Am 25.08.2012 16:39, schrieb Thomas Heger:
> Am 25.08.2012 08:36, schrieb Cackman:
>
>>> Man kann nicht eine Wᅵhrung einfᅵhren mit dem Ziel, sie stark
>>> abzuwerten, sondern muᅵ sie schon zu einem realistischen Wert einfᅵhren.
>> Der "realistische" Wert der neuen Drachme dᅵrfte automatisch eine starke
>> Abwertung zum Euro beinhalten. Das wird von nahezu allen Analysten genau
>> so gesehen. Genau hierin lᅵge aber auch die Chance Griechenlands, was
>> deren Konkurrenzfᅵhigkeit und somit Attraktivitᅵt fᅵr auslᅵndische
>> Inverstoren angeht.
> Der Einfᅵhrungskurs der Drachme (oder wie auch immer das heiᅵt) muᅵ sich
> an dem realen Wert mᅵglichst nahe anlehnen, damit der Kurs
> Euro<->Drachme so lange wie mᅵglich konstant bleibt.
Der "reale Wert" des neuen Drachme wᅵrde schon bei Einfᅵhrung stark
unter dem des Euro liegen. D.h. inlᅵndisch produzierte Waren und
Dienstleistungen wᅵren gegen Euro gerechnet sehr billig, Waren, die in
Euro oder anderen "Hartwᅵhrungen" bezahlt werden mᅵssen, sehr teuer.
Der Vorteil des Drachme bestᅵnde auᅵerdem darin. gegenᅵber dem Euro bei
Bedarf abgewertet werden zu kᅵnnen.
> Wᅵrde der Kurs nach der Einfᅵhrung stark fallen, dann wᅵrde wohl so eine
> Art Massenpanik einsetzen und alle wᅵrden versuchen zu retten, was noch
> geht - um jeden Preis.
Die Gelder sind wie gesagt ohnehin schon ins Ausland transferiert.
> Dann fᅵllt der Kurs ins bodenlose. Die Folge wᅵre totales Chaos.
Diese Szenario halte ich nicht fᅵr realistisch. Dies war vor dem Euro
bei Abwertungen der Wᅵhrungen der "Sᅵdlᅵnder" so auch nie der Fall.
s.a.
Vergesst die Inflation!
http://www.nachdenkseiten.de/?p=14074
> Also muᅵ der Kurs so gewᅵhlt werden, daᅵ die Wᅵhrung von Anfang an
> halbwegs stabil bleibt. Das geht nur ᅵber Stabilitᅵt der Geldmenge und
> einen passend gewᅵhlten Kurs.
Kommt darauf an, was man unter passend versteht. Der "reale Wert" des
neuen Drachme mᅵsste eben schon bei Einfᅵhrung stark unter dem des Euro
liegen, so dass inlᅵndisch produzierte Waren und Dienstleistungen in
Euro gerechnet sehr billig sind.
> Auslᅵndische Investoren kᅵnnten dann zwar investieren, aber es wᅵre
> nicht so richtig billig. Genau genommen ᅵndern sich die Preise weder fᅵr
> Inlᅵnder noch fᅵr Auslᅵnder, da bisheriger Preis in Euro mal Kurs den
> neuen Preis in Drachmen ergibt.
Das ist definitiv falsch, da die Abwertung "nach auᅵen", die durch die
Einfᅵhrung der Drachme ermᅵglicht wird, inlᅵndisch erzeugte Waren und
Dienstleistungen fᅵr auslᅵndische Investoren verbilligt.
s. hierzu auch:
Wieso bildet Europa derzeit das globale Krisenzentrum, obwohl andere
Staaten - wie etwa die USA - ᅵhnlich hoch verschuldet sind?
Die europᅵischen Defizitkreislᅵufe
>>> Ohne den Euro wᅵre eine Entschuldung denkbar, zu Lasten der Bᅵrger.
>> Eine Entlastung der Schulden _mit_ dem Euro erst recht. Diese wᅵre
>> deshalb auf Dauer politisch auch nicht durchsetzbar, wie Samaras sehr
>> wohl weiᅵ, weshalb er nun bei Merkel und Hollande auf Betteltour geht.
>> In Griechenland haben schon jetzt viele Leute nichts mehr zu essen und
>> somit auch nichts mehr zu verlieren. Bei einer Beibehaltung des
>> Austeritᅵtskurses - und nur mit diesem ist ein Verbleib Griechenlands
>> bei der gegenwᅵrtigen politischen Konstellation in Deutschland wohl
>> ᅵberhaupt denkbar - wᅵre die Depression sowie der totale wirtschaftliche
>> und staatlichen Kollaps unabwendbar.
[von dir gelᅵscht]:
Die Schulden Griechenlands kannst du auᅵerdem komplett vergessen, die
sind nᅵmlich - ob mit oder ohne Euro - praktisch nicht mehr eintreibbar.
Die Zinsen die Griechenland zurzeit an die Glᅵubigerstaaten zahlt, sind
von diesen selbst finanziert, und daran wird sich auch nichts mehr
ᅵndren. Von einer echten Rᅵckzahlung der Schulden geht aber auch kein
seriᅵser Analyst mehr ernsthaft aus. Im ᅵbrigen hatten wir hierᅵber ja
bereits vor einiger Zeit mal eine Diskussion. Praktisch alle
Austrittsszenarien gehen deshalb auch realistischerweise von einem
nahezu kompletten Schuldenschnitt aus. Genau das ist nᅵmlich mit "man
wird Griechenland ein Angebot (fᅵr den Austritt aus dem Euro) machen,
das es kaum ablehnen kann" gemeint.
> Die Griechische Regierung kᅵnnte einfach Drachmen drucken und damit
> Rechnungen bezahlen.Dann wᅵrde die Geldmenge ausgeweitet und die
> Drachmen verlieren ihren Wert. Allerdings kann der Bᅵrger in der Form
> 'Rentner', 'Beamter', 'Angestellter im ᅵffentlichen Dienst', 'Bezieher
> von Arbeitslosengeld' kaum gegen diese Scheine wehren, da es ja echte
> Drachmen wᅵren.
Dass ein Staat seine inlᅵndischen Rechnungen und Beamten in
einheimischer Wᅵhrung bezahlt, sollte klar sein. Im Falle Griechenlands
wᅵrden durch die neue Drachme auslᅵndische Waren und Dienstleistungen
drastisch verteuert. Aber dies spielt ohnehin keine Rolle, da der
griechische Staat seine Rechnungen in Euro ohnehin nicht mehr begleichen
kann.
> Die Besitzer von Barvermᅵgen wᅵren dann 'Neese', weswegen die ihr
> Vermᅵgen vorher tunlichst in Sicherheit bringen.
Dies ist bei denen, die hierzu imstande waren wie gesagt lᅵngst geschehen.
> Die Besitzer von Sachvermᅵgen wᅵren weit weniger betroffen, wie die
> Inflation etwa in Deutschland nach dem Krieg gezeigt hat.
Stimmt.
> Den Gegenwert der gedruckten Scheine kᅵnnte man dann fᅵr die
> Schuldentilgung verwenden, womit praktisch eine Umverteilung von
> Einkommen zu Gunsten der Glᅵubigerbanken stattfindet.
Die Schulden Griechenlands kannst du komplett vergessen, die sind
nᅵmlich - ob mit oder ohne Euro - praktisch nicht mehr eintreibbar. Die
Zinsen die Griechenland zurzeit an die Glᅵubigerstaaten zahlt, sind von
diesen selbst finanziert, und daran wird sich auch nichts mehr ᅵndren.
Von einer echten Rᅵckzahlung der Schulden geht aber auch kein seriᅵser
Analyst mehr ernsthaft aus. Im ᅵbrigen hatten wir hierᅵber ja bereits
vor einiger Zeit mal eine Diskussion. Praktisch alle Austrittsszenarien
gehen deshalb auch realistischerweise von einem nahezu kompletten
Schuldenschnitt aus. Genau das ist nᅵmlich mit "man wird Griechenland
ein Angebot (fᅵr den Austritt aus dem Euro) machen, das es kaum ablehnen
kann" gemeint.
> Aber diese (beliebte) Methode ist den Griechen versperrt, da sie ja
> bereits Euros haben und erstmal Vertrauen fᅵr ihre ggf. einzufᅵhrenden
> Drachmen schaffen mᅵᅵten.
Keineswegs. Die Einfᅵhrung der Drachem bedeutet diesbezᅵglich natᅵrlich
einen Neuanfang, der wie gesagt bei Bedarf durch Abwertungen der eigenen
Wᅵhrung die Konkurrenzfᅵhigkeit der eigene Wirtschaft erhᅵlt bzw.
erhᅵht. Der Euro wᅵre in diesem Fall wie bei uns der Dolar eine
Fremdwᅵhrung.
>>> So funktioniert zwar eine neue Wᅵhrung, aber lᅵst das Problem nicht.
>>> Genau genommen hat das Problem 'Verschuldung des Staates' garnichts mit
>>> der Wᅵhrung zu tun.
>> Das ist nun nachweislich falsch. Die Verschuldung der "Sᅵdlᅵnder"
>> verdankt sich nahezu komplett deren wirtschaftlichen Schwᅵche schon bei
>> der Einfᅵhrung des Euro, der Austeritᅵtspolitik Deutschlands sowie dem
>> Euro, der die betr. Lᅵnder daran hinderte abzuwerten, wie dies vor dem
>> Euro immer der Fall war.
> Die hᅵtten den Euro nie einfᅵhren dᅵrfen. Aber nun haben sie den und
> haben trotzdem fleiᅵig Kredite aufgenommen.
Die ohnehin nie zurᅵckgezahlt werden kᅵnnen und auch nicht werden. Da
hilft kein Lamentieren.
> Das haben diese Lᅵnder selber getan und ohne fremdes Zutun.
Das ist falsch. Deutschland hat nicht zuletzt fᅵr Rᅵstungslieferungen an
Griechenland die Bᅵrgschaften ᅵbernommen.
> Jedenfalls
> kᅵnnen die nicht Deutschland dafᅵr haftbar machen, daᅵ sie mehr
> ausgegeben haben, als ihre Steuereinnahmen hergeben.
Die Zusammenhᅵnge sind in den von mir verlinkten Artikeln dargelegt und
widerlegen deine Auffassung.
> Es war vereinbart, daᅵ bestimmte Defizitgrenzen nicht ᅵberschritten
> werden dᅵrfen und diese Lᅵnder haben dies trotzdem getan.
Die Unmᅵglichkeit, diese Grenzen einzuhalten, wurden durch die von den
Geberlᅵndern erzwungene Austeritᅵtspolitik mit verursacht.
> Das ist nun Pech, vor allem auch fᅵr die Inhaber der Anleihen aus diesen
> Lᅵndern, da die wahrscheinlich ziemlich hohe Wertberichtigungen
> durchfᅵhren mᅵssen.
Die Inhaber dieser Anleihen sind mittlerweile fast nur noch die EZB oder
die Notenbanken.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schuldenkrise-banken-bleiben-auf-griechenland-anleihen-sitzen-a-768788.html
>>> Nur kᅵnnte ein Staat mit einer eigenen Wᅵhrung diese
>>> einfach drucken und damit seine Schulden bezahlen. Aber ohne diese
>>> Mᅵglichkeit geht das nicht und der Staat muᅵ seine Ausgaben den
>>> Einnahmen anpassen.
>> Die Schulden kᅵnnen wir im Falle Griechenlands wie gesagt auᅵer Acht
>> lassen.
>> Eine weitere Anpassung der Ausgaben, also eine "Abwertung nach innen"
>> wᅵre fᅵr die "Sᅵdlᅵnder" poltisch und wirtschaftlich nicht weiter
>> tragbar und auch fᅵr Deutschland nicht wirklich wᅵnschenswert, auch wenn
>> dies die hiesigen politischen und ᅵkonomischen Eliten (noch) anders
>> sehen. Gerade Griechenland ist hier ein mahnendes Gegenbeispiel.
> Das Problem lautet nicht 'wᅵnschenswert oder nicht', sondern 'geht oder
> geht nicht'.
Dann lautet die Antwort eben fᅵr die "Sᅵdlᅵnder" "geht nicht" und fᅵr
Deutschland "nicht wᅵnschenswert".
> Wenn Staaten keine Kredite mehr bekommen, dann mᅵssen die (wohl oder
> ᅵbel) ihre Ausgaben anpassen.
Mitnichten. Die Alternative im Falle Griechenlands wᅵre eben aus dem
Euro auszutreten und sich nach innen mit ihrer eigen Wᅵhrung selbst zu
finanzieren und den Schuldendienst nach auᅵen einzustellen. Das dies
groᅵe Verwerfungen zur Folge hᅵtte, ist klar. Die Alternative mit dem
Euro und der von den "Geberlᅵndern" aufgezwungenen Austeritᅵtspolitik
die Depression sowie der totale wirtschaftliche und staatlichen Kollaps
Das kann Deutschland garnicht verhindern.
Den Austritt Griechenlands aus dem Euro zu verhindern will Deutschland
auch gar nicht mehr.
> Die EU Ziele 'Fiskalunion' bzw. 'politische Union' meinen aber, daᅵ die
> 'reichen' Nordlᅵnder den Sᅵdlᅵndern das Leben ᅵber ihre Verhᅵltnisse auf
> Dauer finanzieren mᅵssen.
Das ist Unsinn. Durch die Fiskalunion und Anpassung der
Sozialgesetzgebung ist langfristig auch eine wirtschaftliche Konvergenz
angestrebt. Diese hat Deutschland durch seine Austeritᅵtspolitik
allerdings hintertrieben.
s.a.
Ungehᅵrter Weckruf
http://www.nachdenkseiten.de/?p=14247
> Das mᅵssen wir aber ᅵberhaupt nicht, denn so eine Verpflichtung gibt es
> nicht und es dᅵrfte auch schwer fallen, die 'reichen' Deutschen von so
> einer Notwendigkeit zu ᅵberzeugen.
Dass fᅵr weitere Unterstᅵtzungen Griechenlands die politische Mehrheit
in Deutschland nicht gegeben ist, hatte ich ja bereits ausgefᅵhrt.
Infolgedessen bleibt dann eben konsequenterweise nur noch der Austritt
Griechenlands aus dem Euro, den ich ᅵbrigens schon lᅵnger im Interesse
aller Beteiligten fᅵr unausweichlich halte und der wohl auch bald
erfolgen dᅵrfte.
Cackman
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