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Message from discussion Sprengstoffe Uebersicht
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Christian Julius  
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 More options Mar 27 1995, 9:26 pm
Newsgroups: de.sci.misc
From: c...@ing.ruhr.de (Christian Julius)
Date: 27 Mar 1995 14:25:00 +0200
Subject: Sprengstoffe Uebersicht
Um die Diskussion ueber Sprengstoffe etwas zu wuerzen habe ich mal
diesen Text herausgesucht, der das Ganze mal etwas auf die
wissenschaftliche Seite zieht. Der Text ist stark gekuerzt, da ich
fuer die Veroeffentlichung der detaillierten Herstellungsverfahren
keine Haftung uebernehmen will.
Nachfragen nach dem kompletten Text sind zwecklos.

Quelle: "Einfuehrung in die Sprengchemie", Unterrichtsmaterial ziviler
Sprengunternehmen zur Berufsbildung angehender Sprengmeister.

*******************************DISCLAIMER********************************** ***
Der folgende Text wird ausschliesslich zu Informationszwecken veroeffentlicht.
Die praktische Umsetzung/Nutzung der geschilderten Inhalte ist teilweise
unter Strafe verboten und wird vom Autor ausdruecklich verurteilt.
Der Autor uebernimmt keinerlei Haftung gegenueber Anspruechen, die sich aus
missbraeuchlicher Anwendung der aufgelisteten Informationen ergibt.
Veroeffentlichung ausserhalb von elektronischen Medien nur mit ausdruecklicher
Genehmigung des Autors.
*****************************END*DISCLAIMER******************************** ***

                        Einfuehrung in die Sprengchemie
                        ==============================

Definitionen und Erlaeuterungen
------------------------------

Definition der Begriffe Explosion und explosionsfaehiger Stoff

 Unter  Explosion  versteht  man  im weitesten Sinne jede physikalische oder
chemische     Zustandsaenderung   von   Stoffen,   die   unter    ploetzlicher
Arbeitsleistung  vor  sich  geht.   Im  engeren  Sinne  sind die Explosionen
Vorgaenge,  die  in einer auf dem Ausdehnungsbestrebe n von Gasen und Daempfen
beruhenden,  ploetzlich verlaufenden Kraftaeusserung bestehen, gleichgueltig, ob
die  Gase  bereits  vor  der  Explosion  vorhanden  waren  oder erst bei ihr
gebildet  wurden (Dampfkesselexplosionen oder Zerknall von Stahlflaschen mit
komprimierten Gasen).
 Im  engsten  Sinne  ist die Explosion eine sehr rasch verlaufende Umsetzung
eines  chemisch einheitlichen Stoffes oder Stoffgemisches (explosionsfaehiger
Stoff), bei dem erhebliche Gas- und Waermemengen entwickelt werden.
 Um   einheitliche   Bezeichnungen   fuer    die   verschiedenen   Arten  von
explosionsfaehigen  Stoffen,  vor allem in Gesetzen und Verordnugen zu haben,
hat  die Bundesanstalt fuer Materialpruefung eine neue Einteilung und amtliche
Bezeichnung aller explosionsfaehigen Stoffe zusammengestellt.

Chemie der explosionsfaehigen Stoffe

 Alle    explosionsfaehigen   Stoffe   sind   chemische   Verbindungen   oder
Stoffgemische,  die  sich  in  sich  selbst oder miteinander umlagern koennen
unter  Freiwerden  von  Waerme und Gasen.  Von besonderer Wichtigkeit ist fuer
die  Bildung  explosionsfaehiger  Stoffe Sauerstoff,  der an Stickstoff (z.B.
in  Nitraten  mit  organischem  oder  anorganischem  Kation,  in  Form einer
organisch   gebundenen   Nitrogruppe)   oder  an  Chlor  (als  Chlorat  bzw.
Perchlorat) gebunden ist.  Die meisten Explosivstoffe sind auf die Oxidation
von Kohlenstoff
 und  Wasserstoff  abgestellt,  weshalb man Stickstoff, Chlor und Sauerstoff
als die wichtigsten Elemente der Sprengstoffchemie bezeichen kann.

Sprengstoffe

 Die  wichtigsten  Sprengstoffe  sind  die  Salpetersaeureester  mehrwertiger
Alkohole.   Diese  sind teils fluessig, teils fest und ihr explosiver Zerfall
erfolgt  wegen der hohen freiwerdenden Energie mit einer Geschwindigkeit bis
zu 8000m/s.

 Die  wichtigsten Vertreter dieser Klasse sind Glycoldinitrat (Nitroglycol),
Glyzerinnitrat  (Nitroglyzerin)  und  Pentacrythrittetranitrat (Nitropenta).
Der  Zerfall  des  Nitroglyzerins  erfolgt durch mechanische Einwirkung oder
durch Sprengkapselzuendung nach der Gleichung:

        4 * (C3H5(ONO2)3 -> 12 CO2 + 10 H2O + 6 N2 + O2 (1)

wobei je kg Sprengstoff 6222 Joule und 715 l Gas frei werden.

 Eine  andere  Sprengstoffklasse  sind  die   aromatischen  Nitrokoerper  mit
mehreren  Nitrogruppen  je  Benzolring.  Typische Vertreter sind Pikrinsaeure
und Trinitrotoluol.
 Waehrend  Nitroglyzerin  mehr Sauerstoff im Molekuel enthaelt als zur voelligen
Verbrennung  des  Kohlenstoffs  und  Wasserstoffs  benoetigt wird, genuegt der
Sauerstoffgehalt der Nitrokoerper bei weitem nicht zur voelligen Oxidation von
Kohlenstoff  und Wasserstoff.  Diese Stoffe  haben eine negative Stoffbilanz
und  verhalten  sich  bei  der  durch  kraeftige  Initialzuendung  ausgeloesten
Detonation dennoch wie brisante Explosivstoffe, wobei eine allgemein gueltige
Umsetzungsformel nicht angegeben werden kann.  Die entstehenden  Endprodukte
der  Umsetzung sind vielmehr von der Ladedichte und der Art des Einschlusses
der  Sprengstoffe  abhaengig,  so  dass  Kohlensaeure  und  Kohlenmonoxid neben
Wasserstoff und freiem Kohlenstoff (Russ) auftreten koennen.
 Die  Moeglichkeiten  des  an  Stickstoff  gebundenen  Sauerstoffs, explosive
Systeme  zu  liefern, sind mit der seit Jahrhunderten bekannten Verarbeitung
des  Salpeters  mit Holzkohle und Schwefel zu Schiesspulver oder Sprengpulver
und  der Bindung von Estern, wie  z.B.  Nitroglyzerin, oder Nitrokoerpern wie
z.B.  Pikrinsaeure, nicht erschoepft.

[Herstellungsverfahren fuer Nitroglyzerin geloescht]

Grenzen der praktischen Anwendung

 Von  den  zahlreichen  explosionsfaehigen  Stoffen  sind  nur solche fuer den
praktischen  Gebrauch  geeignet,  die eine ausreichende, aber nicht zu grosse
Detonationssensibilitaet  besitzen.   Labile  Stoffe,  die  bei der leisesten
Reibung  (Jodstickstoff)  oder Beruehrung mit oxidablen Substanzen detonieren
(Chlorstickstoff),  sind  nicht verwendbar.  Aehnliches trifft fuer zahlreiche
hochendotherme  Stofe zu.  Jede uebermaessige Empfindlichkeit gegen mechanische
Beanspruchung  und  geringe  chemische Bestaendigkeit gegen  maessige Erwaermung
schliesst  eine praktische Anwendung als Sprengmittel aus oder beschraenkt die
Anwendung  auf Sonderzwecke in kleinen Mengen.  Bleiazid z.B.  laesst sich nur
als  Zuendmittel  (Initialsprengstoff) in Sprengkapseln in feinster Kristall-
form  verwenden,  groessere  Kristalle  explodieren  bereits  beim Zerbrechen.
Andererseits  muss  die  Detonation  mit einfach anzuwendenden Mitteln sicher
ausloesbar  sein,  um ein an sich explosives System als Sprengmittel anwenden
zu koennen.
 Ammonsalpeter  z.B.   ist ein Explosivstoff, der unter Einschluss durch eine
sogenannte  Zuendladung  aus  einem  anderen  Sprengstoff  zu einer exposiven
Zersetzung  unter  beachtlicher  Arbeitsleistung  gebracht werden kann.  Mit
einer  einfachen  Sprengkapsel  verpufft  er  nur teilweise und kann deshalb
nicht   in  Patronenform  verwendet   werden.   Sprengstoffe  fuer  Bohrloch-
sprengungen  muessen  so  detonationsfaehig  sein,  da  sie  in  den  ueblichen
Papierpatronen,  in  Reihe  ausgelegt  und  am  Ende  mit einer Sprengkapsel
initiiert, durchdetonieren.   Es gibt jedoch, besonders fuer die militaerische
Anwendung  auch  Sprengladungen,  die  durch  ihre  besondere  physikalische
Beschaffenheit  (hohe  Dichte durch Kompression oder Erstarrenlassen aus dem
Schmelzfluss)  nur  in  starkem  Einschluss mit starker Zuendladung, aber nicht
direkt durch eine Sprengkapsel, zur Detonation gebracht werden koennen.

Verbrennung, Explosion und Detonation

 Die Umsetzung der Explosivstoffe kann nach zwei grundsaetzlich verschiedenen
Arten  erfolgen.   Die  erste Art ist die Verbrennung, die mit geringer, mit
Druck  und  Temperatur  ansteigender  Geschwindigkeit von Schicht zu Schicht
unter  typischer  Flammenbildung  vordringt.   Erfolgt die Verbrennung eines
Explosivstoffes  in  einem geschlossenen Raum, so entstehen hohe Druecke, die
unter  ploetzlicher  Arbeitsleistung  die einengenden Wandungen zertruemmern -
Explosion.
 Die   zweite   Art   der  Umsetzung  ist  die  Detonation,  die  mit  hoher
Geschwindigkeit verlaeuft.

 Bei   Glycoldinitrat   ist   unter   Normalbedingungen   die  Verbrennungs-
geschwindingkeit  0.3mm/sec; die Verbrennung verlaeuft unvollstaendig nach der
Gleichung:

        C2H4(ONO2)2 = 2NO + 1.7CO + 1.7H20 + 0.3CO2 + 0.3H2 (2)
                (delta H = -1927 J/g)

 Die  Detonation  verlaeuft  mit  der  hohen  Geschwindigkeit von 8000 m/s im
wesentlichen bis zu den Endprodukten nach der Gleichung:

                C2H4(ONO2)2 = 2CO2 + 2H20 + N2
                  (delta H = -6704 J/g) (3)

 Der  Unterschied  in  der Umsetzung ist nicht nur energetisch wichtig.  Bei
Sprengungen  unter  Tage muss die Detonation einwandfrei ausgeloest werden, da
nur  die  Endprodukte  nach  Gleichung (3) praktisch frei von giftigen Gasen
sind.   Beim  Schuss  hingegen  findet Verbrennung der rauchlosen Pulver nach
Gleichung (2) statt.
 Berechnet    man   die   Leistung   fuer   beide  Umsetzungsarten  auf  eine
Nitroglycolsaeure  von  jeweils  1cm2-Querschnitt, so erhaelt man 8.8W/cm2 und
8.2.108W/cm2  (Dichte  1.5g/cm3).   Schon  dieses  Leistungsverhaeltnis macht
deutlich,  dass  die Detonation nicht  als beschleunigte Verbrennung gedeutet
werden  kann.  Die Detonation ist vielmehr ein hydrodynamischer Stossvorgang,
gekoppelt  mit  einer  chemischen  Umsetzung.   Die chemische Umsetzung haelt
hierbei  den  Stossvorgang  energetisch  aufrecht;  der  Stossvorgang wiederum
treibt di e rasche und vollstaendige Umsetzung voran.
 Man   unterscheidet   die   Geschwindigkeit,   mit   welcher   der  Vorgang
fortschreitet   (Vb   =   Verbrennunggeschwidigkeit;   Vd   =   Detonations-
geschwindigkeit)  und  die  Geschwindigkeit  der  Materie, hier der Schwaden
analog  Wb  und  Wd,  die Ladedichte des Sprengstoffs Delta , die Dichte des
Schwaden  Rho  b  und  Rho  d,  den Druck im Explosivstoff Pa, den Druck bei
Verbrennung Pb und den Druck bei Detonation Pd.
 Bei der Detonation stossen die hocherhitzten, verdichteten, chemisch aktiven
Schwaden mit grosser Geschwindigkeit (ueber 1000m/s) und hohem Druck (etwa 105
bar)  auf die anstehende Sprengstoffschicht und treiben die Reaktion bis zum
fast  voelligen  Ablauf  in kuerzester Zeit.  Stoesst nun die Detonation mit die
ser  Wucht  auf  die einschliessende Materie (z.B.  Gestein), so zermalmt sie
die  ersten  Schichten,  zerruettet das Gefuege der Weiteren und treibt Spalt-
risse noch weiter vor (brisante Wirkung).  Nach Ablauf der Detonation stehen
die  heissen  Schwaden  unter  hohem  Druck im Sprengraum, expandieren in die
gebildeten  Risse,  wobei  sie  das  Gestein  auseinanderbrechen und -werfen
(treibende  Wirkung).   Auch  in der Art der Ausloesung bestehen Unterschiede
zwischen  Verbrennung  und   Detonation.   Die  Verbrennung wird vornehmlich
durch   thermische   Einwirkung,  die  Detonation  mehr  durch  Schlag-  und
Stossvorgaenge ausgeloest.  In der Praxis wird die Verbrennung der Schiessmittel
durch  die  Stichflamme eines Zuendhuetchens, die Detonation der Sp rengstoffe
durch  den  Initialstoss  einer  Sprengkapsel bewirkt.  Bei der Ausloesung der
Sprengstoffumsetzung  durch Schlag und Reibung wird die Energie in einzelnen
Stellen  (hot spots) akkumuliert, in denen die Umsetzung einsetzt [3].  Eine
Verbrennung  kann  bei Steigerung von Temperatur und Druck ploetzlich in eine
Detonation  umschlagen.   Bei  dem  festen  Initialstoff  Bleiazid setzt die
anfaengliche,  verbrennungsartige  Umsetzung an einigen Stellen der Kristall-
oberflaeche ein.
 Von diesen Stellen brechen die frei werdenden Gase als gerichtete Gasstroeme
mit  wachsender  Heftigkeit  aus;  sie  stossen in den Kristallzwischenraeumen
aufeinander,  bis  an  irgendeiner Stelle die Summe solcher Gaszusammenstoesse
zur Ausloesung des Detonationsstosses ausreicht.
 Bei  dem  fluessigen  Nitroglycol  dringt  die  Verbrennung  bis  etwa  10°C
unterhalb des Siedepunktes schichtweise langsam vor.  Kurz vor erreichen der
Siedetemperatur  setzt  unter  dem Einfluss der Strahlungswaerme ein Sieden in
den  der Umsetzung  benachbarten Schichten ein.  Die Verbrennung springt auf
die Dampfblasen ueber und wird unter Steigerung der Geschwindigkeit (auf 10 -
50  mm/s)  turbulent.   Wird  das  Nitroglycol von aussen her durch die ganze
Masse  zum  Sieden  gebracht,  so schlaegt die turbulente Verbrennung in eine
Detonation um.
 Trotz  der  extremen  Stossdruecke  und  der  hohen  inneren  Energie  in der
Detonationszone behaelt die Detonation fester oder fluessiger Sprengstoffe den
Charakter  der  heterogenen  Reaktion infolge der kurzen Umsetzungszeit oder
der  geringen  Dicke der  Detonationszone.  Die Detonation setzt vornehmlich
nur  an  den  freien  Oberflaechen  ein.   Die nach hydrodynamischen, thermo-
dynamischen Grundsaetzen moegliche maximale und charakteristische Detonations-
geschwindigkeit (die obere Detonationsgeschwindigkeit) stellt sich nur  dann
ein,  wenn  die  Groesse  der  freien  Oberflaeche  ausreicht,  um  die voellige
Umsetzung   des   Sprengstoffes   in  der  Detonationszone  sicherzustellen.
Ausserdem  duerfen  Energieverluste  den  Vorgang hoechstens in den Randpartien
beeinflussen.   Sind diese Bedingungen nicht erfuellt, so faellt die Geschwin-
digkeit  ab.   Sie  kann  z.B.   bei  Sprenggelatine von 8000m/s auf 1500m/s
zurueckgehen.
 Weiter    ist    diese    untere    Detonationsgeschwindigkeit    ebenfalls
charakteristisch   fuer   den  Sprengstoff.    Werden  die  Bedingungen  noch
unguenstiger,  so setzt die Detomation aus (Totlaufen) oder geht in eine mehr
oder weniger heftige Verbrennung ueber (Auskochen).
 Auch  das  Anlaufen einer durch Initialimpuls mit niedriger Geschwindigkeit
eingeleiteten  Detonation  zur maximalen Geschwindigkeit ist von der inneren
Oberflaeche  abhaengig.Bei fluessigen oder plastischen Sprengstoffen uebernehmen
die   Oberflaechen  der eingeschlossenen Mikro-Gasblasen die Rolle der freien
Kristalloberflaeche,   wozu  noch   die  Zuendung  durch  nahezu  adiabatische
Verdichtung  und oertlich starke Stoesse beim Zusammenschlagen (Kollaps) dieser
Gasblaeschen  hinzukommt (hot spots).  Sowohl die Geschwindigkeit, der Druck,
die Schwadendichte und die Schwadengeschwindigkeit der maximalen Detonation,
als    auch   die   entsprechenden   Groessen  bei  der  unteren  Detonations-
geschwindigkeit  sind neuerdings fuer alle Sprengstoffe berechenbar geworden.
Selbst  fuer die technischen Sprengstoffgemische lassen sich diese Daten nach
der    hydro-thermodynamischen   Theorie   unter   Heranziehung   geeigneter
Zustandsgleichungen  fuer  die  extremen  Druecke  und  Temperaturen  und  der
quantenstatistisch berechneten Molwaermen und Gleichgewichte ermitteln .  Als
Unterlagen  sind  die  Zusammensetzung,  Bildungswaerme  und  Ladedichte  des
entsprechenden Sprengstoffes erforderlich [6,63].  Durch Gegeneinanderlaufen
kraeftiger  Detonationsstoesse erhielt Muraour [49,50] aussergewoehnliche Licht-,
Waerme-  und Stosseffekte.  Laesst man  durch besondere Ausgestaltung der Ladung
(Hohlladungen)  die  Schwaden  so ausstossen, dass sie sich zu einem kraeftigen
Strahl  vereinigen,  so  tritt  eine  Steigerung  der Durchschlagskraft ein.
Durch  Einlage  guenstig  geformter   Metallbleche  in  passend  ausgesparten
Ladungen   wird   ein  Stoss  aus  Metallteilen  und  Schwaden  erzielt,  der
militaerisch  zum  Durchschlagen  von Panzerungen, zivil zum Durchtrennen von
Eisenkonstruktionen Verwendung findet.

    Systematische Uebersicht ueber die praktischen Spreng- und Schiessmittel
    ---------------------------------------------------------------------

Schwarzpulver

 Schwarzpulver  ist das aelteste Spreng- und Schiessmittel und wurde in Europa
Ende  des  13.   oder Anfang des 14.  Jahrhunderts bekannt (Berthold Schwarz
und  Roger  Bacon).   Es  beherrschte  500 Jahre lang allein die Schiess- und
Sprengtechnik,   bis   es   gegen  das  Jahr  1865  mit  der  Erfindung  des
Nitroglyzerins  und der Erfindung des Dynamits (Alfred Nobel) durch die viel
wirksameren  sog.   brisanten  Sprengstoffe  zum groessten Teil ersetzt wurde.
Typische Zusammensetzung:  75% Kalisalpeter, 10% Schwefel und 15% Holzkohle.

Salpetersaeure-Ester

- Sprengoele:
 Zu  dieser Gruppe gehoeren Nitroglyzerin (Glyzerinnitrat), frueher als Nobels
Sprengoel    bezeichnet,  und  seine  Homologen  und  Verwandten  Nitroglycol
(Ethylenglycoldinitrat)  und Diglycoldinitrat (im rauchschwachen Pulver).
 Dinitroglyzerin   (Glyzerindinitrat),   Dinitrochlorhydrin  und Tetranitro-
diglyzerin  gelangten  nur  voruebergehend zur Anwendung, bis diese Sprengoele
durch das wirksamere Nitroglycol ersetzt wurden.

- Nitrocellulose, Nitrostaerke und Nitrozucker:
 Nitrocellulose  wird  in Form von Schiessbaumwolle als militaerisches Spreng-
mittel  in  Form  von  Kollodiumwolle  zur  Gelatinierung  der Sprengoele und
Herstellung  der gelatinoesen Sprengstoffe verwendet.  Beide Formen liegen im
rauchschwachen   Pulver  vor.    Nitrostaerke wird nur in wenigen Laendern als
Sprengstoff   oder   Sprengstoffbestandteil   verwendet.    Nitrozucker  ist
zeitweise in den USA als Streckmittel fuer Nitroglyzerin und Nitromilchzucker
in Feuerwerkssaetzen angewandt worden.

- Kristallisierte Salpetersaeureester:
 Nitropentaerhydrit  (Pentaerhydrittetranitrat)  wird  zur  Herstellung  von
Sprengkapseln,  detonierenden   Zuendschnueren,  in  gewissen   Dynamiten  zur
Erhoehung   der  Sensibilitaet  und   gepresst  fuer  militaerische  Sonderzwecke
verwendet.
 Nitromannit  (Mannithexanitrat)  wird  in  Amerika  als Sprengkapselfuellung
verwendet.

Nitroverbindungen

- Aromatische Nitroverbindungen:
 Die  aromatischen Nitrokoerper, Pikrinsaeure (Trinitrophenol), Dinitrobenzol,
Trinitrotoluol,  in  gewissem  Umfang voruebergehend auch Trinitrochlorbenzol
und  Hexanitrodiphenylamin,  dienen vorwiegend als Fuellmittel fuer Bomben und
Granaten.    Trinitrobenzol  konnte  sich  wegen  seiner  unwirtschaftlichen
Gewinnung  praktisch keinen Eingang verschaffen.  Trinitronaphtalin wurde im
ersten Weltkrieg verwendet.
 An  die speziefisch militaerischen Sprengstoffe zum Fuellen von Granaten usw.
(auch  Fuellmittel  genannt)  werden  ganz  besondere Anforderungen gestellt.
Unbegrenzte   chemische  Stabilitaet,  weitgehende   Unempfindlichkeit  gegen
Feuchtigkeit  und  eine  ausgepraegte  Schock-   und  Beschusssicherheit  sind
Bedingung.   (Aus  diesem  Grund  ist  z.B.  Dynamit kein militaerischer bzw.
ueberhaupt  frontfaehiger  Sprengstoff).   Auf  der  anderen Seite spielen fuer
militaerische  Fuellmittel   chemische  Anforderungen,  wie  sie  an  Bergbau-
sprengstoffe  fuer  den  Gebrauch  unter  Tage  gestellt  werden (vollkommene
Verbrennung   zu  CO2  und  H2O,  keine  Bildung  giftiger  oder  brennbarer
Explosionsprodukte),  keine  Rolle.  Die aromatischen Nitrokoerper entwickeln
meist  erhebliche  Mengen  unvollstaendig  oxidierter  Explosionsprodukte und
sind  daher  ohne  Sauerstofftraeger  nur fuer militaerische Zwecke verwendbar.
Trinitrophenylmethylnitramin  (Tetryl)  hat  als  Zuendladung und als Spreng-
kapselfuellung Bedeutung.  Als Bestandteil gewerblicher, meist pulverfoermiger
Sprengmittel kommen vorwiegend Trinitrotoluol und Dinitrotoluol in Betracht,
in manchen Laendern, z.B.  Frankreich, auch die Nitronaphtaline.

Aliphatische Nitroverbindungen:

 Von  den  zahlreichen  anwendungsfaehigen  aliphatischen  Nitrokoerpern haben
Hexogen  (Cyclotrimethyltrinitramin)  fuer   militaerische   Sonderzwecke  und
Nitroguanidin  als Bestandteil von Sprengladungen und rauchschwachen Pulvern
praktische Bedeutung.

Dynamite

- Pulverfoermige sog.  Mischdynamite:
 Gur-Dynamit,  bestehend aus 75% Nitroglyzerin, aufgesaugt von 25% Kieselgur
(Diatomeenerde),  ist  die  aelteste  Form  der  Verwendung  des Sprengoels in
festem, pulverfoermigen Zustand.  Heute hat es keine Bedeutung mehr.
 Mischdynamite  oder  "straight-dynamites"  sind  pulverfoermige Gemische von
Nitroglyzerin  mit vorwiegend Salpeter und Holzmehl, z.B.  von 40% Sprengoel,
42% Natronsalpeter, 17% Holzmehl und 1% Kreidepulver.  Dieser Sprengstofftyp
wird nur noch in geringem Umfang in den USA hergestellt.

- Gelatinoese Sprengstoffe:
 Sprenggelatine,  bestehend  aus  92  - 93% Sprengoel, gelatiniert mit 6 - 7%
Kollodiumwolle,   ist   der  staerkste,  praktisch  angewandte  Sprengstoff.
Gelatine-Dynamite  bestehen  aus  20  - 80% mit Kollodiumwolle gelatiniertem
Sprengoel  und  20 - 80% sog.  Zumischpulvern (Natronsalpeter, Ammonsalpeter,
Holzmehl und Nitrokoerper).
 Nitroglyzerin  kann  in  diesen Sprengstoffen ganz oder teilweise durch das
gleichwertige  Nitroglycol  ersetzt  werden.   Bei  25  - 30% Nitroglycol im
Sprengoel werden die Sprengstoffe ungefrierbar, d.h.  sie erstarren nicht bei
Wintertemperaturen.
 Dynamitaehnliche,  gelatinoese  Spengstoffe  von  hoher Handhabungssicherheit
sind  auf  Basis  von  20  -  40% gelatiniertem Nitroglycol mit aromatischen
Nitrokoerpern  und Ammonsalpeter aufgebaut und ebenfalls ungefrierbar (frueher
GelatineDonarite, heute Ammon-Gelite genannt).

Pulverfoermige gewerbliche Sprengstoffe

- Basis Ammonsalpeter:
 Dieser  Typus  stellt  ein  pulverfoermiges  Gemisch  aus  Ammonsalpeter als
Hauptbestandteil  mit  Kohlenstofftraegern,  wie  aromatische Nitrokoerper und
Holzmehl,   dar.    Auch  Metallpulver,  wie  Aluminiumpulver  und  4  -  6%
Nitroglyzerin  koennen  zugemischt  werden  und  ergeben  die  Ammonite  bzw.
Donarite.

- Basis Kalksalpeter:
 Die  Calcinite  enthalten  als  Sauerstofftraeger  vollstaendig  entwaessertes
Calciumnitrat,  evtl.   mit Ammonsalpeter vermischt.  Sie werden heute nicht
mehr hergestellt.

- Basis Kalium- oder Natriumchlorat:
 Die  Chlorate werden mit Nitrokoerpern, Oelen, Paraffin und Holzmehl versetzt
(Chloratite).

- Basis Perchlorat:
 Ammonium-,  Kalium-  oder Natriumperchlorate wurden mit Nitrokoerpern, Oelen,
Paraffin  und Holzmehl, auch mit Amonsalpeter gemischt (Perchloratite).  Sie
werden heute nicht mehr hergestellt.

Wettersprengstoffe (Schlagwettersichere und kohlenstaubsichere Sprengstoffe)

 Die  oben  beschriebenen  gelatinoesen  und  pulverfoermigen Sprengstofftypen
koennen  unter  wesentlicher  Herabminderung ihrer Gesamtenergie, Brisanz und
Explosionstemperatur  durch  Zusatz  inerter  Salze,  z.B.   Alkalichloride,
wettersicher  gemacht werden.  Bei einem anderen Typ von Wettersprengstoffen
wird   Natrium-   oder   Kaliumnitrat  und  Ammoniumchlorid  im  molekularen
Verhaeltnis  in  Mischung  mit  Nitroglyzerin  verwendet.  Diese Sprengstoffe
haben  den  Vorteil,  dass sich das Alkalichlorid erst waehrend der Detonation
bildet.   Hierdurch  ist  es  moeglich,  Sprengstoffe   mit  besonders  hoher
Schlagwettersicherheit bei guter Sprengleistung herzustellen.

Sprengstoffgemische auf Basis von fluessigem Sauerstoff

 Diese  Gemische  erhaelt  man  durch  Traenken  von  brennbaren  Stoffen  wie
Holzmehl, Russ, Torfmehl und Korkmehl mit fluessigem Sauerstoff (Oxyliquite).

Initialsprengstoffe und Zuendstoffe

 Unter  Initialsprengstoffen  versteht  man  Koerper,  die  schonin kleinsten
Mengen   durch  Flamme   (z.B.   Zuendstrahl  einer   Pulverzuendschnur)  oder
Bolzenschlag  in  Detonation  uebergehen  und  diese  auf andere Sprengstoffe
uebertragen.   Die  wichtigsten  Vertreter sind Bleiazid, Knallqucksilber und
Azodinitrophenol.   Zuendstoffe  geben  beim  Schlag  mit  einem  Bolzen eine
kraeftige  Flamme  (Zuendstrahl),  die  zum Entzuenden von Schiessmitteln dient.
Praktische Bedeutung haben Tetrazen und Knallquecksilbergemische.

Rauschschwache Pulver

 Die  sog.   rauchlosen,  besser  rauchschwachen  Schiesspulver (Treibmittel)
stellen  energiereiche  Stoffe  dar.   Sie  bestehen aus Nitrocellulose, die
allein  oder  im  Gemisch  mit  Sprengoel  und anderen Stoffen in eine schwer
detonationsfaehige,  hornartige  Form  gebracht  werden.   Sie  brennen  beim
Gebrauch im Gewehr oder Geschuetzrohr rasch ab, detonieren aber nicht.

                    Rezepturen diverser Explosivstoffe
                    ==================================

[Aus oben genannten Gruenden geloescht]


 
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