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Re: Reduktion des Menschen ist verpönt - bis auf Soziologismus!

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Sam Sung

unread,
Jun 15, 2013, 5:22:45 PM6/15/13
to
Anonymous schrieb:

> Es gibt eine ganze Reihe von Ideologien, die uns genau erkl�ren k�nnen,
> wieso der Menschen da ist, was der Sinn und Zweck hinter der Geschichte
> steckt und was jetzt unsere Aufgabe darin ist. Unn�tig zu erw�hnen, dass
> diese Erkl�rungen zumeist die Unterwerfung unter die weise Voraussicht
> selbiger Ideologie enthalten.
> Selbst die Aufkl�rung weist in ihren degenerierten Z�gen solche
> Anwandlungen auf, etwa wenn manche Atheisten gegen die Urknalltheorie
> polemisieren, weil sie von einem Priester entwickelt wurde.
>
> Obwohl die Vielfalt dieser Lehren gro� und ihre inhaltliche Ausgestaltung mannigfaltig ist, haben einige Personen damit begonnen,
> sie in gro�e Kategorien einzuteilen. Sie gehen dabei von der Erkenntnis
> aus, dass diese Ideologien dazu tendieren, den Menschen auf einen
> bestimmten Aspekt zu reduzieren:
> - Der Biologismus reduziert das Menschsein, so diese Personen, auf seine
> Rolle als Lebewesen in der Natur. Er sei eng verwandt mit den
> Rassmismus. Er suche nach genetische Ursachen f�r Intelligenz,
> Geschlechterrollen, das Sozialgef�ge und Aggressivit�t.
> Der Mensch sei seine Gene.

Also vorwiegend...

> - Der Psychologismus reduziert den Menschen auf seine
> Entwicklungsgeschichte. Ein gro�es Kunstwerk sei nicht einfach ein
> Kunstwerk und folge gewissen Eigengesetzlichkeiten oder allgemeinen
> Gesetzen der �sthetik (Goldener Schnitt etc.), sondern sei nur der
> intellektualisierte Versuch des K�nstlers, seine privaten psychologische
> Kriesen zu verarbeiten und auszudr�cken. Philosophiegeschichte l�sst
> sich auf die Biographien einiger gro�er Philosophen reduzieren...
> Jegliches menschliches Verhalten werde psychologisiert statt nach
> (rationalen) Gr�nden hinter ihren Handlungen zu suchen.
> - Okonomismus, der homo oeconomicus.

vorwiegend...

> Doch leider wird viel zu selten untersucht, dass es auch einen
> Soziologismus und Politologismus geben k�nnte:

> Der Mensch wird gesehen

Falls jemand zuschaut schon...

> als ein B�ndel von sozialen Interaktionen. Jede Rolle die er dabei
> spielen kann, ob als Experte f�r Bergbau, als Ehemann, als Bettgenosse,
> als frommer Gl�ubiger, als leidender Kranker, als passionierter Leser
> dadaistischer Lyrik oder einfach als guter Freud, alles sei sozial
> konstruiert und w�rde man das Bezugssystem weglassen, w�re die Person
> nichts dergleichen mehr.
> Die intellektuelle Leistung, die Entscheidung �ber die Lebensgestaltung
> und der Charakter werden auf sozio�konomische oder psychosoziale
> Ursachen zur�ckgef�hrt. Eine Verbrecherkarriere mit Hinweis auf selbige
> relativiert.

Vorwiegend...

> Aber ist das nicht ebenso falsch? Ist die menschliche Natur so
> vollkommen abh�ngig?

Vorwiegend...

> Gibt es nicht die Rolle des Subjektes, die kurz aufblitzende, erhabende
> Freiheit, die die Menschen fr�her einen g�ttlichen Funken in ihren
> Mitmenschen ahnen lie�?

Teils...

> Abgesehen davon, ist diese komplette Einteilung meiner Meinung nach
> vollkommener K�se.

Dann lass es einfach...

> Schon der Begriff "Ideologie" ist ein politischer
> Kampfbegriff und wird fast ausschlie�lich auf den jeweiligen politischen
> Gegner angewendet. Niemand gibt selbst zu, einer Ideologie anzugeh�ren.
> Auch ist "Ideologie" gegen "Lebensphilosophie", "politische Einstellung"
> oder Konfession teils unzureichend abgegrenzt, teils wird dieses
> "allumfassende" als Abgrenzungskritierium benutzt. Aber wieso soll es
> nicht einen Kommunisten geben, der heimlich tief gl�ubig ist oder der
> gar kein Materialist, sondern mit Leib und Seele Kantianer ist?

Genau...besonders beim Stammtisch...

> Zweitens ist die Einteilung viel zu pauschalisierend. Ein - um das
> Beispiel aufzugreifen - Marxist kann durchaus differenzierte
> psychologische Theorien vertreten. Ein orthodoxer Freudianer (sofern man
> das unter Ideologie z�hlt) kann politisch sehr konservativ oder doch
> sehr links bis zum Freudomarxismus sein.
> Und nat�rlich hat der Mensch eine Soziale, psychologische und eine
> biologische Dimension. Es w�re ignorant, ihr gegen�ber blind zu sein.

Sicherlich... teils vorwiegend...

Volker Birk

unread,
Jun 15, 2013, 6:09:10 PM6/15/13
to
Anonymous <nor...@breaka.net> wrote:
> - Okonomismus, der homo oeconomicus.

Einspruch, Euer Ehren. Mit dem “Homo Oeconomicus” sind ganz
offensichtlich keine Menschen gemeint, können keine gemeint sein.
Zumindest werden Menschen so nicht beschrieben, schon gar nicht
zutreffend.

Das ist also nicht einmal eine unzulässige Reduktion, sondern gar keine
– es ist schlicht und einfach Bullshit.

Viele Grüsse,
VB.
--
Internet ist die neue Schokolade!

R.H.

unread,
Jun 16, 2013, 5:16:28 AM6/16/13
to
Am 16.06.2013 00:09, schrieb Volker Birk:
> Anonymous <nor...@breaka.net> wrote:
>> - Okonomismus, der homo oeconomicus.
>
> Einspruch, Euer Ehren. Mit dem “Homo Oeconomicus” sind ganz
> offensichtlich keine Menschen gemeint, können keine gemeint sein.
> Zumindest werden Menschen so nicht beschrieben, schon gar nicht
> zutreffend.
>
> Das ist also nicht einmal eine unzulässige Reduktion, sondern gar keine
> – es ist schlicht und einfach Bullshit.

geh einfach mal spielen in der Buddelkiste.

Der “Homo Oeconomicus” ist sogar weltweite Vorlage einiger Generationen,
aus der heraus diverse Wirtschaftsideologien entwickelt wurden, und zwar
nicht erst bei Marx.

Pol Pot, und ebenso auch Hitler, reduzierten den “Homo Oeconomicus” auf
einen Gehorsamen Untertan, der nur dann nützen würde, wenn er ins
Räderwerk enger wirtschaftlicher Verwertbarkeit passte, und zwar
dadurch, indem er psychosozial und wirtschaftlich selektiert wurde.

Der tiefe Hintergrund beider Ideologien war die ökonomische
Verwertbarkeit von Menschen, die dann besonders effektiv war, wenn
soziale und Befähigungsklassen entsprechend selektiert wurden, um eine
Volksökonomie nach wirtschaftlichen Erfordernissen zu optimieren.

In China war das bis vor kurzen jahrzehntelang, wenn nicht sogar über
Jahrhunderte, sehr ähnlich, weshalb die Chinesen auch sehr lange Pol Pot
tolerierten.

Der heutige wirtschaftsliberale Kapitalismus ist nichts anderes als der
aktuelle Höhepunkt der hochlebenden Ideologie des “Homo Oeconomicus”,
der nur optimal verwertet werden sollte.

Tatsächlich herrscht weltweit weitgehend, hochgehalten aktuell von den
angelsächsischen Staaten und den Trägern einer Besitzkultur usw., die
Ideologie vor, dass das Glück der Menschheit sogar darin liegt, und
dieses nur Bestand hat, wenn das Individuum als “Homo Oeconomicus”
OPTIMAL verwertet wird, was in allen aktuellen dominierenden
wirtschaftsliberalen Anschauungen zu finden ist.

Der kapitalistische Alltag zeigt es umfassend.

Schlaf weiter oder geh spielen.


>
> Viele Grüsse,
> VB.
>

Ron.H.
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