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7 Wochen Hartz4

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Juergen Braden

ungelesen,
30.03.2007, 03:07:2330.03.07
an
Das Geld reicht hinten und vorne nicht.

Artikel der NOZ zu dem Projekt der Diakonie der Landeskirche Hannover "7
Wochen
leben mit Hartz IV" zur Fastenzeit, Zwischenbilanz.

http://www.neue-oz.de/information/noz_print/nordwest/16185198.html?SID=c1a9a3b78e9e625cefb29346b6391dbb

Das Geld reicht hinten und vorne nicht
Von Julia Kuhlmann
Bramsche.
Wut, Ohnmacht, Überforderung: Die Erfahrungen, die viele Teilnehmer am
Planspiel "7 Wochen leben mit Hartz IV" gemacht haben, sind nicht angenehm.
Nach fünfwöchiger Teilnahme am Projekt, das die Diakonie der Landeskirche
Hannover für die Fastenzeit vor Ostern ins Leben gerufen hat, sind viele
desillusioniert.

Die Liste der Ausgaben für Außerplanmäßiges wird immer länger: Barbara Pöppe
notiert seit fünf Wochen ganz genau, wofür sie Geld ausgibt.
Foto: Julia Kuhlmann
"Ich glaube keinem mehr, der sagt, dass sich Menschen mit großem Vergnügen
auf Hartz IV ausruhen - es ist kein Vergnügen", sagt Natalia Gerdes,
Projektkoordinatorin bei der Diakonie im Kirchenkreis Bramsche. Selbst die
Simulation der Hartz-IV-Bedingungen habe in vielen Familien zu ernsthaften
Problemen geführt, hat sie erfahren.
83 Personen aus dem Kirchenkreis Bramsche haben vor fünf Wochen freiwillig
begonnen, mit dem Geld zu leben, das Hartz-IV-Empfänger zur Verfügung haben.
Vier Familien haben mittlerweile das Handtuch geworfen und sich offiziell
von der Teilnahme abgemeldet. Sehr viele, berichtet Gerdes, machten zwar
weiter, hätten aber schon nach kurzer Zeit eingeräumt, dass sie mit dem Geld
definitiv nicht auskämen.
Die als Notlösung gedachten Zettel, auf denen Ausgaben notiert werden, die
den Rahmen in der Hartz-IV-Realität sprengen würden, werden somit öfter
benötigt als geplant.
"Für uns ist es nur ein Spiel, dieser Gedanke beschämt mich", sagt die
Bramscherin Barbara Pöppe, Teilnehmerin am Projekt. Ein Blümchen als
Frühjahrsschmuck, ein belegtes Brötchen, das sich der Sohn auf dem Weg zur
Arbeit kaufen will? Nicht daran zu denken. Die Mutter von drei Kindern hat
bereits in den ersten zwei Wochen erkannt, dass die Ausgaben selbst bei
Verzicht das Budget noch überstiegen. "Ich will nicht abbrechen, notiere
aber mittlerweile alles, was mit Hartz IV nicht drin wäre", sagt Pöppe.
Immer wütender sei sie dabei geworden, weil sie es als entwürdigend
empfinde, jeden Cent fünfmal umdrehen und nachweisen zu müssen.
Zwei Ziele sieht Projektkoordinatorin Gerdes angesichts solcher Erfahrungen
zwei Wochen vor Projektende schon erfüllt. "Viele haben ihr Wissen über
Hartz IV enorm erweitert", sagt sie. "Wissen war schon immer Macht", setzt
sie nun darauf, dass diese Menschen sich künftig einmischen werden, wenn
jemand behauptet, mit "Hartz IV" ließe es sich bequem leben. Außerdem hätten
die Teilnehmer und ihr Umfeld in den vergangenen fünf Wochen in der
evangelischen Tradition erfahren, was es bedeutet, auf Genuss zu verzichten.
Viele Teilnehmer berichteten in den Zusammenkünften, dass sie manches mit
anderen Augen sähen und den eigenen Konsum viel kritischer betrachteten.
Diese Erfahrung hat auch Hilde Niebaum aus Bramsche gemacht. Zwar hat sie
ihr Auto gleich aus den Berechnungen herausgenommen, ansonsten aber streng
mit dem Hartz-IV-Geld gelebt. Seither hat sie einen neuen Telefontarif und
auch beim Lebensmitteleinkauf einiges eingespart. "Aber ich weiß ja, dass
ich mir in dieser Zeit keine Schuhe oder Möbel kaufen muss", ist ihr der
Projekt-Charakter bewusst.
Richtig schwergefallen sei ihr der Verzicht vor allem bei einer
langersehnten kulturellen Veranstaltung, für die der Eintritt 40 Euro
betragen hätte. "Wenn ich auf so etwas dauerhaft verzichten müsste, würde
ich definitiv einsam", stellt die 74-Jährige fest.
Das sieht auch Projektkollegin Barbara Pöppe so. Beim sonntäglichen
Frühschoppen in der Nachbarschaft rotiert die Pflicht zur Bierbeschaffung
unter den Familien. "Wenn du das Bier nicht bezahlen kannst, brauchst du
entweder richtig nette Nachbarn und ein gutes Selbstwertgefühl oder du
gehörst irgendwann nicht mehr dazu", macht sie sich keine Illusionen

Juergen Braden

ungelesen,
30.03.2007, 04:06:2930.03.07
an
>
> Artikel der NOZ zu dem Projekt der Diakonie der Landeskirche Hannover "7
> Wochen
> leben mit Hartz IV" zur Fastenzeit, Zwischenbilanz.
>
http://www.leben-mit-hartz-iv.de/2124.htm

Juergen Braden

ungelesen,
30.03.2007, 04:26:4630.03.07
an

"Juergen Braden" <jue...@braden.de> schrieb im Newsbeitrag
news:euicv2$uhk$1...@online.de...

> Das Geld reicht hinten und vorne nicht.
>
> Artikel der NOZ zu dem Projekt der Diakonie der Landeskirche Hannover "7
> Wochen
> leben mit Hartz IV" zur Fastenzeit, Zwischenbilanz.
>
http://www.diakonie-forum.de/wbb2/thread.php?threadid=335&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=1

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