Am 10.04.2012 15:52, schrieb Ulrich Nehls:
> Am 10.04.2012 14:29, schrieb Herbert Albrecht:
>
> [Schuhmode]
>
> Ich weiß nicht, wer sich über Geländewagen "aufregt".
Dann lies halt den Spiegel. Die Leserbriefe von M. Bihler und G. Forlano
stehen vermutlich beispielhaft für eine grössere Anzahl ähnlicher
Einsendungen.
So heisst es in der Überschrift. Im Text steht dann '2010 wurde jedes
dritte Modell mit nur einer angetriebenen Achse ausgeliefert, im
laufenden Jahr sind es bereits 38,3 Prozent', es sind also eher Autos,
die nur so tun als ob. Es ist nur eine Designmode.
>
> Tatsache ist weiter, dass die selben Autofahrer, die sich über steigende
> Spritpreise beklagen, offenbar nichts sehnlicher haben wollen als eben
> solche leistungs- und verbrauchsstarken Autos. Das ist die allseits
> bekannte Irrationalität rund ums Auto.
Das ist tatsächlich schwer zu verstehen, dennoch steckt hinter jeder
Kaufentscheidung eine rationelle Abwägung zwischen sich widerstreitenden
Zielen und am Ende ein Kompromiss. Zu den unterschiedlichen Vor- und
Nachteilen verschiedener Autotypen möchte ich hier nichts sagen, das
Thema hatten wir zur genüge. Stellen wir uns lieber die Frage, warum
Leute über die Spritpreise schimpfen und dennoch keine
verbrauchsgünstigeren Autos kaufen. Tja, warum?
Erster Irrtum ist, dass man nur dann etwas als teuer empfindet, wenn man
es nicht bezahlen kann. Wir haben alle eine recht genaue Vorstellung
davon, wieviel etwas kosten darf, ein Brötchen etwa so um die 25 cent.
Wenn der Bäcker dafür 50 cent verlangt, empfinde ich das als zu teuer,
auch wenn ich genug Geld in der Tasche habe, um 100 Stück zu kaufen -
und nur 3 Stück brauche. Der Bäcker verletzt mein Gefühl für den
angemessenen Preis seiner Ware und darüber schimpfe ich.
In dieser Situation sind die Benzinanbieter, deren Produkte im Preis
über längere Zeit extrem gestiegen sind. Und da wir uns hier auf einem
viel höheren Preisniveau befinden, stört es uns viel mehr als die
Preissteigerungen beim Bäcker, die man als peanuts meistens schnell
wieder vergisst. Dazu kommt, dass sich die Preisrelationen verschieben.
Eine Tankfüllung für meinen Kompaktwagen kostet inzwischen soviel wie
eine neue Hose!
Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, kommt dazu noch eine dicke
Portion Sozialneid. In der internationalen Konkurrenz gleichen sich die
Masseneinkommen an (in China steigen sie, in Europa sinken sie) und der
persönliche soziale Abstieg schärft den kritischen Blick auf die, denen
es anscheinend besser geht. Typisch dafür der Hinweis auf 'überforderte
Zahnarztgattinen' im Spiegel-Leserbrief. Zugespitzt: Die einen glauben
daran, dass Benzin teurer werden muss, können es aber nicht bezahlen,
den anderen ist das egal, die zahlen einfach.
Dein Irrtum ist, von einer homogenen Gruppe 'der Autofahrer' auszugehen.
Wenn es so etwas gäbe, dann wären sie irrational - aber es gibt sie nicht.
>
> (Was das mit Schuhmode zu tun haben soll verstehe ich beim besten Willen
> nicht. Oder doch? "Autokritiker sind intolerant und streiten sogar über
> Geschmacksfragen!" Sowas in der Art?)
Nein, überhaupt nicht. Ich sehe nur Parallelen zwischen Leuten, die
Turnschuhe oder Wanderstiefel tragen aber nicht turnen bzw. wandern und
Leuten, die einen Geländewagen nie im Gelände fahren. Beide tun so als
ob. Wenn also Geländewagenbesitzer dafür kritisiert werden, dass die
etwas kaufen, dessen Nutzen sie gar nicht verwerten, dann müsste dieser
Vorwurf auch Turnschuhkäufern gemacht werden. Wird aber nicht! Woraus
ich schliesse, dass der Vorwurf nicht ernst gemeint ist.
Herbert