Warum gibt es diese Faq?
Leider entbrennen im deutschsprachigen Usenet immer wieder heftige
Debatten um die Preisgabe des Namens einzelner Teilnehmer, dem sog.
Realname. Insbesondere dann, wenn sich Neueinsteiger aufgrund eines
völlig natürlichen Schutzinstinkts dafür entscheiden, ihre wirkliche
Identität nicht zu offenbaren.
Unglücklicherweise tauchen im Verlauf dieser Diskussionen immer
wieder Argumente auf, die auf falschen Annahmen und Mythen beruhen
und deshalb Verwirrung stiften. So hält sich beispielsweise noch
immer und sehr hartnäckig die Legende, ein Autor, der im Usenet
Beiträge veröffentlicht, würde damit zum Anbieter von Inhalten
werden und sei daher gesetzlich verpflichtet, als verantwortliche
Person mit seinem Namen zu zeichnen. Angesichts dessen, daß die
Kommunikation im Usenet an der Öffentlichkeit stattfindet, klingt
diese Behauptung plausibel und dennoch ist sie schlichtweg falsch.
Es sei an dieser Stelle dahingestellt, ob derartige Behauptungen
aus Unwissenheit oder zur bewußten Desinformation aufgestellt
werden. Diese FAQ soll Klarheit schaffen und emotionalen
Argumenten mit rationalen Überlegungen begegnen.
Der Inhalt
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1. Was ist ein Pseudonym?
2. Ist die Verwendung eines Pseudonyms verboten?
3. Ist es unhöflich, ein Pseudonym zu benutzen?
4. Ist es kritikwürdig, ein Pseudonym zu benutzen?
5. Muß ich mich für die Verwendung eines Pseudonyms rechtfertigen?
6. Verstößt ein Pseudonym gegen die guten Sitten?
7. Ist es ein Zeichen des Vertrauens, im Usenet den
Realname zu benutzen?
8. Soll ich - je nach Thema - ein Pseudonym oder
meinen Realname verwenden?
9. Schützt mich ein Pseudonym?
10. Warum sind Pseudonyme im Usenet nicht gerne gesehen?
11. Welche Vorteile habe ich bei der Verwendung eines Pseudonyms?
12. Welche Nachteile habe ich bei der Verwendung eines Pseudonyms?
13. Wann soll ich mein Pseudonym wechseln?
14. Wie sollte ich auf Realname-Hinweise reagieren?
15. Ist das Verwenden eines Pseudonyms eine Lüge oder gar Betrug?
16. Kann ich erwarten, daß mein Pseudonym akzeptiert wird?
17. Darf man pseudonym schreibende Autoren öffentlich aufdecken?
18. Hat der Wunsch nach Pseudonymität höhere Priorität als
das Höflichkeitsempfinden?
19. Was ist der Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität?
20. Steht ein pseudonym schreibender Autor nicht zu seinem Wort?
21. Was bedeutet eigentlich Realname?
22. Was muß ich beim Umstieg auf ein Pseudonym beachten?
23. Ist der Realname eine technische Notwendigkeit?
24. Werden durch Pseudonyme Namensrechte verletzt?
25. Warum rät die Kirchwitz-Netiquette von der Verwendung eines
Pseudonyms ab?
1. Was ist ein Pseudonym?
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Wer ein Pseudonym (griech.: Pseudonymos = unter falschem Namen)
benutzt, ersetzt den wahren Namen durch eine beliebige, meist selbst
gewählte Bezeichnung. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Pseudonym
als solches erkennbar ist, oder ob es den Anschein eines real
existierenden Namens erweckt.
Ziel eines Pseudonyms in offenen Datennetzen ist es üblicherweise,
ohne Preisgabe der Identität wiedererkannt zu werden. Im Gegensatz
zur völligen Anonymität sollen Aktionen eines Teilnehmers miteinander
verkettbar sein, die Verkettbarkeit mit der Identität soll jedoch
verhindert werden.
2. Ist die Verwendung eines Pseudonyms verboten?
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Folgende Ausführungen beziehen sich auf deutsche Gesetze:
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung (nachfolgend ISB
genannt) gewährt jedem Menschen das Recht, selbst über die Preisgabe
seiner personenbezogenen Daten zu entscheiden.
Kein Teilnehmer des Usenets hat daher das Recht oder den Anspruch,
die Daten eines anderen Teilnehmers zu erheben. Im Usenet könnten
demnach
nur die Betreiber der Newsserver das Recht der Teilnehmer auf ISB
aushebeln, indem sie die Nutzung ihrer Teledienste von der Preisgabe
des Namens abhängig machten. Dem hat der Gesetzgeber jedoch mit der
Verabschiedung des Informations- und Kommunikationsdienstegesetzes
(IuKDG) einen Riegel vorgeschoben. Die darin enthaltenen Daten-
schutzbestimmungen verpflichten die Anbieter von Telediensten,
ihre Dienste anonym oder unter einem Pseudonym nutzbar zu halten.
Das gilt übrigens nicht nur für das de-Usenet, sondern für alle
Teledienste.
3. Ist es unhöflich, ein Pseudonym zu benutzen?
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Dagegen spricht, daß zur Beurteilung von Höflichkeit (und natürlich
der Unhöflichkeit) sowohl die Umstände des Absenders als auch die
des Empfängers berücksichtigt werden müssen. So relativiert sich
eine beim Empfänger wahrgenommene, vermeintliche Unhöflichkeit bis
hin zur Nichtexistenz, wenn der Absender gute Gründe für sein
Verhalten hat. Der Wunsch, sich durch ein Pseudonym vor unerwün-
schten Belästigungen und Nachstellungen bzw. -forschungen zu
schützen, ist ein guter Grund.
Die undifferenzierte Behauptung, das Benutzen eines Pseudonyms sei
unhöflich, ist bei rationaler Betrachtung weder zutreffend, noch
entspricht sie dem Ansinnen der in diesem Zusammenhang leider oft
falsch ausgelegten Kirchwitz-Netiquette.
4. Ist es kritikwürdig, ein Pseudonym zu benutzen?
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Ein Pseudonym ist lediglich eine vom wirklichen Namen des
Teilnehmers abweichende Bezeichnung. Solange diese Bezeichnung
eine ausreichend hohe Unterscheidungskraft besitzt, um einzelne
Beiträge einem bestimmten Autoren zuordnen zu können, erfüllt
sie ihren Zweck als Netzidentität und ist nicht kritikwürdig.
Auch der Wunsch an sich, die wirkliche Identität vor der Öffent-
lichkeit zu verbergen, um sich vor unerwünschten Belästigungen,
Nachstellungen oder Ausforschungen zu schützen, ist keinesfalls
kritikwürdig, sondern ein sogar gesetzlich anerkanntes, schutz-
würdiges Interesse, dessen Wahrnehmung völlig im Einklang mit
unserer Werteordnung steht.
Weder der Name eines Menschen, noch der Umstand seiner Ano-
nymität sind kritikwürdig, sondern ggf.immer nur sein Verhalten.
5. Muß ich mich für die Verwendung eines Pseudonyms rechtfertigen?
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Niemand muß sich für die Inanpruchnahme eines völlig selbst-
verständlichen Grund- und Persönlichkeitsrechts öffentlich
rechtfertigen. Wer es dennoch tut, setzt sich leider der Gefahr
aus, daß seine Beweggründe durch andere Netzteilnehmer ohne
Kenntnis der genauen Umstände abqualifiziert oder angezweifelt
werden. Nicht selten werden diese Gründe als krankhafte Paranoia
dargestellt und öffentlich herabgewürdigt.
6. Verstößt ein Pseudonym gegen die guten Sitten?
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Pseudonymität und Anonymität sind in unserer Gesellschaft
allgegenwärtige Normalität, ohne daß uns dies bewußt ist.
In Deutschland garantiert das Teledienstedatenschutzgesetz
den anonymen oder quasi-anonymen Zugang zu den öffentlich
zugänglichen Datennetzen, weil der Datenschutz und der Schutz
der Privatsphäre fester Bestandsteil unserer Werteordnung ist.
Weil es in Friedenszeiten keine sittenwidrige Gesetze gibt
(diese Prüfung ist Bestandteil des Gesetzgebungsverfahrens
in Deutschland) und das Usenet ein öffentlich zugängliches
Datennetz ist, verstößt die Verwendung eines Pseudonyms auch
nicht gegen die guten Sitten.
7. Ist es ein Zeichen des Vertrauens,
im Usenet den Realname zu benutzen?
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Zweifellos, denn mit der Bekanntgabe des Realname stellt man
öffentlich den Bezug zur wirklichen Identität her. Damit wird
auch unbekannten und anonym bleibenden Mitlesern ermöglicht,
Nachforschungen anzustellen (auch außerhalb der Datennetze)
und mit diesen Erkenntnissen destruktiven Einfluß auf das Leben
der betroffenen Person zu nehmen oder Dinge zu veröffentlichen,
die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.
Man darf nicht vergessen, daß die Artikel nicht nur von den
wenigen aktiven Teilnehmern einer Diskussion gelesen werden,
sondern auch von einem vollkommen unbekannten Publikum. Auch
noch nach Jahren. Angesichts dieser Eigenschaften eines offenen
Datennetzes ist Pseudonymität sicher keine Paranoia i.S. eines
unverhältnismäßig ausgeprägten Mißtrauens, sondern berechtigte
Vorsicht.
8. Soll ich - je nach Thema - ein Pseudonym
oder meinen Realname verwenden?
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Leider wird dies oft empfohlen. Dieser Empfehlung steht entgegen,
daß die Anbieter von Telediensten oft bestimmte Identifizierungs-
merkmale in die Header der ausgehenden Artikel einfügen. Da es
außerdem möglich ist, Personen an immer gleichen Grammatikfehlern,
am Wortschatz, Satzbildung, Stil, Textformatierung oder an besonders
beliebten Worthülsen zu erkennen, besteht die Gefahr, daß
aufmerksame Teilnehmer die Verbindung zwischen dem Pseudonym
und dem dazugehörenden Realname herstellen.
9. Schützt mich ein Pseudonym?
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Das Pseudonym alleine schützt bereits zuverlässig gegen Nach-
forschungen, die an den Namen einer Person anknüpfen. Denn wer
das Pseudonym einer Person nicht kennt und nach Informationen
über sie sucht, wird unter ihrem wirklichen Namen nichts finden!
Vor Rückverfolgungen ausgehend von einem konkreten Beitrag schützt
ein Pseudonym alleine oft nicht ausreichend. Um dies zu verhindern
sind u.U. weitere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, mit denen sich
dann aber ein hoher Grad an Anonymität erreichen läßt.
Keinen Schutz bietet das Pseudonym gegenüber den Ermittlungs-
behörden, da diese Behörden Einsicht in die Aufzeichnungen
des Providers nehmen dürfen.
10. Warum sind Pseudonyme im Usenet nicht gerne gesehen?
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Es hält sich leider das Vorurteil, daß der häufigste Anlaß, die
Identität zu verschleiern, der sei, dem Netz oder dem sozialen
Gefüge Schaden zuzufügen. Zu allem Überfluss, wird dieses Vor-
urteil auch noch von der Kirchwitz-Netiquette genährt und
verbreitet. Wer vorhat, unter einem Pseudonym zu posten, sollte
deshalb durch sein Wohlverhalten dazu beitragen, dieses Vorurteil
zu entkräften.
11. Welche Vorteile habe ich bei der Verwendung eines Pseudonyms?
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Wer ein richtig konfiguriertes Pseudonym benutzt, erreicht einen
hohen Grad der Anonymität und Sicherheit. Er genießt durch diesen
Schutz einen Vorteil, den Realnameposter nicht haben. Die teil-
weise heftigen Reaktionen auf Pseudonyme beruhen daher zu einem
nicht unerheblichen Teil auf dem Neid derer, die sich mit dem
Realname gegen diesen Vorteil entschieden haben und sich im
übertragenen Sinne nackt und verletzbar fühlen.
12. Welche Nachteile habe ich bei der Verwendung eines Pseudonyms?
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Solange die Vorurteile und Aversionen gegen pseudonyme Autoren
bestehen, wird man mit einem offensichtlichen Pseudonym immer
wieder auf Widerstand stoßen. Die Spanne der Reaktionen reicht
dabei von simplen Hinweisen bis hin zu Flames und regelrechten
Anfeindungen.
Es wird von Pseudonymgegnern gerne behauptet, daß viele Netz-
teilnehmer (oft ist sogar von der mehrheitlichen Verhältnissen
die Rede) pseudonyme Artikel automatisiert ausblenden und gar
nicht erst lesen. Dieser Nachteil kann durch Verwendung eines
nichtoffensichtlichen Pseudonyms vermieden werden.
13. Wann soll ich mein Pseudonym wechseln?
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Auch das Pseudonym dient ja (wie der richtige Name) dazu, eine
bestimmte Person anhand ihrer Bezeichnung wiederzuerkennen. Es
macht daher keinen Sinn, das Pseudonym ständig zu wechseln oder
mehrere Netzidentitäten zu verwenden. Auch wenn man sich ein
paar Ausrutscher erlaubt hat, ist das kein Grund, das Pseudonym
zu wechseln, denn Fehler sind menschlich.
14. Wie sollte ich auf Realname-Hinweise reagieren?
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Es wird dringend empfohlen, auf Realnamehinweise gelassen zu
reagieren. Realnamediskussionen sind oft langwierig und auf-
reibend. Wer Realnamehinweise einfach ignoriert und sich
ausschließlich zum Thema äußert, erspart sich diesen Ärger
und trägt dazu bei, die Vorurteile gegen pseudonyme Autoren
abzubauen. Überstürzte und emotionale Reaktionen hingegen
weden von den Hinweisern oft als Bestätigung ihrer Vorbehalte
ausgelegt.
15. Ist das Verwenden eines Pseudonyms eine Lüge oder gar Betrug?
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Einem klar erkennbaren Pseudonym fehlt die Täuschungsabsicht,
die daraus erst eine Lüge oder einen moralischen Betrug machen
würde. Wer sich also eines offenichtlichen Pseudonyms bedient,
lügt nicht, sondern stellt die Intention, seinen wahren Namen
nicht nennen zu wollen, offen und ehrlich heraus.
Wer hingegen ein nicht eindeutig erkennbares Pseudonym benutzt,
der lügt zwar tatsächlich. Weil sich die Benutzer offensichtlicher
Pseudonyme aber unablässigen Repressalien ausgesetzt sehen,
handelt es sich beim Übergang zu einem nicht erkennbaren
Pseudonym um eine moralisch unbedenkliche und nachvollziehbare
Notlüge, die nicht dem Erschleichen von Vorteilen dient, sondern
dazu, sich der ungerechtfertigten Kritik zu entziehen.
16. Kann ich erwarten, daß mein Pseudonym akzeptiert wird?
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Vorurteile sind leider hartnäckig und lassen sich nur schwer
ausräumen. Wer unter einem Pseudonym schreibt, wird daher wohl
ständig Hinweise erhalten. Am ehesten wird der pseudonyme
Teilnehmer akzeptiert werden, wenn er sein Pseudonym nicht in
der Form mißbraucht, wie es das in der Kirchwitz-Netiquette
dokumentierte Vorurteil behauptet.
17. Darf man pseudonym schreibende Autoren öffentlich aufdecken?
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Folgende Ausführungen beziehen sich auf die Gesetze der BRD:
Stellt jemand ohne Zustimmung des Betroffenen einen Zusammenhang
zwischen einem pseudonym verfaßten Artikel und der Identität des
Autoren her, indem er z.B. innerhalb einer Antwort personenbezo-
gene Daten veröffentlicht, so stellt diese Verknüpfung eine
unzulässige Datenverarbeitung und eine Persönlichkeitsrechts-
verletzung dar, die den Betroffenen berechtigt, seine Interessen
mittels einer Unterlassungsklage gemäß §1004 BGB oder einer
(kostenpflichtigen) Unterlassungserklärung zu wahren. Im Falle
eines nachgewiesenen Schadens ist der Schädiger nach §823 BGB
und §7 BDSG zum Schadenersatz verpflichtet.
(vgl.: BGH, Az: I ZR 149/97 auf der Webversion der FAQ)
18. Hat der Wunsch nach Pseudonymität höhere Priorität als
das Höflichkeitsempfinden?
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Hat sich ein Teilnehmer des Usenet bewußt dafür entschieden, ein
Pseudonym zu benutzen, so fußt diese Entscheidung auf seiner
individuellen Erkenntnis, daß die Verwendung seines bürgerlichen
Namens in öffentlichen Datennetzen mit Nachteilen behaftet sein
kann. Dem unter einem Pseudonym schreibenden Teilnehmer würden
also Nachteile entstehen, würde er dem Höflichkeitsempfinden
anderer Teilnehmer entsprechen und seinen Namen offenbaren.
Demgegenüber entstehen dem Leser eines entpersonifizierten
Newsbeitrages keinerlei Nachteile und ein Pseudonym erschwert
weder die Lesbarkeit des Artikels, noch verletzt es das Ehrgefühl
des Lesers, beleidigt ihn oder verletzt seine Rechte.
Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich ohne Zweifel, daß der
Wunsch nach Pseudo- oder Anonymität des Absenders höher zu
bewerten ist, als der Wunsch eines nicht zum Konsum verpflich-
teten Lesers, sein Höflichkeitsempfinden bedient zu sehen.
19. Was ist der Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität?
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Die oftmals vorgebrachte Behauptung Pseudonymität sei nicht
gleich Anonymität ist in dieser undifferenzierten Form falsch.
Das Entfernen des wirklichen Namens (und das Ersetzen durch ein
Pseudonym) ist ja - neben weiteren Maßnahmen - gerade die Grund-
voraussetzung für eine funktionierende Anonymisierung. Man kann
mit einem Pseudonym durchaus ein hohes Maß an Anonymität
erreichen. In Fachkreisen werden die verschiedenen Formen des
Pseudonyms daher auch nach dem Grad der damit erreichbaren
Anonymität unterschieden.
20. Steht ein pseudonym schreibender Autor nicht zu seinem Wort?
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Weil der pseudonym schreibende Autor gegenüber den Ermittlungs-
behörden keine Anonymität genießt und damit jederzeit greifbar
ist und zur Rechenschaft gezogen werden kann, steht er auch
vollumfänglich zu seinem Wort (vgl. Schützt mich ein Pseudonym?).
Alle anderen Handlungen und Äußerungen, die rechtlich nicht
von Strafe bedroht sind und sich also im Rahmen der Legalität
bewegen, bedürfen keiner öffentlichen Zuordnungsmöglichkeit
zu einer bestimmten Person. Das Pseudonym verhindert somit
lediglich den Direktzugriff durch andere Netzteilnehmer und
schützt den Schreiber vor Selbstjustiz und allen anderen
Formen der unerwünschten Einflußnahme in das Privatleben.
21. Was bedeutet eigentlich Realname?
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Die Kirchwitz-Netiquette spricht vom real name und meint damit
gewiss etwas anderes als das, was hier im deutschsprachigen
de-Usenet gemeinhin als Realname (ausgeschriebener Vor- und
Zuname) verstanden wird. Tatsächlich kann durchaus auch ein
Pseudonym ein "real name" sein, nämlich dann, wenn das Pseudonym
von seinem Träger so verinnerlicht wurde, daß es so selbstver-
ständlich wie der echte Name gerbraucht wird oder diesen sogar
in den Hintergrund drängt.
22. Was muß ich beim Umstieg auf ein Pseudonym beachten?
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Wer vom Realname auf ein Pseudonym umsteigen will, sollte
beachten, daß die Software und der Telediensteanbieter u.U.
Identifizierungsmerkmale in die Header der Nachrichten einfügt.
Ersteres ist bei einem gängigen Newsreader kein Problem, gegen
Identifikationsmerkmale des Zugangsproviders hilft jedoch meist
nur der Providerwechsel oder eine Neuanmeldung.
23. Ist der Realname eine technische Notwendigkeit?
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Diese Behauptung beruht auf einer Fehlinterpretation des
Begriffs full name. Der Rfc 1036 bietet an, daß neben der
E-Mail Adresse optional auch der sog. full name im From-
Header eines Usenetbeitrages angegeben werden kann.
Der full name ist jedoch nicht zwingend der Realname, sondern
kann in der Sprachregelung der Rfc's jede namensartige Kenn-
zeichnung, Benennung oder Bezeichnung des Absenders sein, die
eine möglichst hohe Unterscheidungskraft besitzt.
24. Werden durch Pseudonyme Namensrechte verletzt?
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Wer ein Pseudonym benutzen möchte, welches als solches nicht
zu erkennen ist (z.B. Bernd Maier), sollte vor der ersten
Benutzung des Namens sicherstellen, daß dieser Name nicht
schon von einer anderen Person im Usenet gebraucht wird.
Darüberhinaus braucht man zumindest in Deutschland keine
Bedenken zu haben, daß die Verwendung des Pseudonyms mit den
Rechten einer zufällig real existierenden Person gleichen Namens
kollidiert, solange man diesen Namen nicht gezielt mißbraucht,
um schutzwürdige Interessen dieser Person zu verletzen oder
ihr Schaden zuzufügen.
§ 12 BGB verschafft dem realen Namensinhaber keine namensrecht-
liche Exklusivität, sondern gewährt ihm allein das Recht, sich
gegen persönlichkeitsrechtsverletzende Namensanmaßungen zur
Wehr zu setzen.(Siehe auch Punkt 16).
25. Warum rät die Kirchwitz-Netiquette von der Verwendung eines
Pseudonyms ab?
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Die Kirchwitz-Netiquette rät nicht von der Verwendung eines Pseu-
donyms ab, weil seine Verwendung unhöflich (siehe Punkt 3) oder
schädlich wäre, sondern weil sie dem Teilnehmer die Konfrontation
mit den Vorurteilen ersparen möchte, über die sie in Punkt 14
berichtet.
HINWEISE:
- Sofern in dieser FAQ rechtliche Fragen besprochen werden, beziehen
sich die Einlassungen ausschließlich auf deutsches Recht. Alle
Angaben sind ohne Gewähr. Eine Haftung wird nicht übernommen.
- Dieses Postingversion der FAQ wurde erheblich gekürzt. Die Webversion
enthält weiterführende Informationen und Links.
Weiterführende Informationen:
<http://www.realname-diskussion.info/>
Web-Version dieser FAQ:
<http://www.realname-diskussion.info/faq.htm>
W. Wacker 2005