In den letzten Wochen, eigentlich Monaten, konnte ich im Diskussionsforum äußerst bedenkliche Entwicklungen feststellen. Dort und auch bei mir per E-Mail schlagen immer wieder Postings von Leuten auf, die absolut Null Ahnung von dem haben, was sie da machen sollen. Häufig hört es sich so an, als ob da jemand eine Aufgabe in der Schule oder Ausbildung bekommen hat, für die er überhaupt nicht die Grundlagen hat, um sie lösen zu können. In solchen Fällen muss dann das Internet herhalten. Nur dummerweise stehen dort die Fragen auch nicht so, wie sie ursprünglich gestellt wurden. Wenn derjenige die Fachbegriffe nicht kennt, dann wird er mit Google auch nichts finden. Die Gründe, warum das sich in den letzten Wochen gehäuft hat, liegt mit Sicherheit daran, dass das Schuljahr zu Ende geht und die eine oder andere Abschlussarbeit bevorstand und noch schnell versucht wird Wissen in die Köpfe zu pumpen. So gesehen wiederholte sich das Spiel aus den letzten Jahren in diesem Jahr wieder. Ich sehe es jetzt schon kommen. Im Herbst tauchen im Elektronik-Forum dann wieder viele Auszubildende auf, die an der Elektronik verzweifeln oder sogar scheitern.
Was ich jedoch noch viel bedenklicher empfinde, das habe ich in Gespräche mit den Betroffenen, die sich per E-Mail bei mir gemeldet haben, herausgefunden. Es scheint Tatsache zu sein, dass die elektronischen Grundlagen gar nicht mehr richtig gelehrt werden. Die jungen Leute scheitern schon bei den einfachsten Fragen und Aufgaben. Und, sie sind nicht in der Lage aus einem Text, der die Antworten auf die Frage oder Begriffsdefinitionen enthält, das Wissen herauszuziehen. Sich selbst etwas beizubringen ist nichts jedermanns Sache. Doch scheinbar wird das heute in der Schule und in der Ausbildung vorausgesetzt. Die Lehrer sind aufgrund des Drucks den Lehrplan durchzupauken gar nicht in der Lage den Schüler etwas richtig beizubringen. Der Faktor Zeit ist einfach nicht vorhanden.
Scheinbar ist es auch so, dass die Lehrer die Antworten selber gar nicht wissen bzw. überhaupt nicht erklären können. Wie soll ein Schüler in der Lage sein sich eine Antwort zu suchen, wenn er die absoluten Grundlagen nicht beherrscht?
Was ich von den Schülern und Azubis, die den ELKO Newsletter lesen, wissen möchte: Wie läuft das in der Schule oder in der Ausbildung? Bekommt Ihr genug Zeit, um die Grundlagen der Elektronik zu erlernen? Und nimmt sich der Lehrer oder Ausbilder genug Zeit um seine gestellten Fragen und Aufgaben anschließend zu erläutern?
Gruss Thomas -- Meine Elektronik-Minikurse in: http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/ (Aendere "akz" mit "isi" in der Mailadresse fuer Replay!) *** 'de.sci.electronics' wurde am 07.02.2007 13 Jahre alt! ***
Auch nach aktueller Rechtschreibung bleibt die Katastrophe eine solche, die Katastrofe gibt es nur im skandinavischem Sprachraum: http://no.wikipedia.org/wiki/Katastrofe
On 29 Jun., 09:18, Bernd Laengerich <Bernd.Laenger...@web.de> wrote:
> Thomas Schaerer schrieb:
> [snip]
> Auch nach aktueller Rechtschreibung bleibt die Katastrophe eine solche, > die Katastrofe gibt es nur im skandinavischem Sprachraum:http://no.wikipedia.org/wiki/Katastrofe
In article <Xns995E5F89AD2C0AlwLookOnTBrightS...@penthouse.boerde.de>, Matthias Weingart <mwn...@pentax.boerde.de> writes:
|> Womit bewiesen wäre, das der Gebrauch die Rechtschreibung festlegt. Die |> Dudenfritzen brauchen nur ein paar Jahre, ehe sie es festmeisseln.
Mitnichten. Sonst hätten wir das da[ss|ß] schon vor langen Jahren abgeschafft und durch ein uniformes "das" ersetzt... Auch die Endsilbe -niss wäre ansonsten ratifiziert.
Und gerade das "ph" zeigt sich in gewissen Bereichen sehr resistent, auch wenn es immer wieder Versuche gibt, es komplett abzuschaffen.
Im Reichelt-Katalog gibt es so ein Unding, nämlich einen "Bargraf".
Möglicherweise geht's nur mir so, aber da denke ich an Adel im Vollsuff.
Da fällt mir wieder meine Physik-Lehrerin *sigh* in der 10. Klasse ein. Ich hasse es, Klisches aufzuwärmen, aber die Dame hatte null peil. Ein paar Auszüge aus ihrem Unterricht - das war echt grausam.
- "Das Volt wurde so definiert, dass eine Zink-Kohle-Primärzelle genau 1.5V Leerlaufpsannung hat".
- "Die Netzspannung von 225V wurde so festgelegt, da man mindestens 220V braucht um den Strom im Haus über größere Entfernungen zu bringen und ab 230V brennen die Glühbirnen durch, also nimmt man die Mitte".
- "Die Spannung einer Batterie fällt ab, weil durch chemische Prozesse im inneren eine 2. Batterie in umgekehrter Polung entsteht und sich negativ dazu addiert, das nennt man den Innenwiderstand".
Und so weiter. Eine weitere Schülergeneration fast verdorben (wäre da nicht mein korrigierender Einfluß gewesen, ich habe da fast jedem in der Klasse Nachhilfe gegeben). Bei der Definition des Volt habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Widersprich niemals deinem Lehrer - zumindest nicht, wenn der Kenntnisstand auf dem beanstandeten Gebiet knapp über dem absoluten Nullpunkt liegt.
Wolfgang Draxinger -- E-Mail address works, Jabber: hexar...@jabber.org, ICQ: 134682867
Gruss Thomas -- Meine Elektronik-Minikurse in: http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/ (Aendere "akz" mit "isi" in der Mailadresse fuer Replay!) *** 'de.sci.electronics' wurde am 07.02.2007 13 Jahre alt! ***
Ich kann immerhin auch positives berichten: mein Neffe Kristian (17, 11. Klasse) bekam von mir letztes Jahr zum Geburtstag eine kleine Spielplatine mit einem AtTiny2313 und 8 blinkenden LEDs, eine Programmierplatine sowie eine CD mit gcc & Doku.
Inzwischen macht er größerere Projekte mit AtMega32, bastelt an einem Roboter und denkt drüber nach, einen Floppyantrieb für irgendwelche Schweinereien zu benutzen. In seiner Klasse stösst sein Tun allerdings auf Unverständnis: "wie, Du programmierst selber? Das kann man doch bestimmt alles downloaden..."
> [..] > Und so weiter. Eine weitere Schülergeneration fast verdorben > (wäre da nicht mein korrigierender Einfluß gewesen, ich habe da > fast jedem in der Klasse Nachhilfe gegeben). Bei der Definition > des Volt habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Widersprich > niemals deinem Lehrer - zumindest nicht, wenn der Kenntnisstand > auf dem beanstandeten Gebiet knapp über dem absoluten Nullpunkt > liegt.
Ich hab damals im Studentenwohnheim gewohnt und Medizinstudenten bei der Prüfungsvorbereitung für's Physikum bei elektrotechnischen Fragen geholfen. An vielen Stellen lies bereits die Fragestellung auf den MC-Bögen auf ziemliche Unkenntnis schließen. Und um die richtige Antwort anzukreuzen, musste man eigentlich erstmal alles, was man von Elektrotechnik wusste, erstmal vergessen und sich auf das Halbwissen der Prüfer einstellen. Mein Vertrauen zu Ärzten ist dadurch nicht gerade verbessert worden.
> Und so weiter. Eine weitere Schülergeneration fast verdorben > (wäre da nicht mein korrigierender Einfluß gewesen, ich habe da > fast jedem in der Klasse Nachhilfe gegeben). Bei der Definition > des Volt habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Widersprich > niemals deinem Lehrer - zumindest nicht, wenn der Kenntnisstand > auf dem beanstandeten Gebiet knapp über dem absoluten Nullpunkt > liegt.
Hallo,
der Kenntnisstand des Lehrers oder des Schülers? ;-) SCNR
Am 29.06.2007, 10:08 Uhr, schrieb Rainer Buchty <buc...@atbode100.lrr.in.tum.de>:
> Im Reichelt-Katalog gibt es so ein Unding, nämlich einen "Bargraf".
Nuja, verarmter Landadel kann doch durchaus als Mixer hinterm Tresen stehen...
> Möglicherweise geht's nur mir so, aber da denke ich an Adel im Vollsuff.
Du bist da nicht allein.
Ansgar
-- Mails an die Adresse im Header erreichen mich - oder auch nicht. Nützliche Adresse gibt's bei Bedarf! Mails to the address given in the header may or may not reach me - useful address will be given when reqired!
Martin J <m...@dwf.de> wrote: > Thomas Schaerer <schae...@akz.ee.ethz.ch> wrote: > [trauriges zur heutigen Jugend] > Ich kann immerhin auch positives berichten: mein Neffe Kristian > (17, 11. Klasse) bekam von mir letztes Jahr zum Geburtstag eine > kleine Spielplatine mit einem AtTiny2313 und 8 blinkenden LEDs, > eine Programmierplatine sowie eine CD mit gcc & Doku. > Inzwischen macht er größerere Projekte mit AtMega32, bastelt an > einem Roboter und denkt drüber nach, einen Floppyantrieb für > irgendwelche Schweinereien zu benutzen.
Gruess den Neffen Kristian von mir. Ich find's super was er macht!
> In seiner Klasse stösst sein Tun allerdings auf Unverständnis: "wie, > Du programmierst selber? Das kann man doch bestimmt alles > downloaden..."
Die kleinen Opfer der materialistisch verseuchten Konsumdeppengesellschaft. Nicht die Jungen sind schuld. Ihre erwachsenen Vorbilder sind es...
Gruss Thomas -- Meine Elektronik-Minikurse in: http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/ (Aendere "akz" mit "isi" in der Mailadresse fuer Replay!) *** 'de.sci.electronics' wurde am 07.02.2007 13 Jahre alt! ***
Betrifft zwar nicht die Ausbildung in Elektronikberufen, aber:
Die Grundlagen für derartige Probleme werden schon in der Grundschule systematisch "erarbeitet"!
Dazu ein paar Beispiele aus eigener Erfahrung in Familie und Bekanntenkreis, die mir besonders ausgestoßen und daher gut in Erinnerung sind.
In 2. Klasse sollten die Kinder mal in Mathematik sich selbst einen Rechenweg aussuchen. Es wurden dazu mehrere unterschiedlich komplexe Möglichkeiten angeboten, und die Kinder mussten sich (Vorgabe des Lehrplans lt. Aussage der Lehrerin) selbst für einen entscheiden. Dabei sind Kinder in dem Alter und mit den noch sehr geringen Kenntnissen in Mathematik m.E. garnicht in der Lage, eine solche Entscheidung zu treffen, und haben sich vielfach für den kompliziertesten und fehleranfälligsten Weg entschieden. Vielmehr müsste man ihnen nach der Vorstellung verschiedener Lösungswege den einfachsten vorgeben, und natürlich auch erklären, warum der der beste ist.
Anfang der 4. Klasse sollte im Ethikunterricht ein Kurzvortrag über die Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Kirche erarbeitet werden. Mit dem vorhandenen Unterrichtsmaterial und den gemachten Aufzeichnungen war diese Ausgabe nicht mal ansatzweise zu lösen. Ich habe zu der Aufgabenstellung mal im Internet gesucht, und nur einen direkten Bezug dazu gefunden, der diese in der Klasse 8 einordnete. Um eine schlechte Note zu verhindern habe _ich_ dann recherchiert, und meinem Kind die Stichpunkte diktiert.
In einem weiteren Fall wird gerade jetzt Ende der 4. Klasse eine umfangreiche Abhandlung über ein Land unserer Erde abverlangt (Geographie, Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, ...). Weiterhin wird die Auswahl geeigneter Bilder bewertet, und es soll ein Souvenir mitgebracht werden. Jedem Schüler wurde ein Land von der Lehrerin zugewiesen, im mir bekannten Falle ist das Australien. Die Mutti hat mit ihrem Kind über 2 Wochen jeden Nachmittag mit ihrem Kind daran gearbeitet. Als Krönung des ganzen sollen die Kinder jetzt, nachdem die erarbeiteten Mappen von der Lehrerin eingesammelt wurden, noch einen Kurzvortrag über dieses Land machen.
Mit einem anderen, etwas älteren Jungen (damals 7. Klasse) habe ich mal länger über die Schule unterhalten. Er hat dort erhebliche Probleme, obwohl er doch sehr intelligent ist. Er erzählte mir, das sie in der Schule angehalten wurden, sich über das Internet ihre Informationen zu besorgen, und wie er sich das so vorstellt bzw. auch ausführt. Dabei kam heraus, das die Kinder nicht die leiseste Ahnung haben, wie man mit den gefunden Hinweisen im Bezug auf Bewertung der Inhalte, Glaubwürdigkeit und Qualität umgeht. Auch urheberrechtliche Probleme wurden nicht ansatzweise besprochen.
Vor dem Hintergrund solcher Probleme wundert es mich nicht mehr, wenn Schüler nur noch Frust schieben. Ich bin sehr wohl dafür, unsere Kinder in der Schule zu fordern, aber durch überfordern wird die Bereitschaft zum lernen nachhaltig zerstört!
> Ich hab damals im Studentenwohnheim gewohnt und Medizinstudenten bei der > Prüfungsvorbereitung für's Physikum bei elektrotechnischen Fragen > geholfen. An vielen Stellen lies bereits die Fragestellung auf den > MC-Bögen auf ziemliche Unkenntnis schließen. Und um die richtige Antwort > anzukreuzen, musste man eigentlich erstmal alles, was man von > Elektrotechnik wusste, erstmal vergessen und sich auf das Halbwissen der > Prüfer einstellen. > Mein Vertrauen zu Ärzten ist dadurch nicht gerade verbessert worden.
Hallo,
bei uns lagen damals im Studentenwohnheim medizinische Zeitschriften aus wo auch Prüfungsfragen in Multiple Choice enthalten waren. Mindestens 50 % der Fragen konnte ich mit "gesundem Technikerverstand" richtig lösen, ohne medizinische Kenntnisse.
Damals hörte ich auch eine sehr interessante Vorlesung bei einem Medizin Professor der zuerst Elektrotechnik und dann Medizin studiert hatte und an der Messung von akustisch verursachten Potentialen an der unverletzten Haut des menschlichen Schädels arbeitete. Der trug eindrucksvoll über die elektrischen, medizinischen und die Aspekte der digitalen Signalverarbeitung bei seinem Arbeitsgebiet vor.
Inzwischen kenne ich einen Arzt vom Tauchen her recht gut, der hat sich als Schüler einen Oszillograph selber gebaut.
Thomas Schaerer <schae...@akz.ee.ethz.ch> wrote: > Aber was anderes, wozu entwickelst Du bei Wasserbetten Elektronik? :-))) > http://www.dwf.de/v2/index.html <--- m...@dwf.de
Nicht bei, sondern für, und die machen noch was anderes als Wasserbetten...
> Ich kann immerhin auch positives berichten: mein Neffe Kristian > (17, 11. Klasse) bekam von mir letztes Jahr zum Geburtstag eine > kleine Spielplatine mit einem AtTiny2313 und 8 blinkenden LEDs, > eine Programmierplatine sowie eine CD mit gcc & Doku.
> Inzwischen macht er größerere Projekte mit AtMega32, bastelt an > einem Roboter und denkt drüber nach, einen Floppyantrieb für > irgendwelche Schweinereien zu benutzen. In seiner Klasse stösst > sein Tun allerdings auf Unverständnis: "wie, Du programmierst > selber? Das kann man doch bestimmt alles downloaden..."
Motto: "Wer selber macht ist selber schuld" - Argh. Das sind wohl die Leute, die auch ihre Diplomarbeit "downloaden" werden. Spaeter leben sie dann vermutlich vom Verkauf der Arbeit anderer, selber machen koennen sie ja nichts. Die Vorstellung, dass man beim Programmieren etwas lernen koennte und es sogar noch Spass macht ist da offenbar schon mit dem Weltbild nicht vereinbar ...
Michael Lange <leckm...@despammed.com> wrote: > Thomas Schaerer schrieb: >> [über katastrophale Ausbildung]
Hallo Michael,
Vielen vielen Dank fuer Deinen sehr engagierten Beitrag. Das ist bisher das wertvollste und interessanteste Posting zu dieser Thematik!
Hier geht noch meinerseits eine Kritik an die helfenden Eltern. Sie helfen sehr engagiert um den Kindern den Frust mit schlechten Noten zu ersparen. Das ist sehr lobenswert, trotzdem ganzheitlich betrachtet ist dies aber kontraproduktiv. Besser waere es, wenn die ganze Schulklasse kollektiv schlechte Noten macht. Dann naemlich muessen logischerweise die Schule - und wenn das immer wieder passiert - die Schulbehoerde und evtl. die Politiker an diesem Misstand arbeiten und die Vernunft neu einfuehren, wo sie laengst abhanden gekommen ist. Schlechte Klassen sind die Spiegel des Unterrichtssystems, - gute natuerlich auch! Das aber sollte nicht verfaelscht werden!
Es genuegt eben auch nicht wenn Elternschaften Feedbacks an die Organistionen liefern, die opft nur widerwillig umgesetzt werden. Die Elternschaften muessen ein Mitbestimmungsrecht haben/bekommen, die nicht zu weit geht, wenn diese ueber die Anstellung und Kuendigung von Lehrern und andern Behoerdemitglieder mitbestimmen.Politiker koennen weggewaehlt werden , - das heisst, es sollte wenigstens so sein!
Elternschaft ---> 'schaft' kommt von Macht, - dies nur nebenbei...
> Vor dem Hintergrund solcher Probleme wundert es mich nicht mehr, wenn > Schüler nur noch Frust schieben.
Absolut richtig.
> Ich bin sehr wohl dafür, unsere Kinder in der Schule zu fordern, aber > durch überfordern wird die Bereitschaft zum lernen nachhaltig zerstört!
Ich schliesse nicht aus, dass es damit zu tun hat, dass in den hohen Aemtern der Bildungsbehoerden doch immer wieder Leute landen, die mit Bildung, Erziehung und Paedagogik nichts am Hut haben.
Das passiert z.B. dann, wenn an hoechster Stelle der Erziehungsdirektion eines Landes/Kantons jemanden gewaehlt wird, der ein Wirtschaftprofessor von der Hochschule St.Gallen ist... Doofer geht's nimmer!
Gruss Thomas -- Meine Elektronik-Minikurse in: http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/ (Aendere "akz" mit "isi" in der Mailadresse fuer Replay!) *** 'de.sci.electronics' wurde am 07.02.2007 13 Jahre alt! ***
Okay, dann schreibe ich noch etwas "am Thema vorbei" :-P
Also, eigentlich ist die Schule dazu da, außer Wissen auch das Lernen zu lehren. Da gibt es natürlich große Unterschiede, aber unsere Kinder haben bereits in der Grundschule selbständiges Arbeiten gelernt. So gab es beispielsweise ab der dritten Klasse die Hausaufgaben immer für die ganze Woche am Montag, Freitag waren dann die Hefte abzugeben. Da lernt sich die Zeiteinteilung ganz von selbst, auch kriegen die schnell heraus, daß man zumindest die erste Stunde des Faches abwarten sollte, bevor man sich an die Aufgaben heransetzt.
Und nervige Pedanten-Lehrer sind denen inzwischen lieber als irgendwelche Wischi-Waschi-Schwätzer. Besonders gefreut hat mich seinerzeit mal die Bemerkung seiner Klassenlehrerin der vierten Klasse, die etwas angenervt bemerkte: "Da muß ich immer aufpassen, was ich sage, Jan findet aber auch jeden Fehler und korrigiert mich dann."
Die zweite ebenso wichtige Säule der Schulbildung ist das Elternhaus, in der natürlich auch entsprechend gefordert und gefördert werden muß. Es ist allzu einfach, die Schuld am Bildungsnotstand allein den Schulen anzulasten.
Weiterhin verwalten die Schulen den Notstand. Und da sage ich einfach: Steuern müssen nicht gesenkt werden, Steuern müssen bezahlt werden! (geklaut bei Volker Pispers) Weder Theo, Oskar, Hans noch Peer futtern das Geld selber auf.
Michael Baeuerle <michael.baeue...@stz-e.de> wrote: > Martin J wrote:
>> [trauriges zur heutigen Jugend]
>> Ich kann immerhin auch positives berichten: mein Neffe Kristian >> (17, 11. Klasse) bekam von mir letztes Jahr zum Geburtstag eine >> kleine Spielplatine mit einem AtTiny2313 und 8 blinkenden LEDs, >> eine Programmierplatine sowie eine CD mit gcc & Doku.
>> Inzwischen macht er größerere Projekte mit AtMega32, bastelt an >> einem Roboter und denkt drüber nach, einen Floppyantrieb für >> irgendwelche Schweinereien zu benutzen. In seiner Klasse stösst >> sein Tun allerdings auf Unverständnis: "wie, Du programmierst >> selber? Das kann man doch bestimmt alles downloaden..." > Motto: "Wer selber macht ist selber schuld" - Argh. > Das sind wohl die Leute, die auch ihre Diplomarbeit "downloaden" werden. > Spaeter leben sie dann vermutlich vom Verkauf der Arbeit anderer, selber > machen koennen sie ja nichts. Die Vorstellung, dass man beim > Programmieren etwas lernen koennte und es sogar noch Spass macht ist da > offenbar schon mit dem Weltbild nicht vereinbar ...
Besonders schlimm wird es erst, wenn Medizinstudenten Ihren Doktorhut kaufen und danach in OPs operieren. In Russland ist das ueberhaupt kein Problem. Diese Maffia scheint gut organisiert zu sein. Es beginnt damit, dass man sich fuer Schmiergeld vor Praktika druecken kann und dafuer schoene Ferien machen kann, - wenn man zu den betuchten gehoert, die wenigsten eine heruntergekommene Datscha (weiss nicht wie man das schreibt) ihr Eigentum nennen koennen. Tja, interessant wie man von solchen Machenschaften erfaehrt... ;-)
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Am 29.06.2007, 13:36 Uhr, schrieb Bernd Laengerich <Bernd.Laenger...@web.de>:
> Die zweite ebenso wichtige Säule der Schulbildung ist das Elternhaus, in > der natürlich auch entsprechend gefordert und gefördert werden muß. Es > ist allzu einfach, die Schuld am Bildungsnotstand allein den Schulen > anzulasten.
Soweit einverstanden. Was mich am allermeisten stört, ist, dass keiner die dem Schulsystem zugrundeliegenden Paradigmen hinterfragt. Das Humboldt'sche Bildungsideal hat meines Erachtens weitgehend ausgedient. Und die Schule versucht meiner Meinung nach viel zu sehr immer noch, die Schüler zu braven, angepassten Staatsbürgern zu erziehen, anstatt die Potenziale der einzelnen Kinder zu fördern und in einer Gemeinschaft zusammenzuführen, wo jeder Schüler erkennen kann: "Hey, wenn ich mein Bestes einbringe, dann funktioniert's einfach besser, und da kommen tolle Sachen dabei raus!" Wo ein gemeinsames Ziel im Mittelpunkt steht (das kann das Bezwingen einer altersgemäß komplexen mathematischen Aufgabe am Schuljahresende sein, zu der man übers Jahr eben die Bausteine zusammentragen muss, genauso wie z.B. die Analyse eines Geschichtsromans oder das Schreiben eines eigenen Werks in Deutsch, die Erforschung lokaler ökologischer Kreisläufe in Biologie, die Konstruktion eines raffinierten Geräts in Physik incl. Erarbeitung der dafür nötigen Bausteine und Gesetze...), ist die Motivation auch viel mehr da, sich zusammenzuraufen und sich zu organisieren.
> Weiterhin verwalten die Schulen den Notstand.
Wenn sie neben den Pflichten auch (v.a. Budget-)Rechte hätten und selbstständig entscheiden könnten, wäre schon viel geholfen. Dazu das Recht, auf eigene Faust Geld beizutreiben... Der Staat sollte nur eine Rahmenplanung machen und eine Grundabsicherung betreiben, sowie allgemein formulierte Lernziele vorgeben, etwa: "Nach der 4. Klasse hat ein Schüler selbstständig XYZ zu können." Auf welchem Weg und mit welchen Mitteln das erreicht wird, muss doch der Schule überlassen werden, weil die örtlichen Gegebenheiten viel zu unterschiedlich sind, um sie zentral verwalten zu können. Ein Schüler in einem Kuhdorf im Berchtesgadener Land wird sicher anders lernen als ein Großstadtkind in München oder gar Berlin. Und aus den Lebensumständen muss eine gute Schule etwas machen; daraus ihre Methoden und Werkzeuge beziehen, dann klappt das auch mit dem "Für's Leben lernen".
Und wenn das alles klappt, sind auch die Lehrer motivierter und zufriedener- weil sie nämlich ihre eigene Lebenserfahrung zusätzlich zu ihrer formalen Qualifikation besser einbringen können. Der Stresspegel sinkt, damit der Krankenstand, die Attraktivität des Lehrberufs steigt. Der Schlüssel liegt für mich in der offiziellen Integration der Alltagserfahrung in das Lehren und Lernen, anstatt nur Wissens-Gebolze. Aus eigener Erfahrung waren die Lehrer die besten, die auch außerhalb der Schule engegiert waren, und das dann geschickt in den Unterricht einbezogen haben. Wenn man das ganz offiziell fördern würde, wäre für wenig Geld viel gewonnen.
> Und da sage ich einfach: Steuern müssen nicht gesenkt werden, Steuern > müssen bezahlt werden!
Und vor allem sinvoll ausgegeben werden. Eine von Grund auf gut geplante Bildung ist die beste Geldanlage. Eine Bildung mit verfehlten Grundlagen und Zielen ist rausgeschmissenes Geld. Es wäre höchste Zeit für eine solche Neuplanung.
(Uih, da müssten die Lehrer ja mal richtig was arbeiten!)
Ansgar (selber Lehrerskind)
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> Soweit einverstanden. > Was mich am allermeisten stört, ist, dass keiner die dem Schulsystem > zugrundeliegenden Paradigmen hinterfragt. > [...] > Gesetze...), ist die Motivation auch viel mehr da, sich zusammenzuraufen > und sich zu organisieren.