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Saturnmonde
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rudolf.klime...@gmx.at  
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 More options Jul 14 2004, 11:40 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: rudolf.klime...@gmx.at
Date: 14 Jul 2004 08:40:36 -0700
Local: Wed, Jul 14 2004 11:40 am
Subject: Saturnmonde
Hallo Freunde!
In einem Artikel der "Wiener Zeitung" vom 11.6.2004 ("Im Bann des
Ringplaneten") habe ich gelesen, dass die beiden benachbarten
Saturnmonde Epimetheus und Janus regelmäßig ihre Orbits austauschen.
Dies ist mir einerseits völlig neu, andererseits kann ich mir nicht
vorstellen, wie ein solches Phänomen physikalisch zustande kommt. Ist
es etwa eine Zeitungsente? Kann jemand dazu etwas sagen?
Herzlichen Gruß
Rudolf

 
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Thomas Schmidt  
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 More options Jul 14 2004, 1:06 pm
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Thomas Schmidt <schm...@hoki.ibp.fhg.de>
Date: Wed, 14 Jul 2004 19:06:08 +0200
Local: Wed, Jul 14 2004 1:06 pm
Subject: Re: Saturnmonde
rudolf.klime...@gmx.at schrieb:
...
> habe ich gelesen, dass die beiden benachbarten
> Saturnmonde Epimetheus und Janus regelmäßig ihre Orbits austauschen.
> Dies ist mir einerseits völlig neu, andererseits kann ich mir nicht
> vorstellen, wie ein solches Phänomen physikalisch zustande kommt. Ist
> es etwa eine Zeitungsente?

...

Stimmt tatsächlich. Die beiden Monde umkreisen Saturn in fast
demselben Abstand: zwischen den beiden Mondbahnen liegen nur
ca. 50 km. Da die Umlaufdauer eines Mondes von dessen Abstand
zum Zentralkörper abhängt und die beiden Monde fast denselben
Abstand haben, deshalb sind auch ihre Umlaufzeiten fast gleich.

Der innere Mond ist ein kleines bisschen schneller als der
äußere, aber weil der Geschwindigkeitsunterschied sehr gering
ist, dauert ein Überholmanöver sehr lange und der innere Mond
fliegt daher sehr lange hinter dem äußeren Mond her.

Da die beiden Monde sich auch gegenseitig anziehen, bremst
der hintere Mond den vorderen während dieser ganzen Zeitspanne
ab, und der vordere Mond beschleunigt den hinteren.
Dadurch gewinnt der hintere Mond an Energie und wird auf eine
immer höhere Bahn angehoben. Der abgebremste vordere Mond
dagegen verliert Energie und sinkt auf eine niedrigere Bahn ab.
Das  geht so lange, bis der ursprünglich äußere Mond auf die
Bahn des inneren abgesunken und der ursprünglich innere Mond
auf die Bahn des äußeren aufgestiegen ist (sind wie gesagt
nur ein paar Kilometer Unterschied).

Das wiederholt sich etwa alle vier Jahre. Bei einer Umlauf-
dauer von 16.7 Stunden passiert das also etwa alle zweitausend
Umläufe. Man wird sich das wohl so vorstellen müssen, dass sich
bei jedem Überholvorgang die Bahnen ein klein wenig verändern;
es wird kein plötzliches 'Umschnappen' sein.

Übrigens betragen die Radien der beiden Monde 60 km bzw. 90 km,
so daß sie beim Überholen miteinander zusammenstoßen würden,
wenn nicht die beschriebene gravitative Wechselwirkung zwischen
ihnen im Zusammenspiel mit der Orbitalmechanik eine allzu nahe
Annäherung verhindern würde. Man darf das oben beschriebene
vereinfachte Bild der Vorgänge beim Überholvorgang also nicht
_allzu_ wörtlich nehmen, es soll nur prinzipiell eine Vorstellung
der ursächlichen Wechselwirkung vermitteln.

Ein ähnliches Phänomen gibt es auch bei Jupiter und Saturn.
Die beiden sind zwar zu weit voneinander entfernt als dass
sie ihre Bahnen vertauschen könnten (*), aber eine Zeitlang
beschleunigt Jupiter während Saturn abbremst, dann spielt sich
der Vorgang umgekehrt ab (inklusive zugehöriger Veränderung
der Bahnradien). Einmal hin und her dauert etwa 900 Jahre.

Servus,
  Thomas

(*) Glücklicherweise:
    Astronom1: "Und das Helle da hinten ist Jupiter" *hindeut*
    Astronom2: "Aber nein, heute ist das Saturn."

--
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  Thomas Schmidt                  e-mail:     schm...@hoki.ibp.fhg.de


 
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Stefan Pohlmann  
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 More options Jul 15 2004, 7:28 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Stefan Pohlmann <pohli.nospam.use...@gmx.de>
Date: Thu, 15 Jul 2004 13:28:42 +0200
Local: Thurs, Jul 15 2004 7:28 am
Subject: Re: Saturnmonde
Thomas Schmidt schrieb:

> Da die beiden Monde sich auch gegenseitig anziehen, bremst
> der hintere Mond den vorderen während dieser ganzen Zeitspanne
> ab, und der vordere Mond beschleunigt den hinteren.
> Dadurch gewinnt der hintere Mond an Energie und wird auf eine
> immer höhere Bahn angehoben. Der abgebremste vordere Mond
> dagegen verliert Energie und sinkt auf eine niedrigere Bahn ab.

Irgendwie blick ich diesen Abschnitt nicht so ganz. Was meinst du mit
vorderer und hinterer Mond?

 
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Alois Steindl  
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 More options Jul 15 2004, 10:59 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Alois Steindl <Alois.Stei...@tuwien.ac.at>
Date: 15 Jul 2004 16:59:55 +0200
Local: Thurs, Jul 15 2004 10:59 am
Subject: Re: Saturnmonde

Stefan Pohlmann <pohli.nospam.use...@gmx.de> writes:
> Irgendwie blick ich diesen Abschnitt nicht so ganz. Was meinst du mit
> vorderer und hinterer Mond?

Stell dir zwei Langstreckenläufer vor, die in einem kreisförmigen
Stadion auf zwei benachbarten Bahnen laufen: Der Läufer auf der
inneren Bahn läuft seine Runden ein klein wenig schneller als der auf
der äusseren Bahn. Bevor nun der schnellere Läufer den anderen
überrunden würde, spielt sich das von Thomas
sehr gut beschriebene Szenario ab.

Alois  
--
Alois Steindl,                  Tel.: +43 (1) 58801 / 32558      
Inst. for Mechanics II,         Fax.: +43 (1) 58801 / 32598
Vienna University of Technology,
A-1040 Wiedner Hauptstr. 8-10  


 
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rudolf.klime...@gmx.at  
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 More options Jul 15 2004, 11:39 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: rudolf.klime...@gmx.at
Date: 15 Jul 2004 08:39:44 -0700
Local: Thurs, Jul 15 2004 11:39 am
Subject: Re: Saturnmonde
Hallo Thomas!
Herzlichen Dank für die so prompte und informative Antwort zu den
beiden Saturnmonden. Das ist sehr interessant.
Herzlichen Gruß
Rudolf Klimesch

 
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Thomas Schmidt  
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 More options Jul 15 2004, 1:30 pm
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Thomas Schmidt <schm...@hoki.ibp.fhg.de>
Date: Thu, 15 Jul 2004 19:30:06 +0200
Local: Thurs, Jul 15 2004 1:30 pm
Subject: Re: Saturnmonde
Noch ein Nachtrag:

Laut diesem Artikel hier
http://curious.astro.cornell.edu/question.php?number=210

erfolgt schon bei der Annäherung beider Monde während des
Überholversuchs ein hinreichender Energieübertrag, so dass
die beiden die Bahnen tauschen können. Dadurch gerät der
bisher schnellere, aufholende Mond auf die langsamere höhere
Bahn und beginnt wieder zurückzubleiben. Es kommt demnach
nie wirklich zu einem abgeschlossenen Überholvorgang.

Betrachtet man das Ganze aus einem mitrotierenden Bezugs-
system (in dem ein einzelner Mond stillzustehen schiene),
dann beschreiben die beiden Monde jeweils einen hufeisen-
förmigen Orbit. Seite 36 in diesem pdf zeigt eine Schema-
zeichnung:
http://www.maths.qmw.ac.uk/~carl/SolarSystem/Lecture6.pdf

Die Erde und der Asteroid 3753 Cruithne befinden sich
übrigens in einem ähnlichen ko-orbitalen Verhältnis:
http://www.astro.uwo.ca/~wiegert/3753/3753.html

Tschau,
  Thomas

--
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  Thomas Schmidt                  e-mail:     schm...@hoki.ibp.fhg.de


 
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Stefan Pohlmann  
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 More options Jul 17 2004, 10:46 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Stefan Pohlmann <pohli.nospam.use...@gmx.de>
Date: Sat, 17 Jul 2004 16:46:54 +0200
Local: Sat, Jul 17 2004 10:46 am
Subject: Re: Saturnmonde
Alois Steindl schrieb:

> Stefan Pohlmann <pohli.nospam.use...@gmx.de> writes:

>>Irgendwie blick ich diesen Abschnitt nicht so ganz. Was meinst du mit
>>vorderer und hinterer Mond?

> Stell dir zwei Langstreckenläufer vor, die in einem kreisförmigen
> Stadion auf zwei benachbarten Bahnen laufen: Der Läufer auf der
> inneren Bahn läuft seine Runden ein klein wenig schneller als der auf
> der äusseren Bahn. Bevor nun der schnellere Läufer den anderen
> überrunden würde, spielt sich das von Thomas
> sehr gut beschriebene Szenario ab.

Ja, nur versteh ich genau dieses Szenario nicht, da Thomas plötzlich
nicht mehr von äußerem und innerem Mond schreibt, sondern nur noch von
hinterem und vorderem. Aber ich glaub ich hab's jetzt:
Der ursprünglich innere Mond kommt dem ursprünglich äußerem Mond immer
näher, da er ja ein bisschen schneller ist. Somit ist zu diesem
Zeitpunkt der äußere Mond auch der vordere (noch ist der schnellere ja
hinter ihm und hat ihn noch nicht überrundet). Seh ich das richtig?
So, nun schreibt Thomas:

| Da die beiden Monde sich auch gegenseitig anziehen, bremst
| der hintere Mond den vorderen während dieser ganzen Zeitspanne
| ab, und der vordere Mond beschleunigt den hinteren.

Das heißt also, der vordere und von vornherein langsamere Mond wird noch
langsamer und der hintere und von vornherein schnellere Mond wird noch
schneller, richtig?
Dann schreibt er:

| Dadurch gewinnt der hintere Mond an Energie und wird auf eine
| immer höhere Bahn angehoben.

Das versteh ich nun nicht, da der hintere Mond ja schneller wird durch
die Gravitation des vorderen Mondes. Wenn er aber noch schneller wird,
müsste er dann nicht eine tiefere Bahn einnehmen? Weil, auf tieferen
Bahnen haben Satelliten doch eine höhere Geschwindigkeit.


 
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Michael Khan  
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 More options Jul 17 2004, 10:58 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Michael Khan <mkk...@hotmail.com>
Date: Sat, 17 Jul 2004 16:58:58 +0200
Local: Sat, Jul 17 2004 10:58 am
Subject: Re: Saturnmonde

Stefan Pohlmann wrote:
> Das versteh ich nun nicht, da der hintere Mond ja schneller wird durch
> die Gravitation des vorderen Mondes. Wenn er aber noch schneller wird,
> müsste er dann nicht eine tiefere Bahn einnehmen? Weil, auf tieferen
> Bahnen haben Satelliten doch eine höhere Geschwindigkeit.

Nein, wenn ein Körper auf einer Bahn in Flugrichtung beschleunigt wird,
dann gewinnt seine Bahn an Energie. Eine Bahn höherer Energie hat eine
größere goße Halbachse (bei annähernd kreisförmigen Bahnen ist das
gleich dem Bahnradius). Das ist in der Bahnmechanik so: Wenn man einen
Körper beschleunigt, kann er sich in einer höheren Bahn widerfinden und
langsamer fliegen. Es kling paradox, aber es entspricht den Gesetzen der
Physik.

 
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Thomas Schmidt  
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 More options Jul 17 2004, 12:04 pm
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Thomas Schmidt <schm...@hoki.ibp.fhg.de>
Date: Sat, 17 Jul 2004 18:04:59 +0200
Local: Sat, Jul 17 2004 12:04 pm
Subject: Re: Saturnmonde

Michael Khan wrote:
> Stefan Pohlmann wrote:
>>Das versteh ich nun nicht, da der hintere Mond ja schneller wird durch
>>die Gravitation des vorderen Mondes. Wenn er aber noch schneller wird,
>>müsste er dann nicht eine tiefere Bahn einnehmen? Weil, auf tieferen
>>Bahnen haben Satelliten doch eine höhere Geschwindigkeit.

> Nein, wenn ein Körper auf einer Bahn in Flugrichtung beschleunigt wird,
> dann gewinnt seine Bahn an Energie. Eine Bahn höherer Energie hat eine
> größere goße Halbachse (bei annähernd kreisförmigen Bahnen ist das
> gleich dem Bahnradius). Das ist in der Bahnmechanik so: Wenn man einen
> Körper beschleunigt, kann er sich in einer höheren Bahn widerfinden und
> langsamer fliegen. Es kling paradox, aber es entspricht den Gesetzen der
> Physik.

Und das ist deshalb so, weil die Gesamtenergie eines Körpers in einer
Umlaufbahn sich aus seiner kinetischen und seiner potentiellen Energie
zusammensetzt. Die kinetische Energie hängt von seiner Geschwindigkeit
ab, die potentielle Energie hängt von seinem Abstand vom Gravitations-
zentrum ab. Wenn ich nun zwei Körper auf verschieden hohen Bahnen ver-
gleiche, dann bewegt sich der auf der höheren Bahn langsamer (Drittes
Keplersches Gesetz), hat also auch eine geringere kinetische Energie.
Er hat aber wegen seines größeren Abstands vom Gravitationszentrum eine
größere potentielle Energie als der niedrigere Körper. Rechnet man die
beiden Energiebeiträge aus, dann findet man, dass der Zuwachs an poten-
tieller Energie für den höheren Körper größer ist als sein Verlust an
kinetischer Energie. Der Körper auf der höheren Umlaufbahn hat also eine
größere Gesamtenergie als der Körper auf der niedrigeren Umlaufbahn.

Wenn ich einem Körper Energie zuführe, dann hebe ich ihn auf eine ener-
giereichere und damit höhere Umlaufbahn. Dort ist seine Geschwindigkeit
zwar geringer als vorher, seine Gesamtenergie aber größer. Wenn man genau
hinschaut, dann steht da auch nirgends explizit, er würde _schneller_
werden:

| der vordere Mond beschleunigt den hinteren.
| Dadurch gewinnt der hintere Mond an Energie und wird auf eine
| immer höhere Bahn angehoben. Der abgebremste vordere Mond
| dagegen verliert Energie und sinkt auf eine niedrigere Bahn ab.

Mit 'beschleunigen' ist hier nur 'Energie übertragen' gemeint, nicht
'schneller machen'. Eine zugegebenermaßen etwas missverständliche
Ausdrucksweise, aber ich wollte das Ganze nicht durch die Erläuterung
bahnmechanischer Details noch ausschweifender machen. Das sei hiermit
nun nachgeholt :)

Übrigens begegnen einem diese Verhältnisse z.B. auch bei einem durch
Atmosphärenreste abgebremsten und dadurch auf niedrigere Bahnen absin-
kenden Satelliten. Die Reibungsverluste zehren an seiner Gesamtenergie,
weshalb er auf niedrigere, energieärmere Bahnen übergehen muß. Seine
Bahngeschwindigkeit ist dort aber größer. Es ergibt sich also die
merkwürdige Konsequenz, dass der Satellit trotz fortwährenden Energie-
verlustes immer schneller wird.

Umgekehrt ist es beim Mond. Es wird durch Gezeitenkräfte 'beschleunigt',
d.h. diese Kräfte übertragen Energie von der Erde auf den Mond. Dadurch
wird der Mond auf eine energiereichere (höhere) Bahn gehoben; er entfernt
sich pro Jahr um ca. 3.8 cm von der Erde. Seine Umlaufgeschwindigkeit
ist dort geringer; er wird also, sofern man nur die Geschwindigkeit betrach-
tet, eigentlich abgebremst. Weil seine Energie aber insgesamt zunimmt,
spricht man trotzdem von der 'säkularen Beschleunigung des Mondes'.

Bei einem Fahrzeug, das auf ebener Strecke antriebslos dahinfährt, besteht
die Gesamtenergie nur aus der kinetischen Energie (die potentielle Energie
bleibt konstant, da das Fahrzeug immer auf derselben Höhe bleibt. Wir
haben die Freiheit, diese Höhe als Referenzhöhe für die potentielle Energie
zu wählen, dann ist die potentielle Energie stets Null).
Reibungsverluste zehren an der Gesamtenergie; der einzige Beitrag zur Gesamt-
energie ist die kinetische Energie, welche daher abnehmen muss. Entsprechend
verringert sich auch die mit der kinetischen Energie zusammenhängende Geschwin-
digkeit des Fahrzeugs, bis es schließlich stehenbleibt. In diesem Fall ohne
potentielle Energie geht der Energieverlust also mit einer Geschwindigkeits-
_verringerung_ einher, und das ist der Fall, den man aus dem Alltagsleben
gewohnt ist.

Tschau,
   Thomas

--
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   Thomas Schmidt                  e-mail:     schm...@hoki.ibp.fhg.de


 
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Stefan Pohlmann  
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 More options Jul 17 2004, 12:19 pm
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Stefan Pohlmann <pohli.nospam.use...@gmx.de>
Date: Sat, 17 Jul 2004 18:19:30 +0200
Local: Sat, Jul 17 2004 12:19 pm
Subject: Re: Saturnmonde
Michael Khan schrieb:

> Stefan Pohlmann wrote:

>>Das versteh ich nun nicht, da der hintere Mond ja schneller wird durch
>>die Gravitation des vorderen Mondes. Wenn er aber noch schneller wird,
>>müsste er dann nicht eine tiefere Bahn einnehmen? Weil, auf tieferen
>>Bahnen haben Satelliten doch eine höhere Geschwindigkeit.

> Nein, wenn ein Körper auf einer Bahn in Flugrichtung beschleunigt wird,
> dann gewinnt seine Bahn an Energie. Eine Bahn höherer Energie hat eine
> größere goße Halbachse (bei annähernd kreisförmigen Bahnen ist das
> gleich dem Bahnradius). Das ist in der Bahnmechanik so: Wenn man einen
> Körper beschleunigt, kann er sich in einer höheren Bahn widerfinden und
> langsamer fliegen. Es kling paradox, aber es entspricht den Gesetzen der
> Physik.

Genau, und weil es paradox klingt, hab ich auch solche Probleme damit,
die Sache nachzuvollziehen.
Du schreibst:

 > Das ist in der Bahnmechanik so: Wenn man einen
 > Körper beschleunigt, kann er sich in einer höheren Bahn widerfinden
 > und langsamer fliegen.

OK, übertragen auf die Monde heißt das, der ursprünglich innere und
schnellere Mond (ich nenne ihn mal Mond 1) wird vom anderen
beschleunigt, bekommt mehr Energie, nimmt eine höhere Bahn ein und wird
dadurch trotzdem langsamer.
Der ursprünglich äußere und langsamere Mond (ich nenne ihn mal Mond 2)
wird vom anderen abgebremst, verliert Energie, nimmt eine tiefere Bahn
ein und wird dadurch schneller. Aber würde denn dann überhaupt ein
Überholvorgang stattfinden? Also überholt der nun immer langsamer
werdende Mond 1 überhaupt noch den immer schneller werdenden Mond 2?


 
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Heinrich Zinndorf-Linker (zili@home)  
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 More options Jul 17 2004, 4:33 pm
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: "Heinrich Zinndorf-Linker (zili@home)" <spam-tr...@zili.de>
Date: Sat, 17 Jul 2004 22:33:31 +0200
Local: Sat, Jul 17 2004 4:33 pm
Subject: Re: Saturnmonde
Am Sat, 17 Jul 2004 18:19:30 +0200 schrieb "Stefan Pohlmann":

> > Das ist in der Bahnmechanik so: Wenn man einen
> > Körper beschleunigt, kann er sich in einer höheren Bahn widerfinden
> > und langsamer fliegen.
>OK, übertragen auf die Monde heißt das, der ursprünglich innere und
>schnellere Mond (ich nenne ihn mal Mond 1) wird vom anderen
>beschleunigt, bekommt mehr Energie, nimmt eine höhere Bahn ein und wird
>dadurch trotzdem langsamer.
>Der ursprünglich äußere und langsamere Mond (ich nenne ihn mal Mond 2)
>wird vom anderen abgebremst, verliert Energie, nimmt eine tiefere Bahn
>ein und wird dadurch schneller.

Soweit exakt. Es kommt eben nur darauf an, Winkelgeschwindigkeit und
echte Bahngeschwindigkeit nicht durcheinander zu werfen. Der "innere"
Mond hat zwar anfangs die geringere Bahngeschwindigkeit, hat aber eine
hoehere Winkelgeschwindigkeit. Im Laufe der Annaeherung kehren sich
dann eben durch die Beschleunigung/Abbremsung der beiden Monde durch
ihre gegenseitige Anziehung diese Verhaeltnisse um.

>Aber würde denn dann überhaupt ein
>Überholvorgang stattfinden? Also überholt der nun immer langsamer
>werdende Mond 1 überhaupt noch den immer schneller werdenden Mond 2?

Nein. Das ist ja das "witzige" an der Sache: Es kommt somit garnicht
zum Ueberholvorgang, da der "Ueberholversuch" vorher schon durch die
Energieuebertagung verunmoeglicht wird - und somit gibts ganz nebenbei
auch keine Kollisionsgefahr fuer die beiden beteiligten Monde.

cu, ZiLi aka HKZL (Heinrich Zinndorf-Linker)
--
"Sonntagmorgen, viertelnachdrei, mittlere Walachei.
Der Arsch ist wundgefroren, aber die Frisur hält:
All-Wetter-tough *so* muss ein Astronom aussehen!"
(Hannes Petersen in d.s.a)


 
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Thomas Schmidt  
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 More options Jul 18 2004, 7:52 am
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Thomas Schmidt <schm...@hoki.ibp.fhg.de>
Date: Sun, 18 Jul 2004 13:52:25 +0200
Local: Sun, Jul 18 2004 7:52 am
Subject: Re: Saturnmonde
Stefan Pohlmann wrote:

...

> Der ursprünglich äußere und langsamere Mond (ich nenne ihn mal Mond 2)
> wird vom anderen abgebremst, verliert Energie, nimmt eine tiefere Bahn
> ein und wird dadurch schneller. Aber würde denn dann überhaupt ein
> Überholvorgang stattfinden? Also überholt der nun immer langsamer
> werdende Mond 1 überhaupt noch den immer schneller werdenden Mond 2?

Nein, zumindest im konkreten Fall von Epimetheus und Janus kann der
Überholvorgang gar nicht beendet werden, weil der Energieaustausch
schon während der Annäherung ausreicht, um den Bahnwechsel zu bewir-
ken.

Ich bin ursprünglich davon ausgegangen, dass es durchaus Überholvor-
gänge gibt und sich deren Wirkung im Laufe der Zeit aufsummiert. So
ist es ja auch bei Jupiter und Saturn, die sich auch gegenseitig
regelmäßig auf höhere und niedrigere Bahnen heben, wobei Jupiter
den Saturn regelmäßig überholt.
Nun stellt sich aber heraus, dass im Fall Epimetheus/Janus eine ganz
spezielle Form der Resonanz vorliegt, nämlich ein Hufeisen-Orbit. In
einem solchen gibt es keine Überholvorgänge; sobald die Monde sich
einander weit genug nähern, tauschen sie auch schon die Bahnen und
entfernen sich wieder voneinander.
http://www.astro.uwo.ca/~wiegert/3753/horseshoe.gif zeigt schematisch
eine solche Bahn, betrachtet aus einem mitrotierenden Bezugssystem, in
dem der eine der beiden beteiligten Körper ruht. Der andere nähert
sich zuerst, wechselt aber bei hinreichender Nähe auf den jeweils
anderen Orbit und entfernt sich wieder. Im mitrotierenden System
beschreibt er dabei insgesamt eine hufeisenförmige Bahn.

Tschau,
   Thomas
--
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Michael Khan  
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 More options Jul 18 2004, 2:43 pm
Newsgroups: de.sci.astronomie
From: Michael Khan <mkk...@hotmail.com>
Date: Sun, 18 Jul 2004 20:43:34 +0200
Local: Sun, Jul 18 2004 2:43 pm
Subject: Re: Saturnmonde

"Heinrich Zinndorf-Linker (zili@home)" wrote:
> Soweit exakt. Es kommt eben nur darauf an, Winkelgeschwindigkeit und
> echte Bahngeschwindigkeit nicht durcheinander zu werfen. Der "innere"
> Mond hat zwar anfangs die geringere Bahngeschwindigkeit, hat aber eine
> hoehere Winkelgeschwindigkeit.

Wieso soll der innere, also etwas näher an Saturn befindliche, Mond eine
geringere Bahngeschwindigkeit haben?

 
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