Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Gibt es verschiedene Arten von Intelligenz?

7 views
Skip to first unread message

Dave U. Random

unread,
May 10, 2013, 8:24:30 AM5/10/13
to
(Vielleicht muss ich mich entschuldigen, hier ein psychologisches, ganz
unpsychiatrisches Thema anzusprechen. Gleichwohl sehe ich mich laut Charter
im Recht dazu und finde das Thema so spannend, dass sich eine Erörterung
lohnt.)

Ich habe mir mal ein paar Gedanken, um die menschliche Intelligenz gemacht,
unter anderem angeregt durch die Lektüre von Howard Gardners
"Intelligenzen: Die Vielfalt des menschlichen Geistes".

Die meisten IQ-Forscher scheinen die Intelligenz in einen sprachlichen,
mathematische, räumlichen Bereich und das Gedächtnis aufzugliedern.
Viele schließen noch motorische Bereiche mit ein, wie Mosaike nachlegen
oder Figuren zeichnen. Manche gehen soweit, die menschliche Intelligenz auf
einen einzigen Faktor (den g-faktor) zu reduzieren.

Viele Intelligenzforscher scheinen dieses recht eindimensionale Modell zu
erwertern (unter anderen Gardner). Unter anderem um eine musikalische
Intelligenz, oft auch um eine Intelligenz zur Bildung von Begriffssystemen
und Kategorien, wie etwa die Einteilung von Tierarten (Gardners Beispiel)
oder vielleicht Galaxien in verschiedene Typen.

Nun ist mir folgender Gedanken in den Sinn gekommen:
Welche Intelligenz nutzen eigentlich passionierte Schachspieler?
Ich habe einmal gelesen, der ELO korrelliere nur schwach mit den IQ und
Schachspieler, das habe die Untersuchung gezeigt, haben in erster Linie ein
durchtrainiertes räumliches Vorstellungsvermögen (das aber nicht
überdurchschnittlich sein muss) und ein mit Schachkombionationen
angefülltes Langzeitgedächtnis. Demnach ist Schach weniger eine Fähigkeit,
sondern vielmehr eine Art Wissenschaft oder Kunst.
Gegen die Gedanken der Wissenschaft spricht auch allerdings, dass der
psychologische Aspekt eine große Rolle spielt. Oft überraschen geniale
Schachspieler grade damit, dass sie scheinbar schwache Eröffnungen als sehr
entwicklungsfähig beweisen.

Andererseits will mir folgender Gedanke einfach nicht aus den Kopf gehen:
Was ist, wenn es eine "strategische Intelligenz" geben sollte?
Also diejenigen kognitiven Fähigkeiten, die sich nicht mit mathematisch-
kombinatorischen, musikalischen usw. Arbeiten befassen, sondern die in
Vorausplanung und vernünftiger Vorgehensweise besteht?
Eine der gewichtigsten Punkte für so eine Intelligenz scheint mir zu sein,
dass manche Menschen mehr davon haben als andere. Wie viele politische,
künstlerische, ja wissenschaftliche Karrieren kamen vor allem deshalb so
gut voran, weil sich zur Begabung noch das Talent zum langfristigen,
planvollen Vorgehen gesellt? Und wie viele Leute erscheinen wir
prädestiniert dafür, Opfer von Süchten oder Abzockern zu werden, weil ihnen
dieses Talent eben grade fehlt?
Es gibt auch genuin strategische Genies, die auf anderen Gebieten durchaus
nicht genial waren.

Ein wichtiges Kriterium dafür, dass eine Form von Intelligenz eigenständig
ist, da stimme ich Herr Gardner voll zu, ist, dass bestimmte Hirnschäden
oder Erkrankungen zum Verlust dieser Intelligenz führen können.
Deshalb frage ich mich: Sind in der psychologisch und/oder neurologischen
Literatur Fälle von Menschen bekannt, die ihre strategische Intelligenz
durch eine Verletzung verloren haben?
Würden wir so eine Person in unseren Kliniken überhaupt erkennen? Würden
wir sie nicht vielmehr als "affektiv gestört" oder ähnliches Einstufen?
Mir fallen spontan 2 mögliche Krankheiten ein, die mit einer Verringerung
der stragegischen Intelligenz, der Fähigkeit zur langfristigen Planung und
vernünftigen Vorgehen, einhergehen:
1. Der akinetische Mutismus. Allerdings bewegen sich diese Patienten
überhaupt nicht mehr aus eigenen Antrieb. Daher wäre das ein Extremfall.
2. Phineas Gage, der nach seiner Verletzung sehr aufbrausend, leicht
erregbar gewesen sein soll. Demnach lege die "strategische Intelligenz"
irgendwo im Frontalhirn.

Spekulative Erweiterung: Vielleicht leidet unsere gegenwärtige Gesellschaft
auch an einer mangelnden Ausbildung eben der stragegischen Intelligenz. Das
würde unsere "Zockermentalität" (geringe Zeitpräferenz, eine
Wunscherfüllung, die nicht sofort wirkt, gilt nicht mehr; im Gegensatz zum
strategischen Denken, das seine Ziele oft über längere Zeiträume konstant
verfolgt!), die Zunahme von Übergewicht (nur Berücksichtigung des
kurzfristigen Nutzens unter Ausblendung langfristiger Konsequenzen) und
ähnliche Erscheinungen erklären. Vielleicht sogar Depression?
Aber das sind nur unsichere Spekulationen, die ich nicht beweisen kann und
die *unbedingt* näher erforscht werden müssen. Ich würde das selbst nicht
dogmatisch vertreten wollen.

Was hält also unsere Psychologie-Community von meiner Idee eines
Intelligenztypes, der sich im langfristigen Vorausplanen und vernünftigen
Vorgehen zeigt?

P.S.: Entschuldigt meinen Essay-Still, aber dieser Text ist nicht viel mehr
als die Vorstellung einer persönlichen Idee von mir. Weder kann ich etwas
davon beweisen, noch durch weitere Studien o.ä. untermauern.

HUG

unread,
May 10, 2013, 8:36:18 AM5/10/13
to
Am Fri, 10 May 2013 14:24:30 +0200 schrieb Dave U. Random:

> Deshalb frage ich mich: Sind in der psychologisch und/oder
> neurologischen Literatur Fälle von Menschen bekannt, die ihre
> strategische Intelligenz durch eine Verletzung verloren haben?

Hier kann ich nur empfehlen, sich mit dem Werk Antonio Damasios
auseinanderzusetzen. Er hat ein Vielzahl von Fällen zusammengetragen, bei
denen Verletzungen des Gehirns zu spezifischen Intelligenzausfällen
führten - und interessanterweise können sich auch Verletzungen von
Arealen, die für Emotionen zuständig sind, verheerend auf
Intelligenzleistungen auswirken. Gerade bei der strategischen Intelligenz
spielen die Emotionen ja eine große Rolle, weil Strategie mit Bewertung
zusammenhängt und ohne intakte Emotionen kann man nicht richtig bewerten.
Wer nicht richtig bewerten kann, hat Probleme mit Entscheidungen unter
Unsicherheit - und dann ist er ein schlechter Stratege.

MfG
Hans

--
http://ppsk.de ** http://psyconcept.de

Sina Da Ponte

unread,
May 10, 2013, 9:37:37 AM5/10/13
to
Hallo Dave,

Am 10.05.2013 14:24, schrieb Dave U. Random:

[...]

> Ich habe mir mal ein paar Gedanken, um die menschliche Intelligenz gemacht,
> unter anderem angeregt durch die Lektᅵre von Howard Gardners
> "Intelligenzen: Die Vielfalt des menschlichen Geistes".
>
> Die meisten IQ-Forscher scheinen die Intelligenz in einen sprachlichen,
> mathematische, rᅵumlichen Bereich und das Gedᅵchtnis aufzugliedern.
> Viele schlieᅵen noch motorische Bereiche mit ein, wie Mosaike nachlegen
> oder Figuren zeichnen. Manche gehen soweit, die menschliche Intelligenz auf
> einen einzigen Faktor (den g-faktor) zu reduzieren.
>
> Viele Intelligenzforscher scheinen dieses recht eindimensionale Modell zu
> erwertern (unter anderen Gardner). Unter anderem um eine musikalische
> Intelligenz, oft auch um eine Intelligenz zur Bildung von Begriffssystemen
> und Kategorien, wie etwa die Einteilung von Tierarten (Gardners Beispiel)
> oder vielleicht Galaxien in verschiedene Typen.

Mir persᅵnlich -- als nicht-psychologisch Ausgebildeter, aber daran
Interessierter -- erscheint die Aufteilung in fluide und kristalline
Intelligenz recht plausibel. Die erstere impliziert gewisse deduktive
Grundfᅵhigkeiten des Problemlᅵsens, v.a. auf abstraktem Niveau, wie es
fᅵr den Menschen zweifellos unabdingbar ist. Man glaubte lange, dieser
Teil der I. beruhe mehr oder weniger rein auf Vererbung und sei vom
Level her angeboren, doch zeigten Studien, daᅵ man die flInt durchaus
trainieren kann.

Dem gegenᅵber steht die sog. kristalline I., die v.a. Erlerntes, also
*Wissen* und eingeᅵbte Fertigkeiten umschlieᅵt, z.B. auch Sprach- und
Ausdrucksvermᅵgen, Erfahrung im Umgang mit bestimmten Problemen usw.

> Nun ist mir folgender Gedanken in den Sinn gekommen:
> Welche Intelligenz nutzen eigentlich passionierte Schachspieler?
> Ich habe einmal gelesen, der ELO korrelliere nur schwach mit den IQ und
> Schachspieler, das habe die Untersuchung gezeigt, haben in erster Linie ein
> durchtrainiertes rᅵumliches Vorstellungsvermᅵgen (das aber nicht
> ᅵberdurchschnittlich sein muss) und ein mit Schachkombionationen
> angefᅵlltes Langzeitgedᅵchtnis. Demnach ist Schach weniger eine Fᅵhigkeit,
> sondern vielmehr eine Art Wissenschaft oder Kunst.

Dem mᅵchte ich prinzipiell zustimmen, wobei es mᅵglicherweise allerdings
eine gewisse Affinitᅵt von Menschen zum Schachspiel geben kᅵnnte, die
*zuerst* von einem relativ hohen fluiden Niveau geprᅵgt ist. Es dᅵrfte
aber auᅵer Zweifel stehen (sehen wir mal von gewissen -- etwa
autistischen -- Sonderbegabungen ab), daᅵ eine gewisse Meisterschaft im
Schachspiel v.a. auch kristalline Kompetenzen aufweisen muᅵ, weil selbst
gute Fluiditᅵt wohl kaum hinreicht, die immensen
Kombinationsmᅵglichkeiten im Schach auch nur nenneswert bruchstᅵckhaft
beherrschen und in einem konkreten Spiel zum Einsatz bringen zu kᅵnnen
(vgl. das Paradigma Mensch vs. Maschine wie /deep blue/ usw.). Die
Kenntnis jedoch vieler groᅵer Partien, Erᅵffnungsvarianten usw. sowie
die Fᅵhigkeit, auch auf der psychologischen Ebene zu operieren etc. (was
alles zum Bereich der krInt gehᅵrt) macht, daᅵ selbst dann, wenn der
fluide Kompetenz-Faktor im Alter sinkt (was normal ist), daᅵ trotzdem
Schachpartien gegen Gegner mit hᅵherer flInt gewonnen werden kᅵnnen.
Hier zᅵhlt also einfach Erfahrung und Wissen! Und deshalb ist es
richtig, wenn du von einer Kunst des Schachspieles sprichst.

> Gegen die Gedanken der Wissenschaft spricht auch allerdings, dass der
> psychologische Aspekt eine groᅵe Rolle spielt. Oft ᅵberraschen geniale
> Schachspieler grade damit, dass sie scheinbar schwache Erᅵffnungen als sehr
> entwicklungsfᅵhig beweisen.

S.o. -- Bei Zugrundelegung des flInt- vs. krInt-Konzeptes ist das gut
erklᅵrbar: Mal stark vergrᅵbernd gesprochen kᅵnnte es sein, daᅵ die
flInt mehr das Taktische impliziert, die krInt aber das Strategische,
auf lᅵngerfristige Ziele ausgerichtete Handeln (je nach Paradigma kann
das quantitativ sehr unterschiedlich dimensioniert sein). -- Hanibal
z.B. war ein gᅵnzlich ausgezeichneter Taktiker (die Rᅵmer hatten lange
Zeit trotz groᅵer Vorteile in diversen Schlachtszenarien keine Chance
gegen ihn); aber er war ein recht schlechter Stratege. -- Seine beiden
grᅵᅵten Gegner dagegen hatten weniger taktisches Geschick, waren
allerdings ausgezeichnete Strategen, was auf lange Sicht gesehen dann
den Sieg Scipios bei Zama ermᅵglichte ... und damit den Untergang
Karthagos als mᅵchtigstem Gegner des frᅵhen Rom. -- Schaut man sich die
*Sozialisation* Hanibals an, muᅵ das alles nicht verwundern ... er war
sehr zeitig in militᅵrische Zusammenhᅵnge eingefᅵhrt worden, hatte
allerdings aufgrund des Ergebnisses des 1. Punischen Krieges und der
Rolle seines Vaters dabei wenig Gelegenheit, andere als konkrete
taktische, schlachttechnische Erfahrungen zu machen.

Noch ein Bsp.: Die berᅵhmte /nun-study/, aufgrund deren das Konzept von
Alzheimer revolutioniert wurde (die hirnphysiologisch orientierte
Kausalerklᅵrung brach daraufhin zusammen), zeigt, daᅵ der Umgang mit
dem, was unter krInt lᅵuft, selbst im hohen Alter und bei "Verplaqueung"
des Hirns nicht zum Ausbruch von Alzheimer fᅵhrt.

Vgl.: https://www.healthstudies.umn.edu/nunstudy/

http://de.wikipedia.org/wiki/Nonnenstudie

Interessant in diesem Zusammenhang auch, daᅵ offenbar Musiker, deren
krInt aufgrund ihrer Betᅵtigung sicher nicht gerade zur niedrigsten
gehᅵrt, die in div. Berufs- und Museausᅵbungen erworben wird (wᅵhrend
daneben freilich immer auch die flInt stᅵndig mittrainiert wird), zu
jenen Berufsgruppen gehᅵren, bei denen Alzheimer praktisch nicht vorkommt.

> Andererseits will mir folgender Gedanke einfach nicht aus den Kopf gehen:
> Was ist, wenn es eine "strategische Intelligenz" geben sollte?
> Also diejenigen kognitiven Fᅵhigkeiten, die sich nicht mit mathematisch-
> kombinatorischen, musikalischen usw. Arbeiten befassen, sondern die in
> Vorausplanung und vernᅵnftiger Vorgehensweise besteht?

Der Term ist eigentlich anders besetzt (Manegement usw.); aber ich wᅵrde
-- wie oben bereits angedeutet -- durchaus sagen, daᅵ die krInt schon
eher in den Bereich der "strategischen I." gehᅵrt. Bestᅵndigkeit und
Vorausschau entstehen nicht unter den Auspizien der Anwendung
flInt-Komponenten, die sind eher fᅵr das Unmittelbare und Kurzfristige
Problemlᅵsen zustᅵndig. Fᅵr die weiter gespannten Aufgaben und Probleme
aber helfen deduktive und gut abstrahierende Fᅵhigkeiten weniger als das
*Erfahrung* und -- bildungsvermitteltes -- Wissen vermᅵgen, das beginnt
ja bspw. schon mal mit einner reichen und gepflegten Sprachfertigkeit
(vgl. etwa Rhetorik usw.) und hᅵrt mit Lebenserfahrung und darunter
abgespeicherten Wissen noch lange nicht auf.

> Eine der gewichtigsten Punkte fᅵr so eine Intelligenz scheint mir zu sein,
> dass manche Menschen mehr davon haben als andere. Wie viele politische,
> kᅵnstlerische, ja wissenschaftliche Karrieren kamen vor allem deshalb so
> gut voran, weil sich zur Begabung noch das Talent zum langfristigen,
> planvollen Vorgehen gesellt?

Richtig.

> Und wie viele Leute erscheinen wir
> prᅵdestiniert dafᅵr, Opfer von Sᅵchten oder Abzockern zu werden, weil ihnen
> dieses Talent eben grade fehlt?

Es gehᅵrt zu den bedauerlichen Entwicklungen erst der unsᅵglichen
Achtundsechziger-Bewegung (in Hinsicht auf Kultur- und
Bildungsfeindschaft) und dann des Neoliberalismus (in jeglicher
Hinsicht), jene Kompetenzen, die gerade von krInt gebildet werden, immer
mehr herabzustufen und dafᅵr das fluide Moment zu prᅵdestinieren. Die
Folgen sind heute ᅵberall sichtbar.

> Es gibt auch genuin strategische Genies, die auf anderen Gebieten durchaus
> nicht genial waren.

Durchaus.

[...]

> Spekulative Erweiterung: Vielleicht leidet unsere gegenwᅵrtige Gesellschaft
> auch an einer mangelnden Ausbildung eben der stragegischen Intelligenz.

Ja, durchaus. Siehe oben.

> Das
> wᅵrde unsere "Zockermentalitᅵt" (geringe Zeitprᅵferenz, eine
> Wunscherfᅵllung, die nicht sofort wirkt, gilt nicht mehr; im Gegensatz zum
> strategischen Denken, das seine Ziele oft ᅵber lᅵngere Zeitrᅵume konstant
> verfolgt!), die Zunahme von ᅵbergewicht (nur Berᅵcksichtigung des
> kurzfristigen Nutzens unter Ausblendung langfristiger Konsequenzen) und
> ᅵhnliche Erscheinungen erklᅵren.

Sehr richtig bemerkt!

> Vielleicht sogar Depression?

Unter Druck geraten Typen, die mehr dem krInt-Typ zuneigen, durch die
herrschenden Verhᅵltnisse allemal mehr als die Zocker und Macher. Ihre
Fertigkeiten und Kompetenzen sind weniger gefragt, werden gar fᅵr
NullundNichtig erklᅵrt ... "altes Eisen" und so ... -- Dem
korrespondiert ᅵbrigens m.E. ein unsᅵglicher, total verblᅵdeter
Jugendwahn im Neoliberalismus.

> Aber das sind nur unsichere Spekulationen, die ich nicht beweisen kann und
> die *unbedingt* nᅵher erforscht werden mᅵssen. Ich wᅵrde das selbst nicht
> dogmatisch vertreten wollen.

Darum geht es ja auch nicht. Ich finde deinen Beitrag sehr interessant
und auch von hoher psychologischer Relevanz!

[...]

Viele Grᅵᅵe

Sina

Sina Da Ponte

unread,
May 10, 2013, 10:09:24 AM5/10/13
to
Kleiner Nachtrag:

Am 10.05.2013 15:37, schrieb Sina Da Ponte:

[...]

> Mir persönlich -- als nicht-psychologisch Ausgebildeter, aber daran
> Interessierter -- erscheint die Aufteilung in fluide und kristalline
> Intelligenz recht plausibel. Die erstere impliziert gewisse deduktive
> Grundfähigkeiten des Problemlösens, v.a. auf abstraktem Niveau, wie es
> für den Menschen zweifellos unabdingbar ist. Man glaubte lange, dieser
> Teil der I. beruhe mehr oder weniger rein auf Vererbung und sei vom
> Level her angeboren, doch zeigten Studien, daß man die flInt durchaus
> trainieren kann.
>
> Dem gegenüber steht die sog. kristalline I., die v.a. Erlerntes, also
> *Wissen* und eingeübte Fertigkeiten umschließt, z.B. auch Sprach- und
> Ausdrucksvermögen, Erfahrung im Umgang mit bestimmten Problemen usw.

Vgl. z.B.: http://biospektrum.de/blatt/d_bs_download&_id=932067

> [...]
>
> Viele Grüße
>
> Sina

Richard

unread,
May 10, 2013, 10:30:24 AM5/10/13
to
On Fri, 10 May 2013 14:24:30 +0200 (CEST), Dave U. Random
<anon...@anonymitaet-im-inter.net> wrote:
>
>Die meisten IQ-Forscher scheinen die Intelligenz in einen sprachlichen,
>mathematische, räumlichen Bereich und das Gedächtnis aufzugliedern.
>Viele schließen noch motorische Bereiche mit ein, wie Mosaike nachlegen
>oder Figuren zeichnen. Manche gehen soweit, die menschliche Intelligenz auf
>einen einzigen Faktor (den g-faktor) zu reduzieren.
>
Das ist ihr spezielles Foschungsgebiet und ihre Einschätung
Ihre Meinung.

Intelligenz (von lat. intellegere „verstehen“, wörtlich „wählen
zwischen...“ von lat. inter „zwischen“ und legere „lesen, wählen“) ist
in der Psychologie ein Sammelbegriff für die kognitive
Leistungsfähigkeit des Menschen.

Wenn man sich anschaut, welch unterschiedlichen, "zirkusreifen"
Fähigkeiten es gibt, motoriche, sprachliche, kreative, kognitive,
multiple Fähigkeiten bei besonders fortgeschrittenen Menschen, lässt
es sich erahnen, welch großes, letztlich in seiner Fülle
unauschöpfbarer Pool da existiert.

Richard

Alexander Schestag

unread,
May 10, 2013, 12:49:09 PM5/10/13
to
Am 10.05.2013 14:24, schrieb Dave U. Random:
> (Vielleicht muss ich mich entschuldigen, hier ein psychologisches, ganz
> unpsychiatrisches Thema anzusprechen. Gleichwohl sehe ich mich laut Charter
> im Recht dazu und finde das Thema so spannend, dass sich eine Erᅵrterung
> lohnt.)

Ich bin dir sehr dankbar, dass du endlich mal ein genuin psychologisches
Thema ansprichst und der Fokus mal wegkommt von der ganzen
pseudowissenschaftlichen Psychiatrie-Kritik, die hier komplett off-topic
ist.

Zum Thema: Es gibt den Keirsey Temperament Sorter, ein psychologischer
Test, der eine strategische Intelligenz in der Tat einfᅵhrt, die das,
was du beschreibst, ganz gut abdeckt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Keirsey_Temperament_Sorter#NT

Darᅵber hinaus wird der Begriff vor allem im Management, in der Politik
und beim Militᅵr verwendet verwendet. S.
http://en.wikipedia.org/wiki/Strategic_intelligence


--
http://www.schestag.de

Gerald Breuer

unread,
May 10, 2013, 12:56:45 PM5/10/13
to
Denke schon, dass es andere Arten von Intelligenz gibt. Mir kommt da
z.B. die motorische Intelligenz. Guck dir z.B. den Lothar Matthᅵus an;
war ein guter Sportler, erweckt aber sonst den Eindruck eine ziemlich
hohle Hupe zu sein.
Google mal nach motrische Intelligenz!

HUG

unread,
May 10, 2013, 2:30:27 PM5/10/13
to
Am Fri, 10 May 2013 18:49:09 +0200 schrieb Alexander Schestag:

> Ich bin dir sehr dankbar, dass du endlich mal ein genuin psychologisches
> Thema ansprichst und der Fokus mal wegkommt von der ganzen
> pseudowissenschaftlichen Psychiatrie-Kritik, die hier komplett off-topic
> ist.

Du solltest wieder einmal einen Lösch-Antrag stellen. Dann kommt hier
bestimmt wieder Stimmung auf.

MfG
Hans

PS: Im Übrigen ist eine Diskussion über Gütekriterien der
Psychodiagnostik nicht unwissenschaftlich und auch nicht off topic. Und
wenn der Leiter des größten Psychiatrieforschungsinstituts der Welt,
einer US-Behörde, die dem US-Gesundheitsministerium unterstellt ist,
Prof. Dr. Thomas Insel die Validität psychiatrischer Diagnosen
bestreitet, dann dürfte wohl auch die Relevanz dieses Themas feststehen.

Es sollte ja auch dem Laien einleuchten, dass ein Mensch in dieser
Position so etwas nicht äußert, wenn er keine starken Argumente hätte. Er
wäre nämlich leicht angreifbar, und dies könnte ihn den Job kosten, wenn
er seine Auffassung nicht im Licht der empirischen Forschung erhärten
könnte. Er legt sich immerhin mit der American Psychiatric Association
an, einem mächtigen medizinischen Berufsverband (APA), der das DSM
herausgibt.

Es handelt sich hier auch nicht um ein genuin psychiatrisches Thema,
sondern gleichermaßen um ein psychologisches, da nun einmal die Klinische
Psychologie ein Teilgebiet der Psychologie ist. Ich jedenfalls habe in
Klinischer Psychologie, Psychopathologie und Psychodiagnostik Prüfungen
ablegen und Klausuren schreiben müssen.

Nebenbei bemerkt, ist auch die hier angesprochene Intelligenz-Thematik
durchaus mit vergleichbaren methodisch-methodologischen Problemen
behaftet. Die Validität der Intelligenzdiagnostik ist ja ebenfalls nicht
unumstritten.

Rudolf Sponsel

unread,
May 13, 2013, 11:43:08 AM5/13/13
to
Am 10.05.2013 14:24, schrieb Dave U. Random:
> (Vielleicht muss ich mich entschuldigen, hier ein psychologisches, ganz
> unpsychiatrisches Thema anzusprechen. Gleichwohl sehe ich mich laut Charter
> im Recht dazu und finde das Thema so spannend, dass sich eine Erᅵrterung
> lohnt.)
>
Intelligenz ist ein Wort. Mit diesem verbinden sich viele unterschiedliche
Begriffe, die zu definieren wᅵren. Eine Definition enthᅵlt dabei etwas
Willkᅵrliches und - jedenfalls am Beispiel "Intelligenz" - etwas Sachliches,
das es aufzeigbar geben sollte. Das Willkᅵrliche oder Freie an der Definition
kommt durch die Ziele und Zwecke, die einer mit einer Definition verfolgt,ins
Spiel.

Ein Ansatz, der mir gefᅵllt, besagt: Intelligenz soll die Fᅵhigkeit heiᅵen,
Probleme richtig oder angemessen zu lᅵsen. Damit gᅵbe es dann so viele
Intelligenzen als man Probleme klassifizieren kann (und mag). Ein Problem
wiederum kann man mit den Gestaltpsychologen definieren als ein Ziel, dem ein
Hindernis vorgelagert ist. Die Problemlᅵsung oder Intelligenzanwendung besteht
hier in der Kreation eines Planes, wie das Hindernis beseitigt werden kann.
Gelingt dies, ist die Intelligenzarbeit erledigt und es muss aber noch die
Aufgabe verrichtet werden, also die konkrete, praktische Beseitigung (das wird
manchmal in Psychotherapien nicht richtig gesehen).

Ein Spinnennetz von einer Ecke in die andere unbeschᅵdigt transportieren, kann
erhebliche praktische Intelligenz erfordern. Vielleicht geht es auch gar nicht.

> Ich habe mir mal ein paar Gedanken, um die menschliche Intelligenz gemacht,
> unter anderem angeregt durch die Lektᅵre von Howard Gardners
> "Intelligenzen: Die Vielfalt des menschlichen Geistes".
>
> Die meisten IQ-Forscher scheinen die Intelligenz in einen sprachlichen,
> mathematische, rᅵumlichen Bereich und das Gedᅵchtnis aufzugliedern.
> Viele schlieᅵen noch motorische Bereiche mit ein, wie Mosaike nachlegen
> oder Figuren zeichnen. Manche gehen soweit, die menschliche Intelligenz auf
> einen einzigen Faktor (den g-faktor) zu reduzieren.
>
Einen Generalfaktor g wie ihn Spearman dachte kann man tatsᅵchlich in einigen
Intelligenztests nachweisen:
http://www.sgipt.org/wisms/fa/gf-fa/GFM-IQT.htm


> Viele Intelligenzforscher scheinen dieses recht eindimensionale Modell zu
> erwertern (unter anderen Gardner). Unter anderem um eine musikalische
> Intelligenz, oft auch um eine Intelligenz zur Bildung von Begriffssystemen
> und Kategorien, wie etwa die Einteilung von Tierarten (Gardners Beispiel)
> oder vielleicht Galaxien in verschiedene Typen.
>
> Nun ist mir folgender Gedanken in den Sinn gekommen:
> Welche Intelligenz nutzen eigentlich passionierte Schachspieler?
> Ich habe einmal gelesen, der ELO korrelliere nur schwach mit den IQ und
> Schachspieler, das habe die Untersuchung gezeigt, haben in erster Linie ein
> durchtrainiertes rᅵumliches Vorstellungsvermᅵgen (das aber nicht
> ᅵberdurchschnittlich sein muss) und ein mit Schachkombionationen
> angefᅵlltes Langzeitgedᅵchtnis. Demnach ist Schach weniger eine Fᅵhigkeit,
> sondern vielmehr eine Art Wissenschaft oder Kunst.
> Gegen die Gedanken der Wissenschaft spricht auch allerdings, dass der
> psychologische Aspekt eine groᅵe Rolle spielt. Oft ᅵberraschen geniale
> Schachspieler grade damit, dass sie scheinbar schwache Erᅵffnungen als sehr
> entwicklungsfᅵhig beweisen.
>
> Andererseits will mir folgender Gedanke einfach nicht aus den Kopf gehen:
> Was ist, wenn es eine "strategische Intelligenz" geben sollte?
> Also diejenigen kognitiven Fᅵhigkeiten, die sich nicht mit mathematisch-
> kombinatorischen, musikalischen usw. Arbeiten befassen, sondern die in
> Vorausplanung und vernᅵnftiger Vorgehensweise besteht?
> Eine der gewichtigsten Punkte fᅵr so eine Intelligenz scheint mir zu sein,
> dass manche Menschen mehr davon haben als andere. Wie viele politische,
> kᅵnstlerische, ja wissenschaftliche Karrieren kamen vor allem deshalb so
> gut voran, weil sich zur Begabung noch das Talent zum langfristigen,
> planvollen Vorgehen gesellt? Und wie viele Leute erscheinen wir
> prᅵdestiniert dafᅵr, Opfer von Sᅵchten oder Abzockern zu werden, weil ihnen
> dieses Talent eben grade fehlt?
> Es gibt auch genuin strategische Genies, die auf anderen Gebieten durchaus
> nicht genial waren.
>
> Ein wichtiges Kriterium dafᅵr, dass eine Form von Intelligenz eigenstᅵndig
> ist, da stimme ich Herr Gardner voll zu, ist, dass bestimmte Hirnschᅵden
> oder Erkrankungen zum Verlust dieser Intelligenz fᅵhren kᅵnnen.
> Deshalb frage ich mich: Sind in der psychologisch und/oder neurologischen
> Literatur Fᅵlle von Menschen bekannt, die ihre strategische Intelligenz
> durch eine Verletzung verloren haben?
> Wᅵrden wir so eine Person in unseren Kliniken ᅵberhaupt erkennen? Wᅵrden
> wir sie nicht vielmehr als "affektiv gestᅵrt" oder ᅵhnliches Einstufen?
> Mir fallen spontan 2 mᅵgliche Krankheiten ein, die mit einer Verringerung
> der stragegischen Intelligenz, der Fᅵhigkeit zur langfristigen Planung und
> vernᅵnftigen Vorgehen, einhergehen:
> 1. Der akinetische Mutismus. Allerdings bewegen sich diese Patienten
> ᅵberhaupt nicht mehr aus eigenen Antrieb. Daher wᅵre das ein Extremfall.
> 2. Phineas Gage, der nach seiner Verletzung sehr aufbrausend, leicht
> erregbar gewesen sein soll. Demnach lege die "strategische Intelligenz"
> irgendwo im Frontalhirn.
>
> Spekulative Erweiterung: Vielleicht leidet unsere gegenwᅵrtige Gesellschaft
> auch an einer mangelnden Ausbildung eben der stragegischen Intelligenz. Das
> wᅵrde unsere "Zockermentalitᅵt" (geringe Zeitprᅵferenz, eine
> Wunscherfᅵllung, die nicht sofort wirkt, gilt nicht mehr; im Gegensatz zum
> strategischen Denken, das seine Ziele oft ᅵber lᅵngere Zeitrᅵume konstant
> verfolgt!), die Zunahme von ᅵbergewicht (nur Berᅵcksichtigung des
> kurzfristigen Nutzens unter Ausblendung langfristiger Konsequenzen) und
> ᅵhnliche Erscheinungen erklᅵren. Vielleicht sogar Depression?
> Aber das sind nur unsichere Spekulationen, die ich nicht beweisen kann und
> die *unbedingt* nᅵher erforscht werden mᅵssen. Ich wᅵrde das selbst nicht
> dogmatisch vertreten wollen.
>
> Was hᅵlt also unsere Psychologie-Community von meiner Idee eines
> Intelligenztypes, der sich im langfristigen Vorausplanen und vernᅵnftigen
> Vorgehen zeigt?

Das ist zwar ein interessantes Ansinnen, aber mir scheint, das ist fast so
eine "eierlegende Wollmilchsau" wie der Intelligenzbegriff. Hier kᅵnnte
weitere Differenzierung und Eingrenzung sinnvoll sein, wie z.B. bei der
hᅵbschen Einstiegsfrage einer Schachintelligenz. Eine erste Frage kᅵnnte sein:
wofᅵr kᅵnnte das gut und nᅵtzlich sein?
>
> P.S.: Entschuldigt meinen Essay-Still, aber dieser Text ist nicht viel mehr
> als die Vorstellung einer persᅵnlichen Idee von mir. Weder kann ich etwas
> davon beweisen, noch durch weitere Studien o.ᅵ. untermauern.
>
Rudolf Sponsel, Erlangen

Message has been deleted

HUG

unread,
May 14, 2013, 1:34:33 AM5/14/13
to
Am Fri, 10 May 2013 14:24:30 +0200 schrieb Dave U. Random:

> Spekulative Erweiterung: Vielleicht leidet unsere gegenwärtige
> Gesellschaft auch an einer mangelnden Ausbildung eben der stragegischen
> Intelligenz. Das würde unsere "Zockermentalität" (geringe Zeitpräferenz,
> eine Wunscherfüllung, die nicht sofort wirkt, gilt nicht mehr; im
> Gegensatz zum strategischen Denken, das seine Ziele oft über längere
> Zeiträume konstant verfolgt!),


Dies ist ein Thema, das seit Jahrzehnten unter der Rubrik "Delayed
Gratification" (bzw. "deferred gratification pattern") erforscht wird.
Dieses "Muster" ist wahrscheinlich (weitgehend) unabhängig von der
Intelligenz, also entweder eine eigenständige Persönlichkeitsdimension
oder ein Bündel solcher Dimensionen. Wenn jemandem der Spatz in der Hand
lieber ist als die Taube auf dem Dach, so muss er nicht zwangsläufig ein
Dummkopf sein.

http://en.wikipedia.org/wiki/Delayed_gratification

Es will mir ohnehin scheinen, dass bei näherer Betrachtung der Versuche,
den Intelligenzbegriff zu differenzieren, andere
Persönlichkeitsdimensionen ans Licht kommen und dass sich diese wieder in
Abhängigkeit von Lebensstilen ausformen, die sich in Abhängigkeit von
Milieufaktoren entwickeln. Dies dürfte auch auf die so genannte
"strategische Intelligenz" zutreffen. Sie setzt ein gut ausgeprägtes
"deferred gratification pattern" voraus, und die Wahrscheinlichkeit, dass
sich ein solches ausprägt, steigt mit der Höhe des sozio-ökonomischen
Status' der Eltern eines Menschen an.

Nebenbei: Bei genauerer Analyse dessen, was die "Zocker" und
"Heuschrecken" in den Finanzkrisen tatsächlich tun, sticht sofort ins
Auge, dass dies das krasse Gegenteil eines spontanen, nur von Gier und
Wunschdenken beherrschten Handelns ohne Zeitperspektive ist. Es erscheint
nur dem Betrachter so, der nicht über die zur angemessenen Würdigung
erforderlichen Informationen verfügt. Siehe bspw. Charles Ferguson
(2012). Inside Job. Oxford: Oneworld Publications. Für jeden, der an
"behavioral economics" interessiert ist, stellt dieses Buch eine wahre
Fundgrube dar.

MfG
Hans

Rudolf Sponsel

unread,
May 14, 2013, 6:13:34 AM5/14/13
to
Am 14.05.2013 00:26, schrieb Anonymous:
>> Einen Generalfaktor g wie ihn Spearman dachte kann man tats chlich in
>> einigen Intelligenztests nachweisen:
>
> Damit gibt es gleich 2 Probleme:
> 1. In *einigen* Tests. Es kᅵnnte sich schlicht um Artefakte handeln, weil
> die Forscher eben versucht haben "die Intelligenz" zu messen und deshalb
> auch genau das fanden.
> 2. Es gibt das Krankheitsbild der sog. "Dissoziierte Intelligenz"
> (zugegeben, es gibt Opposition gegen diesen Begriff und sie ist nicht
> unbegrᅵndet):
> http://www.icd-code.de/icd/code/F74.-.html
>
> Beides Phᅵnomene, die meines Erachtens diese Faktor in Frage stellen. Aber
> meine Meinung muss nichts bedeuten.
> Interessant sind vielleicht noch die Savant Idiots, die trotz amtlicher
> geistiger Behinderung ganz erstaunliche Dinge schaffen kᅵnnen. Selten,
> aber eben signifikant.
>
zu 1: "Kᅵnnte" gilt hier nicht mehr. Es gibt kaum etwas Operationaleres als
Intelligenz-Tests. Auch die Eigenwertanalyse der Korrelationsmatrizen ist
ziemlich solide:
http://www.sgipt.org/wisms/EWA/EWA0.htm
Anmerkung: Fᅵr den IST habe ich sᅵmtliche 501 partiellen Korrelationen
gerechnet. Dabei ergab sich, dass die 9 Dimensionen des IST 70 nach
vollstᅵndiger Partialisierung weitgehend unkorreliert sind
http://www.sgipt.org/wisms/statm/kor/ist70pk0.htm


2. Das Argument habe ich nicht verstanden. Der Link weist auf ein uralte
differentialdiagnostische Regel beim HAWI hin. Die Wort-Benennung
"Dissoziierte Intelligenz" lehne ich als irrefᅵhrend ab.

RS

HUG

unread,
May 14, 2013, 8:21:02 AM5/14/13
to
Am Tue, 14 May 2013 06:26:10 +0800 schrieb Anonymous:

>> Einen Generalfaktor g wie ihn Spearman dachte kann man tats chlich in
>> einigen Intelligenztests nachweisen:
>
> Damit gibt es gleich 2 Probleme:
> 1. In *einigen* Tests. Es könnte sich schlicht um Artefakte handeln,
> weil die Forscher eben versucht haben "die Intelligenz" zu messen und
> deshalb auch genau das fanden.

Von "könnte" kann hier keine Rede sein. Der Generalfaktor ist
selbstredend ein Artefakt, was sonst sollte er sein? Alles in diesem
Bereich ist artefaktisch. Dies liegt schlicht ergreifend daran, dass man
durch geschickte Auswahl von Testaufgaben alles, alles reproduzieren
kann, was man sich so in den Kopf gesetzt hat und gern herausfinden
möchte.

Daher ist es selbstverständlich erforderlich, solche Konstrukte zu
validieren. Faktorenanalysen beweisen nichts, weil deren Ergebnisse eben
doch sehr stark von den gewählten Testaufgaben, Stichproben und
Auswertungsverfahren abhängen. Aus einen Intelligenzkonstrukt muss daher
ein Intelligenztest abgeleitet werden, der dieses repräsentiert und dann
muss gezeigt werden, dass er auch miss, was er zu messen vorgibt.

Die Validität der vorliegenden Intelligenztests ist dürftig. Dies liegt
daran, dass bisher keine Kriterien gefunden wurden, die Intelligenz,
unabhängig von Tests, rein abbilden. Daher haben diese Tests zwar eine
begrenzte Nützlichkeit bei der Selektion, beispielsweise von
Auszubildenden oder so. Aber als Forschungsinstrument sind sie recht
eigentlich ein Witz.

Wenn ich mich recht entsinne, sind die Korrelationen zwischen
Computersimulationen von realen Lebensprozessen, in denen die
Versuchspersonen "Intelligenz" unter Beweis stellen müssen, mit dem IQ
eher bescheiden (zwischen -.3 und .12). Das ist ja nicht so toll.

Die Intelligenzforschung krankt an ihrem Geburtsfehler, nämlich an dem
Vorsatz, ein abstraktes Maß für die geistige Leistungsfähigkeit eines
Menschen zu finden, mit dem man Menschen unabhängig von ihrem sozialen
Kontext, von ihrer Lebensgeschichte, von ihrer momentanen Lebenspraxis
beurteilen und sie ggf. für bestimmte Aufgaben selektieren konnte.

Weil man dieses Ziel im Sinn hatte, bildeten sich im Lauf der Zeit eben
jene Zusammenstellungen von Testaufgaben heraus, die diesem Ideal noch am
besten entsprachen. Diese Tests sind allerdings so weltfremd, wie sie nur
sein könnten, weil menschliche geistige Leistungsfähigkeit eben nicht
unabhängig von Lebensgeschichte, von momentaner Lebenspraxis, von
sozialem Kontext gemessen werden kann.

Man hat eben noch nicht begriffen, welche Konsequenzen daraus erfließen,
dass Dasein in der Welt ist.

Es ist zwar eine Tatsache, dass der durchschnittliche Deutsche, der Abend
für Abend vor der Glotze hängt, wesentlich dämlicher ist, als ein Wilder,
der irgendwo im Dschungel sein Leben als Jäger und Sammler fristet, aber
dies liegt nicht an den maroden Genen des Deutschen, sondern an seinen
Lebensumständen und den jeweiligen Herausforderungen, die mit diesen
verbunden sind. So etwas sollte man nicht aus den Augen verlieren.
Gescheite Intelligenztests hätten sich an realen Problemen und
Verhältnissen zu orientieren und nicht an kindischen Testaufgaben, deren
einziger Sinn darin besteht, jene blöd aussehen zu lassen, die man blöd
aussehen lassen will.

MfG
Hans





Rattenkönig

unread,
May 14, 2013, 8:53:14 AM5/14/13
to
Am 14.05.2013 14:21, schrieb HUG:


> Gescheite Intelligenztests hätten sich an realen Problemen und
> Verhältnissen zu orientieren und nicht an kindischen Testaufgaben, deren
> einziger Sinn darin besteht, jene blöd aussehen zu lassen, die man blöd
> aussehen lassen will.

Ach, will man das denn oder entspringen solche kindischen Vorstellungen
eher einem ausgeprägten Verfolgungswahn, der auch hinter allem
unlautere Absichten vermutet?

Ja, mit den Verleumdungen sind unsere selbsernannten Heilsbringer nun
wirklich recht schnell bei der Hand, wie man ja unschwer feststellen
kann. Da werden mal eben Psychiater als Mörder und ordentliche Kliniken
als Folterzentren bezeichnet.

So was mag man. Damit meint man sich profilieren zu können.

Das wird aber nix.






--- news://freenews.netfront.net/ - complaints: ne...@netfront.net ---
Message has been deleted

Rudolf Sponsel

unread,
May 15, 2013, 6:01:51 AM5/15/13
to
Am 14.05.2013 19:49, schrieb Anonymous:
> Bevor ich anfange, mᅵchte ich, dass wir uns eine Frage stellen, nur eine
> einzige Frage: Was wurde hier eigentlich bewiesen?
>
Definiert man Generalfaktor, dass die grᅵᅵte Hauptkomponente (Faktor) mehr als
50 der Varianz aufklᅵrt und kein anderer >= 1 ist, dann gibt es viel mehr
Generalfaktoren als die Faktorenanalytiker sich einst trᅵumen lieᅵen. Ich habe
viele echte empirische Beispiele zusammengetragen, jᅵngst er unter:
http://www.sgipt.org/wisms/statm/kor/KorKau/korkau0.htm#%C3%9Cbersicht%20der

Diese Definition wird auch vom HAWIE erfᅵllt:
http://www.sgipt.org/wisms/fa/gf-fa/GFM-IQT.htm

>> Es gibt kaum etwas Operationaleres als Intelligenz-Tests. Auch die
>> Eigenwertanalyse der Korrelationsmatrizen ist ziemlich solide:
>
> Das kᅵnnte auch einfach darauf hindeuten, dass diese Text absichtlich so
> gemacht wurden, eine General-Faktor zu messen. Dann wᅵre das einfach
> eine Eigenschaft des Test-Designs.
>
Nein, das geht so einfach nicht ("einfach" mal versuchen, so was zu
konstruieren, dabei lernt man einiges).
Das Ergebnis der partiellen Korrelationsanalyse beim IST-70 ist eindeutig: mit
zunehmenden Auspartialisierungen werden die Inter-Korrelationen immer kleiner
bis sie am Ende nahezu verschwinden (fast 0 werden). Das ist ein sehr starker
testpsychologischer Befund.

> Deine Prᅵsentation ist ᅵbrigens unᅵbersichtlich und zeigt fast nur die
> Ergebnisse, nicht die Formeln.
>
Was heiᅵt "nur"? Die Formeln findest Du ᅵber die Links, z.B. hier:
http://www.sgipt.org/wisms/statm/kor/partkor.htm

>> Das Argument habe ich nicht verstanden. Der Link weist auf ein uralte
>> differentialdiagnostische Regel beim HAWI hin. Die Wort-Benennung
>> "Dissoziierte Intelligenz" lehne ich als irref hrend ab.
>
> Es gibt Leute, die in einigen Teilbereichen konstanz schlecht, in
> anderen gut sind. Es gibt sogar Leute, die sich nicht allein anziehen
> kᅵnnen, die aber Mozart interpretieren kᅵnnen wie sonst nur wenige
> Kenner auf der Welt. Manche kᅵnnen den Kalendertag an Cᅵsars Geburtstag
> rᅵckwirkend datieren, andere zeichnen komplexe Landschaften genau nach.
> All das sind erst mal "empirisch Fakten". Das ist nicht irrefᅵhrend.
> Diese Leute existieren. Im Rahmen der Generallfaktor-Theorie sind sie
> eine erstaunliche Anomalie, wenn aber die einzelnen Intelligenzformen

Nein, wieso? Die Generalfaktortheorie sagt ja nicht, dass es nicht viele
spezifische Faktoren gibt, im Gegenteil.

> prinzipiell unabhᅵngig voneinander sind, dann kᅵnnen wir diese auᅵergewᅵhnlichen Menschen erklᅵren. Bei ihnen ist eben eine Form von
> Intelligenz extrem ausgeprᅵgt, andere fehlen vᅵllig.
>

RS



0 new messages