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Message from discussion Wie ein Jude vom "Opfer" zum Täter wurde

From: hku...@MailAndNews.com (Hans J Kupka)
Subject: Re: Wie ein Jude vom "Opfer" zum Täter wurde
Date: 1999/07/01
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Organization: The Internet Group Ltd
Mime-Version: 1.0
Reply-To: hku...@MailAndNews.com
Newsgroups: de.soc.politik.misc

On Thu, 01 Jul 1999 00:27:06 +0200 Hans Bolte
<04282757-0...@t-online.de> wrote in <377A99BA.6...@t-online.de>:


>> »Triumph des Willens« ist eine Verfilmung des Nürnberger
>> Reichsparteitags von 1934).

>Gibt es den Film eigentlich zu kaufen, oder ist er verboten
>(ueberraschen wuerde mich das nicht).

Keine Ahnung. Bei uns in Neuseeland gibt es ihn zu kaufen und zu
leihen.

>> Zieht man aber solche Vergleiche, so werden sie als illegitim
>> hingestellt, da Vergleiche angeblich verharmlosen, die Untaten Hitlers
>> seien unvergleichlich, eben einmalig. Unbeachtet bleibt dabei
>> allerdings, daß qualitative Attributierungen wie »gut und »böse« immer
>> einen Vergleich voraussetzen. Also: lassen wir uns solchen Unsinn
>> nicht einreden.

>Ja, "die Untaten Hitlers seien unvergleichlich" muesste auch zuerst mal
>begruendet werden, mir z.B. fallen sofort spontan sogar einige
>Vergleiche ein.

Der Witz daran ist ja, daß jede Begründung wieder auf einem Vergleich
basiert, nur auf einem Vergleich basieren *kann*.

>> Mmmh. Mit dem »Sich-zur-Wehr-Setzen« ist das so eine Sache in einer
>> Zeit, in der Wahrheit quanitativ bestimmt wird: Je mehr Menschen einer
>> Meinung sind, desto wahrer ist sie.

>Ja, aber war das schon mal anders?

Es war schon einmal »milder« in den Auswirkungen. In einem
Gesellschaftssystem allerdings, welches seine Werte von der Masse (der
Mehrheit) bestimmen lässt, kommt es m.E. zu einer Überbetonung des
Faktors Quantität: je mehr, desto besser. Und das stimmt eben oft
nicht, wie uns die Geschichte lehrt. Oder anders gesagt: Menge und
Qualität haben nichts miteinander zu tun - und doch werden beide Werte
so oft gleichgesetzt.

>> P.S. Bemerkenswert, wie wenig die sonst so laut nach der Einhaltung
>> der Menschenrechte Schreienden zu dem Fall Morel zu sagen haben.

>Sind Bliebig, Blumentritt und Langowski eigentlich wirklich alle drei
>Juden (bei Blumentritt ist es ja klar)?

Weiß ich nicht und - offen gestanden - interessiert's mich auch nicht
sonderlich. Zu meinem Bekanntenkreis gehören auch Juden, ich selber
habe einen jüdischen Urgroßvater. Ich neige nicht dazu, Menschen in
Juden und Nichtjuden einzuteilen, sondern eher in solche, mit denen
man reden kann und in solche, die mit missionarischem Eifer alles
niederwalzen wollen, was ihnen widerspricht. Daß es in letzterer
Gruppe überproportional viele Juden und Kommunisten gibt, liegt wohl
in der Natur der Sache.

>Wenn es so ist, waeren sie
>gemessen an ihrem Bevoelkerungsanteil in Deutschland hier ja ganz schoen
>laut.

Nun ja, laut sind andere auch - und ich bin kein Verfechter der These,
daß Masse mehr Qualität bedeutet (s.o.). Daher ist es mir egal, ob
jemand einer Minderheit angehört oder nicht (streng genommen gehören
wir alle irgend welchen Minderheiten an). Nur die Art und Weise, *wie*
sie ihre Klappe ungestraft aufreißen, empfinde ich gelegentlich als
störend, denn auch als Juden (sofern sie es denn sind) sollten sie
keiner Sonderbehandlung unterzogen werden - weder im positiven noch im
negativen Sinne.

>Die Frage warum es Antisemitismus gibt, haette sich dann ja von
>alleine geklaert. ;-)

Vorurteile haben immer auch eine reale Komponente nach dem Motto: wo
Rauch ist, ist auch Feuer. Auch für den weltweit verbreiteten
Antisemitismus gibt es reale Hintergründe, die nicht in der
bekanntermaßen weit verbreiteten Großzügigkeit, Bescheidenheit,
Freundlichkeit, Nachgiebigkeit und Verzeihungsbereitschaft von Juden
liegen.

-- 
Hans J Kupka