diese Woche gab es bei Lidl Frostschutzmittel f�r die Scheibenwaschanlage.
Inhaltsstoffe: Alkohol, Glykol, Tenside, Duftstoff, Farbstoff
Pur h�lt das Zeug bis -60� aus, 1:1 verd�nt bis -20� und 1:2 bis -10�.
Wie kann man das nichtlineare/lineare Verhalten der Verd�nnungen erkl�ren?
fragt sich Hans
> Hallo,
>
> diese Woche gab es bei Lidl Frostschutzmittel fᅵr die
Scheibenwaschanlage.
> Inhaltsstoffe: Alkohol, Glykol, Tenside, Duftstoff, Farbstoff
>
> Pur hᅵlt das Zeug bis -60ᅵ aus, 1:1 verdᅵnt bis -20ᅵ und 1:2 bis -10ᅵ.
>
> Wie kann man das nichtlineare/lineare Verhalten der Verdᅵnnungen
erklᅵren?
>
> fragt sich Hans
Halten wir mal fest:
Wir haben kein binᅵres System (zB Wasser Ethanol) sondern ein nicht nᅵher
definiertes (mit mindestens 6 Komponenten). Was das alles fᅵr einen Unfug
anstellen kann mag ich nicht ᅵberblicken.
Betrachten wir mal ein binᅵres System bzw. dessen Phasendiagramm
bezᅵglich des ᅵbergangs fest/flᅵssig. Dieses Diagramm besteht schonmal
aus zwei Kurven (auf der x-Achse sei der Molenbruch der einen komponente
aufgetragen, auf der y-Achse die Temperatur). Diese Kurven seien
Isobaren.
Die Soliduskurve lᅵuft durch alle Punkte die Wertepaare beschreiben, an
denen gerade der erste Flᅵssigkeitstropfen beobachtet werden kann (beim
Schmelzen), die Liquiduskurve beschreibt dann die Punkte an denen gerade
der letzte Krᅵmmel schmilzt.
Unterhalb der Soliduskurve ist also alles fest. Oberhalb der
Liquiduskurve ist alles flᅵssig. Dazwischen liegen Feststoff und
Flᅵssigkeit nebeneinander vor, allerdings in Temepraturabhᅵngiger
Verteilung bezᅵglich der Stoffe (thermodynamisches Gleichgewicht, reine
Statistik).
Eine der Nichtlinearitᅵten ist die Schmelzpunkterniedrigung (die wollen
wir hier ja gerade haben....)
Bei vielen Gemischen ist es sogar so, dass es Zusammensetzungen gibt,
deren Liquidustemperatur unter den Schmelzpunkten beider
Einzelkomponenten liegt (das Minimum nennt man eutektischen Punkt).
Bei dem Frostschutzgemisch liegt ein solcher wahrscheinlich nicht vor,
allerdings wᅵre ein lineares Verhalten ziemlich ungewᅵhnlich.
Ich habe gerade keinen Eisschrank fᅵr -60ᅵC zur Hand ;-) Ansontsten
kᅵnnte man ja mal ein Schmelzdiagramm fᅵr das "pseudobinᅵre" System
Frostschutz - Wasser aufnehmen.
Patrick - warum drucken die eigentlich kein Phasendiagramm auf die
Frostschutzpulle?
Hi,
mit der Anwesenheit der Additive, die teilweise nicht in die eigentliche
"Gefriererei" eingreifen, aber eine Bildung von Eisblumen und Eis-Schlamm
verhindern bzw deren "Klebkraft" an Schl�uchen und Beh�ltern mindern, soda�
auch beim allm�hlichen Ausfallen von Wasser-Eis das Gemisch weiterhin
fl�ssig, pumpf�hig und in Grenzen waschaktiv bleibt. Es tr�bt sich dann
allerdings ein und kann die Waschd�sen verstopfen, wenn sich dort ein
Eispropf bildet, dessen Alkgehalt wieder im Schlauch zur�cklaufen kann.
Weshalb man sich entsprechend geheizte D�sen leisten sollte, wenn man sein
Gemisch nicht rechtzeitig auf lebersch�digende Werte gebracht hat.
--
mfg,
gUnther
> Patrick - warum drucken die eigentlich kein Phasendiagramm auf die
> Frostschutzpulle?
Und beim Auftausalz auch nicht. Riesenverschwᅵrung!
Gruᅵ Dieter
mit dem fehlenden Wissen ᅵber die Definition der kryoskopischen
Konstante (Gefrierpunkterniedrigungskonstante).
Die bisherigen Antworten ware exemplarisch - scnr.
Die Kryoskopische Konstante gibt an welche Gefrierpunkterniedrigung (ᅵC
oder Kelvin) ein Mol* Teilchen (Ionen oder Molekᅵle) gelᅵst in 1kg
Lᅵsemittel bewirkt.
Wir reden also ᅵber eine Konzentration von Stoffmenge/Masse.
Deine Frostschutzmittel ist als ein binᅵres System aus Ethanol und
Wasser anzusehen. Beide Reinstoffe haben deutlich unterschiedliche
Dichten - jede Mischung aus dehnen weisst Dichten grob zw. den Eckwerten
aus.
Dein Problem ist einfach nur das Du rein Volumetrisch ("Literweise")
verdᅵnnst und nicht die Masseanteile Ethanol (darᅵber die Stoffmenge)
und Wasser mit Masse zus. Wasser berᅵcksichtigst. Kann man mit den
Volumenkonzentrationen des Frostschutzes und dessen Dichte umgehen, kann
man rel. genau einen bestimmten Gefrierpunkt einstellen. Die paar %
Tenisde und Additive nebenbei machen den Braten da kaum fett.
Trᅵgt man also in einem Graphen die Stoffmenge Ethanol gelᅵst in (immer)
1 kg Wasser auf, ergibt sich eine recht gute Gerade fᅵr den Gefrierpunkt.
*Mol: 6,02*10^23 Teilchen.
--
Glᅵck Auf - Bodo Mysliwietz
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http://www.labortechniker.de/
Bodo Mysliwietz schrub:
> Tr�gt man also in einem Graphen die Stoffmenge Ethanol gel�st
> in (immer) 1 kg Wasser auf, ergibt sich eine recht gute Gerade
> f�r den Gefrierpunkt.
Wie? Also 1l Ethanol in 1l Wasser (Stoffmengen nach belieben
ausrechnen) gibt einen Gefrierpunkt von sch�tzen wir mal -20�C,
dann geben 100l Ethanol in 1l Wasser einen Gefrierpunkt
von -2000�C?
Mal abgesehen davon: Wenn so ein Stoffgemisch kalt wird, bilden
sich kleine Eiskristalle. An sich ist die L�sung in dem Sinne
vielleicht noch nicht gefrohren, aber sie ist so z�hfl�ssig,
dass sie nicht mehr durch die Scheibenwaschanlage geht und damit
ist es f�r den Kunden egal, dieses Zeug ist dann so gut wie
gefrohren.
Die Verpackungsangabe k�nnte also auch ein praktisch relevanter
Wert sein und kein physikalisch korrekter.
CU Rollo
> Die Kryoskopische Konstante gibt an welche Gefrierpunkterniedrigung (ᅵC
> oder Kelvin) ein Mol* Teilchen (Ionen oder Molekᅵle) gelᅵst in 1kg
> Lᅵsemittel bewirkt.
Aber nur fᅵr recht kleine Konzentrationen.
Gruᅵ Dieter
Du darfst gerne darᅵber nachdenken das man irgendwann auch mal davon
ausgehen kann das Wasser in Ethanol gelᅵst ist ;-)
In dem Fall zieht mn die K von Ethanol heran.
> Mal abgesehen davon: Wenn so ein Stoffgemisch kalt wird, bilden
> sich kleine Eiskristalle.
Du wirst feststellen das eine einmal hergestellte Mischung keinen festen
Schmelzpunkt hat. Ist der einmalig "berechnete" Gefrierpunkt erreicht
friert ein Teils eines Edukts aus. Damit stellt sich eine neue
Konzentration mit neuem Schmelzpunt ein. Das ganze System hat also nach
erreichen des "ersten" Schmelzpunktes einen Schmelzbereich der sich bei
forlaufendem abkᅵhlem, unter fortlaufendem ausfrieren der
"Hochschmelzkomponente" nach unten verschiebt. Irgendwann kreuzen sich
zwei Kurven, so das das Wasser im E gelᅵst ist.
> An sich ist die Lᅵsung in dem Sinne
> vielleicht noch nicht gefrohren, aber sie ist so zᅵhflᅵssig,
> dass sie nicht mehr durch die Scheibenwaschanlage geht und damit
> ist es fᅵr den Kunden egal, dieses Zeug ist dann so gut wie
> gefrohren.
Die Zunahme der Viskositᅵt ist imho nicht das Problem. Das eigentliche
Problem ist das A) die Pumpe am Behᅵlterboden wo sich das teilweise
ausgefrorenes Wassser ansammelt und B) der Effekt des Teilweise
ausfrierens natᅵrlich auch in Schlᅵuchen stattfindet. Die
Wasserkristalle verstopfen Dᅵsen. Ebenfalls verdunstet Ethanol an den
offenen Dᅵsen, so das dessen Konzentration abnimmt und die Dᅵse zufriert.
> Die Verpackungsangabe kᅵnnte also auch ein praktisch relevanter
> Wert sein und kein physikalisch korrekter.
Die Packungsangabe setzt vorallem einen Sicherheitstoeranz mit an.
Ebenfalls ist/kann die E-Konzentration schonmal schwanken. Je nach
Produkt sind es mal 90% (V/V) mal knapp 95 % (V/V). Ebenfalls ist so ein
System nicht binᅵrer Natur - es muᅵ auch das ausfrieren der anderen
Bestandteile berᅵcktsichtigt werden.
So krass sind die Abweichungen fᅵr unseren Fall auch nicht. Die E-K fᅵr
Wasser bei EtOH/h20-Gemische verlᅵuft wellig. Mann kann aber mit einer
Unsicherheit von ᅵ15% gut in unserem einfachem technischen Fall leben.
>>> Die Kryoskopische Konstante gibt an welche Gefrierpunkterniedrigung
>>> (ᅵC oder Kelvin) ein Mol* Teilchen (Ionen oder Molekᅵle) gelᅵst in
>>> 1kg Lᅵsemittel bewirkt.
>>
>> Aber nur fᅵr recht kleine Konzentrationen.
>
> So krass sind die Abweichungen fᅵr unseren Fall auch nicht. Die E-K fᅵr
> Wasser bei EtOH/h20-Gemische verlᅵuft wellig. Mann kann aber mit einer
> Unsicherheit von ᅵ15% gut in unserem einfachem technischen Fall leben.
Ich leere das Zeug immer Pi*Daumen in den Wischwasserbehᅵlter.
ᅵbrigens ist mir da bisher nur Isoprop untergekommen, EtOH ist doch
dafᅵr viel zu teuer.
Gruᅵ Dieter
Wie kommst Du auf Iso-Prop? Welcher handelsᅵblicher Frostschutz ist auf
I-Prop-basis? Imho keiner. I.d.R. bestehen diese aus ᅵberwiegend Ethanol
und geringeren Zusᅵtzen von Glykol (Ethandiol) und halt
Vergᅵllungsmitteln und Tensiden.
Ethanol ist ein billiges Industrieprodukt.
> Wie kommst Du auf Iso-Prop?
Geruch.
> Welcher handelsᅵblicher Frostschutz ist auf
> I-Prop-basis? Imho keiner. I.d.R. bestehen diese aus ᅵberwiegend Ethanol
> und geringeren Zusᅵtzen von Glykol (Ethandiol) und halt
> Vergᅵllungsmitteln und Tensiden.
Ich muss zugeben, da noch nie auf Etikett geschaut zu haben.
> Ethanol ist ein billiges Industrieprodukt.
Zweifellos, aber Isoprop ist noch billiger.
Gruᅵ Dieter
>> Wie kommst Du auf Iso-Prop?
>
> Geruch.
Oh, da lᅵsst sich die Nase, wenn man nicht wirklich Schᅵffelkundig ist
(-->div. Vergᅵllungen) schnell tᅵuschen. Ich gehe davon das Dir passiert
ist.
>> Ethanol ist ein billiges Industrieprodukt.
>
> Zweifellos, aber Isoprop ist noch billiger.
Nᅵ. Solange Du keinen absolutierten Ethanol kaufst, ist dieser gᅵnstiger
als IPA. Bei unvergᅵlltem Ethanol, auf den Steuern zu entrichten sind,
ist dies natᅵrlich nicht valide - da nimmt die Vater Staat aus.