Ralf . K u s m i e r z wrote:
> Ich habe das daraus sich ergebende Verhältnis der Geschlechter der
> Lebendgeborenen mal geplottet:
> <http://img30.imageshack.us/img30/2843/sexoddsfch.png>
Was ist oben, Jungen oder Mädchen?
> Aber wie "funktioniert" das biologisch?
>
> Als denkbare Ursachen bzw. Einflußfaktoren fielen mir ein:
> - Infantizid
Ich würde sagen, dass das der Grund ist. Gerade in den letzten Kriegsjahren
(Frankreich war von den Weltkriegen mehr betroffen als die Schweiz), wenn
man sowieso nicht so einfach alle Kinder großziehen kann, überlegt man sich
vielleicht schon, ob man eher einen Jungen oder ein Mädchen kaltstellt.
Wie rechnen sich diese Odds aus, also wie viele Kinder müssen nicht geboren
werden oder umgebracht werden, damit diese Verschiebung im Vergleich zum
langjährigen Mittel entsteht?
Nach der Achsenbeschriftung ist die Abweichung vom Mittelwert ja in der
Größenordnung von 0,01. Heißt dass, dass ein Prozent der Jungen umbringen
eine solche Verschiebung erzeugen würde?
CU Rollo
Googelst du einfach.
Ein Studie �ber Finnland legt nahe, dass das OSR auf das Missverh�ltnis
der Geschlechter in der heiratsf�higen Population reagiert. Das ist zwar
nicht zielf�hrend, aber nachvollziehbar, wenn man den Quark der
Politiker und das Geschreibsel in den Gazetten zu solchen Fragen h�rt
oder liest.
Offenbar ist das Kosten/Nutzenverh�ltnis der Reproduktion der Gro�eltern
ausschlaggebend, was ja leicht nachvollziehbar ist.
Da die Variation um das mittlere Verh�ltnis von ca 1.05:1 zB im Fall
Frankreich um typisch +-5%% schwankt, ist die Regelung durch die
lebenserhaltenden Ma�nahmen bei der Geburt mit kritischen Zust�nden oder
bei behinderten Neugeborenen - bei Erw�gung der erwarteten medizinischen
Kosten - fast unbewusst und kaum strafbewehrt durch Unterlassung
lebenserhaltender Ma�nahmen machbar. Letzlich entschied fr�her die
Pflege der Gro�mutter �ber die �berlebenschancen, besonders in den
Kreisen mit gro�er Kinderzahl und bei unehelich Geborenen.
In Frankreich speziell existierte sogar eine Art nat�rlicher
Geburtenregelung dadurch, dass man die sp�ten �berz�hligen im Bett der
Eltern schlafen lie�, was h�ufig zum ungewollten Erstickungstod der
Babies f�hrte. Das hat aber nat�rlich keinen Einfluss auf das OSR zum
Geburtszeitpunkt.
--
Roland Franzius
>
> Und nun die Frage:
> Kann mir mal jemand den prinzipiellen Verlauf und die Oszillationen
> dieser Kurven erkl�ren?
>
Ja nun, durch Kaffeesatz lesen oder durch lesen der Tageszeitungen wird
man das bestimmt nicht herausfinden.
>
> An reines Rauschen glaube ich nicht:
> Offensichtlich sind die Verl�ufe trendbehaftet,....
>
Wie kommts du darauf??
Hast du schon ein paar Signifikanzberechnung bestimmter Merkmale gemacht?
Das Bauchgef�hl ist da ein schlechter Berater.
>
> .... der deutsch-franz�sische Krieg von 1870/71 sowie die Weltkriege
> hinterlassen offenbar Spuren, und angesichts der Gr��e der zuf�lligen
> Varianz m�ssen die wesentlich gr��eren Oszillationen um den Trend auch
> deterministische Ursachen haben, aber welche, und wei funktioniert
> das? (Die Verl�ufe f�r das Deutsche Reich bzw. Nachkriegsdeutschland
> sehen noch wesentlich "wilder" aus, aber die Zahlen sind schwierig zu
> beschaffen und wegen der dauernden Gebiets�nderungen - Versailler
> Vertrag, Ostgebiete, Wiedervereinigung - auch etwas inkonsistent.)
>
Diese Statistik ist wohl zeitlich und r�umlich nicht zeitstabil.
Das d�rfte aber nicht prim�r ausschalggebend sein.
Vermuten kann man vieles. Ohne aber die Rahmenbedingungen zu kennen unter
denen eine Statistik gemacht wurde kann man nichts konkretes �ber den
Einfluss bestimmter Ursachen sagen. Ausserden sind wohl bei so einer
Langzeitstatistik die Rahmenbedingungen nicht konstant.
Das einzige was bleibt ist das statistische Bild mit zuf�lligen und
systematischen Einfl�ssen. Welches aber die Ursachen sind, dar�ber sagt
die Statistik nichts aus. Man m�sste die Statistik erst in den
geschichtlich-sozialen Rahmen versetzen in welchem die Daten erfasst
wurden. Das ist bei so einer geschichtlich langen Studie schwierig bis
unm�glich.
>
> Aber wie "funktioniert" das biologisch?
>
Unbewusst und bewusst.
Es h�ngt von der sozialen Struktur der Gesellschaft ab und Merkmalen der
einzelnen Strukturen. Rein allgemein betrachtet, hast du unten ja schon
welche erw�hnt. Aber welche trifft den nun tats�chlich zu und in welchem
Ma�e? Dazu br�uchte man ein imenses Wissen �ber geschichtliche Fakten.
>
> Als denkbare Ursachen bzw. Einflu�faktoren fielen mir ein:
> - Epidemien (Infektionen)
> - Klimaeinfl�sse (z. B. auf die Ernten)
> - sozialer Stre�, wirtschaftliche Ver�nderungen
> - Umweltgifte
> - Vulkanismus
> - kosmische Strahlung
> - ionisierende Strahlung
> - Infantizid
>
> Offenbar existieren psychische bzw. kulturelle Faktoren:
> <http://www.jewishencyclopedia.com/view_friendly.jsp?artid=1090&letter=
> B>.
>
> (Die ionisierende Strahlung k�nnte �brigens mit dem Kohlenverbrauch
> korreliert sein, Steinkohle setzt bei der Verbrennung relativ viel
> Uran und dessen Folgeprodukte frei. Als weiteres Argument f�r eine
> m�gliche radioaktive Belastung habe ich die im Krieg verschossene
> Leuchtmunition geh�rt, wobei ich jetzt nicht wei�, welche speziellen
> radioaktiven Nuklide darin enthalten gewesen sein sollten.)
>
> Ich w�rde dazu gerne mehr wissen: H�ngt das Geschlechterverh�ltnis bei
> der Geburt evtl. von der Jahreszeit oder der H�ufigkeit des
> Geschlechtsverkehrs ab (M�nner beim Milit�r, sehen die Frauen
> seltener)?
>
Dazu m�sstest du den Einfluss dieser Merkmale �ber eine
Signifikanzberechnung untersuchen.
>
> Ist es vom Alter der Eltern abh�ngig? H�ngt die
> Schwangerschaftsdauer vom Geschlecht des Kindes ab?
>
Das ist ja wohl gut bekannt. Jungs brauchen in der Regel zwei Wochen
l�nger.
>
--
Selber denken macht klug.
>> An reines Rauschen glaube ich nicht:
>> Offensichtlich sind die Verl�ufe trendbehaftet,....
>>
> Wie kommts du darauf??
Schau Dir mal die beiden von Ralf gezeichneten Graphen gleichzeitig an.
Die gegl�tteten Kurven der Schweiz und Frankreichs korrelieren sehr
deutlich.
Ralf, Du hast doch die Zahlenwerte bestimmt noch herumliegen, kannst Du
f�r den gemeinsamen Zeitraum einmal f�r die Originaldaten und einmal f�r
die gegl�tteten Kurven Korrelationskoeffizienten bestimmen?
> Diese Statistik ist wohl zeitlich und r�umlich nicht zeitstabil.
Ich verstehe diesen Satz grammatisch nicht. Und eine geschichtliche
Einbettung hatte Ralf doch versucht?
--
F�r 10 EUR im Jahr erfahre ich hier sogar was meine Meinung ist.
Andere Leute m�ssen daf�r heiraten.
[Lars Friedrich �ber UseNet]
> Frankreich:
> <http://www.insee.fr/fr/themes/detail.asp?ref_id=ir-sd20071>
>
> Schweiz:
> <http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/02/blank/data/01.html>
>
> Ich habe das daraus sich ergebende Verhᅵltnis der Geschlechter der
> Lebendgeborenen mal geplottet:
> Und nun die Frage:
> Kann mir mal jemand den prinzipiellen Verlauf und die Oszillationen
> dieser Kurven erklᅵren? An reines Rauschen glaube ich nicht:
> Offensichtlich sind die Verlᅵufe trendbehaftet, der
> deutsch-franzᅵsische Krieg von 1870/71 sowie die Weltkriege
> hinterlassen offenbar Spuren,
Einer der Grᅵnde ist, daᅵ wiedervereinigte Paare einen ᅵberschuᅵ an Jungen
produzieren. Sexuelle Aktivitᅵt nach lᅵngerer Abstinenz lᅵst bei Frauen
einen Eisprung aus, und Y-Spermien schwimmen schneller als X, daher ist
der Nachwuchs XY.
Biologisch ist das sinnvoll, da ja lᅵngere Abwesenheit von Mᅵnnern
traditionell mit Verluᅵten einhergeht (Jagt, Reisen, Krieg). Die werden so
ausgeglichen.
> einen Eisprung aus, und Y-Spermien schwimmen schneller als X, daher ist
Wie machen die das eigentlich? AFAIK lesen Spermien ihr Genom nicht
ab und ihr Phänotyp ist durch den Genotyp der diploiden Vorläuferzelle
bestimmt, also bei allen identisch.
Ralf
AFAIK sind die männlichen Spermien kleiner und können sich daher
schneller bewegen.
Ralf