Aus: Lothar-R�diger L�tge - Carlos Castaneda und die Lehren des Don Juan
Zitat
"Man lernt wie ein Krieger zu handeln, indem man handelt - nicht indem man redet"
Don Juan
Handeln ohne Erwartung
Das "Handeln ohne Erwartung" ist die erste der drei Techniken, die
Don Juan uns empfiehlt, um den "Inneren Dialog" anzuhalten.
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Sinnloses und zweckfreies Handeln wird unm�glich, sobald wir es zu einer Technik erheben - denn damit verleihen wir ihm Sinn und
Zweck.
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Im normalen allt�glichen Leben ist uns sinnloses und zweckfreies Handeln fremd. Es widerspricht geradezu unserem gesunden
Menschenverstand. Wir sind es gewohnt, mit unseren Handlungen eine ganz bestimmte Erwartung zu verkn�pfen: wir handeln, um ein Ziel
zu erreichen. Alle unsere Handlungen sind auf dieses im vorhinein definierte Resultat ausgerichtet. Der Verstand kontrolliert somit
nicht nur unsere Wahrnehmungen, sondern er bestimmt auch unsere Handlungen. Wir befinden uns �blicherweise in einem Zustand der
permanenten Reflektion unseres Tuns.
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Spontane oder nat�rliche Handlungen sind uns kaum m�glich. Lediglich in Ausnahmesituationen, bei besonderer Furcht oder Freude, oder
in Situationen �u�erster Anspannung gibt es ein direktes, nicht kontrolliertes Handeln. In solchen Augenblicken sprechen wir von
"Selbstvergessenheit", und wir beschreiben damit recht gut das tats�chliche Geschehen. Wenn wir uns selbst vergessen, dann heben wir
die Trennung auf, die zwischen uns und unseren Handlungen besteht.
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Nun k�nnen wir leicht feststellen, indem wir uns an eine Situation unmittelbaren Handelns erinnern, da� es gerade solche Handlungen
sind, die sich durch ein besonderes Ma� an Kraft, Intensit�t und Wirkung auszeichnen. In aller Regel empfinden wir gleichzeitig,
w�hrend wir in dieser Art und Weise handeln, ein Gef�hl tiefer innerer Befriedigung und Genugtuung. Erst im Nachhinein schaltet sich
unser Verstand wieder ein und bewertet das Geschehene. In einem extremen Fall empfinden wir dies als das Erwachen aus einem
rausch�hnlichen Zustand.
Als erwachsene und gesellschaftlich konditionierte Menschen ben�tigen wir mehr oder weniger extreme Situationen, damit wir zu
"Handeln ohne Erwartung" veranla�t werden. Unter normalen Bedingungen sind wir nicht in der Lage, unseren Verstand auszuschalten.
Jedoch zeigt es sich, zum Beispiel bei der Beobachtung spielender Kinder, da� auch unter ganz gew�hnlichen Bedingungen ein
erwartungsfreies Handeln m�glich ist. Solange uns der Verstand noch nicht vollst�ndig in der "Blase der Wahrnehmung" eingeschlossen
hat, ist es m�glich, zu handeln nur um der Handlung willen, ohne irgendeinen Sinn und Zweck mit unserem Tun zu verbinden. Genau auf
diese Handlungen kommt es Don Juan an.
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Wenn wir diese Art des Handelns erlernen, dann gewinnen wir ein weiteres St�ck Freiheit und Losgel�stheit von den Bedingtheiten der
allt�glichen Welt. Wir werden in unserem Tun unabh�ngiger von den Bewertungen und Meinungen unserer Mitmenschen. Auch auf die
Rechtfertigung unseres Handelns k�nnen wir verzichten, sobald wir aufh�ren, es nach irgendwelchen "objektiven" Kriterien zu
bewerten. Dieses Mehr an Freiheit und Uneingebundenheit ist wichtig und notwendig f�r uns, wenn wir auf unserem Weg vorankommen
wollen.
Ein letzterer, jedoch wesentlicher und grunds�tzlicher Aspekt soll hier nur kurz erw�hnt werden. Don Juan betont im Rahmen seiner
Unterweisungen immer wieder die grunds�tzliche Unerkl�rbarkeit und Nichtfa�barkeit der Realit�t. Er warnt uns vor Erkl�rungs- und
Verst�ndnisversuchen mit dem Hinweis auf das, was wir Wirklichkeit nennen: Unsere Wirklichkeit ist das Produkt derartiger
Interpretationsbem�hungen! Sobald wir die Realit�t zu erkl�ren beginnen, reduzieren wir sie auf unsere verstandesm��igen
M�glichkeiten; und die sind vorgegeben durch die Beschreibung der Welt, die wir erhalten haben.
Unser Weg jedoch soll uns zum "Wissen" f�hren. "Wissen" ist das Erleben und ?Erfassen? der Realit�t. Dies kann nicht auf einer
verstandesm��igen Ebene geschehen, sondern nur direkt und unmittelbar. Somit entspricht der "Weg zum Wissen" in seiner Gesamtheit in
exemplarischer Weise dem "Handeln ohne Erwartung". Wir erwarten das "Wissen" - und das ist "Nichts" - , zumindest nichts von dem,
was wir gem�� unserem Verstand erwarten k�nnen. Jede Vorstellung, jedes Bild und jede Idee, die wir von der Realit�t haben k�nnen,
ist ein Teil unserer Wirklichkeit und damit eine Illusion. Erst wenn wir "Nichts" mehr erwarten, haben wir die letzten Projektionen
unseres Verstandes hinter uns gelassen - und erst dann sind wir vorbereitet, "Alles" zu sehen. Es ist also gerade das "Handeln ohne
Erwartung", das den entscheidenden Schl�ssel f�r uns bereith�lt.
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"Der Weg in die Welt der Zauberei �ffnet sich erst, nachdem der Krieger gelernt hat, seinen inneren Dialog abzustellen. Unsere
Vorstellung , unsere Ansicht der Welt zu �ndern, das ist der springende Punkt bei der Zauberei -, und das Anhalten des inneren
Dialogs ist die einzige M�glichkeit, dies zu erreichen. Der Rest ist nur Beiwerk"
Don Juan
Zitat Ende
D. S.
Mond