raumfahrtkultur, und die Zivilisation habe nicht auf der Erde
angefangen, denn die Zeit seit der Entstehung des Lebens auf der Erde sei zu
kurz gewesen, um sich so schnell so weit zu ver�ndern und
zu entwickeln.
Es k�nnte genauso gewesen sein, da� die Menschen der Induskultur hellh�utig
waren, zum gro�en Teil nach Zentralasien auswanderten und da� die Drawiden in
S�dindien eine eigene Kultur hatten und sie sich Schritt f�r Schritt
geographisch ann�herten ohne sich zu vermischen, so da� die Hellh�utigen in
Nordindien eine Kaste geblieben sind. Wenn sie nach S�den kamen, haben sie dort
die h�heren Kasten besetzt, und wenn Drawiden von S�d- nach Nordindien kamen,
bildeten sie dort die niederen Kasten.
�ber die Kastenentstehung gibt es noch eine andere Lehre, wonach die
Kasteneinteilung nicht durch Religionszuh�rigkeit, sondern aus inneren Motiven
entsteht. Es gibt die vier Hauptw�nsche des Menschen:
Kama (Sinnesbefriedigung),
Arta (Wunsch nach Reichtum),
Dharma (Wunsch nach Gerechtigkeit und Selbstverwirklichung im modernen
westlichen Sinn) und
Moksha (Befreiung).
Diejenigen, die haupts�chlich nach Sinnesbefriedigung, einem einfachen Leben
streben, werden die Shudras. Sie verrichten ihre Arbeiten, haben nicht zu viele
Pflichten, keine sehr lange Arbeitszeit und k�nnen ihre Sinne auf einfache Weise
befriedigen.
Diejenigen, denen es haupts�chlich um Reichtum und Macht geht, werden die
Vaishyas, die Bauern und Kaufleute. Wenn Menschen, die reich werden wollen, die
Wirtschaft beherrschen, dann floriert diese. Wenn gerechtigkeitsliebende
Menschen versuchen, Unternehmen aufzubauen, k�nnen sich h�ufig Schwierigkeiten
ergeben.
Wer anderen helfen und dienen will, wem es um Gerechtigkeit und das Wohl der
Gesellschaft geht, der soll die Regierung �bernehmen. Das ist die Kaste der
Kshatriyas. Kshatriyas sind nicht nur Krieger, sondern auch Beamte, diejenigen,
die die Verwaltung organisieren.
Und dann gibt es Menschen, denen es haupts�chlich um Moksha, Befreiung und
Selbstverwirklichung, geht. Das sind die Brahmanen, die Priester. Manche
Brahmanen nehmen auch Arbeiten an, damit sie
ihren Lebensunterhalt bestreiten k�nnen, vielleicht vier bis sechs Stunden am
Tag, so da� sie einen Teil des Tages arbeiten und den Rest der Zeit mit Studium
und Sadhana verbringen k�nnen.
Und anders als bei uns im Westen ist es nicht so, da� man mehr Rechte hat, je
h�her die Schicht, und
um so weniger Rechte, je niedriger die Schicht ist, sondern umgekehrt. Je h�her
die Schicht, um so mehr Restriktionen unterliegt man. Die Shudras k�nnen mehr
oder weniger essen was sie wollen und ihren Tag verbringen wie sie wollen. Die
Brahmanen hingegen haben strikte E�regeln, m�ssen fr�h zu einer bestimmte Zeit
aufstehen, dreimal am Tag ein Bad nehmen, sich an hygienische und allgemeine
Vorschriften und Rituale halten. Je h�her die Schicht, desto schwieriger das
Leben, je niedriger die Schicht, desto einfacher.
Die eigene Natur (Swarupa) bestimmt die Kaste (Varna) und Swadharma, die eigenen
Aufgaben. So steht es in den Schriften. Unabh�ngig davon l��t sich aber nicht
leugnen, da� die Hellh�utigen die
h�heren Kasten stellen. Es k�nnte sein, da� man das urspr�ngliche Kastensystem
sp�ter modifiziert und die h�heren Kasten den Herrschenden zuerkannt hat.
Einteilung der indischen Schriften
Als die Menschen urspr�nglich die Schriften schufen, haben sie sich nat�rlich
nicht an irgendwelchen Kriterien orientiert. Alle Einteilungen sind erst
nachtr�glich entstanden, als man eine logische Aufgliederungen der Schriften
plante. Die Einteilungen sind auch in verschiedenen Schulen unterschiedlich.
Die indischen Hauptschriften gliedern sich in vier Teile:
Veden
Smritis
Puranas
Itihasas
Ramayana und Mahabharata
Die Veden
Sie sind die �ltesten, urspr�nglichen indischen Schriften.
Die Veden werden auch als Shrutis bezeichnet. Shruti hei�t w�rtlich 'das
Geh�rte', wobei damit nicht gemeint ist, da� man es mit den Ohren geh�rt hat -
sondern so, wie wir im Deutschen sagen w�rden, man hat Gott geschaut. Damit ist
nicht gemeint, man habe ihn wirklich gesehen - er hatte
zwei Augen und einen Bart -, sondern es bedeutet Schau im Sinne einer
Enth�llung, Offenbarung. Shrutis sind das Geh�rte, das man als Offenbarung
empfangen hat. Daher irrt auch die westliche Theologie, wenn sie zuweilen
behauptet, nur Judentum, Christentum und Islam seien die gro�en
Offenbarungsreligionen, neben denen es nur Primitivreligionen gebe.
Veda hei�t Wissen - Wissen, das den Rishis, den Sehern, enth�llt, offenbart
worden ist. Es hei�t, das gesamte Wissen der Menschheit sei in den Veden
enthalten. Brahma, der Sch�pfer, soll vor der Erschaffung der Welt erst die
Veden geschaffen haben. Nat�rlich hat er sie nicht zuerst aufgeschrieben - wo
und wie h�tte er sie auch aufschreiben sollen! - aber Veda als das Wissen um die
Gesetze des Universums braucht man zuerst, um anschlie�end die Welt zu
erschaffen. Und aus welchem Material hat er sie geschaffen? Er hat Tapas
(Askese) ge�bt, daraus Energie gewonnen und mit dieser Energie und seinen
Gedanken die Welt geschaffen. Das ist einer der vielen Sch�pfungsmythen, die man
in Indien findet.
Die Veden sind Sammlungen einzelner Enth�llungen, die verschiedenen Rishis
gew�hrt, von ihnen an Sch�ler weitergegeben und von Vyasa gesammelt und
aufgeschrieben wurden. Zusammengefa�t w�rden sie viele B�nde ausmachen. Diese
Schriftensammlung ist in vier Hauptteile gegliedert:
Rigveda
Samaveda
Yajurveda
Atharvaveda
Man kann nicht genau sagen, was das Hauptthema jedes Veda sei. Zwar wird
manchmal verk�rzend gesagt, Rig behandle die Sch�pfung, Sama die Musik, Yajur
die Opferzeremonien und Atharva magische Praktiken. Letztlich unterscheiden sie
sich jedoch in der Melodie, mit der sie gesungen werden. Rigveda ist eine
bestimmte Singweise, Samaveda ist eine ganz andere und Yajur und Atharva jeweils
wieder eine andere.
Jeder dieser vier Hauptveden besteht wiederum aus vier Teilen:
a) Samhitas
b) Aranyakas Karma Kanda
c) Brahmanas
d) Upanishaden Jnana Kanda
- Die Samhitas sind die Hymnen oder Mantras. Dies ist der wichtigste Teil vom
mythologischen Gesichtspunkt her. Bei einer Puja (Opferzeremonie) oder Yajna
(Feuerritual) rezitiert man Samhitas.
-Die Aranyakas geben Erkl�rungen und Erl�uterungen dazu.
-Die Brahmanas beschreiben die rituelle Anwendung und die genaue Ausf�hrung der
Rituale. Alle drei zusammen bilden den Karma-Kanda-Teil der Veden, der sich mit
Ritualen besch�ftigt.
- Die Upanishaden bilden den Jnana Kanda, den Teil, bei dem es um Wissen und
Weisheit geht. Sie stellen den metaphysischen, philosophischen Abschnitt der
Veden dar, in dem grundlegende Fragen behandelt werden wie "Wer bin ich, woher
komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn des Ganzen, wie erlange ich
Befreiung?". Sie sind der f�r den Yoga wichtigste Teil mit den Grundlagen des
Jnana Yoga.
Die Smritis
Man nimmt an, da� die Smritis um 1200 bis 500 v.Chr. geschrieben wurden.
Allerdings differieren die Zeitangaben in B�chern und Artikeln �ber
Orientalistik um ein paar Jahrhunderte.
Smriti hei�t w�rtlich 'Erinnerung'. Die Smritis sind die Gesetzb�cher, die
Umsetzung der Shrutis, der Weisheit der Veden, in Regeln und Gesetze und deren
Anwendung im t�glichen Leben. Shrutis sind die ewige Wahrheit, das, was immer
bleibt; Smritis sind ver�nderlich. Es gibt sehr viele verschiedene Smritis. Sie
�ndern sich auch je nach den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen
Umst�nden der Zeit. Urspr�nglich waren es sehr hilfreiche gesellschaftliche
Regeln f�r das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen,
Religionen, Kasten, Generationen. Im Laufe der Zeit sind sie immer mehr
verkrustet und es gab mehr und mehr Vorschriften. �hnliches erleben wir ja auch
bei
uns. Jedes Jahr verdoppelt sich die Menge an Gesetzen. Man kann beinahe nichts
mehr machen, ohne irgendein Gesetz zu �bertreten - unabh�ngig davon, ob man es
kennt oder nicht. Man stelle sich vor, dies gehe noch zwei- oder dreihundert
Jahre so weiter... Und so �hnlich haben sich auch die
Smritis entwickelt. Die Verkrustungen rissen aber auch ab und zu wieder auf, sie
wurden �berarbeitet und neu geschrieben. Ein paar Jahrhunderte nach Christus hat
das Aktualisieren und Anpassen der Smritis ausgesetzt. Daraus resultiert manche
Unsch�nheit der hinduistischen Gesellschaft.
Die gro�en Yogis der Gegenwart sagen, es m�sse einen neuen Manu geben, also
einen neuen Gesetzgeber, der Regeln vorgibt, wie man diese klassische
Spiritualit�t in das praktische Leben integrieren kann, wie eine ideale
Gesellschaft beschaffen sein m��te, die religi�s, spirituell, orientiert
ist und trotzdem auch den Nicht-Spirituellen gerecht wird. Das ist ja das gro�e
Kunstst�ck dabei.
Die alten Smritis, in denen zum Beispiel die vier Ashramas (Lebensstadien) und
die vier Varnas (Kasten) idealtypisch beschrieben sind, sind durchaus kunstvoll
und faszinierend.
Im �bertragenen, weiteren Sinne ist Shruti das Unver�nderliche und Smriti
allgemein die Anpassung an das t�gliche Leben. Auch im Yoga mu� man immer wieder
�berlegen, was ist das Unver�nderliche, Urspr�ngliche und was ist eher zeit- und
kulturbedingt. Hier sind die indischen Yogalehrer, die
in den Westen kommen, durchaus unterschiedlicher Meinung. Kein wirklich
authentischer Yogi w�rde wohl behaupten, Yoga bestehe nur aus ein paar
Entspannungs�bungen. Aber manche sagen, es gehe im Yoga nur um die
Transformation des Bewu�tseins, mit dem Ziel, zur Einheit zu gelangen. Wie wir
das erreichen, sei unwesentlich und weder Mantrasingen noch Vegetarismus seien
daf�r notwendig. Bei Yoga Vidya haben wir einen eher klassischen Standpunkt.
Mantrasingen, Vegetarismus und die Philosophie der Reinkarnation geh�ren bei uns
zum ganzheitlichen Yoga.
Letztendlich mu� jeder f�r sich zu einer Entscheidung kommen, wo er keine
Kompromisse machen darf und wo Kompromisse n�tig sind, um die Prinzipien im
praktischen Leben �berhaupt umsetzen zu k�nnen.
Also Shruti, die hohe Wahrheit und Smriti, die praktische Umsetzung.
Die Puranas und Itihasas
Die Puranas sind G�ttergeschichten. Die Itihasas sind die sogenannten
Heldenepen, wo zwar auch G�tter eine Rolle spielen, es aber in der Hauptsache um
Menschen geht, �hnlich wie in den griechischen G�tter- und Heldensagen: Im
ersten Teil spielen die G�tter die Hauptrolle, im sp�teren Teil, in der Odyssee
und �neis, die Menschen.
Die bekannteste der Puranas ist die Bhagavatam, welche f�r die
Hare-Krishna-Bewegung eine besondere Bedeutung hat, aber nicht nur f�r sie.
Swami Vishnu hat sie auch gerne gelesen. Sie erz�hlt Geschichten von Vishnu und
Krishna. Die bekanntesten Itihasas sind das Ramayana und das Mahabharata.
Puranas und Itihasas waren f�r das "gemeine Volk" bestimmt. Die Shrutis und
Smritis waren den Brahmanen vorbehalten, die zw�lf Jahre studiert hatten.
�hnlich wie das BGB und das HGB mehr f�r die Juristen ist, und gleichfalls die
Stra�enverkehrsordnung, w�hrend das "gew�hnliche Volk" im
Theorieunterricht einen Teil davon lernt.
So �hnlich mu� man es hier auch sehen. Puranas und Itihasas erkl�ren die
spirituellen Prinzipien auf einfache Weise. Denn die Menschen haben immer schon
lieber Romane gelesen als philosophische Abhandlungen und sehen heute lieber
Liebesfilme und Krimis als Videos �ber spirituelle Themen oder absolute
Wahrheiten. Die zwei Dinge, die den Menschen schon immer am meisten fasziniert
haben, sind Sex und Gewalt, Liebe und Krieg. Daher sind die Puranas und Itihasas
voll von Liebesgeschichten, kriegerischen Eroberungen und menschlichen Dramen.
Aber dazwischen ist die spirituelle Botschaft verpackt. Ab und zu trifft jemand
einen Weisen, fragt ihn etwas und der Weise antwortet. Die Erz�hlung darf dann
zwar nicht zu lange dauern, sonst schalten die Menschen wieder ab, aber es kann
wie in der Bhagavad Gita durchaus achthundert Verse umfassen. Die Bhagavad Gita
ist ja Teil der Itihasas.
Nach der Theorie westlicher Orientalisten sollen die Puranas und Itihasas ein
paar hundert Jahre vor Christus geschrieben worden sein, wobei schon das
drawidische Gedankengut eingeflossen ist, so da� die alten vedischen G�tter wie
Indra, Varuna und Agni nicht mehr zentral waren. Man hat sie
mehr als Engelswesen angesehen. Daf�r wurden die neuen G�tter wie Brahma,
Vishnu, Shiva, Durga, Lakshmi, die noch �lter waren, wieder bedeutender.
Seit dieser Zeit kann man in Indien haupts�chlich drei religi�se Str�mungen
unterscheiden. Wie im Christentum die Hauptstr�mungen Katholizismus, Orthodoxie
und Protestantismus, gibt es im Hinduismus mehrere religi�se Hauptrichtungen:
Shaivismus
Vaishnavismus
Shaktismus = Tantrismus
Die Shaivas verehren besonders Shiva, die Vaishnavas Vishnu als h�chsten Gott
und die Shaktas Shakti Devi, die G�ttin als kosmische Mutter. Sie werden auch
als Tantriker bezeichnet.
Innerhalb dieser Richtungen gibt es jeweils noch zahlreiche Untergliederungen.
Manche Shaktas verehren Durga besonders oder Lakshmi oder Kali. Aber mehr oder
weniger werden alle miteinander gleichgesetzt; es sind einfach Manifestationen
der gleichen Shakti.
Auch manche Puranas sind mehr auf einen Aspekt der Gottheit ausgerichtet. Es
gibt zum Beispiel Shiva Puranas, Vishnu Puranas (die Bhagavatapurana, kurz
Bhagavatam genannt) und die Shakti Puranas. Alle Unterstr�mungen haben ihre
eigene Kultur, Riten, Religionen, Tempel und so weiter.
Letztlich kann man sagen, dem indischen Kastenwesen liegt eine multikulturelle
Gesellschaft zugrunde, wobei jede Kaste ihre eigene Weise der Verehrung hat.
Jede Kaste organisiert sich selbst, regiert sich selbst, und das in ganz
unterschiedlicher Weise. Manche sind demokratisch, bei manchen ist die
Herrschaft �ber die Gemeinschaft eher erblich, bei anderen durch Los bestimmt.
Wir kennen im Westen oft nur die vier Hauptkasten:
Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras. Von gr��erer Bedeutung ist aber die
Unterkaste in einer Gemeinschaft. Es gibt Tausende solcher Unterkasten. F�r das
Gelingen des Zusammenlebens mu� alles geregelt sein, und jede Unterkaste hat
eine bestimmte Aufgabe in der Gesamtgesellschaft. Die Unterkaste ist oft mit
einem oder einigen ausgew�hlten Berufen gekoppelt, die dann vererbt werden. Man
heiratet normalerweise nur innerhalb seiner Kaste oder es gibt bestimmte Kasten,
in die man gegebenenfalls hineinheiraten kann. Jede Kaste hat ihre religi�sen
Riten, die selbst oder von Priestern ausgef�hrt werden. Damit diese
Selbstorganisation funktioniert, schuf man h�here und niedrige Kasten
mit der zus�tzlichen Zuteilung zu den vier Hauptkasten. Je nach Macht und
Einflu� konnte sich die Rangordnung der Unterkasten auch wieder �ndern.
Yoga war in Indien immer religions�bergreifend. Yoga ist die Mystik hinter der
Religion, wenn man das G�ttliche nicht nur glauben, sondern wirklich erfahren
will. Man geht nicht nur einfach in den Tempel, nimmt das Prasad oder macht ein
paar Riten, um etwas Bestimmtes zu bekommen, so wie
Menschen in die Kirche gehen und Kerzen opfern f�r einen besonderen Wunsch. Oder
man macht eine Art Handel mit Gott, wie das zu meiner Kindheit �blich war: Wenn
ich in der Klassenarbeit eine Eins schreibe, opfere ich f�nf Mark oder helfe
meiner Mutter eine Woche beim Abwaschen oder �hnliches. Heute kommt das wohl
etwas aus der Mode. Leider, denn es ist eine fr�hkindliche Form von Glauben und
Spiritualit�t, die gerade dann, wenn es auch tats�chlich gl�ckt, einen Menschen
irgendwie auf die erste Stufe des Glaubens setzt. Wenn es nicht funktioniert,
kann man allerdings vielleicht schon als Kind zum Atheist werden... Jetzt hat
man Gott schon f�nf Mark versprochen und trotzdem hat man eine Sechs in der
Klassenarbeit geschrieben - das verzeiht man Gott nicht so schnell!
Solche Dinge sind auch in Indien �blich. Aber Yoga umfa�t eben die Techniken in
all diesen verschiedenen Traditionen, die dazu verhelfen wollen, das G�ttliche
selbst direkt zu erfahren und zu einer authentischen spirituellen Entwicklung zu
kommen.
Die vier orthodoxen Hauptschriften - die Veden bzw. Shrutis, Smritis, Puranas
und Itihasas - werden von allen Hindus als Autorit�t anerkannt. F�r den Yoga von
besonderer Bedeutung sind die Upanishaden, die Quintessenz der Veden, und von
den Itihasas die Bhagavad Gita als Teil des Mahabharata.
Sutras
Daneben gibt es zahlreiche sp�tere, nicht-orthodoxe Schriften, die sich jeweils
nur auf ein Teilgebiet oder eine bestimmte Glaubensrichtung beziehen und nicht
von allen Hindus anerkannt werden. Dazu geh�ren zum Beispiel die Sutras. Eine
Sutra ist ein Leitfaden und die k�rzeste Weise, etwas auszudr�cken, w�hrend
Puranas und Itihasas die l�ngstm�gliche Weise sind, etwas auszudr�cken. Das
Mahabharata ist bis heute das l�ngste Epos der Weltliteratur. Alle deutschen
oder englischen Ausgaben sind nur Zusammenfassungen. Das Original ist f�r
unseren heutigen schnellebigen Geist auch etwas zu langatmig.
F�r den Yoga von gr��ter Bedeutung sind Yoga Sutras von Patanjali �ber den Raja
Yoga und die Brahma Sutras �ber das Jnana Yoga. Daneben gibt es noch sehr viel
mehr Sutras �ber verschiedenste Bereiche.
Agamas und Tantras
Das Wort Tantra hat eine vielf�ltige Bedeutung. Zum einen bezeichnet Tantra
neben Shaivismus und Vaishnavismus eine der drei Hauptreligionsrichtungen
Indiens. Zum zweiten ist Tantra ein bestimmtes Philosophiesystem, n�mlich die
Shiva-Shakti-Philosophie. Und zum dritten ist Tantra der Name f�r einen
bestimmten Schrifttyp, die Agamas, die jeweils nur einer Tradition zugeordnet
sind. Es gibt Vishnu Agamas, Shiva Agamas und Shakti Agamas, wobei die Shakti
Agamas als Tantra bezeichnet werden.
Diese Tantras haben wieder eine besondere Bedeutung f�rs Yoga, denn die
Hatha-Yoga-Schriften und auch die Mantra Shastras sind ein Teil davon.
Hatha Yoga Schriften
Es gibt vier Hauptschriften des Hatha Yoga:
Hatha Yoga Pradipika
Geranda Samhita
Shiva Samhita
Goraksha Sadhaka
In diesen Schriften sind die Mudras beschrieben, die Bandhas, die Asanas, alle
Konzentrationstechniken, die Kriyas und die Hatha-Yoga-Meditationstechniken, zum
Teil die Theorie �ber Kundalini Yoga, �ber Chakras und Nadis.
http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Journal/Indische_Schriften.html
auch sehr lecker :
http://www.youtube.com/watch?v=n7rVzwddN68
http://www.youtube.com/watch?v=fTPPyQKoWSM
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