Am 05.11.2012 07:19, schrieb Emil Naepflein:
> On Sun, 04 Nov 2012 20:44:55 +0100, Christoph M�ller <inv...@invalid.invalid>
> wrote:
>> Am 04.11.2012 19:12, schrieb Volker Staben:
>>> Am 04.11.12 17.27, schrieb Christoph M�ller:
>>>> Welches Kernkraftwerk in Deutschland oder in Europa kann man binnen
>>>> 10 Minuten rauf- und runterfahren?
>>>
>>> Es geht nicht um "von null auf hundert Prozent", sondern um
>>> Leistungsgradienten. Ein etablierter Prim�rregelblock liefert einige
>>> Prozent seiner Nennleistung mit Zeitkonstanten von wenigen Sekunden.
>>
>> Was spricht dann dagegen, den Strom entsprechend aktuellem (!) Angebot
>> und Nachfrage zu handeln?
>
> Das wird doch im Spotmarkt gemacht. Das 1/4 h Raster reicht dazu aus. Und die
> eigentliche Echtzeitregelung erfolgt dann kontinuierlich.
Wenn da so ist - wieso dann immer wieder der Ruf nach
Speicherkraftwerken? Mit Brennstoffen HABEN wir doch schon genug
Speicherkraftwerke! Schlie�lich SIND Brennstoffe doch EnergieSPEICHER.
Was sehe ich falsch?
>> Wieso dann solche Verrenkungen mit dem Handel
>> gleich Wochen im Voraus? Da wei� doch noch niemand, wie das konkrete
>> Wetter wird.
>
> Die Handelspartner wollen aber schon im Voraus den Preis festlegen.
Es gibt aber Dinge, mit denen geht das nicht so einfach. Obwohl man z.B.
�l sogar sehr gut speichern kann, wei� heute kaum jemand, was er heute
beim Tanken GENAU zu bezahlen hat. Die Preise �ndern sich t�glich.
Teilweise sogar mehrmals pro Tag.
> Der Strom
> wird teilweise schon Jahre im Voraus gehandelt. Nat�rlich wird hier auch
> spekuliert.
Spekuliert wird mit ASTROHS auch. Das �bernehmen dabei Automaten. So
wird z.B. darauf spekuliert, dass im Winter weniger Solarenergie wie im
Sommer geerntet wird. Deshalb werden diese Automaten geneigt sein, im
Sommer m�glichst auf die Verbrennung von Energiespeichern zu verzichten.
> Tats�chlich wird die eigentliche Produktion erst am Vortag im
> Day-Ahead-Markt festgelegt.
Und schon kann man sich b�se verspekuliert haben.
> Hier muss dann jeder der schon im Voraus seinen
> Strom verkauft hat daf�r sorgen dass er auch gen�gend Strom f�r seinen Kunden
> bekommt.
Dann kann man aber doch gleich vollautomatisch in Echtzeit handeln und
einen echten technischen Regelkreis aufbauen, der Angebot und Nachfrage
st�ndig in der Waage zu halten hat. Egal was kommt.
> Der Preis der hier erzielt wird, kann sich vom urspr�nglichen
> Verkaufspreis stark unterscheiden.
Das Ganze ist also nur eine Spielwiese f�r Gro�e?
> Je nachdem macht dann der Verk�ufer Gewinn oder Verlust.
Die Leute sollten besser ins Casino gehen und ihr eigenes Geld verheizen.
> Kleine Unterschiede zum Bilanzkreis k�nnen dann auch noch im
> Spotmarkt ausgeglichen werden. Werden diese nicht ausgeglichen dann kommt es zu
> einem Ungleichgewicht (siehe Februar 2012) und es f�llt Regelleistung an. Dies
> Regelleistung muss dann extra bezahlt werden.
Wieso Zockerbande statt Regelkreis?
>> Damit wei� man auch noch nicht, wie der reale Bedarf
>> aussehen wird. Die Folge: Der Strom wird auch dann produziert, wenn ihn
>> niemand braucht, weil z.B. Sonne und Wind schon genug liefern.
>
> Nein, wenn Sonne und Wind gen�gend liefern dann sinkt der Preis an der
> Stromb�rse soweit ab wie es sich die Erzeuger leisten k�nnen und es findet sich
> ein K�ufer daf�r, im Inland oder auch im Ausland.
Ist das Besch�ftigungstherapie?
>> Dann
>> werden Energiespeicher vor lauter Bl�dheit und Gier zum Schaden aller
>> verbrannt.
>
> Die Energiespeicher die dann verbrannt werden, ersetzen andere Energietr�ger an
> anderer Stelle,
im Idealfall. Wann haben wir den schon?
> den der wird ja dann nicht einfach vernichtet,
wie nennt man das, wenn Windr�der aus dem Wind gedreht werden oder
Solarstrom nicht mehr eingespeist werden kann?
> sondern ersetzt
> Stromerzeugung an anderer Stelle.
Im Idealfall.
> Einer im Netz gibt halt dann entsprechend der
> Merit-Order nach, weil er im Preis nicht mithalten kann.
Mir kommt das wir Besch�ftigungstherapie vor. Automaten d�rften das
besser k�nnen.
> Im Prinzip ist das auch nichts anderes als das was Du willst. Nur erfolgt das
> alles geordnet grob mit einem Vorlauf von einem Tag, fein durch den Spotmarkt
> und ganz exakt �ber die Regelkraftwerke. Das System funktioniert so wie es ist,
> nur vehalten sich manche Marktteilnehmer manchmal nicht marktkonform.
Insbesondere die saubersten Energietr�ger geraten damit in Verruf. Sie
st�ren die Zockerbanden erheblich. Das d�rfte einer der wesentliche
Gr�nde sein, weshalb sie st�ndig versuchen, diese Energieformen
m�glichst schlecht zu machen.
�berl�sst man Automaten diesen Job, gibt es keinen Grund mehr f�r solche
Kampagnen. Dann gibt es eine reale Welt, deren Spielregeln dann alle
kennen. Deshalb kann sich dann auch jeder dran halten.
> Das w�re das Gleiche wenn Deine Kleinkraftwerk zeitweise trotzdem Strom
> einspeisen w�rden obwohl die eigenen Kosten nicht gedeckt sind, oder gar nichts
> einspeisen obwohl man 1 �/kWh erzielen k�nnte.
Es ginge um die gro�e Masse. Wenn mal Einzelne aus der Rolle tanzen,
wird man das insgesamt wohl kaum bemerken.
> Auch hier muss es dann ein
> Regulativ geben um sicherzustellen dass die Netzfrequenz im Rahmen bleibt.
Das geh�rt zur Ger�tezulassung. Einspeisende Ger�te, die die
Netzfrequenz zu sehr "verbiegen" k�nnen, kriegen schlicht keine
Zulassung und d�rfen nicht betrieben werden. Genauso welche, die die
Netzspannung von 230 auf 500 Volt hochjubeln k�nnen. Dass es solche
Zulassungsverfahren geben wird, hielt ich jetzt eigentlich f�r
selbstverst�ndlich und deshalb nicht f�r erw�hnenswert.
> Man
> braucht gen�gend Reservekapazit�t um solche chaotischen Abweichungen
> auszuregeln.
In einem ausgebauten Netz wird man sich um die Reservekapazit�ten sicher
keine Sorgen machen m�ssen. Denn dann w�re die Reservekapazit�t gr��er
als heute die Leistung s�mtlicher Kraftwerke zusammen genommen.
>> Wenn das so ist, dann kann jedenfalls dieses Kraftwerk sofort
>> abschalten, sobald genug Sonne und Wind im Netz ist. Dann gibt es ja gar
>> keinen Grund, nach Speicherkraftwerken zu rufen.
>
> Warum sollte es abschalten wenn die Einnahme oberhalb der Grenzkosten liegt?
Weil Reserven verbrannt werden? Weil unn�tigerweise Umweltschaden
produziert wird? Oder tanzen wir den menschenverachtenden Tanz um das
Goldene Kalb? Was das bedeutet, war schon im Alten Testament bekannt.
> Und selbst wenn die Einnahmen unterhalb der Grenzkosten liegen, kann es sein
> trotzdem zu produzieren weil der Abfahr- und Anfahrvorgang zus�tzliche Kosten
> verursachen kann, die h�her sind als die Differenz zwischen Grenzkosten und
> Einnahmen. Deshalb gibt es eben auch negative Preise.
Man kann auch sagen, dass man dann einen Kraftwerkspark hat, der der
Realit�t nicht angepasst ist.
--
Servus
Christoph M�ller
http://www.astrail.de