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Warum sind die Diagnosen nicht valide?

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HUG

unread,
May 16, 2013, 11:23:10 AM5/16/13
to
Wissenschaftler des psychiatrischen Instituts der Universität Basel und
des Instituts für Psychose-Studien des King's College in London stellen
unmissverständlich fest:

"More than three decades after Johnstone’s first computerised axial
tomography of the brain of individuals with schizophrenia, no consistent
or reliable anatomical or functional alterations have been univocally
associated with any mental disorder and no neurobiological alterations
have been ultimately confirmed in psychiatric neuroimaging." (1)
Nach mehr als drei Jahrzehnten der Forschung mit bildgebenden Verfahren
konnten in den Gehirnen der so genannten psychisch Kranken keine
konsistenten oder reliablen, funktionellen oder anatomischen Abweichungen
vom Normalen entdeckt werden.

Die Autoren üben sich nach diesem Präludium in einer Kunst, die der
Hirnforscher John Eccles "Schuldschein-Materialismus" genannt hat: Wenn
man nur eifrig die Methoden und die Veröffentlichungspraxis verbessere,
dann könne man auch irgendwann einmal zu klinisch relevanten Ergebnissen
gelangen.

Klartext: Zur Zeit wird noch geschludert und gemogelt, was nicht passt,
wird nicht publiziert, aber wenn das erst einmal abgestellt worden sei,
dann habe das psychiatrische "Neuroimaging" eine glanzvolle Zukunft.

Diesem Schuldschein-Materialismus frönen auch die Autoren des Manifests
zur Lage der Neurowissenschaften, das in Geist und Gehirn erschien. Hier
heißt es beispielsweise:

"Ebenso werden uns die zu erwartenden weiteren Fortschritte in der
Hirnforschung vermehrt in die Lage versetzen, psychische Auffälligkeiten
und Fehlentwicklungen, aber auch Verhaltensdispositionen zumindest in
ihrer Tendenz vorauszusehen – und "Gegenmaßnahmen" zu ergreifen."
(http://www.gehirn-und-geist.de/manifest)

Ja, irgendwann... oder auch nicht.

Fakt ist, dass psychiatrische Diagnosen hier und heute nicht valide, also
willkürlich und beliebig sind. Ob der Schuldschein, den die "biologische
Psychiatrie" beständig ausfertigt und erneuert, tatsächlich gedeckt ist,
bleibt dahingestellt. Es spricht nämlich viel dafür, dass die Muster des
Verhaltens und Erlebens, auf die sich die psychiatrischen Diagnosen
beziehen, Reaktionen intakter Gehirne auf suboptimale Lebensverhältnisse
sind, auf Deutsch: Ausdruck von Lebensproblemen, die unter belastenden
Lebensbedingungen entstehen.

So sieht es ja auch die "Division of Clinical Psychology" der "British
Psychological Society". Die BPS vertritt 50.000 Psychologen in GB. Man
fordert daher die Abkehr vom medizinischen Modell und vom Krankheits-
Konzept in diesem Bereich.
(http://ppsk.de/abkehr-vom-medizinischen-modell-in-der-diagnostik/)

Es steht zu hoffen, dass auch die anderen Berufsverbände der Psychologen
auf diesem Planeten zur Vernunft kommen.

MfG
Hans

(1) Borgwardt, S. et al. (2012). Why are psychiatric imaging methods
clinically unreliable? Conclusions and practical guidelines for authors,
editors and reviewers. Behavioral and Brain Functions, 8:46

--
http://ppsk.de ** http://psyconcept.de


HUG

unread,
May 16, 2013, 11:53:49 AM5/16/13
to
Am Thu, 16 May 2013 15:23:10 +0000 schrieb HUG:

>
> So sieht es ja auch die "Division of Clinical Psychology" der "British
> Psychological Society". Die BPS vertritt 50.000 Psychologen in GB. Man
> fordert daher die Abkehr vom medizinischen Modell und vom Krankheits-
> Konzept in diesem Bereich.
Falscher URL, Korrektur: http://tinyurl.com/b7urmux

MfG
Hans

Klaus Roggendorf

unread,
May 17, 2013, 12:10:58 PM5/17/13
to

"HUG" <use...@psychoprobleme.de> schrieb im Newsbeitrag
news:5194f9de$0$6555$9b4e...@newsspool4.arcor-online.net...
> Wissenschaftler des psychiatrischen Instituts der Universit�t Basel und
> des Instituts f�r Psychose-Studien des King's College in London stellen
> unmissverst�ndlich fest:
>
> "More than three decades after Johnstone's first computerised axial
> tomography of the brain of individuals with schizophrenia, no consistent
> or reliable anatomical or functional alterations have been univocally
> associated with any mental disorder and no neurobiological alterations
> have been ultimately confirmed in psychiatric neuroimaging." (1)
> Nach mehr als drei Jahrzehnten der Forschung mit bildgebenden Verfahren
> konnten in den Gehirnen der so genannten psychisch Kranken keine
> konsistenten oder reliablen, funktionellen oder anatomischen Abweichungen
> vom Normalen entdeckt werden.
>
> Die Autoren �ben sich nach diesem Pr�ludium in einer Kunst, die der
> Hirnforscher John Eccles "Schuldschein-Materialismus" genannt hat: Wenn
> man nur eifrig die Methoden und die Ver�ffentlichungspraxis verbessere,
> dann k�nne man auch irgendwann einmal zu klinisch relevanten Ergebnissen
> gelangen.

> Klartext: Zur Zeit wird noch geschludert und gemogelt, was nicht passt,
> wird nicht publiziert, aber wenn das erst einmal abgestellt worden sei,
> dann habe das psychiatrische "Neuroimaging" eine glanzvolle Zukunft.

> Diesem Schuldschein-Materialismus fr�nen auch die Autoren des Manifests
> zur Lage der Neurowissenschaften, das in Geist und Gehirn erschien. Hier
> hei�t es beispielsweise:
>
> "Ebenso werden uns die zu erwartenden weiteren Fortschritte in der
> Hirnforschung vermehrt in die Lage versetzen, psychische Auff�lligkeiten
> und Fehlentwicklungen, aber auch Verhaltensdispositionen zumindest in
> ihrer Tendenz vorauszusehen - und "Gegenma�nahmen" zu ergreifen."
> (http://www.gehirn-und-geist.de/manifest)

> Ja, irgendwann... oder auch nicht.

Das eigentliche Dilemma ist die Tatsache, das nicht nur die
Philosophie, sondern die ganze Menschheit und mit ihr die
Psychologie die phylogenetisch fundamentalen, unbewu�t dominant
werkende Antriebsdynamik nicht erkenntnisstandgem��
reflektiert. Die so ausgelebte Macht des Unbewu�ten erzeugt
Lebensverh�ltnisse, welche Menschen massenhaft valide kr�ngt.


> Fakt ist, dass psychiatrische Diagnosen hier und heute nicht valide, also
> willk�rlich und beliebig sind. Ob der Schuldschein, den die "biologische
> Psychiatrie" best�ndig ausfertigt und erneuert, tats�chlich gedeckt ist,
> bleibt dahingestellt. Es spricht n�mlich viel daf�r, dass die Muster des
> Verhaltens und Erlebens, auf die sich die psychiatrischen Diagnosen
> beziehen, Reaktionen intakter Gehirne auf suboptimale Lebensverh�ltnisse
> sind, auf Deutsch: Ausdruck von Lebensproblemen, die unter belastenden
> Lebensbedingungen entstehen.

So allgemein kann man es auch formulieren, wir brauchen aber eine
kausal eindeutige Diagnostik der belastenden Lebensprobleme und deren
Behebung.

> So sieht es ja auch die "Division of Clinical Psychology" der "British
> Psychological Society". Die BPS vertritt 50.000 Psychologen in GB. Man
> fordert daher die Abkehr vom medizinischen Modell und vom Krankheits-
> Konzept in diesem Bereich.
> (http://ppsk.de/abkehr-vom-medizinischen-modell-in-der-diagnostik/)
>
> Es steht zu hoffen, dass auch die anderen Berufsverb�nde der Psychologen
> auf diesem Planeten zur Vernunft kommen.

Zur Vernunft k�nnen wir nur kommen, wenn wir die naturlogischen/
phylogenetischen Zusammenh�nge so realistisch/erkenntnisstandgerecht
wie m�glich reflektieren lernen.


MfG
Klaus

HUG

unread,
May 17, 2013, 3:15:30 PM5/17/13
to
Am Fri, 17 May 2013 18:10:58 +0200 schrieb Klaus Roggendorf:

>> Ja, irgendwann... oder auch nicht.
>
> Das eigentliche Dilemma

Hier geht es aber nicht um das eigentliche Dilemma, sondern um die
gegenwärtige Krise der Psychiatrie.

Inzwischen hat sich die Pharmawirtschaft weitgehend aus der
Psychopharmakaforschung zurückgezogen. Die Begründung: Die psychiatrische
Forschung ist nicht in der Lage, Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer
Psychopharmaka zu benennen, die einen eigenständigen, innovativen
Wirkmechanismus und daher eine Chance auf Zulassung besitzen. Aus diesem
Grund wendet sich die Pharmaindustrie Forschungsfeldern mit besseren
ökonomischen Erfolgsaussichten zu.

Unlängst verkündete der Direktor des National Institute of Mental Health,
Thomas Insel, dass das DSM nicht valide sei und dass dieses
Forschungszentrum nur noch Forschungsvorhaben unterstützen werde, die
nicht auf dem DSM beruhen. Insel plädiert dafür, an die Stelle eines
Klassifikationssystems, das auf dem Konsens über Symptome beruht, ein
Ordnungsschema treten zu lassen, dass auf neurophysiologischen und
genetischen Daten fußt. Er muss aber einräumen, dass es diese Daten trotz
jahrzehntelanger Forschung mit modernen Methoden (Computertomographie u.
ä.) zur Zeit noch nicht gibt.

Vor ein paar Tagen plädierte die "Division of Clinical Psychology" der
"British Psychological Society" dafür, das medizinische Modell in der
Diagnostik psychischer Störungen fallen zu lassen; der Krankheitsbegriff
sei hier unangemessen. Die "Division beklagte, wie Insel, die mangelnde
Validität der Diagnosen, führt diese aber, anders als Insel, darauf
zurück, dass soziale und ökonomische Faktoren unzulänglich berücksichtigt
würden.

Die neueste Version des DSM, das DSM-5 steht kurz vor der
Veröffentlichung. Noch nie hat ein psychiatrisches Diagnoseschema so viel
Widerstand erfahren wie diese Version. Auch viele Psychiater halten es
für unzulänglich und würden am liebsten die vorherige Fassung
beibehalten. Die Reliabilität dieser Version ist deutlich schlechter als
die aller Vorgängerversionen. Die Validität ist, wie bereits von Insel
und den Briten konstatiert, gar nicht gegeben. Dem DSM-5 wird
vorgeworfen, dass es die Zahl der so genannten psychischen Krankheiten
inflationär ausweite. Wortführer der Kritik ist ein Psychiater, der
federführend für die Vorgänger-Version verantwortlich war: Allen Frances.

Psychiatriekritik ist heute keine Geisteshaltung von Minderheiten mehr;
Mainstream-Psychiater klingen heute vielfach so, als wären sie zu
Anhängern von Thomas Szasz mutiert. Manche meine, die Zunft sei
zerstritten, weil der Kitt, der sie bisher zusammenhielt, nicht mehr
vorhanden sei. Mit dem Kitt ist natürlich das Geld gemeint, dass nun
nicht mehr zu großzügig aus den Quellen der Pharmawirtschaft fließt.

Wenn dies auch ein Faktor sein mag, so ist er nicht der einzige,
vielleicht auch nicht der entscheidende. Die biologische Psychiatrie hat
sich, natürlich auch mit viel Geld von Big Pharma, gegenüber anderen
Ansätzen brachial durchgesetzt - aber sie hat ein Potemkinsches Dorf
aufgebaut. Nachdem Kritiker über Jahre darauf hingewiesen haben, dass
sich hinter den Fassaden keine Substanz befindet, haben sich nun auch
Persönlichkeiten und Institutionen des Mainstreams diesem Urteil
angeschlossen. Der Schwindel ist aufgeflogen. Es gibt keinen Weg zurück
mehr. Man kann das Fiasko vielleicht für eine Weile noch mit
Marketingmethoden übertünchen, aber über kurz oder lang ist Schluss mit
lustig.

Es bewahrheitet sich wieder einmal die alte Erkenntnis, dass man zwar
einige Leute eine gewisse Zeit zum Narren halten kann, aber nicht alle
Leute auf Dauer.

Links dazu:

http://goo.gl/jUwZC

http://goo.gl/2iX1N

http://goo.gl/awt5K

http://goo.gl/FGJns

http://goo.gl/rlXQW

http://goo.gl/P34Wc


MfG
Hans
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