A) Kurz vor Neuerscheinen des DSM-5 (also der 5. Ausgabe des
psychiatrischen Diagnose-Märchenbuches der Amerikanischen
Psychiatervereinigung) ist "die Bombe" geplatzt:
Der Direktor des National Institut für Mental Health (NIHM), Thomas
Insel, hat am 29.4. in einer NIMH-Veröffentlichung endlich
eingestanden, das aller psychiatrischer Diagnonsens bisher keine
Validität hatte. Seine Formulierung ist: "lack of validity" aller
psychiatrischen Diagnosen. Sie waren also immer Märchen, oder wie man
im Englischen Sagt: Junk Science.
Das ist deshalb von wesentlicher Bedeutung, weil das NIMH die mit
Abstand größte psychiatrische Forschungsinstitution weltweit ist, und
dessen Direktor, Thomas Insel, einer der renommiertesten Psychiater
und Neurowissenschaftler unserer Zeit. Der Einfluss des NIMH
beschränkt sich nicht auf die Vereinigten Staaten. Das NIMH ist
international tonangebend, wie andererseits der amerikanische DSM-5
maßgeblich war für die Diagnonsens-Märchenbücher der World Health
Organisation, den International Code of Diseases, der in Europa
gebräuchlich ist.
Hier die Veröffentlichung im Internet:
http://www.nimh.nih.gov/about/director/2013/transforming-diagnosis.shtml
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen:
Am 4.5. erschien in "Scientific American", dem Amerikanischen Pendant
zu "Spektrum der Wissenschaft" der Kommentar:
Psychiatry in Crisis! Mental Health Director Rejects Psychiatric
“Bible” and Replaces With… Nothing
http://blogs.scientificamerican.com/cross-check/2013/05/04/psychiatry-in-crisis-mental-health-director-rejects-psychiatric-bible-and-replaces-with-nothing
Zurecht titelt der Kommentator, John Horgan: "...die Bibel wird
weggeworfen und ersetzt mit ....Nichts
Denn das Eingeständnis nie vorhandener Gültigkeit psychiatrischer
Diagnosen, kann das System nie wieder gutmachen, auch nicht, indem
Herr Insel jetzt angeblich irgendwelche "Biomarker" zu Merkmalen
erheben will; ja aber Marker von was denn, wenn es nix gültig mehr
Diagnostiziertes gibt?
Es beweist nur, wie die Profession auf der Flucht ist!
Aber statt geschickt darauf zu reagieren, versucht das System sich auf
die ganz plumpe Tour aus der Affäre zu ziehen. Denn mit dem, was die
Profession nun als ein "Rettungsmanöver" wähnt, leitet sie tatsächlich
ihren eigenen Untergang durch Selbstversenkung ein :-)
Sicher spielt für diese Entwicklung eine Rolle, wie Allen Frances mit
seinem Buch durch die Lande zog, siehe:
http://www.zwangspsychiatrie.de/2013/04/fuhrender-psychopathologe-warnt-vor-auswuchsen-der-psychiatrie
Wir vermuten allerdings, dass es zwei Faktoren sind, die zu dieser
Selbstzerstörung geführt haben:
Einerseits kann mit der PatVerfü seit 4 Jahren erstmals in der Welt
die "Objektivität" allen psychiatrischen Diagnonsens rechtswirksam
verneint werden, eben "Geisteskrankheit - Ihre eigene Entscheidung"
für die PatVerfü-Geschützten gilt. Selbst wenn diese Möglichkeit
Anfangs nur von einer kleinen Anzahl von Leuten genutzt wird, wird
aber der Verlust des Objektivitätskritierium, das vorher immer durch
zwangsdiagnostizierende Gewalt ersetzt werden konnte, die Psychiatrie
vor den Systemabsturz stellen.
Andererseits ist sicher der Hinweis von Dr. Hans-Ulrich Gresch
bedeutsam:
https://groups.google.com/group/de.sci.medizin.psychiatrie/msg/3af12257fbacaecf?dmode=source
Hintergrund: Die Pharmaindustrie hat sich weitgehend aus der
Psychopharmaka-Forschung zurückgezogen. Nennenswerte Mittel fließen
nur noch in wenige, ausgewählte Projekte. Grund: Es wird immer
schwieriger, die Hürden der Zulassung für neue Psychopharmaka zu
überwinden. Daran gibt man der Psychiatrie die Schuld. Deren
antiquierte, pseudowissenschaftliche Diagnosekriterien würden den
wissenschaftlichen Fortschritt in nicht mehr tolerierbaren Ausmaß
beeinträchtigen.
Kurz: Das NIMH sowie die psychiatrische Forschung allgemein müssen
sich nach anderen Geldgebern umschauen. Horgan lässt dies ja
durchblicken, und in früheren Beiträgen in seinem Director's Blog
lässt Insel dies im Übrigen ziemlich deutlich anklingen.
Es zeichnet sich also folgende Entwicklung ab: Während man früher
nach neuen "psychischen Krankheiten" für viel versprechende neue
Wirkstoffe
aus den Laboren der Pharmaindustrie suchte, werden in Zukunft neue
"psychische Krankheiten" für Cluster von Hirnparametern gesucht, die
statistisch von der Norm abweichen. Jeder neue "Fund" dieser Art
steigert dann die Wahrscheinlichkeit weiterer Fördermittel aus
staatlichen Quellen oder aus den Töpfen einschlägiger Stiftungen. Und
Die Stellungnahme Insels ist nicht mehr und nicht weniger als eine
wissenschaftliche *Bankrotterklärung* der Psychiatrie.
Entsprechend hatte "Psychology Today" ebenfalls am 4.5. nachgesetzt:
http://www.psychologytoday.com/blog/side-effects/201305/the-nimh-withdraws-support-dsm-5
Zitat:
For others still, the NIMH’s “seismic” decision represents an
unmistakable “kill shot to DSM-5,” and not a moment too soon.
... die Grundfesten erschütternde Entscheidung bedeutet einen
unmissverständlichen Fangschuss für den DSM-5 und das nicht einen
Moment zu früh
Und die renommierte New York Times titelt am 6.5. ebenfalls:
Psychiatry’s Guide Is Out of Touch With Science, Experts Say
http://www.nytimes.com/2013/05/07/health/psychiatrys-new-guide-falls-short-experts-say.html?partner=rss&emc=rss&_r=0
Die "Schwere Identitätskrise der Psychiater: nur Okkultismus hilft"
haben wir schon vor über 5 Jahren vorhergesagt: siehe
http://www.zwangspsychiatrie.de/2007/12/schwere-identitatskrise-der-psychiater-nur-okkultismus-hilft/
und der Profession bei Ihrem Jahreskongress im November 2007 unter die
Nase gerieben. So kommt´s, wenn man nicht auf uns hört :-))
B) Und hier ein ergänzender Beweis für das in A) gesagte aus dem
Wochenblatt der Südwestpresse :
http://wochenblatt.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Klinik-statt-Knast-Immer-mehr-Straftaeter-landen-in-der-Psychiatrie;art4319,1944336
Bereits im Herbst 2012 hatte sich [Ministerin] Altpeter wegen der
Problematik ans Justizministerium gewandt. "Wir wollten ins Gespräch
kommen und zum Beispiel anregen, die Richter besser fortzubilden",
sagt ihr Sprecher. Denn eine Auflistung zeige, wie unterschiedlich
Gerichte urteilten: So weise das Landgericht Mannheim (6,95
Einweisungen pro 100 000 Einwohner) statistisch fast achtmal häufiger
Verurteilte in die Psychiatrie ein als etwa das Landgericht Ulm (0,88
pro 100 000 Einwohner). Die Zahlen zeigten, dass die Kriterien
keineswegs eindeutig seien. Doch eine Antwort aus dem Justizressort
stehe bis heute aus.
Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) wies die Vorwürfe
zurück. "Die Gerichte entscheiden nach dem geltenden Recht - und das
Ermessen der Richterinnen und Richter ist in diesem Bereich eng",
sagte er gestern. Bei alkohol- oder drogenabhängigen Straftätern führe
"der Weg zur Besserung dem Gesetz zufolge über eine Suchttherapie",
betonte Stickelberger. Therapie könne nur in der Psychiatrie
stattfinden, ein Gefängnis sei der falsche Ort.
Psychiatrischer Diagnonsens hatte noch nie Validität/Gültigkeit, er
ist schiere Willkür, wie diese oben genannten Zahlen beweisen.
C) Um zu verstehen, welche Werte in der Auseinandersetzung
gegeneinander stehen und was Gesundheitsterror ist, empfehlen wir
sehr, das Video in der Mediathek der "Sternstunde" vom letzten Sonntag
anzusehen: ein Gespräch von Daniel Cohn-Bendit mit Juli Zeh,
insbesondere ab Minute 20:
http://www.srf.ch/player/tv/sternstunde-philosophie/video/daniel-cohn-bendit-und-juli-zeh-die-grenzen-der-freiheit?id=8600256f-6e78-4ef2-8347-4ee40ad88517
Eine Leseprobe von Juli Zeh hatten hatten wir schon in der Irren-
Offensive Nr. 14, Seite 13 veröffentlicht:
http://www.antipsychiatrie.de/io_14/IrrenOffensive14.pdf
D) Die aktuelle Jungel World hat den Therapieresistenten eine
Titelseite und drei Beiträge gewidmet:
Wir sind unheilbar - die Psychiatrisierung der Gesellschaft:
http://jungle-world.com
Die Beiträge im Einzelnen:
Ihr seid doch alle irre! Das »Diagnostic and Statistical Manual of
Mental Disorders« und die Kritik daran
Leiden und Macht: Theorie und Praxis der Antipsychiatrie
Diagnose als Symptom: Psychiatrie und Neurowissenschaften
Man merkt, dass keiner der Autoren sich vorher mit uns in Verbindung
gesetzt hat, weil z.B. völlig fälschlich die Geschichte der Anti-
Zwangspsychiatrie mit dem Foucault Tribunal abgebrochen wird, genau
da, als wir begannen, effektive Fortschritte gegen das psychiatrische
Gewaltsystem zu machen. Ein Blick in die Irren-Offensive Nr. 1-14
hätte genügt, um zu sehen, wie wir der Opferrolle entkommen sind und
es Stück für Stück gelang, das System politisch in die Enge zu
treiben. So entging der Jungel World das Russell Tribunal, die
Vorsorgevollmacht, die PatVerfü, die Erfolge in der Verhinderung
ambulanter Zwangsbehandlung, und, und, und...
Ja, sie behauptet sogar: "Wie die Gesellschaft mit den Irren umgeht,
ist in der radikalen Linken kein großes Thema mehr."
Dabei wird genau das Gegenteil dadurch dokumentiert, dass sich die
Fraktion der Linkspartei dieses Jahr gegen die Zwangsbehandlung im
Bundestag ausgesprochen hat und nun in Brandenburg die Regierung nach
den Folgen des Bündnisses gegen Folter in der Psychiatrie ausfragt,
siehe:
E)
http://www.parldok.brandenburg.de/parladoku/w5/drs/ab_7100/7194.pdf
Wie der Abgeordnete Jürgen Maresch die Regierung befragt, deutet
darauf hin, dass es bei der Entscheidung des Landgerichts Potsdam
bleibt:
http://www.die-bpe.de/Beschluss_Landgericht_Potsdam.pdf
Im Land Brandenburg kann das PsychKg keine Zwangsbehandlung
legalisieren und kein Gesetzgeber wird mehr daran etwas ändern, denn
mit einem Justizminister der Partei die Linke und der entsprechenden
Mehrheit im Landtag wird das nix mehr :-)
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Geisteskrank? Ihre eigene Entscheidung!
Informieren Sie sich:
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