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Frage zu Kaufkraft

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Nicholas Adams

unread,
Nov 17, 2009, 11:22:20 AM11/17/09
to
moin moin

wei� jemand vieleicht welche Kaufkraft, verglichen zu heute, 100
Taler, bzw. 65 Silberrubel, im Herzogtum Braunschweig um 1845 hatte?

fragt freundlichst
Nick

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Nicholas Adams

unread,
Nov 18, 2009, 3:36:02 PM11/18/09
to
Frank Markopoulos <fm...@t-online.de> schrieb:

>in...@intergrafis.de (Nicholas Adams) teilte uns am 17.11.09 mit:

>Gute Frage - aber recht schwer zu beantworten. Prinzipiell. Und zwar
>umso schwerer, je weiter man in die Vergangenheit geht.
>
>Der Hintergrund daf�r ist, da� man die Preisniveaus nicht sinnvoll genug
>vergleichen _kann_.
>
>Ich bin Spezialist f�r Geld und W�hrung und damit auch solche Fragen in
>der *Antike*. Da ist das eben Gesagte _besonders_ ausgepr�gt, weil es
>einfach ganz andere Produkte gab als heute. B�cher z.B. (heute ein
>absolutes, spottbilliges Massenprodukt) waren damals fast unbezahlbar,
>nur etwas f�r Superreiche. Daf�r waren Mieten und Grundnahrungsmittel
>relativ billiger als heute. Man mu� also jeweils wissen, _was_ man
>kaufkraftm��ig "vergleichen" will. Und wieviel kostet heute ein Mensch
>(aka Sklave)? In der Antike *war* diese Frage durchaus zu beantworten...
>
>Aber wenn es Dir lediglich um eine *grobe* Richtung geht (und es ist ja
>nur ca. 1,5 Jahrhunderte her):
>
>Ein (Vereins-)Taler war 16 2/3 g Silber (zu Deiner Zeit noch ein paar mg
>mehr: der alte 14-Taler-Fu�) - Gold�quivalent ca. 1,2 g. Rein vom
>Goldpreis her: heute 30,- EUR.
>
>So ein Vereinstaler war ja auch im Deutschen Reich ab 1871 noch
>kursg�ltig (= 3,- Goldmark; das 1-Markst�ck enthielt genau 5 g Silber).
>
>Und f�r das Deutsche Reich gibt's da eine Statistik der Kaufkraft in der
>Wiki unter "Goldmark" (gucke selber ;-). Gr��enordnungsm��ig f�r die
>Fr�hzeit des Reiches (also die 70er und 80er Jahre des 19. Jh.): 1
>Goldmark ca. 10,- EUR. Stimmt also auff�llig mit dem aktuellen Goldpreis
>�berein. :-) (Und wenn Du wei�t, da� ein Bier in der Kneipe damals 15...
>30 Pfennig kam, und heute 2,- bis 5,- EUR: BINGO!)
>
>In Deiner Zeit war die Kaufkraft aber noch h�her. Sch�tze mal bis 50,-
>EUR/Taler und Du kommst *in etwa* hin: rein _gr��enordnungsm��ig_ eben
>(+/- ca. 30%).
>
>HTH.
>
>BTW: In der Antike waren die Geldmetalle noch seltener als heute -
>speziell das Silber. Deshalb kann man ganz platt sagen, da� eine
>Athenische Tetradrachme (ca. 17 g Silber) *etwa* das war, was heute ein
>"500-Euro-Schein" w�re: "Ganz viel Geld auf einen Haufen" eben...
>
>So long...
> __
> |_
> | rank aus/(das) B(a)erl(e)in - weder richtig arm, noch wirklich sexy. ;-)


Vielen Dank, Frank.

Michael Schmidt

unread,
Nov 29, 2009, 2:28:51 PM11/29/09
to
interessantes Thema...

>Gute Frage - aber recht schwer zu beantworten. Prinzipiell. Und zwar
>umso schwerer, je weiter man in die Vergangenheit geht.
>
>Der Hintergrund daf�r ist, da� man die Preisniveaus nicht sinnvoll genug
>vergleichen _kann_.
>
>Ich bin Spezialist f�r Geld und W�hrung und damit auch solche Fragen in
>der *Antike*. Da ist das eben Gesagte _besonders_ ausgepr�gt, weil es
>einfach ganz andere Produkte gab als heute. B�cher z.B. (heute ein
>absolutes, spottbilliges Massenprodukt) waren damals fast unbezahlbar,
>nur etwas f�r Superreiche.

und flar, f�r Produkte die es noch nicht gab ist der Preis
unendlich...


>Daf�r waren Mieten und Grundnahrungsmittel
>relativ billiger als heute.

Waren Mieten wirklich billiger?
Ist nat�rlich auch schwierig, hier zu Vergleichen weil der Standard
und die Anspr�che sich deutlich ge�ndert haben. Wenn man einem
heutigen Harz VI ler die damalige Wohnung von Goethe anb�te, w�rde der
wohl ausflippen und vor Gericht ziehen...
Von welchen Wohnverh�ltnissen bist du ausgegangen?
Was kostete denn eigentlich Brennstoff (Holz, sp�ter Kohle)?

Waren denn Grundnahrungsmittel (also jetzt ein paar einfache
Lebensmittel damit man nicht verhungert) wirlich billiger?
Ein normaler Arbeiter hat doch noch vor 100 Jahren ein betr�chtlichen
Anteil seines Einkommens f�r Essen ausgeben m�ssen, heute sind die
Kosten (in Arbeitsstunden) deutlich geringer. Ob sie jetzt auch in g
Edelmetall gerechnet billiger gewesen sind weiss ich nicht.

> Man mu� also jeweils wissen, _was_ man
>kaufkraftm��ig "vergleichen" will. Und wieviel kostet heute ein Mensch
>(aka Sklave)? In der Antike *war* diese Frage durchaus zu beantworten...

hier wurde dazu mal was geschrieben:
http://groups.google.com/group/de.sci.geschichte/browse_thread/thread/bf49f50df2305fdb/e3951637d0b55f24?hl=de&ie=UTF-8&oe=utf-8&q=%22Historische+Kaufpreise+f%C3%BCr+Haussklaven%3F%22
Diese niedrigen Preise aus dem link
(Antike:
Sklavenpreis entspricht heutigem Autopreis;
fr�hes Mittelalter:
Sklavenpreis (Sklavin 1/3 blliger) gleich Preis eines Pferdes
bzw. 300g Silber
) verwundern mich schon etwas.

Ich habe mal Sch�tzungen vernommen (kann mich nicht mehr erinnern
woher die stammten), dass Sklaven in den Amerikanischen S�dstaaten
kurz vor dem Sezessionskrieg erheblich teurer gewesen w�ren
(so als "Investitionsgut" im Wert vergleichbar mehrerer 100 000 EUR
heutiges Geld).
Stimmt denn die Gr��enordnung?

Wie waren eigentlich die kaufkraft�quivalenten Preise im sehr
sklavereifreundlichen Islamischen Kulturraum �ber die Jahrhunderte?

Hat denn der Preis bzw wirtschaftliche Wert eines Sklaven oder das
kulturelle Umfeld einen gr��eren Einfluss auf die Behandlung des
Sklaven gehabt?
Hat man seinen seine Sklaven besser behandelt als es ihrem rein
wirtschaftlichen Wert entspricht, �hnlich wie man es heute bei seinen
Haustieren macht? Wenn ich die Preise sehe hoffe ich das...

Im Geschichtsunterricht waren solche quantitativen Betrachtungen nie
Thema, schade eigentlich...

>Aber wenn es Dir lediglich um eine *grobe* Richtung geht (und es ist ja
>nur ca. 1,5 Jahrhunderte her):
>
>Ein (Vereins-)Taler war 16 2/3 g Silber (zu Deiner Zeit noch ein paar mg
>mehr: der alte 14-Taler-Fu�) - Gold�quivalent ca. 1,2 g. Rein vom
>Goldpreis her: heute 30,- EUR.
>
>So ein Vereinstaler war ja auch im Deutschen Reich ab 1871 noch
>kursg�ltig (= 3,- Goldmark; das 1-Markst�ck enthielt genau 5 g Silber).
>
>Und f�r das Deutsche Reich gibt's da eine Statistik der Kaufkraft in der
>Wiki unter "Goldmark" (gucke selber ;-). Gr��enordnungsm��ig f�r die
>Fr�hzeit des Reiches (also die 70er und 80er Jahre des 19. Jh.): 1
>Goldmark ca. 10,- EUR. Stimmt also auff�llig mit dem aktuellen Goldpreis
>�berein. :-) (Und wenn Du wei�t, da� ein Bier in der Kneipe damals 15...
>30 Pfennig kam, und heute 2,- bis 5,- EUR: BINGO!)
>
>In Deiner Zeit war die Kaufkraft aber noch h�her. Sch�tze mal bis 50,-
>EUR/Taler und Du kommst *in etwa* hin: rein _gr��enordnungsm��ig_ eben
>(+/- ca. 30%).
>
>HTH.
>
>BTW: In der Antike waren die Geldmetalle noch seltener als heute -
>speziell das Silber. Deshalb kann man ganz platt sagen, da� eine
>Athenische Tetradrachme (ca. 17 g Silber) *etwa* das war, was heute ein
>"500-Euro-Schein" w�re: "Ganz viel Geld auf einen Haufen" eben...

Ist der Edelmetallkaufkraft eigentlich ab 1500 eingebrochen als die
Spanier das ganze Gold aus der Neuen Welt abgezogen haben?

>So long...
> __
> |_
> | rank aus/(das) B(a)erl(e)in - weder richtig arm, noch wirklich sexy. ;-)


gr��e,
MS

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