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IACM-Informationen vom 14. Januar 2012
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Alex Schuster  
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 More options Jan 15, 5:00 pm
Newsgroups: de.soc.drogen
From: Alex Schuster <wo...@wonkology.org>
Date: Sun, 15 Jan 2012 23:00:15 +0100
Local: Sun, Jan 15 2012 5:00 pm
Subject: IACM-Informationen vom 14. Januar 2012
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IACM-Informationen vom 14. Januar 2012
------------------------------------------------------------------

* Wissenschaft: Moderates Rauchen von Cannabis beeinträchtigt nach
einer großen Langzeitstudie nicht die Lungenfunktion
* Wissenschaft: Cannabiskonsum war nach einer großen
epidemiologischen Studie nicht mit einer Beeinträchtigung der
kognitiven Leistungsfähigkeit bei Personen im Alter von 50 Jahren
assoziiert
* Wissenschaft: Synergie von Cannabis und Ketamin bei
behandlungsresistenten neuropathischen Schmerzen in einem Fallbericht

1.

Wissenschaft: Moderates Rauchen von Cannabis beeinträchtigt nach
einer großen Langzeitstudie nicht die Lungenfunktion

Cannabis beeinträchtigt nicht die Lungenfunktion - zumindest nicht in
Dosen, die von den meisten Konsumenten inhaliert werden. Dies ist das
Ergebnis der größten und längsten Studie, die jemals zu diesem Thema
durchgeführt und nun in der Zeitschrift der amerikanischen
Ärztegesellschaft veröffentlicht wurde. US-Forscher führten eine
Langzeitstudie durch und sammelten dabei in einem Zeitraum von 20
Jahren zwischen 1985 und 2006 bei 5115 Männern und Frauen wiederholte
Messergebnisse der Lungenfunktion und des Rauchens. "Gelegentlicher
und niedrig kumulativer Marihuanakonsum war nicht mit Nebenwirkungen
auf die Lungenfunktion assoziiert", fassten die Autoren ihre
Ergebnisse zusammen. Die lebenslange Exposition mit
Cannabiszigaretten wurde als Joint-Jahre ausgedrückt, wobei 1 Joint-
Jahr Exposition dem Rauchen von 365 Joints (Cannabiszigaretten) oder
gefüllten Pfeifen entsprach.

Die Forscher fanden, dass Messungen der Lungenfunktion - forciertes
expiratorisches Volumen in der ersten Sekunde der Ausatmung und
forcierte Vitalkapazität - sich sogar leicht verbesserten, wenn junge
Leute angaben, mehr Cannabis zu rauchen - zumindest bis zu 7 Joint-
Jahren oder 2555 Joints. "Es gibt keinen Zweifel, dass Marihuana
Husten auslöst", erklärte Dr. Stefan Kertesz von der Universität von
Alabama in Birmingham, der an der neuen Studie mitarbeitete. Es
blieben jedoch Fragen hinsichtlich der Langzeitwirkungen der Droge
auf die Lungenfunktion. Wenig überraschend war Tabakkonsum mit einer
reduzierten Lungenfunktion assoziiert. Jedoch mit Cannabis scheint
das nicht so zu sein, zumindest bei moderaten Cannabismengen. In der
Tat wurde der Trend umgekehrt. Das Lungenvolumen und die
Durchflussrate der Luft nahmen bei moderaten Konsumenten mit jedem
Joint-Jahr zu. "Es ist eine echte Zunahme (...), sie ist jedoch so
gering, dass ich nicht denke, dass eine Person einen Nutzen
hinsichtlich ihrer Atmung bemerken würde", sagte Kertesz. Bei den
höchsten Cannabiskonsumraten schien die Lungenfunktion wieder
abzunehmen, die Forscher erklärten jedoch, dass es in der Studie
keine ausreichende Zahl von starken Cannabiskonsumenten gab, um
hinsichtlich dieser Frage sicher sein zu können.

Es ist unwahrscheinlich, dass Cannabis zu einem höheren Risiko für
eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung oder COPD führt, wie dies
beim Tabakrauchen der Fall ist, erklärte Dr. Donald Tashkin,
Professor an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, der seit
Jahrzehnten die Wirkungen von Cannabis auf die Lunge untersucht,
jedoch an der neuen Studie nicht beteiligt war. Was die reduzierte
Lungenfunktion betrifft, " so scheint diese spezifische mögliche
Komplikation des Marihuanarauchens kein großes Risiko zu sein",
erklärte er gegenüber der Presseagentur Reuters. "Daher können
Personen, die Marihuana aus medizinischen Gründen oder zur
Entspannung konsumieren, zumindest sicher sein, dass sie ihre Lunge
nicht in diesem Bereich schädigen."

Mehr unter:
In Englisch
- http://www.reuters.com/article/2012/01/11/us-pot-health-
idUSTRE8092BC20120111
- http://healthland.time.com/2012/01/10/study-smoking-marijuana-not-
linked-with-lung-damage/#ixzz1jLnFDX5J
In Spanisch
-
http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/spanish/news/fullstory_120727.html
- http://www.jornada.unam.mx/ultimas/2012/01/11/111624097-consumo-
ocasional-de-marihuana-no-afecta-los-pulmones-estudio
In Deutsch
- http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48717
- http://www.welt.de/gesundheit/article13811166/Kiffen-ist-besser-
fuer-die-Lunge-als-Rauchen.html

(Quelle: Pletcher MJ, Vittinghoff E, Kalhan R, Richman J, Safford M,
Sidney S, Lin F, Kertesz S. Association between marijuana exposure
and pulmonary function over 20 years. JAMA 2012;307(2):173-81.)

2.

Wissenschaft: Cannabiskonsum war nach einer großen epidemiologischen
Studie nicht mit einer Beeinträchtigung der kognitiven
Leistungsfähigkeit bei Personen im Alter von 50 Jahren assoziiert

Forscher am King's College in London (Großbritannien) untersuchten
den Zusammenhang zwischen illegalem Drogenkonsum und der kognitiven
Leistungsfähigkeit im mittleren Lebensalter. Sie fanden heraus, dass
"es auf der Ebene der Gesamtbevölkerung nicht den Anschein hat, dass
aktueller illegaler Drogenkonsum mit einer beeinträchtigten
kognitiven Funktion im frühen mittleren Alter assoziiert ist". Es
wurden insgesamt 8992 Teilnehmer, die im Alter von 42 Jahren in den
Jahren 1999 und 2000 befragt worden waren, in die Studie aufgenommen.
Die Autoren analysierten Daten von drei kognitiven Tests aus den
Jahren 2008 und 2009, als die Teilnehmer 50 Jahre alt waren.

Cannabis war bei weitem die häufigste Droge der Teilnehmer, von denen
6 Prozent sagten, sie hätten Sie im vergangenen Jahr konsumiert,
während ein Viertel angaben, sie zumindest einmal in ihrem Leben
konsumiert zu haben. Insgesamt fand die Studie, dass es keinen
Hinweis gab, dass aktuelle oder ehemalige Drogenkonsumenten eine
geringere geistige Leistungsfähigkeit hatten. In der Tat waren ihre
Testergebnisse sogar tendenziell besser, wenn aktuelle und ehemalige
Konsumenten zusammen analysiert wurden. Dieser Vorteil war jedoch
klein, erklärten die Forscher, und könnte einen anderen Befund
widerspiegeln, nämlich dass Menschen, die jemals Drogen konsumiert
haben, im Allgemeinen ein höheres Bildungsniveau aufweisen als
Nichtkonsumenten. "Allerdings können die Autoren nicht die
Möglichkeit ausschließen, dass einige Personen und Gruppen, so wie
solche mit stärkerem oder längerem Konsum, geschädigt werden
könnten", schreiben sie in ihrem Artikel für das American Journal of
Epidemiology.

Mehr unter:
http://www.reuters.com/article/2012/01/04/us-drugs-
idUSTRE8030AE20120104

(Quelle: Dregan A, Gulliford MC. Is Illicit Drug Use Harmful to
Cognitive Functioning in the Midadult Years? A Cohort-based
Investigation. Am J Epidemiol, 21. Dezember 2011 [im Druck])

3.

Wissenschaft: Synergie von Cannabis und Ketamin bei
behandlungsresistenten neuropathischen Schmerzen in einem Fallbericht

Zwei Ärzte vom Institut für neuropathische Schmerzen in Soest
(Niederlande) berichteten von einer 56 Jahre alten Frau, die an
schweren chronischen neuropathischen Schmerzen aufgrund einer
Schädigung des rechten Ulnar-Nervs litt. Während ihres Lebens hatte
sie mehrere Brüche und Operationen des rechten Arms erlitten. Seit
1996 leidet sie an Schmerzen im sensorischen Versorgungsgebiet des
rechten Ulnar-Nervs, also vor allem im Bereich des vierten und
fünften Fingers. Die Schmerzen nahmen in den folgenden Jahren zu, mit
einer Schmerzintensität von 7 auf einer 11-Punkte-Skala mit "0 =
keine Schmerzen" und "10 = stärkste mögliche Schmerzen", trotz der
Verwendung von Opiaten und anderen Schmerzmitteln.

Sie beendete die Einnahme der Medikamente wegen schwerer
Nebenwirkungen und begann, oralen Cannabis (0,5 Gramm pro Tag in
Keksen) einzunehmen, was zu einer Reduzierung der Schmerzintensität
von 8 auf 5 auf der Schmerzskala führte. Die zusätzliche Verwendung
von zweimal täglich Ketamin-Salbe führte zu einer weiteren
Reduzierung der Schmerzen (Schmerzwerte von 2 bis 3). Ketamin ist ein
Medikament, das für Vollnarkosen sowie zur Schmerzbekämpfung
verwendet wird. Die Autoren folgerten: "Ketamin und Cannabis Uhr
könnten synergistisch wirken, weil es Wechselbeziehungen gibt, und
das Cannabinoid- und das Opioid-Rezeptorsystem weisen ebenfalls
synergistische Wechselwirkungen auf."

(Quelle: Hesselink JM, Kopsky DJ. Intractable neuropathic pain due to
ulnar nerve entrapment treated with cannabis  and ketamine 10% J Clin
Anesth, 5. Januar bei 1012 [im Druck])

4.

Kurzmeldungen

***Wissenschaft: Cannabis vergrößert Kreativität bei Menschen mit
geringer Kreativität
Nach Ergebnissen von Forschung am University College London
(Großbritannien) mit 160 Cannabiskonsumenten, die an einem Tag unter
dem Einfluss von Cannabis und an einem anderen Tag nüchtern
untersucht wurden, beeinflusste Cannabis psychoseähnliche Symptome
und die Sprachkompetenz als Maß der Kreativität. Die Teilnehmer
wurden in Abhängigkeit von ihrer Kreativität in vier Gruppen
eingeteilt. Die Droge vergrößerte psychoseähnliche Symptome bei
Menschen mit der höchsten und niedrigsten Kreativität. Zudem erhöhte
Cannabiskonsum die Kreativität bei Menschen mit geringer Kreativität.
(Quelle: Schafer G, et al. Conscious Cogn, 7. Januar 2012 [im Druck])

***Wissenschaft: THC nervenschützend in einem Modell der Parkinson-
Krankheit
Forscher an der Universität von Plymouth (Großbritannien) wiesen eine
Zunahme des CB1-Rezeptors in direkter Reaktion auf eine
Nervenschädigung in einem Zellmodell der Parkinson-Krankheit sowie
eine direkte schützende Wirkung auf die Nerven für THC nach. (Quelle:
Carroll CB, et al. Neuropathol Appl Neurobiol, 11. Januar 2012 [im
Druck])

***Wissenschaft: Pharmakokinetik von Namisol (THC)
Das pharmazeutische Unternehmen Echo Pharmaceuticals in Nimwegen
(Niederlande) untersuchte die pharmakokinetischen Eigenschaften ihrer
THC-Zubereitung Namisol. Namisol ist eine neue Tablette, die THC
enthält und entwickelt wurde, um die Bioverfügbarkeit zu vergrößern.
Die orale Gabe von Namisol führte zu einer maximalen
Blutkonzentration nach 39 bis 56 Minuten. Die Autoren stellten fest,
dass "die Variabilität und die Zeit des Maximums der THC-
Plasmakonzentrationen für Namisol geringer waren als in Studien, die
orales Dronabinol und Nabilon verwendeten. (Quelle: Klumpers LE, et
al. Br J Clin Pharmacol, 28. Dezember 2011 [im Druck])

***Wissenschaft: Nabilon reduzierte nicht experimentelle akute
Schmerzen in klinischer Studie
Forscher des pharmazeutischen Unternehmens AstraZeneca untersuchten
in einer placebo- und kreuzkontrollierten Studie mit 30 gesunden
Probanden die Wirkungen des synthetischen Cannabinoids Nabilon auf
akute Schmerzen, die durch eine chemische Substanz (Capsaicin)
verursacht worden waren. Das Cannabinoid hatte keine signifikanten
Wirkungen auf die akuten Schmerzen. (Quelle: Kalliomäki J, et al.
Clin Exp Pharmacol Physiol, 10. Januar 2012 [im Druck])

***Wissenschaft: Endocannabinoide reduzieren allergische Reaktionen
in der Haut im Gewebeexperiment
Forscher der Universität Lübeck (Deutschland) untersuchten die
Wirkungen der Stimulierung des CB1-Rezeptors auf so genannte
Mastzellen in menschlicher Haut. Diese Zellen sind wichtig für
allergische Reaktionen. Die Wissenschaftler fanden, dass Mastzellen
in normaler Haut durch das Endocannabinoidsystem kontrolliert werden,
was die starke Aktivierung von Mastzellen begrenzt. Sie folgerten,
dass "die CB1-Stimulierung eine vielversprechende Strategie für die
zukünftige Behandlung der Allergie darstellt". (Quelle: Sugawara K,
et al. J Allergy Clin Immunol, 6. Januar 2012 [im Druck])

Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente e. V.
(IACM)
Am Mildenweg 6
D-59602 Rüthen
Deutschland
Tel: +49 (0)2952-9708571
Fax: +49 (0)2952-902651
E-Mail: i...@cannabis-med.org
http://www.cannabis-med.org

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