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Die BigBrotherAwards 2012

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Sammy Sonnenschein

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Apr 21, 2012, 2:05:48 PM4/21/12
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Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland die BigBrotherAwards an Firmen,
Organisationen und Personen verliehen, die in besonderer Weise und
nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche
Daten Dritten zugänglich machen. Die BigBrotherAwards sind ein
internationales Projekt: in bisher 19 Ländern wurden fragwürdige
Praktiken mit diesen Preisen ausgezeichnet.

Und BigBrotherAwards haben viel bewirkt: Sie machten die
Datenschutzprobleme bei Kundenkarten bekannt und zeigten die Risiken von
RFID-Chips. Schon lange vor den Skandalen bei Lidl, Telekom, Bahn und Co.
wurden die BigBrotherAwards an diese Konzerne verliehen, für die
Überwachung von Mitarbeitern und Kunden. Klar, dass auch Otto Schily und
Brigitte Zypries für die Einschränkung der Bürgerrechte mit diesem Preis
bedacht wurden.

Die BigBrotherAwards 2012
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Behörden und Verwaltung: Innenminister Sachsen

Der BigBrotherAward 2012 in der Kategorie Behörden und Verwaltung geht an
den Sächsischen Staatsminister des Inneren, Herrn Markus Ulbig, für
Funkzellenabfragen im Raum Dresden. Nachdem am 19. Februar 2011 in
Dresden 20.000 Menschen gegen einen Nazi-Aufmarsch demonstriert hatten,
forderten das Landeskriminalamt und die Polizei in Dresden die
Telekommunikationsverbindungsdaten für 28 Funkzellen an, die Masse davon
aus dem örtlichen Bereich des Versammlungsgeschehens. Bald tauchten die
erhobenen Daten in Strafverfahren auf, für die man sicher keine
Funkzellenabfrage genehmigt bekommen hätte. Der Preisträger verteidigt
den ausgelösten Daten-Tsunami von über einer Millionen Datensätze zu
inzwischen mehr als 55.000 identifizierten Anschlussinhaberinnen und -
inhabern bis heute als rechtmäßig.


Kommunikation: die Cloud

Der BigBrotherAward in der Kategorie Kommunikation geht an die Cloud als
Trend, Nutzerinnen und Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu
entziehen. Wer Adressbücher und Fotos – und damit die Daten anderer
Menschen – oder Archive, Vertriebsinfos und Firmeninterna unverschlüsselt
in den undurchsichtigen Nebel der Cloud verlagert, handelt mindestens
fahrlässig. Fast alle Cloud-Anbieter sind amerikanische Firmen – und die
sind laut Foreign Intelligence Surveillance Act verpflichtet, US-Behörden
Zugriff auf alle Daten in der Cloud zu geben, auch wenn sich die
Rechnerparks auf europäischem Boden befinden. Das 2008 vom
Bundesverfassungsgericht postulierte Grundrecht auf Gewährleistung der
Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme wird damit
eklatant verletzt.


Politik: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich

Der BigBrotherAward 2012 in der Kategorie „Politik“ geht an
Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU) für die Einrichtung
eines Cyber-Abwehrzentrums ohne Legitimation durch den Bundestag, für die
Einrichtung eines Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus
(GAR), ebenfalls am Parlament vorbei, sowie für den Plan, alsbald eine
gemeinsame zentrale Verbunddatei „gewaltbezogener Rechtsextremismus“ zu
errichten. Mit der geplanten Verbunddatei und den neuen Abwehrzentren
werden Polizei, Geheimdienste und teilweise das Militär auf
problematische Weise vernetzt und verzahnt – unter Missachtung des
historisch begründeten Verfassungsgebotes, nach dem diese
Sicherheitsbehörden strikt voneinander getrennt sein und getrennt
arbeiten müssen.


Verbraucherschutz: Blizzard Entertainment

Der BigBrotherAward 2012 in der Kategorie „Verbraucherschutz“ geht an die
Firma Blizzard Entertainment für diverse Datenschutzverletzungen bei
ihren Online-Spielen (z.B. World of Warcraft). Aus der protokollierten
Spieldauer, erhobenen Rechnerdaten, dem Abgleich von Freundeslisten und
dem zum Teil öffentlich im Netz einsehbaren Spielerverhalten (z.B. wie
hat jemand eine bestimmte Aufgabe gelöst) lassen sich
Persönlichkeitsprofile und Charakterstudien erstellen. Für eine
entsprechende Auswertung wurde bereits 2007 ein US-Patent eingetragen –
auf einen wissenschaftlichen Mitarbeiter von Google. Stück für Stück
werden die Methoden zur Datenklauberei in den endlosen Nutzungsbedingungen
weiter ausgeweitet. Immerhin: Der Versuch, den Zwang zu öffentlichen
realen Klarnamen einzuführen, wurde durch Spielerproteste verhindert –
noch.


Technik: Gamma International

Den BigBrotherAward in der Kategorie Technik erhält die Gamma Group, in
Deutschland vertreten durch die Gamma International in München,
namentlich den Prokuristen Stephan Oelkers, für ihre Software „FinFisher“.
Gamma wirbt damit, dass Sicherheitslücken in iTunes und Skype genutzt
werden, um z.B. per gefälschten Updates Spionagesoftware auf andere
Rechner einzuschleusen und über ihre Software FinSpy Mobile auch auf
Blackberrys zugreifen zu können. Gamma-Software wird an Geheimdienste und
staatliche Institutionen im In- und Ausland verkauft. Gefunden wurde sie
zum Beispiel bei der Erstürmung der Kairoer Zentrale des ägyptischen
Geheimdienstes durch Bürgerrechtler.


Arbeitswelt: Bofrost

Der BigBrotherAward 2012 in der Kategorie Arbeitswelt geht an die Firma
Bofrost für die rechtswidrige Ausforschung von Daten auf einem
Betriebsratscomputer. Bofrost hat die Dateiinformation eines dort
gefundenen Schreibens verwendet, um einem Betriebsratsmitglied zu
kündigen. Das Arbeitsgericht hat die Unzulässigkeit dieses Vorgehens
bestätigt. Auf einem Computer eines anderen Betriebsrats wurde ohne
Zustimmung des Betriebsrats die Fernbedienungssoftware Ultra VNC
installiert und erst nach gerichtlichem Vergleich wurde zugesichert, dies
in Zukunft zu unterlassen.


Wirtschaft: Brita GmbH

Der BigBrotherAward in der Kategorie Wirtschaft geht an Herrn Markus
Hankammer, vertretungsberechtigter Geschäftsführer der Firma Brita GmbH,
für ihre kostenpflichtigen Wasserspender in Schulen, die unter dem Namen
„Schoolwater“ vermarktet werden. Diese Geräte geben nur dann Wasser ab,
wenn ein Kind es mit einer mit einem RFID-Funkchip verwanzten Flasche
abzapft. Auf die Gefahren von Funkchips, die man berührungslos auslesen
kann, ohne dass der/die Träger/in das bemerkt, haben wir in den
vergangenen Jahren wiederholt hingewiesen. Dieses Wasserflaschen-System
zeigt in besonders eklatanter Weise den Versuch, Übertechnisierung,
Überwachung und Bevormundung schon im frühen Kindesalter zu etablieren.
Außerdem kritisieren wir mit unserer Preisvergabe, dass damit
Leitungswasser zu einem teuren, exklusiven Lebensmittel gemacht wird,
anstatt es Kindern in der Schule als allgemeine Gesundheitsvorsorge
unbegrenzt zur Verfügung zu stellen.

Quelle: https://www.bigbrotherawards.de/2012
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