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Forschung in der Biedermeierzeit: die Geschichte der Wasserleitungen

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Karl-Ludwig Diehl

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May 11, 2008, 9:16:18 AM5/11/08
to

Forschung in der Biedermeierzeit: die Geschichte
der Wasserleitungen


Wasser zu leiten, geht auf viele Arten und Weisen. Es
wird wohl davon abhängen, zu welchem Zwecke das
Wasser gelenkt wird. Geht es um Trinkwasser, das
durch Leitungen gelenkt wird, muß man nach den Ideen
unterscheiden, also für wen das Trinkwasser bestimmt
ist. Es kann für den Genuß von Pflanzen, Tieren und
Menschen an den Ort des Konsums gebracht werden.
Die Ansprüche an die Qualität des Wassers können
sehr verschieden sein. Aber es geht bei Wasserleitun-
gen nicht immer um Trinkwasserleitung, sondern es
gibt auch Wasserleitungen, die dem Verkehr auf dem
Wasser dienen oder der Energiegewinnung, die aus
der Kraft des Wassers gezogen werden kann. Es
kann auch der Kühlung, usw. dienen.

Wasser wurde und wird in offenen oder geschlossenen
Wasserleitungen transportiert. Es läßt sich durch Lei-
tungen pumpen, oder es fließt aufgrund der Wirkung der
Schwerkraft durch Leitungen abwärts. Wasser läßt sich
auch pressen, um den Druck, der dann in Wasserlei-
tungen vorhanden ist, auszunutzen. Auch die Kapillar-
wirkung läßt sich wirksam machen. Wasserleitungen
können zu einem weit verzweigten Netz ausgebildet wer-
den. Das Thema Wasserleitung, so wird deutlich, ist
ein weites Feld.

Es dürfte nicht verkehrt sein, den Begriff der Leitung ge-
nauer zu diskutieren.

Die aufsteigende Feuchtigkeit, die als Dunst zur Wolken-
bildung führt, die sich irgendwo abregnen, gelangt durch
den Regen oder den Tau auf die Erde zurück. Ein Teil
davon wird durch Pflanzen im Boden festgehalten, ein
anderer Teil sickert in den Boden ein oder fließt weitge-
hend als Oberflächenwasser ab. Es bilden sich dadurch
natürliche Wasserleitungen heraus, die unterirdisch oder
oberirdisch verlaufen. Das unterirdische Wasser quillt
an manchen Stellen aus der Erde aus und formt zusam-
men mit dem abfließenden Oberflächenwasser Rinnsale,
danach Bäche und Flüsse. Es kommt dabei auch zur
Wasserspeicherung, die unterirdisch oder über der Erd-
oberfläche erfolgt. In Pflanzen steigt das lebenswichtige
Wasser durch Wasserleitungssysteme auf. In Tier und
Mensch zirkuliert das Wasser nach Wasseraufnahme
durch Essen und Trinken. Es wird auch wieder ausge-
schieden.

Die natürliche Wasserleitung haben die Menschen im
Verlaufe der Kulturentwicklung um eine künstliche Was-
serleitung ergänzt. Sie hatten die Natur als Vorbild, und
sie diente zur Anregung für intelligente und gut erfundene
Wasserleitungen. Es entstand eine Wasserbaukunst,
welche zu kunstvollen Wasserleitungsbauten führte.
Wenn Mensch und Natur als Gegensatz in der Sprache
dastehen, lassen sich seine von ihm geschaffenen Was-
serleitungen als künstlich bezeichnen. Sieht sich der
Mensch als Teil der Natur, sind seine Wasserleitungs-
bauten natürliche Wasserleitungen.

Wollte man eine "Geschichte der Wasserleitungen" ver-
fassen, würde sich das Thema also sehr auffächern,
aber zu einer Darstellung führen, die sehr interessant
sein muß. Solche Geschichtsschreibungen sind schon
versucht worden. Sie kranken an ihrer Einseitigkeit und
Unvollständigkeit. Ein Beispiel dazu fand sich aus der
Biedermeierzeit. Der Titel des Aufsatzes lautet:

"Kurzer Abriß der Geschichte der Wasserleitungen,
mit Beifügung der Abbildung einiger in Frankreich aus-
geführten Brunnen neuerer Zeit" (1)

Das Motiv des Autors, der ungenannt blieb, als der
Text im Jahre 1836 veröffentlicht wurde, läßt sich rasch
aufspüren. Es ist ihm bewußt, daß Wasserleitungen
einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Kulturent-
wicklung darstellen, folglich muß auch eine geschicht-
liche Darstellung dieser Kulturleistung von Wert sein,
um den Überblick zu behalten, denn:

"Unter allen Bedürfnissen des Lebens ist wohl keines,
welches zu allen Zeiten und an allen Orten so drin-
gend gefühlt wird, als das fortwährende Dasein der
zum physischen Leben unentbehrlichen Menge an fri-
schem, insbesondere trinkbarem Wasser." (2)

Diese Daseinsvorsorge der unentbehrlichen Wasser-
menge geschieht durch den Wasserleitungsbau:

"Es ist dieß eine Hauptbedingung, welche bei der An-
lage menschlicher Wohnorte, besonders der Städte,
jederzeit in Erwägung gezogen wird, und wodurch die-
selbe sogar größtentheils motiviert worden ist." (3)

Das eigentliche Motiv für seinen geschichtlichen Ab-
riß ist es jedoch, seinen Aufsätzen über das Brun-
nenwesen einen Text vorzuschalten, in der die Ge-
schichte der Wasserleitungen dargestellt ist. Das
"Brunnenwesen" scheint ihm kulturell sehr hoch zu
stehen:

"Die zum öffentlichen Gebrauche erbauten allgemei-
nen Brunnen sind Gegenstände, welche einer archi-
tektonischen Ausbildung nie ermangeln sollten, in-
dem sie, wie jedes öffentliche Bauwerk, den Ge-
schmack und den Sinn für Veredlung des öffentlichen
Lebens nicht nur ihrer Baumeister, sondern auch de-
rer, die den Bau angeregt haben, vor Augen stellt."
(4)

Das Brunnenwesen mache eine eigene Wissen-
schaft aus und führe zu kunstvollen Bauanlagen, die
ein bemerkenswertes Licht auf die gestalterischen
Fähigkeiten des Menschen werfen würden. Da es sich
lohne, diese Baukunst in Aufsätzen zu behandeln,
müsse zuvor das Wasserleitungswesen abgehandelt
werden:

"Diesen Abhandlungen soll /../ ein kurzer Abriß der
Geschichte der Wasserleitungen vorausgehen" (5)

Es wurde also deutlich, was bei dem Autor zu dem
Versuch führte, einen "Abriß der Geschichte der
Wasserleitungen" zu wagen. Nun muß es darum
gehen, herauszuarbeiten, auf welche Beispiele er
seinen Abriß eingegrenzt hat und in welcher ge-
schichtlichen Verknüpfung er seine Beispiele ge-
braucht, da ja nur so der Wert seiner Arbeit ausge-
lotet werden kann. Er beginnt mit einem Rundum-
schlag:

"Schon im frühesten Alterthume setzten Herrscher
und Nazionen ihren größten Ruhm darein, dieses
unentbehrliche Lebenselement den Hauptstädten
und wichtigeren Ortschaften ihrer Länder in reichli-
cherem Maße zu verschaffen, wenn auch dieses
bei den damaligen Kenntnissen nur durch höchst
mühselige und kostspielige Bauten möglich gemacht
werden konnte." (6)

Der Satz suggeriert eine breite Kenntnis des Autors
von Wasserleitungsbauten überall auf der Welt.
Anderseits bespricht er "mühselige und kostspielige
Bauten", was eine Reduktion darstellen muß, denn
man darf sich sicher sein, daß es sehr einfache
und viele kostengünstige Wasserleitungsanlagen
gegeben hat. Die scheinen ihm aber wenig Wert
gehabt zu haben, denn er breitet danach ein Wis-
sen aus, das zu "Aquadukten" geht, die ihm offen-
sichtlich "höchst mühselige und kostspielige Bau-
ten" sind:

"Von keiner Gebäudegattung des Alterthums hat
man demnach so viele und großartige Reste aufzu-
weisen, als von solchen Aquadukten." (7)

Ein "Aquadukt" ist aber eigentlich vom Wort her nur
eine Wasserleitung. Das Wort sagt nichts darüber
aus, ob seine Herstellung kostenlos, kostengünstig
oder kostspielig war. Was er damit meint, ist aber
dies:

"Die älteste der Wasserleitungen, deren die römische
Geschichte gedenkt, ist die sogenannte Aqua Appia,
erbaut von Appius Claudius /.../; dieser folgte die so-
genannte alte Leitung des Anio, die Aqua Marcia,
Aqua Tepula, Aqua Julia, und endlich die Aqua Vir-
gio. /.../." (8)

Die Geschichte der Wasserleitungen ist also redu-
ziert auf wenige Beispiele. Er führt Aquädukte der
Römerzeit an, die anderen sind ihm der Darstellung
nicht wert, die parallel dazu oder davor weltweit
existierten. Er lobt die kunstvollen Bauten der Römer
und will Staunen machen ob der Länge der Wasser-
leitungen:

"Die totale Länge dieser neun Wasserleitungen be-
trug nach Frontin an 57 deutsche Meilen; drei Vier-
tel dieser Länge bestanden aus unterirdischen Ka-
nälen, das übrige aber aus Arkaden, welche manch-
mal eine Höhe von 17 Wiener Klaftern erreichten."
(9)

Auch würdigt er die ungeheure Wassermenge, die
in den Leitungen zu den Verbrauchern floß, dann
aber kritisiert er die Römer, die solche Wasserbau-
ten schufen:

"So prachtvoll und so großartig aber auch diese an-
tiken Konstrukzionen sein mochten, so zeigt doch
eben die Kostspieligkeit und Mühseligkeit ihrer Er-
richtung von großer Unvollkommenheit der hydrau-
lischen Kenntnisse zu diesen Zeiten, und man hielt
es durchaus für nothwendig, das Wasser vom er-
sten Ursprunge der Leitung an mit einer Neigung
beständig abwärts zu führen. Erst späteren Zeit
war es vorbehalten, die Gesetze des Gleichgewichts
und der Bewegung der Flüssigkeiten besser zu
ergründen, bis denn die Gelehrten neuerer Zeiten,
wie Galilei, welcher die Schwere der Luft entdeckte;
Torricelli, der, auf diese Erfindung gestützt, die
Lehre von den Pumpen und vom Barometer begrün-
dete; Stevin, der das Gesetz des hydrostatischen
Gleichgewichts ersann; Pascal, der diese Grund-
sätze auf die Bewegung der Flüssigkeiten übertrug;
Mariotte, der die Zusammenziehung des Strahls
beim Ausfluß aus Oeffnungen entdeckte, diese
Gesetze immer mehr vervollkommneten. Auch bis
auf unsere Zeit hat man sich mit diesem Gegen-
stande beschäftigt; wir nennen nur Dubuat, Cou-
lomb, Girard, und in neuesten Zeiten Prony."
(10)

Dieser Textabschnitt wurde deshalb exzerpiert, um
deutlich zu machen, welche Hinweise der Autor
streut, um seinem kurzen "Abriß der Geschichte
der Wasserleitungen" mehr Inhalt zu geben. Er
trug einiges zusammen, um ein Assoziationsfeld
zu schaffen. Es sind Beispiele, die einige Hinwei-
se geben, welche aber viel zu wenig aussagen
wollen. Sie verweisen undeutlich auf eine wissen-
schaftliche Forschungsentwicklung, die den Was-
serleitungsbau voranbrachte. Global gesehen,
sind es nur sehr einseitig ausgesuchte Beispiele.
Sie wurden rasch abgehandelt und danach durch
Beispiele kunstvoller Einrichtungen ergänzt, die
denen aus der Antike folgen. Im französischen Mit-
telalter schuf man ausgedehnte Wasserleitungen
zur Zeit der Herrschaft von Philipp August, um Paris
mit Wasser zu versorgen. Das geschah seit 1180
bis 1223. Unter Heinrich IV. schuf man eine "erste
hydraulische Maschine", um Wasser aus der Seine
in eine Wasserleitung zu heben. Im Jahre 1670, so
der Autor, habe man "das Pumpwerk von Notre-
Dame" gebaut. Versailles sei unter Ludwig XIV. mit
Wasserbaukunst hohen Niveaus ausgestattet wor-
den. Ein Literaturhinweis wird dazu genannt, eines
Werkes, das in Paris 1829 erschien. Es ist anzu-
nehmen, daß diesem Werke wesentliche Ge-
schichtskenntnisse des Wasserbaus entsprangen,
die der Autor anführt. Neben französischen Bei-
spielen werden excellente Wasserbauten der Neu-
zeit in Italien angeführt. Sie dürften weitgehend
zeitgleich mit den französischen Beispielen ausge-
führt worden sein. Auch deutsche und österreichi-
sche Wasserbaukünste sind angeführt, die wohl
alle "Gerstner's Mechanik" entnommen sind, die
der Autor nennt. Man gelangt zusammen mit diesen
Beispielen in eine Zeit, als bereits Dampfmaschinen
zur Hebung und zur Verteilung des Wassers in
Wasserleitungen eingesetzt wurden. Das wird ex-
plizit durch diesen Textabschnitt deutlich:

"In London, Glasgow, Edimburgh, Philadelphia be-
stehen ganze Systeme von Wasserleitungen, welche
sich alle der Dampfmaschinen, die das Heben des
Wassers mit großer Sicherheit, Leichtigkeit und
ohne viele Kosten verrichten, bedienen." (11)

Zu Beginn des 19.Jahrhunderts entfaltete sich also
eine moderne Wasserbautechnik mit einem Was-
serleitungswesen, bei dem der Einsatz der Dampf-
maschinen einen wichtigen Stellenwert einnahm.
Die Wirkung der Dampfkraft erzwang zugleich Was-
serleitungen ganz anderer Haltbarkeit, wenn Was-
ser durch Rohre geleitet wurde. Dazu wird jedoch
so gut wie nichts in dem "Abriß der Geschichte der
Wasserleitungen" ausgeführt. Man kann es nur er-
ahnen, daß es stattgefunden haben muß.

Der Abriß ist also höchst unvollständig und ver-
liert sich in Andeutungen. Umso wichtiger wird es
sein, das Thema zu verfolgen, um zu einer breit
ausgebauten Geschichte der Wasserleitungen zu
gelangen. Man darf annehmen, daß es dazu nicht
an Abhandlungen mangelt. Es wird also notwendig
sein, den Wert dieser Abhandlungen zu untersu-
chen, den sie für eine Darstellung der globalen Ent-
wicklung des Wasserleitungsbaus haben. Dieser
kleine Text aus der Biedermeierzeit kann demnach
für einen Einstieg in das Thema als sehr nützlich
angesehen werden. Denn er deutet Forschungsfel-
der an, in denen weitergesucht werden kann. Man
kann sich sicher sein, durch ihre Auswertung auf
viele weitere Forschungsfelder zu stoßen, welche
weiteres Material bieten, um eine Geschichte der
Wasserleitungen ergänzen und ausbauen zu
können.

K.L.

Dieser Text von Karl-Ludwig Diehl wurde in
http://groups.google.com/group/de.sci.architektur
zur Diskussion gestellt. Der Autor ist über folgende
Emailadresse erreichbar: baugeschichte (at) email.de

Anmerkungen:
(1) o.A.: Kurzer Abriß der Geschichte der Wasserlei-
tungen, mit Beifügung der Abbildung einiger in Frank-
reich ausgeführten Brunnen neuerer Zeit. S.435-438
in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836
(2)-(7) zitiert aus: o.A., wie vor, S.435
(8) zitiert aus: o.A., wie vor, S.435f.
(9)-(10) zitiert aus: o.A., wie vor, S.436
(11) zitiert aus: o.A., wie vor, S.437

Ralf Ballis

unread,
May 12, 2008, 9:52:49 AM5/12/08
to

"Karl-Ludwig Diehl" <space...@web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:35a5b653-fdb0-483d...@2g2000hsn.googlegroups.com...

>Forschung in der Biedermeierzeit: die Geschichte
>der Wasserleitungen

Ein wichtiger Schlüssel darin dürfte auch die Erfindung des Stoßhebers sein.

Gruß,

Ralf


Karl-Ludwig Diehl

unread,
May 12, 2008, 10:47:01 AM5/12/08
to
On 12 Mai, 15:52, "Ralf Ballis" <rb.use...@mnet-mail.de> wrote:
> "Karl-Ludwig Diehl" <spaceoff...@web.de> schrieb im Newsbeitragnews:35a5b653-fdb0-483d...@2g2000hsn.googlegroups.com...

> >Forschung in der Biedermeierzeit: die Geschichte
> >der Wasserleitungen
> Ein wichtiger Schlüssel darin dürfte
> auch die Erfindung des Stoßhebers sein.

Interessant zu wissen, daß diese Erfindung in
dem Beitrag von 1836 ausgelassen wurde, denn
dazu las ich eben:

"Die erste selbsttätige Widderpumpe wurde 1796
von dem Franzosen Joseph Michel Montgolfier
erfunden. Das erste amerikanische Patent wurde
1809 an J. Cerneau und S.S. Hallet erteilt."
aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hydraulischer_Widder

Beide Erfindungen lagen deutlich nahe an dem
Jahr 1836. Andererseits: es war ein Abriß ver-
sucht worden. Mehr dazu ist aufzuspüren.

Danke für den Hinweis.
K.L.

Harald Maedl

unread,
May 12, 2008, 3:49:26 PM5/12/08
to
Karl-Ludwig Diehl wrote:
> Forschung in der Biedermeierzeit: die Geschichte
> der Wasserleitungen
> Wasser wurde und wird in offenen oder geschlossenen
> Wasserleitungen transportiert...

> Es dürfte nicht verkehrt sein, den Begriff der Leitung ge-
> nauer zu diskutieren.

Zu der Zeit gab es auch noch nicht die Begriffsbestimmungen z.B. nach
DIN 4049-3;-)

> [Wasserkreislauf]

Sicherlich etwas simplifizierend dargestellt. Dieser Kreislauf kann in
die unterschiedlichsten Stoffkreisläufe aufgeteilt werden und zählt zu
den komplexesten Kreisläufen überhaupt, die zudem auch nur partiell
wohl verstanden sind.

> Wollte man eine "Geschichte der Wasserleitungen" ver-
> fassen, würde sich das Thema also sehr auffächern,
> aber zu einer Darstellung führen, die sehr interessant
> sein muß. Solche Geschichtsschreibungen sind schon
> versucht worden. Sie kranken an ihrer Einseitigkeit und
> Unvollständigkeit. Ein Beispiel dazu fand sich aus der
> Biedermeierzeit. Der Titel des Aufsatzes lautet:

Gerade weil jede Kultur, jedes Land und fast jede Stadt eine eigene
Geschichte der Wasserversorgung hat, kann eine solche Untersuchung nur
einen großen Bogen anhand von Einzelbeispielen spannen. Der
Wasserleitungsbau der Mayas und Inkas war wohl nicht weniger
eindrucksvoll als der der Römer.

> Das eigentliche Motiv für seinen geschichtlichen Ab-
> riß ist es jedoch, seinen Aufsätzen über das Brun-
> nenwesen einen Text vorzuschalten, in der die Ge-
> schichte der Wasserleitungen dargestellt ist. Das
> "Brunnenwesen" scheint ihm kulturell sehr hoch zu
> stehen:

Nun ja, die öffentlichen Brunnen waren sozusagen der krönende Abschluss
von zum Teil erheblichen Bemühungen, Wasser heranzuschaffen. So gesehen
sind Prunkbauten geradezu ein Muss für jeden Herrscher gewesen.
Und es ist nicht gerade witzig, dass gerade in der heutiger Zeit, das
Thema Wasserzuleitung/Wasserversorgung wieder an enormer Brisanz und
auch politischer Sprengkraft gewinnt. Es wird nicht lange dauern, dann
werden sich z.B. in Spanien Politiker damit brüsten, die ärgsten
Wassernotstände gemildert zu haben, wenn es ihnen denn überhaupt
gelingt, solche Vorhaben durchzusetzen, ohne dass in anderen Gegenden
das Wasser abgegraben wird. In Italien wachsen ähnliche Problem, dito
in Griechenland, Die Türkei hat im wahrsten Sinne vorgebaut und gräbt
durch Staudammprojekte seinen Nachbarn buchstäblich das Wasser ab. Die
Wasserknappheit in Palästina, in denen fast ausschließlich Israel
Rechte zum Brunnenbau vergibt, birgt genügend Sprengstoff und
ausreichende Basis für Konflikte. BTW der Mauerbau zu Jerusalem
erfolgte nicht rein zufällig entlang der wasserreichsten Brunnen.
Mexiko City, früher eine Wasserstadt, saugt mit seinem Wasserbedarf das
Umland leer, mit zum Teil katastrophalen ökologischen Folgen.
Die Liste ließe sich lange fortsetzen, wenn wir mal außerhalb unseres
Wasserreichtums in Deutschland und Österreich blicken.

> "Schon im frühesten Alterthume setzten Herrscher
> und Nazionen ihren größten Ruhm darein, dieses
> unentbehrliche Lebenselement den Hauptstädten
> und wichtigeren Ortschaften ihrer Länder in reichli-

> cherem Maße zu verschaffen...
> [...]


> Anderseits bespricht er "mühselige und kostspielige
> Bauten", was eine Reduktion darstellen muß, denn
> man darf sich sicher sein, daß es sehr einfache
> und viele kostengünstige Wasserleitungsanlagen
> gegeben hat. Die scheinen ihm aber wenig Wert
> gehabt zu haben, denn er breitet danach ein Wis-
> sen aus, das zu "Aquadukten" geht, die ihm offen-
> sichtlich "höchst mühselige und kostspielige Bau-
> ten" sind:

Die Wasseradern zu den großen Metropolen waren tatsächlich sehr
kostspielig und mühselig. Allein der Wasserversorgung von Paris ist ein
abenteuerliches Thema.

> "Von keiner Gebäudegattung des Alterthums hat
> man demnach so viele und großartige Reste aufzu-
> weisen, als von solchen Aquadukten." (7)
> Ein "Aquadukt" ist aber eigentlich vom Wort her nur
> eine Wasserleitung. Das Wort sagt nichts darüber
> aus, ob seine Herstellung kostenlos, kostengünstig
> oder kostspielig war. Was er damit meint, ist aber
> dies:

Er bezieht sich imho auf die römischen Aquaedukte und die waren
tatsächlich grundsätzlich kostspielig. Tatsächlich waren dort die
besten Baumeister ihrer Zeit zugange gewesen. Der Bau lag in den Händen
der höchsten Verwaltungen und Militärs.

> Auch würdigt er die ungeheure Wassermenge, die
> in den Leitungen zu den Verbrauchern floß, dann
> aber kritisiert er die Römer, die solche Wasserbau-
> ten schufen:
> "So prachtvoll und so großartig aber auch diese an-
> tiken Konstrukzionen sein mochten, so zeigt doch
> eben die Kostspieligkeit und Mühseligkeit ihrer Er-
> richtung von großer Unvollkommenheit der hydrau-
> lischen Kenntnisse zu diesen Zeiten, und man hielt
> es durchaus für nothwendig, das Wasser vom er-
> sten Ursprunge der Leitung an mit einer Neigung

> beständig abwärts zu führen....

Hier liegt der Autor eindeutig falsch, denn schon die Römer
beherrschten das Prinzip der Doppelkolbendruckpumpen, die jedoch durch
Menschen- oder Tierkraft betrieben wurden.
Ich empfehle die CD mit Animation "Vindobonda II - Wassertechnik des
antiken Wiens" vom Wiener Museum. Wenn es dich interessiert, kann ich
sie dir auch leihweise zur Verfügung stellen.

Er sieht die Leistung der Altvorderen mit der Augen seiner Zeit, in
welcher die Industrialisierung furios durch technische Errungenschaften
beflügelt wurde und unterschätzt hierbei die Leistungen der Antike.

Aus meiner Sicht, sind die römischen Aquaedukte nicht nur in der Frage
der Energieeffizienz unseren Wasserleitungen haushoch überlegen, eben
weil sie ohne Druckpumpen ausgekommen sind und die Rohrleitungssysteme
weitestgehend drucklos gefahren wurden (es gab jedoch sehr wohl
Dükerleitungen), sondern auch im Hinblick auf Haltbarkeit und
Wartungsintensität.
In solch großzügig dimensionierten Leitungsquerschnitten konnte dann
das Wasser ausgasen bzw. überschüssigen Kalk absondern. Das Wasser,
welches dann durch Verteilsysteme an den Endverbraucher gelangte, war
dadurch im Kalk-Kohlensäuregleichgewicht. Um dieses zu erreichen, muss
das Wasser heute recht umständlich über Kalkmilchzugabe oder Filtration
über entsprechende Granulate eingestellt werden.
Das Gleichgewicht ist heutzutage u.a. wichtig zum Schutz der
Rohrleitungen vor Korrosion. Und auch für die Römer war es wichtig,
dass kein aggressives Wasser durch die Bleileitungen in den
Verteilersträngen kommt. Ihnen war die sehr wohl bewusst, dass
Bleiverrohrungen gesundheitliche Schäden hervorrufen können.

Diese Verteilsysteme aus Blei besaßen standardisierte
Leitungsquerschnitte in 25 Größen mit eiförmigem Rohrdurchmesser. Davon
kamen hauptsächlich 15 Rohrdimensionen zum Einsatz. Der Querschnitt der
Verteilerleitungen reichte von einem Durchsatz von ca. 40 cbm/Tag bis
rund 4000 cbm/Tag.

Das Aquaedukt nach Wien konnte am Tag 4,3 Mio cbm Wasser ins römische
Kastell und ins Umland transportieren. Das sind Wassermengen, die auch
für heutige Zeiten nicht ganz ohne sind.


X-Post über de.sci.architektur und de.sci.ing.misc

--
Grüße
Harald

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Harald Maedl

unread,
May 13, 2008, 5:27:36 AM5/13/08
to
Ralf Kusmierz wrote:
> X-No-Archive: Yes
> begin_ quoting, Harald Maedl schrieb:

>
>> Hier liegt der Autor eindeutig falsch, denn schon die Römer
>> beherrschten das Prinzip der Doppelkolbendruckpumpen, die jedoch
>> durch Menschen- oder Tierkraft betrieben wurden.
> Bist Du Dir dessen so sicher (Belege?)? Kolbenpumpen sind nicht so
> besonders effizient - ich hätte unter den damaligen Bedingungen stets
> Archimedische Schrauben zum Wasserheben verwendet.

Ja, da bin ich sicher, z.B.
http://www.deutsches-museum.de/sammlungen/maschinen/kraftmaschinen/wasserkraft/kolbenpumpen/doppelkolbenpumpe-um-300-nchr/.
Es wurden afair insgesamt acht solcher Brunnenpumpanlagen gefunden.
Kolben, Zylinder, Steigleitungen wurden aus Eichenholz
herausgearbeitet, die mittels Blei und Leder abgedichtet wurden. Als
Rückschlagventile für Druck- und Saugseite wurden beschwerte
Lederlappen verwendet. Die durchschnittliche Förderhöhe betrug afair um
die 20 mtr. Die Förderleistung betrug rund 100ltr/per 40 Doppelhübe.
Windkessel waren ebenso bekannt.
Ebenso gibt es Belege über das Feuerlöschwesen, wo ebenso solche
Kolbenpumpen zum Einsatz gekommen sein sollen.

>> ... Aus meiner Sicht, sind die römischen


>> Aquaedukte nicht nur in der Frage der Energieeffizienz unseren
>> Wasserleitungen haushoch überlegen, eben weil sie ohne Druckpumpen
>> ausgekommen sind und die Rohrleitungssysteme weitestgehend drucklos
>> gefahren wurden (es gab jedoch sehr wohl Dükerleitungen), sondern
>> auch im Hinblick auf Haltbarkeit und Wartungsintensität.

> Metall, zum Bau druckfester dauerbeständiger Leitungen unabdingbar,
> war bis in die Neuzeit so außerordentlich teuer, daß es vorstellbar
> ist, daß es tatsächlich günstiger war, ein steinernes Aquädukt zu
> errichten als eine "Pipeline" größeren Querschnitts zu verlegen. Aber
> technische Vorteile sehe ich eher nicht.

Die Bauwerke haben, wenn sie nicht bewusst zerstört worden sind,
mehrere hundert Jahre gehalten. Und wenn ich mir das zum Teil marode
Leitungssystem in Deutschland ansehe, dann möchte ich Zweifel anmelden.
Von den Abwasserleitungen möchte ich erst gar nicht anfangen zu reden.
Letztlich liegt in dem Unterhalt der Grund, warum Kommunen immer mehr
zu privatisieren versuchen.

> (Ein neueres, ebenfalls höchst imposantes hydraulisches Projekt: Der
> Bau der Odertalsperre mit dem Rehberger Graben im Harz als
> Energiequelle...

Interessante Infos, die ich mir mal näher anschauen werde.

>> [Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht]
> Das wäre nicht wesentlich anders gewesen, wenn einige Abschnitte von
> einigen hundert Metern Länge der insgesamt oft mehrere zehn Kilometer
> langen "Wasserleitungen"
> (<http://de.wikipedia.org/wiki/Eifelwasserleitung> Gesamtlänge über
> hundert Kilometer) als Druckrohre ausgeführt worden wären.

Nun ja, sie haben halt den Effekt bekommen, ob sie ihn nun haben
wollten oder nicht.

>> Das Gleichgewicht ist heutzutage u.a. wichtig zum Schutz der
>> Rohrleitungen vor Korrosion. Und auch für die Römer war es wichtig,
>> dass kein aggressives Wasser durch die Bleileitungen in den
>> Verteilersträngen kommt. Ihnen war die sehr wohl bewusst, dass
>> Bleiverrohrungen gesundheitliche Schäden hervorrufen können.

> Kannst Du das belegen? Aufgrund der nachgewiesenen Bleivergiftungen
> scheint ihnen das gerade nicht bewußt gewesen zu sein.

Vitruv: "De Architectura, VI 10-11)("Zehn Bücher über Architektur")
"Leitungen aus Tonröhren haben folgende Vorteile: Erstens, wenn
irgendein Schaden an der Leitung eintritt, kann jeder ihn ausbessern.
Auch ist Wasser aus Tonröhren gesünder als das durch Bleiröhren
geleitete, denn das Blei scheint deshalb gesundheitsgefährlich zu sein,
weil aus ihm Bleiweiß entsteht. Dies aber soll dem menschlichen Körper
schädlich sein. Wenn nun das, was aus ihm entsteht, schädlich ist, kann
es auch selbst zweifellos der Gesundheit nicht zuträglich sein...
Daher scheint es ganz und gar nicht gut, daß man Wasser durch
Bleiröhren leitet, wenn wir der Gesundheit zuträgliches Wasser haben
wollen. Und daß der Geschmack des Wassers aus Tonröhren besser ist,
kann schon die alltägliche Lebensgewohnheit zeigen, weil alle, auch
wenn sie mit Silbergeschirr reich gedeckte Tische haben, dennoch
Tongeschirr verwenden, weil bei seihnem Gebrauch der Geschmack nicht
beeinträchtigt wird."


>> Diese Verteilsysteme aus Blei besaßen standardisierte
>> Leitungsquerschnitte in 25 Größen mit eiförmigem Rohrdurchmesser.
>> Davon kamen hauptsächlich 15 Rohrdimensionen zum Einsatz. Der
>> Querschnitt der Verteilerleitungen reichte von einem Durchsatz von
>> ca. 40 cbm/Tag bis rund 4000 cbm/Tag.

> Eifelwasserleitung: 20.000 m^3/d - das sind über 200 l pro Sekunde!

Moment, ich sprach von Verteilerleitung zum Endverbraucher und nicht
von Fernleitungen

>> Das Aquaedukt nach Wien konnte am Tag 4,3 Mio cbm Wasser ins römische

^^^^^
Muss heißen: 4,3 Mio ltr

Karl-Ludwig Diehl

unread,
May 13, 2008, 9:26:05 AM5/13/08
to
On 12 Mai, 21:49, Harald Maedl <harald.ma...@gmx.de> wrote:

> Karl-Ludwig Diehl wrote:
> > Es dürfte nicht verkehrt sein, den Begriff der Leitung ge-
> > nauer zu diskutieren.
> Zu der Zeit gab es auch noch nicht die
> Begriffsbestimmungen z.B. nach
> DIN 4049-3;-)
> > [Wasserkreislauf]

Als Exzerpt für eine Diskussion darf sie zitiert
werden, wenn die genaue Stelle im Buch angegeben
wird.

> Sicherlich etwas simplifizierend dargestellt.
> Dieser Kreislauf kann in
> die unterschiedlichsten Stoffkreisläufe
> aufgeteilt werden und zählt zu
> den komplexesten Kreisläufen überhaupt,
> die zudem auch nur partiell
> wohl verstanden sind.

Das wird wohl so sein. Andererseits hilft es
natürlich weiter, wenn bei solchen Aussagen
immer auf die Literatur verweisen wird, die
dazu anfangs den Denkinhalt beisteuerte, also
von wo aus weitergedacht wurde. Es sei denn,
Du rekurrierst ganz auf Dein eigens Denken, was
ja nur zu loben ist.

Ich denke, dieses Netz aus natürlichen und
künstlichen Wasserleitungen darf man ruhig
genauer ausführen, auch schon deswegen, um
immer neue Beispiele sammeln zu können und
um in der Definitinssache, also was alles
als Leitung verstanden werden kann, weiter-
zukommen. Speicherung als Eis und die Aus-
schöpfung alle Aggregatszustände, sowie die
Beimischung mit anderen Substanzen und die
späteren Trennungs- oder Verdünnungsvorgänge
dürften in dem Kreislaufsystem sicher inter-
essante Formen annehmen. Bleibt man zunächst
bei den ganzen einfachen künstlichen Leitungen,
ist das natürlich schon komplex genug.

> > Wollte man eine "Geschichte der Wasserleitungen" ver-
> > fassen, würde sich das Thema also sehr auffächern,
> > aber zu einer Darstellung führen, die sehr interessant
> > sein muß. Solche Geschichtsschreibungen sind schon
> > versucht worden. Sie kranken an ihrer Einseitigkeit und
> > Unvollständigkeit. Ein Beispiel dazu fand sich aus der
> > Biedermeierzeit. Der Titel des Aufsatzes lautet:
> Gerade weil jede Kultur, jedes Land
> und fast jede Stadt eine eigene
> Geschichte der Wasserversorgung hat,
> kann eine solche Untersuchung nur

> einen großen Bogen anhand von Einzelbei-


> spielen spannen. Der
> Wasserleitungsbau der Mayas und Inkas
> war wohl nicht weniger
> eindrucksvoll als der der Römer.

Daß immer nur auf Beispiele verweisen werden
kann, ist wohl das Schicksal der Belegkultur
bei einer Geschichtsschreibung des Wasserleitungs-
baus. Andererseits gibt es daneben die Sammlung,
in die alles, verwertbar gehalten, eingehen kann.
Da kann dann alles rein.

> > Das eigentliche Motiv für seinen geschichtlichen Ab-
> > riß ist es jedoch, seinen Aufsätzen über das Brun-
> > nenwesen einen Text vorzuschalten, in der die Ge-
> > schichte der Wasserleitungen dargestellt ist. Das
> > "Brunnenwesen" scheint ihm kulturell sehr hoch zu
> > stehen:
> Nun ja, die öffentlichen Brunnen waren
> sozusagen der krönende Abschluss
> von zum Teil erheblichen Bemühungen,
> Wasser heranzuschaffen. So gesehen
> sind Prunkbauten geradezu ein Muss
> für jeden Herrscher gewesen.

Der Witz ist, daß natürlich jede Ansiedlung
und jedes Dorf oder jede Stadt auch bei
Selbstverwaltung, also einer demokratischen
Herrschaft, zu interessanten Wasserbauten
gelangen kann. Der "Herrscher" sagt als Wort
auch Patriarchat oder Matriarchat, o.ä.
Die Sache gewinnt dadurch an mehr Gehalt.

> Und es ist nicht gerade witzig, dass
> gerade in der heutiger Zeit, das
> Thema Wasserzuleitung/Wasserversorgung
> wieder an enormer Brisanz und
> auch politischer Sprengkraft gewinnt.
> Es wird nicht lange dauern, dann
> werden sich z.B. in Spanien Politiker
> damit brüsten, die ärgsten
> Wassernotstände gemildert zu haben, wenn
> es ihnen denn überhaupt
> gelingt, solche Vorhaben durchzusetzen,
> ohne dass in anderen Gegenden
> das Wasser abgegraben wird.

Ich denke, dieser Vorgang findet schon seit einiger
Zeit statt. In Californien spitzen sich die
Probleme auch zu. Man diskutiert das im politischen
Raum ganz gewiß, und zwar im Zusammenhang mit der
Klimapolitik. Es sollen ja bestimmte Gebiete extrem
heiß werden, wenn die Erderwärmung so weitergeht.

> In Italien wachsen ähnliche Problem, dito
> in Griechenland, Die Türkei hat im wahrsten
> Sinne vorgebaut und gräbt
> durch Staudammprojekte seinen Nachbarn
> buchstäblich das Wasser ab. Die
> Wasserknappheit in Palästina, in denen
> fast ausschließlich Israel
> Rechte zum Brunnenbau vergibt, birgt
> genügend Sprengstoff und
> ausreichende Basis für Konflikte.

Du nennst viele Beispiele für den
Konfliktbereich ausreichende Wasserversorgung.
Aber bleiben wir lieber bei der Wasserleitung
als solcher, um Beispiele anzuführen.

> > "Schon im frühesten Alterthume setzten Herrscher
> > und Nazionen ihren größten Ruhm darein, dieses
> > unentbehrliche Lebenselement den Hauptstädten
> > und wichtigeren Ortschaften ihrer Länder in reichli-
> > cherem Maße zu verschaffen...
> > [...]
> > Anderseits bespricht er "mühselige und kostspielige
> > Bauten

> Die Wasseradern zu den großen Metropolen
> waren tatsächlich sehr
> kostspielig und mühselig. Allein der
> Wasserversorgung von Paris ist ein
> abenteuerliches Thema.

Vermutlich ist das deshalb in dem Aufsatz
aus der Biedermeierzeit angeführt.

> Aus meiner Sicht, sind die römischen
> Aquaedukte nicht nur in der Frage

> der Energieeffizienz unseren Wasser-


> leitungen haushoch überlegen, eben
> weil sie ohne Druckpumpen ausgekommen
> sind und die Rohrleitungssysteme

> weitestgehend drucklos gefahren wurden /.../

Das kann ich nicht beurteilen. Ralf sagt
dazu einiges an Kritik.
K.L.

Karl-Ludwig Diehl

unread,
May 13, 2008, 9:32:24 AM5/13/08
to
On 13 Mai, 00:30, Ralf Kusmierz <m...@privacy.invalid> wrote:
> Metall, zum Bau druckfester dauerbeständiger
> Leitungen unabdingbar,
> war bis in die Neuzeit so außerordentlich
> teuer, daß es vorstellbar
> ist, daß es tatsächlich günstiger war,
> ein steinernes Aquädukt zu
> errichten als eine "Pipeline" größeren
> Querschnitts zu verlegen. Aber
> technische Vorteile sehe ich eher nicht.

Hm. Ist das belegbar? Einen Steinbruch zu
betreiben, darin Steine zu gewinnen, die
für den Aquäduktbau zu gebrauchen waren,
war vielleicht alles andere als günstig im
Vergleich zur Metallgewinnung und -bearbeitung.
Man müßte nur wissen, ab wann. Im 18.Jahrhundert
dürfte vielleicht schon das Metall leichter
und in größeren Mengen zu gewinnen gewesen
sein.

Aber wie im Vergleich sehen können? Mir
fehlen derzeit solche Vergleichsmöglichkeiten.
Literatur dazu wäre auszuwerten.
K.L.

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Karl-Ludwig Diehl

unread,
May 14, 2008, 9:41:46 AM5/14/08
to
Ralf Kusmierz <m...@privacy.invalid> wrote:
> Karl-Ludwig Diehl schrieb:

>
> >> Metall, zum Bau druckfester dauerbeständiger
> >> Leitungen unabdingbar,
> >> war bis in die Neuzeit so außerordentlich
> >> teuer, daß es vorstellbar
> >> ist, daß es tatsächlich günstiger war,
> >> ein steinernes Aquädukt zu
> >> errichten
> > Hm. Ist das belegbar?
> Die Produktivität läßt sich belegen.

Vermutlich. Im Vergleich sind mir zwar schon
Angaben in der Literatur begegnet, aber ich
kann die Werte den Epochen nicht mehr zuordnen.

> > Einen Steinbruch zu
> > betreiben, darin Steine zu gewinnen, die
> > für den Aquäduktbau zu gebrauchen waren,
> > war vielleicht alles andere als günstig im
> > Vergleich zur Metallgewinnung und -bearbeitung.

> Ich würde die Produktionsleistung
> eines Steinbrucharbeiters auf ca.
> 10-50 t im Jahr schätzen (woran sich dann
> natürlich noch
> Steinmetzarbeit und Transport anschlossen).
> Der Bergmann baute dagegen
> in dieser Zeit nur wenige Tonnen
> Gestein ab, aus denen maximal einige
> zehn Kilogramm Metall gewonnen werden konnten.

Das klingt anschaulich.

> 10 t behauene Steine am Bauplatz für den
> Bau im Tausch gegen ein
> Kilogramm Kupfer oder Blei könnte
> ein faires Geschäft gewesen sein.

Sicher. Nur muß das tonnenschwere Zeug
auch noch zur Baustelle. Aber egal.
Die Rechnungen, die Du aufmachst werden
sich wohl belegen lassen. Andererseits
sind Aquädukte auch imposante Wasserbauten,
mit denen Politiker damals viel mehr her-
machen konnten, wenn sie sich ein Denkmal
setzten, als durch eine Wasserleitung, die
aus Metallröhren besteht und unterirdisch
verläuft.

Zur Veränderung der Werte:


> > Man müßte nur wissen, ab wann. Im 18.Jahrhundert
> > dürfte vielleicht schon das Metall leichter
> > und in größeren Mengen zu gewinnen gewesen
> > sein.

> Ab der Zeit verfiel der Metallpreis, der jahrtausendelang konstant
> hoch war, dann auch rapide. Und der Grund war natürlich die
> industrielle Produktion, vor allem nach der Erfindung der
> Dampfmaschine.

Ja. Wasserhebung war im Bergbau endlich besser
möglich, usw.

> > Aber wie im Vergleich sehen können?

> Dazu dürfte es reichlich Material geben. Lies doch mal de re
> metallica.

Wenn ich Zeit finde, sicherlich. Ich
bin ausgelastet.
K.L.

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